{"id":466667,"date":"2025-10-02T06:01:17","date_gmt":"2025-10-02T06:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/466667\/"},"modified":"2025-10-02T06:01:17","modified_gmt":"2025-10-02T06:01:17","slug":"kein-lebens-und-lernort-warum-die-architektur-alter-schulen-den-anspruechen-von-zeitgemaesser-paedagogik-nicht-mehr-genuegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/466667\/","title":{"rendered":"\u201eKein Lebens- und Lernort\u201c: Warum die Architektur alter Schulen den Anspr\u00fcchen von zeitgem\u00e4\u00dfer P\u00e4dagogik nicht mehr gen\u00fcgt"},"content":{"rendered":"<p>BONN<strong>. Wie m\u00fcssen Schulen gebaut sein, damit sie Kinder und Jugendliche bestm\u00f6glich auf die Lebens- und Arbeitswelt von heute und morgen vorbereiten? Mit dieser Frage besch\u00e4ftigen sich Barbara Pampe und Dr. Meike Kricke<\/strong>,<strong> Vorst\u00e4ndinnen der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft<\/strong>.<strong> Unter dem Leitbegriff P\u00e4dagogische Architektur treibt die Stiftung seit Jahren den Wandel im Schulbau voran \u2013 weg von Fluren und Klassenzimmern nach Schema F, hin zu offenen, flexiblen R\u00e4umen, die Ganztag, Inklusion und zeitgem\u00e4\u00dfe P\u00e4dagogik erm\u00f6glichen. Wir sprachen mit den Expertinnen zum Auftakt des News4teachers Themenmonats \u201eSchulbau &amp; Schulausstattung\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"154261\" data-permalink=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/2025\/10\/kein-lebens-und-lernort-warum-die-architektur-alter-schulen-den-anspruechen-von-ganztag-inklusion-und-zeitgemaesser-paedagogik-nicht-mehr-genuegt\/bildungslandschaft-altstadt-nord-ban-neubau-eines-innerstaedtischen-schulcampus-mensa-mit-selbstlernzentrum-und-werkateliers-gernot-schulzarchitektur-gmbh-2022\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.news4teachers.de\/wp-content\/uploads\/ssf_2010_BAN_18-2-e1759311502191.jpg?fit=2496%2C1375&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2496,1375\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;\\u00a9 Stefan Schilling, Veroeffentl&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Bildungslandschaft Altstadt-Nord BAN, Neubau eines innerst\\u00e4dtischen Schulcampus: Mensa mit Selbstlernzentrum und Werkateliers, gernot schulz:architektur GmbH 2022&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1666772956&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;\\u00a9 Stefan Schilling; Hospeltstra\\u00dfe 32, 50825 Koeln, Germany; Tel. +49 172 253 51 74; email: studio@stefan-schilling.de; www.ste&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Bildungslandschaft Altstadt-Nord BAN, Neubau eines innerst\\u00e4dtischen Schulcampus: Mensa mit Selbstlernzentrum und Werkateliers, gernot schulz:architektur GmbH 2022&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Bildungslandschaft Altstadt-Nord BAN, Neubau eines innerst\u00e4dtischen Schulcampus: Mensa mit Selbstlernzentrum und Werkateliers, gernot schulz:architektur GmbH 2022\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Bildungslandschaft Altstadt-Nord, K\u00f6ln&lt;br \/&gt;&#10;Foto: Stefan Schilling&lt;\/p&gt;&#10;\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Bildungslandschaft Altstadt-Nord BAN, Neubau eines innerst\u00e4dtischen Schulcampus: Mensa mit Selbstlernzentrum und Werkateliers, gernot schulz:architektur GmbH 2022&lt;\/p&gt;&#10;\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.news4teachers.de\/wp-content\/uploads\/ssf_2010_BAN_18-2-e1759311502191.jpg?fit=300%2C165&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.news4teachers.de\/wp-content\/uploads\/ssf_2010_BAN_18-2-e1759311502191.jpg?fit=696%2C383&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-154261\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/ssf_2010_BAN_18-2.jpg\" alt=\"\" width=\"696\" height=\"557\"\/>Die Bildungslandschaft Altstadt-Nord (BAN) in K\u00f6ln vereint acht Bildungseinrichtungen \u2013 ein gemeinsames Projekt der Stadt K\u00f6ln, der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft sowie der Montag Stiftung Urbane R\u00e4ume. Hier: Mensa mit Selbstlernzentrum und Werkateliers, realisiert von gernot schulz:architektur GmbH 2022, Foto: Stefan Schilling<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Frau Pampe, Sie sind Architektin. Wenn Sie sich ein gew\u00f6hnliches Schulgeb\u00e4ude anschauen \u2013 was denken Sie dabei?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Dass es in der heutigen Zeit kein Lebens- und Lernort ist.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Warum nicht?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Diese Geb\u00e4ude sind f\u00fcr ein bestimmtes p\u00e4dagogisches Setting der frontalen Wissensvermittlung konzipiert \u2013 und dieses Setting allein entspricht nicht mehr dem heutigen Auftrag von Schule. Wenn Schule Kinder und Jugendliche auf die Welt von morgen vorbereiten soll, passen diese Bauten so nicht mehr.<\/p>\n<p>Die klassische Schule ist gepr\u00e4gt von Klassenzimmern, Fluren und Treppenh\u00e4usern. Alles ist darauf ausgelegt, Frontalunterricht optimal zu erm\u00f6glichen. Klassenzimmer sind so gestaltet, dass bis zu 30 Sch\u00fcler*innen an Tischen sitzen k\u00f6nnen. Fenster sind meistens so gesetzt, dass beim Schreiben kein Schatten aufs Papier f\u00e4llt. Neben der T\u00fcr gibt es Waschbecken, damit man Tafel und H\u00e4nde reinigen kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/bildung\/themenmonate\/schulbau_schulausstattung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img loading=\"lazy\" data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"154262\" data-permalink=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/2025\/10\/kein-lebens-und-lernort-warum-die-architektur-alter-schulen-den-anspruechen-von-ganztag-inklusion-und-zeitgemaesser-paedagogik-nicht-mehr-genuegt\/logo-8\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.news4teachers.de\/wp-content\/uploads\/Logo-1.png?fit=1024%2C1024&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1024,1024\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Logo\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.news4teachers.de\/wp-content\/uploads\/Logo-1.png?fit=300%2C300&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.news4teachers.de\/wp-content\/uploads\/Logo-1.png?fit=696%2C696&amp;ssl=1\" class=\"size-thumbnail wp-image-154262 alignleft\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Logo-1.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"  \/><\/a>Die Abst\u00e4nde im Raum sind so berechnet, dass alle gut an die Tafel sehen und die Lehrkraft h\u00f6ren k\u00f6nnen. Auch die Flure sind so dimensioniert, dass alle gleichzeitig die Klassenr\u00e4ume betreten und wieder verlassen k\u00f6nnen \u2013 so reicht eine Viertelstunde Pause f\u00fcr den Wechsel. Die Architektur war bzw. ist also exakt auf dieses Lernsetting aus dem 19. Jahrhundert abgestimmt.<\/p>\n<p>Heute aber zeigen Empfehlungen wie z.B. das aktuelle Papier zu einer ver\u00e4nderten Lern- und Pr\u00fcfungskultur von Expert*innen aus Schul-\/Kultusministerien, Landesinstituten und aus der Bildungsforschung, die KMK-Richtlinien f\u00fcr den Ganztag, der OECD Learning Compass, aber auch die p\u00e4dagogische Praxis an vielen Orten ein v\u00f6llig anderes Bild: Kinder und Jugendliche lernen den ganzen Tag \u00fcber in verschiedenen Konstellationen, sie arbeiten alleine oder zusammen, toben, essen, musizieren, spielen Theater, pr\u00e4sentieren, nutzen R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten. Wenn ich das als Architektin in Raum \u00fcbersetze, entsteht etwas v\u00f6llig anderes als das, was wir in klassischen Schulen sehen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Qualitativ hochwertige Bildung braucht auch R\u00e4ume f\u00fcr das (multiprofessionelle) Team: Lehrkr\u00e4fte, Sozialp\u00e4dagoginnen, Psychologinnen, Therapeutinnen und Erzieherinnen. Kurz gesagt: Die Heterogenit\u00e4t \u2013 der Menschen wie auch der Angebote \u2013 fehlt in den traditionellen, am 19. Jahrhundert orientierten Geb\u00e4uden.<\/p>\n<p>\u201cWir wollen zeigen, dass Raum enormes Potenzial entfaltet, wenn man ihn mit zukunftsgerichteter P\u00e4dagogik verbindet \u2013 und beides zusammen entwickelt\u201d<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Ist das also ein Problem alter Schulbauten, etwa der Geb\u00e4ude aus den 60er- oder 70er-Jahren? Oder gilt das auch f\u00fcr Neubauten?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Man kann das nicht am Baujahr festmachen. Schon fr\u00fcher gab es Str\u00f6mungen, die andere p\u00e4dagogische Ans\u00e4tze vertraten \u2013 und daf\u00fcr auch andere Geb\u00e4ude geplant und gebaut haben. Heute ist es so: Viele Kommunen haben verstanden, dass Ganztag, Inklusion, Digitalit\u00e4t und somit neue Lernformen andere R\u00e4ume erfordern. Manche haben eigene Standards entwickelt, andere setzen auf eine sogenannte \u201ePhase Null\u201c \u2013 eine Entwicklungsphase, in der zun\u00e4chst gekl\u00e4rt wird, welche Aktivit\u00e4ten zuk\u00fcnftig in Schule stattfinden und was der konkrete Standort auch unter Einbezug des Quartiers braucht.<\/p>\n<p>Aber es gibt auch Kommunen, die diesen Weg noch nicht gehen \u2013 aus Ressourcenmangel, aufgrund von veralteten Vorgaben oder aus mangelndem Bewusstsein daf\u00fcr, dass Schule sich ver\u00e4ndern muss, weil sich auch unsere Lebens- und Arbeitswelt ver\u00e4ndert hat. Deshalb werden weiterhin klassische Schulen gebaut. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie k\u00f6nnen wir bestehende Geb\u00e4ude im Zuge von Sanierungen so umbauen, dass sie heutigen Anspr\u00fcchen entsprechen?<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Wie sieht diese Phase Null konkret aus?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> In der Phase Null geht es nicht darum, die Schule zu fragen: \u201eWas wollt ihr?\u201c Es geht darum, alle Akteure einzubeziehen, um die Anforderungen bestm\u00f6glich zu erfassen, abzuw\u00e4gen und zu definieren: Schulgemeinschaft, Schulaufsicht, Kommune, Politik, Finanzverwaltung, Umwelt- und Verkehrsplanung, Stadtentwicklung, das Quartier. Man schaut dabei auch, welche Ressourcen geteilt werden k\u00f6nnen \u2013 etwa Sporthallen, Bibliotheken oder Werkst\u00e4tten. Nur in so einem Verhandlungsprozess entsteht ein tragf\u00e4higes p\u00e4dagogisch-r\u00e4umliches Konzept.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Also gibt es die \u201eideale Schule\u201c, die \u00fcberall stehen k\u00f6nnte, gar nicht?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Nein.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Frau Dr. Kricke, Sie haben Lehramt studiert. Aus p\u00e4dagogischer Sicht: Ist Lehrkr\u00e4ften bewusst, welche Bedeutung der Raum hat, in dem gelernt wird?<\/p>\n<p><strong>Meike Kricke:<\/strong> Meiner Einsch\u00e4tzung nach nicht genug. In meiner Ausbildung gab es dazu kaum Sensibilisierung oder Austausch. Wenn \u00fcberhaupt, dann eher zuf\u00e4llig. \u00dcberblicke ich es richtig, gibt es bisher kein institutionalisiertes Angebot zur Wechselwirkung von P\u00e4dagogik und Raum.<\/p>\n<p>Das ist schade. Denn wenn wir immer mehr unterschiedliche Schulgeb\u00e4ude haben, stellt sich die Frage: Wie kann ich \u2013 wie k\u00f6nnen wir im Team mit den Lernenden \u2013 diese p\u00e4dagogisch sinnvoll nutzen? Es reicht nicht, einfach in eine Lernlandschaft oder ein Cluster einzuziehen. Wichtig ist die Reflexion: Welche (zus\u00e4tzlichen) Optionen bietet mir der Raum f\u00fcr meine p\u00e4dagogische Herangehensweise? Wie lassen sich Didaktik, Organisation und Raum zusammendenken?<\/p>\n<p>Das sollte im Team reflektiert werden \u2013 multiprofessionell, etwa mit Partner*innen aus der Jugendhilfe, und auch mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern: Sie haben in der Regel selbst eine sehr gute Vorstellung davon, wo und wie sie gut lernen.<\/p>\n<p>Bisher geschieht das kaum systematisch. Deshalb haben wir erste Pilotprojekte gestartet: Studierende aus dem Lehramt, den Sozialwissenschaften und der Architektur arbeiten fr\u00fch in ihrer Ausbildung zusammen. So wollen wir zeigen, dass Raum enormes Potenzial entfaltet, wenn man ihn mit zukunftsgerichteter P\u00e4dagogik verbindet \u2013 und beides zusammen entwickelt.<\/p>\n<p>Die Hochschulen selbst sehen oft nicht besser aus als Schulen \u2013 auch dort fehlt das Bewusstsein. Im Ausland gibt es bessere Beispiele: In D\u00e4nemark oder Finnland ist die Ausbildung von P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen vielerorts darauf ausgerichtet, dass sie r\u00e4umliche Erfahrungen mit neuen didaktischen Ans\u00e4tzen verbinden.<\/p>\n<p>Wir alle waren selbst Sch\u00fcler*innen. Die meisten kennen vordergr\u00fcndig klassische P\u00e4dagogik und die dazu viablen typischen Klassenzimmer. Vielleicht hatten manche das Gl\u00fcck, auf eine reformp\u00e4dagogische Schule zu gehen. Aber die Verbindung von P\u00e4dagogik, Didaktik, Organisation und Raum in einem Gesamtkonzept \u2013 das ist bis heute selten als Ausbildungsmodul.<\/p>\n<p>\u201cWir d\u00fcrfen es nicht bei reinen Reparaturen und kosmetischen Ma\u00dfnahmen belassen \u2013 bunte Farben oder neues Mobiliar\u201d<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Im Moment kommt viel Geld auf die Schultr\u00e4ger zu.<\/p>\n<p><strong>Meike Kricke:<\/strong> Ja, und das ist sehr positiv, aber auch \u00fcberf\u00e4llig: mit 67,8 Mrd. Euro ist der Investitionsstau bei Schulgeb\u00e4uden wieder einmal mit Abstand der h\u00f6chste in Deutschland. Wichtig ist jetzt: Wir d\u00fcrfen es nicht bei reinen Reparaturen und kosmetischen Ma\u00dfnahmen belassen \u2013 bunte Farben oder neues Mobiliar. Es braucht kluge, auch einfache L\u00f6sungen, die fast \u00fcberall umsetzbar sind und die die p\u00e4dagogischen Optionen direkt erweitern: mehr Transparenz, neue Brandschutzkonzepte, durchdachte M\u00f6blierung \u2013 abgestimmt auf die p\u00e4dagogischen Bedarfe. Solche L\u00f6sungen gibt es bereits.<\/p>\n<p>All das muss mit einem didaktisch-organisatorischen Gesamtkonzept verbunden sein \u2013 entwickelt in multiprofessionellen Teams, die auch Schulentwicklungsfragen ber\u00fccksichtigen. Frau Pampe hat die Phase Null angesprochen: Wenn ich ein Geb\u00e4ude neu baue, steht es 70 oder 80 Jahre. Deshalb m\u00fcssen wir in die Zukunft blicken: Wie k\u00f6nnen wir offen bleiben f\u00fcr Entwicklungen, die Schule in 20 oder 30 Jahren ausmachen? P\u00e4dagogische \u00dcberlegungen wirken sich unmittelbar auf die Planungen der (Innen-)Architektur aus.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Konkret: Was kann ein gut gestalteter Raum bewirken?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Architektur kann vieles erleichtern und erm\u00f6glichen. Ein Beispiel: Glast\u00fcren oder Glasw\u00e4nde. Sie ersparen das Klopfen, man sieht sofort, ob ein Raum belegt ist, und muss nicht st\u00f6ren, um es herauszufinden. Transparenz erlaubt, dass Sch\u00fcler*innen \u00fcberall arbeiten k\u00f6nnen \u2013 w\u00e4hrend Lehrkr\u00e4fte sie im Blick behalten und auch umgekehrt. Geschlossene T\u00fcren und W\u00e4nde erzeugen sofort die Sorge: \u201eWenn sie rausgehen, machen sie Unsinn.\u201c Transparenz schafft Vertrauen, erleichtert Teamarbeit und erm\u00f6glicht Mehrfachnutzung.<\/p>\n<p>Es geht darum, m\u00f6glichst viel Fl\u00e4che zur Lernfl\u00e4che zu erkl\u00e4ren, Sichtverbindungen zu schaffen, unterschiedliche Qualit\u00e4ten anzubieten. Solche baulichen Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen von Anfang an mitgedacht werden.<\/p>\n<p>Brandschutz ist ein gutes Beispiel: Flure werden oft ohnehin mitgenutzt. Statt dies aufgrund des Brandschutzes nicht zuzulassen, kann der Brandschutz so geplant werden, dass die Flure als Lernfl\u00e4chen ohne Brandschutzanforderungen genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch die M\u00f6blierung muss neu gedacht werden. Kinder und Jugendliche tun nicht immer alle gleichzeitig das Gleiche. Daher braucht es nicht zwingend 30 St\u00fchle und Tische, sondern verschiedene Sitzangebote. Ziel sollte es sein, nicht jeder neuen Anforderung einen neuen Raum zuzuordnen. Stattdessen braucht es Gesamtkonzepte, die eine sinnvolle Nutzung von Fl\u00e4chen \u00fcber den ganzen Tag f\u00fcr eine inklusive Bildung erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel aus einem unserer Pilotprojekte \u201eGanztag und Raum\u201c in M\u00fclheim a. d. Ruhr \u2013 an der Grundschule am Dichterviertel: Dort wurden Klassenzimmer komplett leerger\u00e4umt. Es gibt keine Einzeltische mehr, sondern gro\u00dfe Forumstische f\u00fcr die Klasse. Dadurch entstehen freie Fl\u00e4chen, die unterschiedlich je nach Bedarf bespielt werden k\u00f6nnen. Hinzu kommt ein abgestimmtes Farb- und Materialkonzept f\u00fcr M\u00f6bel, W\u00e4nde und Vorh\u00e4nge. Das Ergebnis: R\u00e4ume mit sp\u00fcrbar h\u00f6herer Aufenthaltsqualit\u00e4t \u2013 abgestimmt auf die Bed\u00fcrfnisse der Schule.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Und wenn wir auf ein ganzes Geb\u00e4ude schauen?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> In Weimar wurde gerade die Jenaplanschule fertiggestellt, die wir neun Jahre lang in der Phase Null, in der Planung und im Bau begleitet haben. Ein Geschoss umfasst dort ca. 400 Quadratmeter mit drei Stammgruppen und dem p\u00e4dagogischen Personal. Die R\u00e4ume sind offen, k\u00f6nnen mit Vorh\u00e4ngen abgetrennt und durch M\u00f6bel gegliedert werden. Es gibt eine gemeinsame Mitte mit Podesten, einen Teamraum, einen Differenzierungs- und R\u00fcckzugsraum und eine gro\u00dfe Wohnk\u00fcche mit einem gro\u00dfen Atelier- und Werktisch. Die W\u00e4nde sind ab Tischh\u00f6he transparent, so dass sich alle sehen und auch die Mitte mit Tageslicht versorgt wird. Die Fenster sind bodentief und erm\u00f6glichen durch gro\u00dfe Schiebet\u00fcren einen Einbezug der Balkone.<\/p>\n<p>Ein oft untersch\u00e4tzter Bereich sind die Garderoben \u2013 hier wurde ausreichend Platz eingeplant, da die Schule eine \u201eHausschuhschule\u201c ist.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eine Vielfalt von Lehr- und Lernsettings mit wohnlicher Atmosph\u00e4re und Werkstattcharakter, die die Nutzenden auffordert, sich den Raum anzueignen und p\u00e4dagogisch zu bespielen. In den Decken gibt es Haken f\u00fcr Beleuchtung und sonstige Ausstattung wie Blumenampeln etc.<\/p>\n<p>\u201cSchulen der Zukunft m\u00fcssen Vielfalt erm\u00f6glichen \u2013 und hier wird das r\u00e4umlich umgesetzt\u201d<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Ein teurer Spa\u00df?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Nein. Schon fr\u00fch war klar: Der Neubau soll auch wirtschaftlich sein. Ein Gro\u00dfteil der Kosten entf\u00e4llt normalerweise auf die Haustechnik. Deshalb wurde auf nat\u00fcrliche L\u00fcftung der Lernfl\u00e4chen gesetzt. Fenster lassen sich leicht \u00f6ffnen, Querl\u00fcftung ist m\u00f6glich. Schiebefenster erlauben die volle Nutzung der Fassadenfl\u00e4chen. Au\u00dferdem wird das allgemeine Wohlbefinden in R\u00e4umen gesteigert, wenn Fenster einfach ge\u00f6ffnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Gibt es dort auch Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte?<\/p>\n<p><strong>Barbara Pampe:<\/strong> Ja. Auf jeder Etage gibt es Teamstationen. Zus\u00e4tzlich gibt es Arbeitspl\u00e4tze und Besprechungsm\u00f6glichkeiten in der Verwaltungsetage. Die Arbeitspl\u00e4tze sind in derselben Qualit\u00e4t gestaltet wie die R\u00e4ume der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler: viel Holz, Transparenz, Vorh\u00e4nge, gleiche M\u00f6bel.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Frau Kricke, wie bewerten Sie die Schule p\u00e4dagogisch?<\/p>\n<p><strong>Meike Kricke:<\/strong> F\u00fcr mich ist sie ein \u201eCham\u00e4leon\u201c. Durch einfache Mittel \u2013 Haken, Vorh\u00e4nge, variable R\u00e4ume \u2013 passt sie sich den Bedarfen an. Und sie unterst\u00fctzt Zukunftskompetenzen, wie z.B. Kommunikation, Kreativit\u00e4t, Kollaboration, kritisches Denken. Es gibt M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume: R\u00fcckzug, Teamarbeit, Nutzung des Au\u00dfenraums, \u00d6ffnung ins Quartier. Schulen der Zukunft m\u00fcssen Vielfalt erm\u00f6glichen \u2013 und hier wird das r\u00e4umlich umgesetzt.<\/p>\n<p><strong>News4teachers:<\/strong> Viele Lehrkr\u00e4fte bef\u00fcrchten in solchen offenen R\u00e4umen Chaos.<\/p>\n<p><strong>Meike Kricke:<\/strong> Diese \u00c4ngste sind nachvollziehbar. Es ist eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung, die Anpassung erfordert. Aber sie bringt auch viel Positives und neue M\u00f6glichkeiten mit sich. Wichtig ist, dass solche Prozesse mit Schulentwicklung verbunden sind. Wenn alle Beteiligten sich zusammen auf diesen Weg begeben, wird f\u00fcr alle deutlich, dass P\u00e4dagogik und Didaktik nicht mehr so weiterlaufen k\u00f6nnen wie vor 100 Jahren. Schule ist kein Museum. Hier sind Schulleitung und Schulaufsicht gefragt, diesen Weg mitzugehen und die Teams zu unterst\u00fctzen. Schulen des 21. Jahrhunderts sind Teamschulen \u2013 man ist nicht allein!<\/p>\n<p>Wir haben daf\u00fcr zum Beispiel auch die \u201ePhase Zehn\u201c entwickelt: Nach Fertigstellung eines Geb\u00e4udes begleitet man das gesamte Personal und die Sch\u00fcler*innen dabei, die R\u00e4ume zu erobern, zu erkunden und zu gestalten. Und auch danach geht die Reflexion im Wechselspiel zwischen P\u00e4dagogik und Architektur weiter \u2013 denn Schulentwicklung h\u00f6rt nie auf. News4teachers \/ Andrej Priboschek, Agentur f\u00fcr Bildungsjournalismus, f\u00fchrte das Interview.\u00a0<\/p>\n<p>Hier gibt es <a href=\"https:\/\/www.montag-stiftungen.de\/montag-stiftung-jugend-und-gesellschaft\/paedagogische-architektur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">kostenlose Informationen und Materialien der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft zum Schulbau<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft unterst\u00fctzt News4teachers bei der Konzeption und Umsetzung der redaktionellen Beitr\u00e4ge des Themenmonats \u201eSchulbau &amp; Schulausstattung\u201c. <a href=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/bildung\/themenmonate\/schulbau_schulausstattung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Hier geht es zu allen Inhalten.\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"c8h0nIX812\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/2025\/10\/und-noch-ein-rekord-das-neue-redaktionskonzept-von-news4teachers-zieht\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Und noch ein Rekord\u2026 Das neue Redaktionskonzept von News4teachers zieht!<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/as.4teachers.de\/delivery\/ck.php?n=ae322035&amp;cb=6877676\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/avw\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/a><br \/>\nAnzeige<br \/>\n        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"BONN. 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