{"id":466827,"date":"2025-10-02T07:31:21","date_gmt":"2025-10-02T07:31:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/466827\/"},"modified":"2025-10-02T07:31:21","modified_gmt":"2025-10-02T07:31:21","slug":"ein-comic-wie-eine-schmusedecke-75-jahre-peanuts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/466827\/","title":{"rendered":"Ein Comic wie eine Schmusedecke &#8211; 75 Jahre &#8222;Peanuts&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 02.10.2025 06:42 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die Welt der &#8222;Peanuts&#8220; ist grotesk komisch und voller Mobbing, Depressionen und Selbstzweifel &#8211; und das seit 75 Jahren. Dem Erfinder Charles M. Schulz gelang das Kunstst\u00fcck, uns \u00fcber unsere Zweifel lachen zu lassen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Martin Zeyn, BR Kultur\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es war ein Auftakt, der bei vielen die allerschlechtesten Erinnerungen an die Schulzeit hervorruft. Zwei Kinder unterhalten sich: &#8222;Guck, da kommt der gute alte Charlie Brown.&#8220; Und dann, wie aus dem Nichts: &#8222;Ich hasse ihn so.&#8220; So begann am zweiten Oktober 1950 die Comic-Serie &#8222;Peanuts&#8220;. Wie konnte daraus einer der erfolgreichsten Comicstrip aller Zeiten werden?<\/p>\n<p>    Eine brutale Welt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kinder in einer US-amerikanischen Vorstadt: eine kleine, aber alles andere als heile Welt. Charlie Brown spricht immer wieder von seinen Depressionen, Linus van Pelt wird zum Wrack, wenn seine Schwester Lucy ihn zu erziehen versucht und seine Schmusedecke wegsperrt. Und nie war eine Gruppe von Mitspielern fieser, als wenn Charlie beim Baseball schon wieder den Ball nicht trifft. Und dann liegt dieser kleine Charlie &#8211; was sehr oft zu sehen ist &#8211; die halbe Nacht wach im Bett.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Jens Balzer, einer der bekanntesten deutschen Comicspezialisten, betont: &#8222;Die Kinder gehen auf eine unglaublich depressiv stimmende Weise brutal miteinander um. Nat\u00fcrlich spielt die Restaurationsphase in den USA Anfang der 1950er-Jahre eine erhebliche Rolle, also der Aufstieg des Wettbewerbskapitalismus und die Vereinzelung der Individuen. Das wird eigentlich nirgendwo so gut \u00e4sthetisch wiedergegeben wie in den fr\u00fchen &#8218;Peanuts&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p>    Keine Kindheit ohne Trauma<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Funnies, lustige Strips also, gibt es viele. Auch die &#8222;Peanuts&#8220; sind oft grotesk komisch. Was sie aber einzigartig macht, ist die Offenheit, mit der mentale Probleme behandelt werden. Und die betreffen alle: Selbst die unertr\u00e4glich griesgr\u00e4mige, r\u00fccksichtslose Lucy ist hoffnungslos verliebt in Schroeder, der sie nicht einmal ignoriert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und das ist vielleicht das Geheimnis dieser Serie: Niemand kommt durch die Kindheit ohne Trauma, und niemand ist einfach nur b\u00f6se. Was bedeutet: Alle Figuren bieten eine Identifikationsfl\u00e4che an, man kann mit ihnen f\u00fchlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wer kennt das nicht: Es passiert was Schlimmes. Und irgendwer hat nichts Besseres zu tun, als uns vorzuhalten, wir selbst seien daran schuld. So Lucy, die Snoopy abkanzelt, als dessen Hundeh\u00fctte abgebrannt ist. Und das ist das zweite Geheimnis des Erfolgs: die \u00dcbertreibung und das Irreale. Nie wirkte eine Moralpredigerin so absurd wie diese Lucy, die einem Hund seinen Lebenswandel vorh\u00e4lt. Snoopy leidet, wir m\u00fcssen trotzdem lachen. Weil die Szene grandios \u00fcbertrieben ist.<\/p>\n<p>    Dar\u00fcber lachen, was uns nachts wach liegen l\u00e4sst<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Charles M. Schulz, der 2000 gestorbene Sch\u00f6pfer der Serie, sagte in Interviews immer wieder, seine Kindheit sei gl\u00fccklich gewesen. Das D\u00fcstere, das Abgr\u00fcndige im Menschen erfuhr er erst sp\u00e4ter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Comic-Kenner Balzer h\u00e4lt fest: Schulz, der bei der Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Dachau dabei war, &#8222;hat gesagt, dass ihn die Milit\u00e4rzeit sein ganzes Leben lang bestimmt hat. Der Topos der Einsamkeit ist f\u00fcr ihn immer pr\u00e4gend gewesen.&#8220; Das galt selbst, als der Comic l\u00e4ngst h\u00f6chst popul\u00e4r war und das Merchandising Schulz zu einem der am besten verdienenden Menschen in der Unterhaltung machte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00dcbrigens: Die besten Strips seit Langem habe er nach der schmerzlichen Trennung von seiner ersten Frau gezeichnet, sagte Schulz in einem Interview. Dem US-amerikanischen Zeichner ist ein Wunder gelungen: Uns \u00fcber all das, was uns nachts wach liegen l\u00e4sst, lachen zu lassen. Was eine enorme mentale Hilfeleistung darstellt &#8211; so w\u00e4rmend und wichtig wie eine Schmusedecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 02.10.2025 06:42 Uhr Die Welt der &#8222;Peanuts&#8220; ist grotesk komisch und voller Mobbing, Depressionen und Selbstzweifel &#8211;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":466828,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155],"tags":[68,29,214,30,80,215],"class_list":{"0":"post-466827","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-comic","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kultur","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115303408339752042","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/466827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=466827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/466827\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/466828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=466827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=466827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=466827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}