{"id":468925,"date":"2025-10-03T02:38:12","date_gmt":"2025-10-03T02:38:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/468925\/"},"modified":"2025-10-03T02:38:12","modified_gmt":"2025-10-03T02:38:12","slug":"baden-baden-zwei-schuesse-keine-wahrheit-thriller-ueber-kiesewetter-mord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/468925\/","title":{"rendered":"Baden-Baden | Zwei Sch\u00fcsse, keine Wahrheit? Thriller \u00fcber Kiesewetter-Mord"},"content":{"rendered":"<p>Baden-Baden (dpa) &#8211; Zwei Sch\u00fcsse fallen im April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese. Es sind Sch\u00fcsse, die bis heute nachhallen \u2013 die eine Stadt ersch\u00fcttern, Politiker schockieren, Ermittler und Juristen immer wieder ratlos zur\u00fccklassen. Der Mord an der jungen Polizeimeisterin Mich\u00e8le Kiesewetter ist der letzte und wohl r\u00e4tselhafteste des sogenannten \u00abNationalsozialistischen Untergrunds\u00bb (NSU).\u00a0<\/p>\n<p>Warum die kleine Terrorzelle ausgerechnet in Heilbronn zuschlug, ist bis heute ungekl\u00e4rt \u2013 und \u00f6ffnet Raum f\u00fcr Spekulationen und Legenden. Genau diese Leerstellen greift der neue SWR-Thriller \u00abDie Nichte des Polizisten\u00bb auf. Er orientiert sich an den Fakten, l\u00e4sst aber auch Vermutungen zu, ohne in Verschw\u00f6rungsfantasien abzudriften.\u00a0<\/p>\n<p>Das Erste zeigt \u00abDie Nichte des Polizisten\u00bb am Mittwoch, 8. Oktober, um 20.15 Uhr. Bereits heute an ist das True-Crime-Drama in der ARD-Mediathek abrufbar.<\/p>\n<p>Kein Verschw\u00f6rungsnonsens\u00a0<\/p>\n<p>Kiesewetter stammte wie das NSU-Trio aus Th\u00fcringen. Auch in ihrer Einheit gibt es Kollegen mit rechtsextremen Z\u00fcgen. Ein Zufall? Rund 300 Kilometer von Kiesewetters Heimat entfernt? Regisseur Dustin Loose und sein Team verdichten bekannte Fakten und viele Fragen zu einer packenden Fiktion. Gleich zu Beginn macht ein Hinweis klar: \u00abDiese Geschichte ist fiktional. Aber nicht nur. Auch das M\u00f6gliche, Verlorene und Vergessene wird erz\u00e4hlt.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Viele Details im Film sind der Realit\u00e4t entnommen \u2013 und doch ist es kein Biopic von Mich\u00e8le Kiesewetter. Loose will vor allem die offenen Fragen ins Zentrum r\u00fccken und zeigen, wie sehr rechte Strukturen und radikale Netzwerke im Hintergrund gewirkt haben k\u00f6nnten. \u00abEs geht ja nicht um einen Zufallsmord\u00bb, sagt Loose. \u00abEs handelt sich um eine bei Tageslicht durchgef\u00fchrte Hinrichtung einer Polizistin im Dienst an einem \u00f6ffentlichen Ort. Die Tat war ein Zeichen. An uns und an die Gesellschaft.\u00bb<\/p>\n<p>Vom Ehrgeiz zur Angst\u00a0<\/p>\n<p>Aus der realen Polizistin wird in der \u00abNichte des Polizisten\u00bb die 23-j\u00e4hrige Rebecca Henselmann (eindringlich und \u00fcberzeugend in ihrer ersten gro\u00dfen Hauptrolle: Magdalena Laubisch). Als ehrgeizige Anw\u00e4rterin bei einer baden-w\u00fcrttembergischen Polizei-Spezialeinheit s\u00e4uft, qu\u00e4lt und schwitzt sie sich durch die Ausbildung. Ihr Ziel: Sie will ins Stammpersonal der Elitetruppe.\u00a0<\/p>\n<p>Henselmann wird bei verdeckten Operationen gegen die Drogenszene eingesetzt und kommt Schritt f\u00fcr Schritt aus der Deckung, als sie mit organisierter Kriminalit\u00e4t und rechtsextremen Tendenzen in der Polizei konfrontiert wird. \u00dcber ihren Onkel, den in Th\u00fcringen arbeitenden Polizisten Werner Barth (Thorsten Merten), hat sie bereits erfahren, wie die Rechten Einfluss nehmen &#8211; bis in die eigene Einheit und bis nach Heilbronn, Hunderte von Kilometern von ihrer Heimat entfernt.\u00a0<\/p>\n<p>Es ist faszinierend zu sehen, wie in Laubischs Gesichtsz\u00fcgen der anf\u00e4ngliche Lebenshunger, der Stolz und auch Trotz der puren Angst weichen. Barth steht dem angedeuteten B\u00fcndnis aus Rechten und Organisierter Kriminalit\u00e4t ebenfalls ohnm\u00e4chtig gegen\u00fcber, wenn er konstatiert: \u00abWir haben zu lange zugeschaut.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Bundesanwaltschaft h\u00e4lt sie f\u00fcr \u00abZufallsopfer\u00bb<\/p>\n<p>Auch Kiesewetters Patenonkel war Ende der 90er Jahre beim Staatsschutz, er hatte dort dienstlich mit dem rechtsradikalen \u00abTh\u00fcringer Heimatschutz\u00bb zu tun &#8211; jenem Verbund, aus dem das NSU-Trio um Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt in Jena hervorgegangen ist. Doch der Mord an Kiesewetter passt nicht in deren Muster. Beide hatten \u00fcber Jahre hinweg acht t\u00fcrkischst\u00e4mmige und einen griechischst\u00e4mmigen Kleinunternehmer ermordet. Kiesewetter stammte aber aus Oberwiesenthal in Th\u00fcringen.<\/p>\n<p>Laut Bundeskriminalamt gibt es aber keine Hinweise auf eine \u00abwie auch immer geartete\u00bb Vorbeziehung zwischen Kiesewetter und den mutma\u00dflichen Terroristen. Und auch die Bundesanwaltschaft h\u00e4lt Kiesewetter und ihren damals schwer verletzten Kollegen f\u00fcr \u00abZufallsopfer\u00bb &#8211; die Terroristen h\u00e4tten sie angegriffen, weil sie als Polizisten f\u00fcr den von ihnen verhassten Staat standen.\u00a0<\/p>\n<p>Regisseur: M\u00fcssen Diskurs mitbestimmen\u00a0<\/p>\n<p>Loose will dieses dominante Narrativ nicht akzeptieren. Mit seinem Film fordert er, die Strukturen hinter solchen Taten ernster zu nehmen. \u00abWenn sich rechte Strukturen zu sicher f\u00fchlen, bauen sie neue Fundamente auf und \u00fcbernehmen den Diskurs\u00bb, warnt er. \u00abWir aber sollten diesen Diskurs selbst mitbestimmen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Baden-Baden (dpa) &#8211; Zwei Sch\u00fcsse fallen im April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese. 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