{"id":469142,"date":"2025-10-03T04:41:11","date_gmt":"2025-10-03T04:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/469142\/"},"modified":"2025-10-03T04:41:11","modified_gmt":"2025-10-03T04:41:11","slug":"rautenstrauch-joest-museum-zeigt-missionssammlungen-domradio-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/469142\/","title":{"rendered":"Rautenstrauch-Joest-Museum zeigt Missionssammlungen | DOMRADIO.DE"},"content":{"rendered":"<p>Wie Schatzkisten von einer fernen Schatzinsel sehen sie aus. Die drei m\u00e4chtigen Holzkisten, die den Besucher der Ausstellung &#8222;Missionssammlungen ausgepackt&#8220; im Rautenstrauch-Joest-Museum empfangen. In diesen Kisten verschifften Missionare einst Kulturg\u00fcter aus aller Welt in die Heimat. Das Bochumer Centrum f\u00fcr Religionswissenschaftliche Studien hat bei Missionsgemeinschaften nachgefragt und \u00fcber 2tausend Objekte gesichtet &#8211; von gesch\u00e4tzt \u00fcber 30tausend allein in NRW, die zum Teil auf Speichern von Ordensgemeinschaften stehen.<\/p>\n<p>\u00a0&#8222;Es gab Sammlungen, die gar nicht als solche wahrgenommen wurden, weil es Souvenirs waren, und irgendwo im Verborgenen in Kartons lagerten&#8220;, erkl\u00e4rt Dr. Oliver Lueb. Er ist Projektleiter im Rautenstrauch-Joest-Museum. In NRW waren es nur die Franziskaner in Werl und die Steyler in St. Augustin, die ihre Sammlungen in Missionsmuseen der \u00d6ffentlichkeit zeigten.<\/p>\n<p>xx<\/p>\n<p>Ausgew\u00e4hlte Kultursch\u00e4tze, die Missionare einst nach NRW mitbrachten, sind jetzt im Rautenstrauch-Joest-Museum zum ersten Mal zu sehen. Und man reibt sich die Augen, wenn man bei einem peruanischen Wegekreuz genau hinschaut. Das Leiden Christi ist dort abgebildet und gleichwertig daneben das Sterben des letzten Inkak\u00f6nigs Amaru. Man staunt auch \u00fcber eine handgeschnitzte Madonna, die einen Jesus auf dem Arm hat, der einem kleinen Buddha sehr \u00e4hnlich sieht. Dr. Lueb findet, dass diese, wie er sagt, &#8222;hybriden Objekte&#8220; zu den spannendsten Kunstwerken der Ausstellung geh\u00f6ren. &#8222;Ein bekanntes Motiv aus der jeweiligen Kultur wurde mit einer christlichen Geschichte aufgeladen&#8220;, erkl\u00e4rt er, &#8222;zwei Bildwelten wurden da miteinander verbunden&#8220;. Das hei\u00dft die Missionare nutzen die Bildwelten der jeweiligen Kulturen f\u00fcr die Missionierung zum Christentum.<\/p>\n<p>Warum aber haben Missionare \u00fcberhaupt exotische Kultursch\u00e4tze gesammelt und nach NRW verschifft? &#8222;Zum einen war es Neugierde&#8220;, erkl\u00e4rt Dr. Lueb, &#8222;die Missionare schickten Souvenirs nach Hause, weil sie selbst gar nicht mehr selbst nach Hause kamen. Zum anderen gab es von den Missionsorden genauere Auftr\u00e4ge, was gesammelt werden sollte, um damit in Deutschland Werbung f\u00fcr die Mission zu machen, um neues Personal zu gewinnen oder um Geld f\u00fcr die Mission zu sammeln&#8220;. Denn Missionare, so war man \u00fcberzeugt, taten Gutes, indem sie fremden Kulturen das Licht des Christentums brachten. Dass man dabei den Kulturen ihre eigene Identit\u00e4t raubte, spielte damals keine Rolle.<\/p>\n<p>xx<\/p>\n<p>Obwohl die Ausstellung keine Ausstellung \u00fcber Mission ist, wird nicht verschwiegen, dass die Missionierung eng verkn\u00fcpft war mit dem europ\u00e4ischen Kolonialismus und damit mit Sklaverei, Gewalt, Ausbeutung und Unterwerfung vieler V\u00f6lker in aller Welt. Auch l\u00e4\u00dft sich die genaue Herkunft besonders der Objekte aus \u00e4lteren Zeiten kaum noch rekonstruieren. In einer Vitrine sind zahlreiche fern\u00f6stliche Gottheiten ausgestellt. \u00a0Auf einem Beipackzettel kann man lesen, dass vollkommen unklar ist, woher sie genau aus Fernost stammen.<\/p>\n<p>&#8222;Missionssammlungen sind ein gro\u00dfer Teil unserer Geschichte&#8220;, ist Dr. Lueb \u00fcberzeugt, &#8222;wir zeigen in der Ausstellung auch unsere Verbundenheit in NRW mit den Menschen von fr\u00fcher und den Menschen aus aller Welt, und wie die Kontexte waren, warum die Objekte jetzt hier ins Museum gekommen sind.&#8220; Den Blick in die Welt, den Blick auf andere Kulturen wolle man weiten. Das sei auch ein Grund, warum diese Sonderausstellung im Haus der Kulturen gezeigt werde.<\/p>\n<p>Wie sehr sich Mission im Lauf der Zeit ge\u00e4ndert hat und was Mission heute sein kann, zeigt das Beispiel eines nachgebauten Kulthauses in der Dauerausstellung des Museums. Anhand von sieben markierten Beispielobjekten wird in der Dauerausstellung an das Thema &#8222;Missionssammlungen&#8220; angekn\u00fcpft. Das Kulthaus, ein sogenanntes &#8222;M\u00e4nnerhaus&#8220;, stammt aus einer Region Indonesiens. Nachdem Indonesien unabh\u00e4ngig geworden war, wollte die neue Regierung, alle Kulth\u00e4user zerst\u00f6ren, weil sie den Verdacht hatten, dass sich dort Revolution\u00e4re treffen k\u00f6nnten. Dem katholischen Bischof Alphonsus Augustus Sowada gelang es damals durch geschicktes Verhandeln, eines dieser Ritualorte als wichtiges Zeugnis der einheimischen Kultur zu retten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie Schatzkisten von einer fernen Schatzinsel sehen sie aus. 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