{"id":467100,"date":"2025-10-02T10:02:12","date_gmt":"2025-10-02T10:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/467100\/"},"modified":"2025-10-02T10:02:12","modified_gmt":"2025-10-02T10:02:12","slug":"berlin-im-streit-um-die-anton-wilhelm-amo-strasse-gibt-es-nur-verlierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/467100\/","title":{"rendered":"Berlin: Im Streit um die Anton-Wilhelm-Amo-Stra\u00dfe gibt es nur Verlierer"},"content":{"rendered":"<p>War der neue Namenspatron der bisherigen Mohrenstra\u00dfe nun selbst versklavt oder stammte er aus der Oberschicht eines Sklavenh\u00e4ndler-Volkes? Allein die Unklarheit zeigt einmal wieder, dass die \u201ePostkolonialisten\u201c mit ihrem Furor falsch liegen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Gut gemeint ist in der Regel das Gegenteil von gut. Wobei im Falle des Streits \u00fcber die Umbenennung der Mohren- in Anton-Wilhelm-Amo-Stra\u00dfe \u00fcberhaupt erst einmal zu kl\u00e4ren w\u00e4re, ob es hier jemand irgendetwas \u201egut gemeint\u201c hat \u2013 alle bisher bekannten Indizien deuten als Ursache des unn\u00f6tigen Streits auf destruktiven Furor selbst ernannter Aktivisten.<\/p>\n<p>Jedenfalls hat diese seit zehn Jahren laufende Diskussion bisher nur Verlierer produziert: nat\u00fcrlich die Anwohner, dann die Berliner Bezirks- und Landespolitik sowie die instrumentalisierte Justiz und die Steuerzahler. Aber auch die \u201ePostkolonialisten\u201c stehen schlecht da, gerade wird mit <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/mohrenstrasse-exklusiv-historikerfund-wirft-zweifel-an-umbenennung-auf-li.2359647\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/mohrenstrasse-exklusiv-historikerfund-wirft-zweifel-an-umbenennung-auf-li.2359647&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Michael Zeuske<\/a> einer der wichtigsten Sklavereiforscher besch\u00e4digt \u2013 und vor allem hat das Andenken an die hochinteressante Figur Anton Wilhelm Amo selbst gelitten.<\/p>\n<p>Der Reihe nach: Die Anwohner sind Verlierer, weil sie nun viel b\u00fcrokratischen Aufwand haben, den nahezu alle einhellig ablehnen \u2013 f\u00f6rderlich f\u00fcr die Demokratie ist das nicht. Die Berliner Politik ist Verlierer, weil sich Bezirk und Land hoffnungslos ineinander verbissen haben. Die Justiz hat sich als politisch beeinflusst offenbart, denn ihre Entscheidungen erst f\u00fcr, dann gegen und schlie\u00dflich wieder f\u00fcr die Umbenennung \u00fcberzeugen allesamt wenig. Die Steuerzahler m\u00fcssen alles bezahlen. <\/p>\n<p>Die Aktivisten m\u00f6gen sich zwar noch als Sieger f\u00fchlen, doch tats\u00e4chlich schaden sie mit ihrem lautstark ertrotzten Erfolg ihrem (angeblichen) Anliegen: der Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit. Die kritische Stellungnahme von Zeuske, als Autor des \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.degruyterbrill.com\/document\/doi\/10.1515\/9783110561630\/html?lang=de&amp;srsltid=AfmBOorQ1oiKD4CdAgxhMlfVosrq8NQM0NCOAD_13uiS3iIEOes6z8rE\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.degruyterbrill.com\/document\/doi\/10.1515\/9783110561630\/html?lang=de&amp;srsltid=AfmBOorQ1oiKD4CdAgxhMlfVosrq8NQM0NCOAD_13uiS3iIEOes6z8rE&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Handbuchs Geschichte der Sklaverei<\/a>\u201c die wichtigste deutsche Stimme in dieser internationalen Diskussion, halten manche Kollegen und (wissenschaftliche) Konkurrenten f\u00fcr ein Missverst\u00e4ndnis und eine Verwechslung. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, doch ohne Zweifel geht Zeuske besch\u00e4digt aus der Debatte hervor.<\/p>\n<p>Am schlimmsten aber ist: Die \u201ePostkolonialisten\u201c haben das Andenken ihres Protagonisten massiv besch\u00e4digt. Denn was war Anton Wilhelm Amo denn nun? Ein versklavter Junge, der zur Belustigung eines mittleren deutschen Hofes nach Europa gebracht wurde, sich dort zum Intellektuellen weiterentwickelte und der \u201eerste schwarze Philosoph\u201c wurde? Oder ein Kind aus der Oberschicht eines westafrikanischen Sklavenh\u00e4ndler-Volkes, das zu Ausbildungszwecken auf eine weite Reise geschickt wurde?<\/p>\n<p>Festzustehen scheint zudem, dass Anton Wilhelm Amo den wichtigsten ihm zugeschriebenen Text gar nicht selbst verfasst hat. Wegen dieser nur mit dem Titel \u201eDe iure maurorum in Europa\u201c (\u201e\u00dcber das Recht der Schwarzen in Europa\u201c) und einer wenige W\u00f6rter langen Zusammenfassung \u00fcberlieferten Disputatio  von 1729  gilt er den Aktivisten als Vordenker im Kampf gegen die Sklaverei. Doch die Stuttgarter Amo-Forscherin <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/afrituede-geschichtswerkstatt.de\/Home\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/afrituede-geschichtswerkstatt.de\/Home&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Monika Firla<\/a>  kann belegen, dass der Text von einem Lehrer des damaligen Studenten Amo verfasst wurde \u2013 seinerzeit an der Universit\u00e4t Halle ein g\u00e4ngiges Vorgehen.<\/p>\n<p>Was bleibt? Die \u201ePostkolonialisten\u201c und ihre F\u00fcrsprecher haben ein weiteres Mal ihre fundamentale Unkenntnis der Materie \u00f6ffentlich demonstriert. Politik und Justiz ver\u00e4rgern mit ihrem widerspr\u00fcchlichen Verhalten die B\u00fcrger ohne Notwendigkeit. Die Fachwissenschaft demonstriert, dass \u201eFollow the science\u201c eben keine g\u00fcltige Maxime sein kann. Der Namenspatron ger\u00e4t ins Zwielicht. F\u00fcrwahr eine beeindruckende \u201eLeistung\u201c der Aktivisten.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Sven Felix Kellerhoff<\/b><\/a><b> ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Gegen die undurchdachte Umbenennung der Mohrenstra\u00dfe und \u00e4hnliche \u201epostkoloniale\u201c Einf\u00e4lle hat er sich immer wieder ausgesprochen.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"War der neue Namenspatron der bisherigen Mohrenstra\u00dfe nun selbst versklavt oder stammte er aus der Oberschicht eines Sklavenh\u00e4ndler-Volkes?&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":467101,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,99650,20415,118117,99649,119383],"class_list":{"0":"post-467100","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-kolonialismus-ks","12":"tag-michael","13":"tag-sklaven","14":"tag-strassenumbenennungen-ks","15":"tag-zeuske"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115304002374570577","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/467100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=467100"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/467100\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/467101"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=467100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=467100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=467100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}