{"id":468801,"date":"2025-10-03T01:29:14","date_gmt":"2025-10-03T01:29:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/468801\/"},"modified":"2025-10-03T01:29:14","modified_gmt":"2025-10-03T01:29:14","slug":"von-erding-bis-europa-die-provinz-und-ihre-globale-verwurzelung-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/468801\/","title":{"rendered":"Von Erding bis Europa: Die Provinz und ihre globale Verwurzelung &#8211; Bayern"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Manche sagen, die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bayern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bayern<\/a> seien eines der letzten gro\u00dfen R\u00e4tsel der Menschheit. Zumindest steht fest, da\u00df sie im \u00e4ltesten Staat Europas leben. Auf diesem stolzen Fundament haben sie den F\u00e4hrnissen der Geschichte von Napoleon bis Lafontaine getrotzt, wodurch in ihrem Herzen ein robustes Selbstverst\u00e4ndnis erwachsen ist: \u201eExtra Bavariam nulla vita, et si est, non est ita.\u201c Frei \u00fcbersetzt: \u201eAu\u00dferhalb von Bayern, da gibt\u2019s kein Leben. Und wenn doch, dann gewi\u00df kein so sch\u00f6nes.\u201c Oder wie es der alte Hufschmied in Lena Christs Erz\u00e4hlung \u201eRumplhanni\u201c sagt: \u201eD\u2019Welt mua\u00df boarisch bleib\u2019n, sinst is ja nimmer schee.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mittlerweile hat sich ein ganzes Jahrhundert \u00fcber die beschauliche Welt des Hufschmieds gebreitet, und wo die Weltl\u00e4ufte sich einst auf das Dorfwirtshaus beschr\u00e4nkten, ist heute, in den Tagen der Globalisierung, die ganze Welt ein Dorf geworden. So besteht die Crux einfach darin, da\u00df nun auch der bayerische Volksstamm schwere Verwerfungen erlebt, gegen die das Erdinger Land ebenso nicht gefeit ist. Die daraus resultierenden Irritationen sind dramatisch, weil der Erdinger Betrachter manchmal nicht mehr wei\u00df, wo er hingeh\u00f6rt, ja welchen Platz denn seine kleine, enge Heimat in dem globalen Weltdorf Europa beanspruchen wird. Soll sie vielleicht so werden wie Europa, oder soll Europa so werden wie sie?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Letztere Variante w\u00e4re gewi\u00df im Sinne jener Staatsmacht, die fast schon zum Synonym f\u00fcr Bayern geworden ist: die CSU. Der europ\u00e4ische Aufbruch in Bayern ist untrennbar mit der CSU verkn\u00fcpft, vor allem, weil diese die Antipoden Tradition und Fortschritt fest zusammengeschwei\u00dft und dies als moderne Variante listenreicher Staatsf\u00fchrung salonf\u00e4hig gemacht hat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auf diese Weise hat die m\u00e4chtige Partei auch das Erdinger Bauernland in weiten Teilen so sehr internationalisiert, da\u00df die stille Heimat des schollengebundenen Landvolks fast unter die R\u00e4der gekommen ist. Ein stolzer Landstrich, das Erdinger Moos, ruht bereits sanft unter Betonmeeren. Und der auf ihm lastende Airport ist als heimatstiftendes Element nicht besonders gut geeignet: Leider ist er auch nicht bayerischer als andere Weltflugh\u00e4fen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/80-jahre-sz-sueddeutsche-zeitung-geburtstag-e261427\/\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;die_sz_wird_80&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;80_jahre_sz&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;er.e261427&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;free&quot;,&quot;section&quot;:&quot;politik&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedeprojekteartikelpolitik80-jahre-sz-sueddeutsche-zeitung-geburtstag-e261427\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/5f8ef2b6-7285-452b-a4b6-2148f54d7766.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Jubil\u00e4um<\/p>\n<p>:Die SZ wird 80<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Zeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Was waren die gr\u00f6\u00dften Fehlprognosen in der SZ? Was denkt die \u00e4lteste Leserin \u00fcber ihre Zeitung? Und was haben Essiggurken und Demenzuhren mit der Redaktion zu tun? Hier finden Sie die Antworten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber unser Landkreis ist ja mit mehreren Landschaften von europ\u00e4ischer Dimension gesegnet, doch auch diese hat man nicht immer pfleglich behandelt: Die Bahnstrecke von Dorfen nach Velden, eine der sch\u00f6nsten in ganz Deutschland, ist sang- und klanglos stillgelegt worden, der atemberaubende Blick von Landersdorf hinunter ins barock schimmernde Zeilhofen ist leichtsinnigerweise durch eine Hochspannungsleitung verschandelt worden, und schlie\u00dflich soll eine Autobahn das unvergleichliche Isental vernichten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vieles also zerbr\u00f6selt inmitten des fundamentalen Umschwungs aller Werte. Und doch existiert es noch, das alte Erdinger Bauernland, weit drau\u00dfen an den R\u00e4ndern des Landkreises, mit seinen \u00c4ckern und Wiesen, \u00fcbersch\u00e4umt vom maigr\u00fcnen Fr\u00fchling. Mit seinen D\u00f6rfern und fetten \u00c4ckern: ein unvergleichlicher europ\u00e4ischer Mikrokosmos. Dazu der Menschenschlag, der von unergr\u00fcndlichen Gegens\u00e4tzen gepr\u00e4gt ist: Mit Benno Hubensteiner k\u00f6nnte man sagen, da\u00df neben J\u00e4hzorn stets Bed\u00e4chtigkeit steht, neben handfester Grobheit innere Weichheit. Wie der Oberl\u00e4nder schlechthin, mimt auch der Erdinger einen ungeheuren Respekt vor Staat und Obrigkeit und neigt doch wieder zur Aufs\u00e4ssigkeit und Eigenbr\u00f6telei. Gegens\u00e4tze, an deren innerer Spannung europ\u00e4ischer Zentralismus wirkungslos abprallt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/69a0bb6e-738a-42ad-b061-5340a3975ca9.jpg\"   alt=\"Es ist dann tats\u00e4chlich so gekommen: Seit 2019 f\u00fchrt eine Autobahn durch das Isental.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Es ist dann tats\u00e4chlich so gekommen: Seit 2019 f\u00fchrt eine Autobahn durch das Isental. (Foto: Lino Mirgeler\/dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Blicken wir deshalb auf unsere Herkunft: Schwingen in unserem Menschenschlag nicht uralte Blutstr\u00f6me mit, romanische vor allem? \u201eAltbayern ist Antike\u201c hat Wolfgang Johannes Bekh einmal geschrieben und damit ausgedr\u00fcckt, wie r\u00f6misch das alte Bayern im Grunde gewesen ist, r\u00f6misch bis in die Sprache hinein, bis in den Wallfahrtsbrauch. Wo aber ist das alles hingeschwunden, fragen sich nicht nur die Volkskundler. Ist das Landleben nicht \u00e4rmer geworden, ist die Globalisierung nicht der Todfeind bayerischer Identit\u00e4t?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wir sehen, da\u00df das Erdinger Land niemals autark von Europa gewesen ist. Ganz im Gegenteil: Zu unseren romanischen Wurzeln gesellen sich noch jede Menge Einfl\u00fcsse aus dem Osten und nat\u00fcrlich keltische. Da sind auch noch jene stolzen Bauernh\u00f6fe, die wir Ithakerh\u00f6fe nennen, weil sie uns an jene gro\u00dfartigen Handwerker erinnern, die einst aus dem S\u00fcden \u00fcber die Alpen gekommen sind und unsere Landschaft mit italienischer Baumeisterkunst geadelt haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayern-sprache-identitaet-dialekt-tag-der-muttersprache-li.3203612\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;jetzt_schnabeln_sogar_de_oidn_weiber_auf_englisch&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;leben_und_gesellschaft_in_bayern&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3203612&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;bayern&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedebayernbayern-sprache-identitaet-dialekt-tag-der-muttersprache-li3203612\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/a9277404-526b-4713-a9a3-85dd295c98d0.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Das Bairische ist bedroht<\/p>\n<p>:\u201eJetzt schnabeln sogar de oidn Weiber auf Englisch!\u201c<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Die deutsche Sprache wird maltr\u00e4tiert wie selten zuvor &#8211; und das Bairische droht ganz zu verschwinden. Und das, obwohl Dialekt besonders viele Emotionen weckt. \u00dcber die Wege zu seiner Rettung gibt es\u00a0 unterschiedliche Ansichten. Ein Essay zum Tag der Muttersprache.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Europ\u00e4er waren auch jene Erdinger, die 1812 mit dem Napoleon nach Ru\u00dfland gezogen sind und dort erb\u00e4rmlich ihr Leben lie\u00dfen. \u00dcberhaupt der Krieg: Noch vor wenigen Jahren konnte man in den D\u00f6rfern drau\u00dfen alten Bauern zuh\u00f6ren, was sie unter Europa verstanden: \u201eJeder Sto\u00df ein Franzos, jeder Tritt ein Brit, jeder Schu\u00df ein Ru\u00df\u201c, sangen sie sich da in strammen Liedern ihre traumatische Jugendzeit von der Seele, die zeitlebens ihr Bild von Europa gepr\u00e4gt hatte, weshalb sie au\u00dferhalb der Grenzen ihrer Heimat auch im Frieden vor allem Feindesland sahen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Nachkriegsgeneration hat sich von diesem Zwang befreit und begegnet unseren Nachbarl\u00e4ndern partnerschaftlich. Wenngleich viele Ausl\u00e4nder sich unsere Anerkennung auf gastronomischem Wege \u00fcber den Bauch erk\u00e4mpfen mu\u00dften. Nirgendwo ist mehr Europa als in unseren Wirtsh\u00e4usern. Internationale Leckereien reichen aber nicht aus. Wie europ\u00e4ische Integration funktionieren k\u00f6nnte, sp\u00fcrt man herrlich in Taufkirchen, wo griechische Buben in breitestem Bayerisch daherpalavern, als w\u00e4ren sie die Retter des sterbenden bayerischen Dialekts.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das heutige Fest der Internationalen Begegnung soll ein weiterer Mosaikstein sein, um Erding im besten Sinne mit Europa zu verbandeln. Dennoch braucht es Geduld. Die Europawahl wird kein Kn\u00fcller, und das sollte f\u00fcr die Politiker ein Alarmsignal sein. Sie, die die europ\u00e4ische Einigung als h\u00f6chstes politisches Gut preisen, haben in diesem Wahlkampf das Wichtigste vers\u00e4umt: Sie haben der Erdinger Jugend nicht erkl\u00e4rt, was Europa f\u00fcr sie bedeutet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Manche sagen, die Bayern seien eines der letzten gro\u00dfen R\u00e4tsel der Menschheit. 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