{"id":465703,"date":"2025-10-01T21:13:12","date_gmt":"2025-10-01T21:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/465703\/"},"modified":"2025-10-01T21:13:12","modified_gmt":"2025-10-01T21:13:12","slug":"verteidigung-in-europa-kretschmanns-letzte-wichtige-reise-schwankt-zwischen-gedenken-und-aufruestung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/465703\/","title":{"rendered":"Verteidigung in Europa: Kretschmanns letzte wichtige Reise schwankt zwischen Gedenken und Aufr\u00fcstung"},"content":{"rendered":"<p>Im Elsass begibt sich Ministerpr\u00e4sident Kretschmann in einen Spagat \u2013 zwischen Erinnerung an die Schrecken des Ersten Weltkriegs und der neuen Bedrohung durch Putin.<\/p>\n<p>Es sind diese Bilder, die sich aus Geschichtsb\u00fcchern und Filmen in das kollektive Ged\u00e4chtnis Deutschlands und Frankreichs eingebrannt haben: Sch\u00fctzengr\u00e4ben, Granatexplosionen, erbitterte K\u00e4mpfe Mann gegen Mann. Am Hartmannswillerkopf in den S\u00fcdvogesen wurden die Schrecken des Ersten Weltkriegs offenbar. \u201eMenschenfresserberg\u201c wird der Gipfel genannt. Tausende fanden an den H\u00e4ngen in einem zerm\u00fcrbenden Stellungskrieg vor allem 1915 den Tod. Im Besucherzentrum beschreibt eine Tonaufnahme von Zeitzeugen, wie Deutsche und Franzosen den hart umk\u00e4mpften Gipfel in den S\u00fcdvogesen mit Seilbahnen, Artillerie und mit Flammenwerfern zu erobern versuchten: eine Materialschlacht \u2013 teils f\u00fcr wenige Meter Gel\u00e4ndegewinn.<\/p>\n<p>Kretschmanns letzte wichtige Auslandsreise <\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass die letzte wichtige Auslandsreise Ministerpr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Winfried_Kretschmann\" title=\"Winfried Kretschmann\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Winfried Kretschmann<\/a> (Gr\u00fcne) ausgerechnet hierher f\u00fchrt. Krieg und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Verteidigung\" title=\"Verteidigung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verteidigung<\/a> sind Themen, die seine letzte Amtszeit seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine begleiten. Der Erste Weltkrieg zeige, wohin Nationalismus und Hass f\u00fchrten, sagte er am franz\u00f6sisch-deutschen Nationaldenkmal: \u201eZum Krieg, wie wir es jetzt wieder erleben m\u00fcssen durch den imperialistischen Krieg Russlands in der Ukraine.\u201c Am Abend zuvor hatte er \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Wladimir_Putin\" title=\"Wladimir Putin\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> gesagt: \u201eWir sehen an den Provokationen, die wir jetzt erlebt haben: Er hat nicht nur die Ukraine im Auge. Er will mehr.\u201c F\u00fcr Kretschmann ist klar: Europa muss sich verteidigungsf\u00e4hig machen.<\/p>\n<p>Drei Tage lang reiste der Ministerpr\u00e4sident diese Woche durch die Grenzregionen in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Frankreich\" title=\"Frankreich\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich<\/a> und der Schweiz. Dass es ausgerechnet Frankreich und die Schweiz sind, ist kein Zufall. Es waren immer die direkten Nachbarn, in denen er in 14 Jahren Regierungszeit eine besondere Bedeutung beima\u00df. Die deutsch-franz\u00f6sische Freundschaft liegt Kretschmann besonders am Herzen. Gerade in den Grenzr\u00e4umen m\u00fcsse man zeigen, dass Europa einen Mehrwert hat. <\/p>\n<p>Kretschmanns Familiengeschichte ist mit dem Ort verbunden <\/p>\n<p>Am Hartmannswillerkopf hat der Ministerpr\u00e4sident am Dienstag eine pers\u00f6nliche Geschichte dabei. Erst vor wenigen Jahren habe seine Familie herausgefunden, dass der Bruder der Gro\u00dfmutter seiner Frau an dem Berg gefallen ist. Sp\u00e4ter nimmt der Krieg der Frau auch noch den Ehemann, erz\u00e4hlt er. Der Erste Weltkrieg sei der industrialisierte Krieg \u201emit bis dahin unbekannten Gefallenenzahlen\u201c. <\/p>\n<p>Wenige Stunden sp\u00e4ter ein harter Schnitt vom Gedenken zur Gegenwart: Die Materialschlacht ist wieder Thema. \u201eDas macht <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Russland\" title=\"Russland\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> wieder\u201c, sagt Kretschmann mit Blick auf die Drohnenangriffe in der Ukraine an einem Pult im Institut franco-allemand de Saint-Louis (ISL). Das Institut wurde 1959 gegr\u00fcndet, finanziert wird es von den Verteidigungsministerien Deutschlands und Frankreichs \u2013 um Technologien f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte zu entwickeln. Die Forscher arbeiten an Fragen, die angesichts der Bilder aus der Ukraine hochaktuell sind. Wie lassen sich Drohnenschw\u00e4rme abwehren? Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, selbst <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Drohne\" title=\"Drohnen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drohnen<\/a> im Verbund zu steuern? Was sind g\u00fcnstige Alternativen, um Drohnen unsch\u00e4dlich zu machen? Die Delegation bekommt eine Hochgeschwindigkeitskanone zu sehen, die Geschosse mit 3000 Metern pro Sekunde abfeuert \u2013 schneller als ein Leopard-Panzer, hei\u00dft es. <\/p>\n<p>Wie eng k\u00f6nnen Deutschland und Frankreich zusammenarbeiten? <\/p>\n<p>\u201eUnsere Arbeit ist so aktuell wie nie\u201c, sagt Bernd Fischer, Vizepr\u00e4sident und Abteilungsleiter am ISL. Das Institut betreibt Grundlagenforschung, arbeitet eng mit anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie zusammen. Auf franz\u00f6sischer Seite sind das gro\u00dfe Universit\u00e4ten wie Stra\u00dfburg, auf deutscher Seite Fraunhofer Institute in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Baden-W%C3%BCrttemberg\" title=\"Baden-W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> und das Bildungszentrum der Bundeswehr. Zu den Industriepartnern geh\u00f6ren Diehl oder Airbus Defence. <\/p>\n<p>Was auff\u00e4llt: Universit\u00e4ten aus dem S\u00fcdwesten fehlen in der Aufz\u00e4hlung. Es gebe Ber\u00fchrungspunkte, die ausbauf\u00e4hig seien, deutet Fischer an und \u00e4u\u00dfert einen Wunsch: Warum nutze man das ISL nicht als Br\u00fcckenkopf f\u00fcr deutsch-franz\u00f6sische Projekte? <\/p>\n<p> Langj\u00e4hriger Austausch <\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t Stuttgart, Peter Middendorf, stellt sp\u00e4ter klar: Es gebe durchaus einen langj\u00e4hrigen fachlichen Austausch zum Thema Hyperschallforschung mit dem ISL. Das l\u00e4sst aufhorchen. Denn das ist das Fachgebiet, dass ein wichtiges Kernst\u00fcck des von der Landesregierung anvisierten Innovationscampus f\u00fcr Sicherheit und Verteidigung werden soll. <\/p>\n<p>Den Innovationscampus hatte Kretschmann im Juli angek\u00fcndigt. Es soll das f\u00fcnfte Netzwerk von Forschungseinrichtungen unter diesem Titel sein. Mehr als den Grundstein wird die jetzige Koalition nicht legen k\u00f6nnen. 6,4 Millionen Euro aus EU-Mitteln steht f\u00fcr die Anschubfinanzierung zur Verf\u00fcgung. An der Uni Stuttgart soll damit ein Hyperschallkanal gebaut werden. Darin kann die Atmosph\u00e4re auf dem Mars simuliert, aber auch Antriebskonzepte f\u00fcr Gro\u00dfraketen getestet werden.<\/p>\n<p>In Saint-Louis erkl\u00e4rt Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Gr\u00fcne), worum es geht bei der Idee. F\u00fcr die Verteidigung relevante Forschung habe bislang h\u00e4ufig isoliert stattgefunden. Die Vernetzung untereinander sei begrenzt gewesen. Das will man \u00e4ndern. Beteiligen sollen sich Hochschulen wie die Uni Stuttgart und das Karlsruher KIT, aber auch Fraunhofer Institute. Eine grenz\u00fcberschreitende Kooperation w\u00fcrde wohl gut ins Konzept passen. <\/p>\n<p>F\u00fcr feste Vereinbarungen, wie sie tags zuvor am Quantenforschungszentrum der Uni Stra\u00dfburg mit dem Innovationscampus Quantum BW unterzeichnet wurde, ist es noch zu fr\u00fch. Aber auch von Kretschmann wird klar formuliert: In der Verteidigungswirtschaft suche das Land europ\u00e4ische Partner, \u201edie unsere Werte teilen und f\u00fcr sie einstehen.\u201c\u00a0Oder wie er es fasst: \u201eDas Schicksal von Europa hei\u00dft Kooperation.\u201c <\/p>\n<p> Kretschmanns letzte wichtige Auslandsreise <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Wichtige Nachbarn <\/strong><br \/>\u00a0Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann betont stets die Bedeutung von Frankreich und der Schweiz. In seiner Amtszeit war der 77-J\u00e4hrige zehn Mal auf Dienstreise in der Schweiz und neun Mal in Frankreich. Es ist die voraussichtlich letzte wichtige Auslandsreise vor der Landtagswahl. Ob der Ministerpr\u00e4sident danach noch Abschiedsbesuche im Ausland macht, steht noch nicht fest. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Quantenforschung<\/strong><br \/>\u00a0Am Montag besuchte Kirchenfan Kretschmann nicht nur das Stra\u00dfburger M\u00fcnster, sondern auch das Quantenforschungszentrum der Uni Stra\u00dfburg. Dort wurde eine Zusammenarbeit zwischen mit dem vom Land initiierten Innovationscampus Quantum BW vereinbart. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong> Luft- und Raumfahrttechnik <\/strong><br \/>Am Mittwoch besuchte die Delegation das Luft- und Raumfahrtzentrum in Z\u00fcrich, wo M\u00f6glichkeiten zur Zusammenarbeit in Wissenschaft und Industrie ausgelotet wurden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Elsass begibt sich Ministerpr\u00e4sident Kretschmann in einen Spagat \u2013 zwischen Erinnerung an die Schrecken des Ersten Weltkriegs&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":465704,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[23058,331,332,1634,12711,46913,548,663,158,3934,3935,156,13,14,15,4562,307,12,4961,11980,306],"class_list":{"0":"post-465703","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-abwehr","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-baden-wuerttemberg","12":"tag-deutsch-franzoesische-freundschaft","13":"tag-elsass","14":"tag-eu","15":"tag-europa","16":"tag-europaeische-union","17":"tag-europe","18":"tag-european-union","19":"tag-frankreich","20":"tag-headlines","21":"tag-nachrichten","22":"tag-news","23":"tag-reise","24":"tag-russland","25":"tag-schlagzeilen","26":"tag-verteidigung","27":"tag-winfried-kretschmann","28":"tag-wladimir-putin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115300978136681776","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/465703","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=465703"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/465703\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/465704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=465703"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=465703"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=465703"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}