{"id":4685,"date":"2025-04-03T09:33:08","date_gmt":"2025-04-03T09:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/4685\/"},"modified":"2025-04-03T09:33:08","modified_gmt":"2025-04-03T09:33:08","slug":"literatur-in-diesem-buch-kann-man-erfahren-wie-man-zum-schriftsteller-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/4685\/","title":{"rendered":"Literatur: In diesem Buch kann man erfahren, wie man zum Schriftsteller wird"},"content":{"rendered":"<p>Tomas Espedal hat sich aus dem Arbeitermilieu in die Kulturszene hochgek\u00e4mpft und ist heute einer der wichtigsten Autoren Norwegens. Wer aus seinem berauschenden Buch etwas lernen will, sollte selbst n\u00fcchtern sein.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Lesetipps gibt\u2019s hier genug. Was man lesen soll, vor allem als angehender Autor. Aber auch wie man lesen soll. \u201eDas ist De Profundis von Oscar Wilde. Eines der sch\u00f6nsten B\u00fccher, die ich je gelesen habe, ich m\u00f6chte, dass du es liest, wenn du n\u00fcchtern bist, zwischen den Bes\u00e4ufnissen, ein berauschendes Buch sollte man im n\u00fcchternen Zustand lesen, ein n\u00fcchternes Buch im Rausch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLust\u201c, das neue, autofiktionale Buch von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/plus163897116\/Ich-hasse-gute-Ideen-Die-sind-was-fuer-Werber-oder-Banker.html\" title=\"Ein Besuch bei Tomas Espedal\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/kultur\/literarischewelt\/plus163897116\/Ich-hasse-gute-Ideen-Die-sind-was-fuer-Werber-oder-Banker.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;Ein Besuch bei Tomas Espedal&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;Ein Besuch bei Tomas Espedal&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tomas Espedal<\/a>, muss man definitiv n\u00fcchtern lesen. Den obigen Rat bekommt der junge M\u00f6chtegern-Schriftsteller von seinem Freund Robert erteilt, einer der unvergesslichen, tragischen Figuren in diesem Buch, das ein Selbstportr\u00e4t des K\u00fcnstlers als junger Mann ist und zugleich eine Skizze seiner K\u00fcnstlerfreunde. <\/p>\n<p>Mit Robert, der schlie\u00dflich an der Kunst zugrunde gehen wird, ist Espedal aus seiner Heimatstadt Bergen nach D\u00e4nemark aufgebrochen, in ein Studentenwohnheim am Rande Kopenhagens. Hier st\u00fcrzt er sich in das Gro\u00dfstadtleben, die Gro\u00dfstadtliteratur, die Gro\u00dfstadtn\u00e4chte, in denen er sich fast verliert, aber dann doch seinen ersten Roman schreibt: Den Titel leiht er sich vom Idol Rimbaud, gewidmet ist das Buch seiner Freundin, die in Bergen auf die R\u00fcckkehr des Genies wartet.<\/p>\n<p>Robert \u2013 schwul, wohlhabend, aus gro\u00dfb\u00fcrgerlich-kaufm\u00e4nnischem Hause \u2013 ist in vielem ein Gegenbild zu seinem Freund, der ihn liebt und bewundert. Im ersten Teil von \u201eLust\u201c, \u201eFr\u00fcchte einer Arbeit\u201c betitelt, schildert Espedal noch einmal seine Arbeiter-Herkunft (der Vater ist Textilarbeiter, seine Mutter Sekret\u00e4rin), sein fr\u00fches Begreifen der fundamentalen Gr\u00e4ben der Herkunft, seine Abscheu f\u00fcr unverdienten, ausgestellten Reichtum und Privilegien, die sich dem Zufall der Geburt verdanken. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/autor\/tomas-espedal.html\" title=\"Zur Autorenseite des Verlags (Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/autor\/tomas-espedal.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;Zur Autorenseite des Verlags&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;Zur Autorenseite des Verlags&quot;}}\" target=\"_blank\">Treue Espedal-Leser<\/a> kennen den unsichtbaren Graben schon aus dem Effeff, der die proletarischen Wohnblocks im Skyttervei von den H\u00e4uschen im \u00d8yjordsveien trennt. <\/p>\n<p>Doch bricht Espedal auch mit den Erwartungen seiner Familie, rei\u00dft aus und flieht, kehrt besch\u00e4mt zur\u00fcck und flieht wieder, und lernt buchst\u00e4blich, sich allein durchzuboxen. Der hochbegabte, hoch rebellische Jugendliche kommt aufs naturwissenschaftliche Elitegymnasium in der Innenstadt und bleibt doch immer hin- und hergerissen zwischen sozialen Aufstiegsfantasien und der Treue zum eigenen Au\u00dfenseitertum. Er liest Proust und schl\u00e4gt wild um sich. Kontrollverlust geh\u00f6rt zu seinem aus der Literaturgeschichte abgeleiteten Selbstbild vom authentischen K\u00fcnstler. Der Po\u00e8te maudit hat noch gar keine Poesie, da droht er sich schon selbst zu zerst\u00f6ren. <\/p>\n<p>Der Weg zum ersten Buch ist dann denkbar prosaisch: Eine erste Fassung wird vom Verlag abgelehnt, die zweite auch, die dritte ebenfalls, bis der Bohemien die Fron des Lektorats erdulden lernt. Der Weg zur Kunst f\u00fchrt \u00fcber radikale Selbstdisziplinierung, die ihn \u00fcberraschend zu seiner Herkunft zur\u00fcckf\u00fchrt: \u201eUnd ich arbeitete wie meine Mutter, die Sekret\u00e4rin \u2026 sie war eine Schreibende. Wir waren Schreibende; k\u00f6nnte sie, w\u00fcrde sie mich doch eines Tages als Teil der Familie anerkennen.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt in diesem Buch, das wie ein langer, kaum einmal innehaltender Erinnerungsstrom wirkt, immer wieder Momente h\u00f6chster Intensit\u00e4t, so wie ein Rausch pl\u00f6tzlich Augenblicke absoluter Klarheit freisetzen kann. Der Tod der so unerbittlichen, ihn st\u00e4ndig angreifenden Mutter etwa. \u201eWas, wenn er eine unterst\u00fctzende Mutter gehabt h\u00e4tte, die ihn stimulierte und einh\u00fcllte, die ihn liebte, es h\u00e4tte ihn vollkommen zerst\u00f6rt.\u201c <\/p>\n<p>Auch der Alkoholismus, der im zweiten Teil beschrieben ist, ist ein dunkel gl\u00e4nzender H\u00f6hepunkt. Das Delirium verwandelt sich in einen Rausch aus Sprache. Und genau das ist der Kern von Espedals Kunst, die aus dem Chaos unserer Existenz einen hin- und mitrei\u00dfenden Wirbel aus S\u00e4tzen macht. <\/p>\n<p>Tomas Espedal: \u201eLust\u201c. Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Matthes &amp; Seitz, 320 Seiten, 22,99 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tomas Espedal hat sich aus dem Arbeitermilieu in die Kulturszene hochgek\u00e4mpft und ist heute einer der wichtigsten Autoren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4686,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[4138,4139,4133,1784,1785,29,214,4130,30,4132,4135,4134,4137,4131,215,4136],"class_list":{"0":"post-4685","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-arthur","9":"tag-autobiografien","10":"tag-belletristik-international","11":"tag-books","12":"tag-buecher","13":"tag-deutschland","14":"tag-entertainment","15":"tag-espedal","16":"tag-germany","17":"tag-kaemmerlings-richard","18":"tag-marcel","19":"tag-proust","20":"tag-rimbaud","21":"tag-tomas","22":"tag-unterhaltung","23":"tag-wams-auswahl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114273347494585026","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4685","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4685"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4685\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}