{"id":469239,"date":"2025-10-03T05:35:13","date_gmt":"2025-10-03T05:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/469239\/"},"modified":"2025-10-03T05:35:13","modified_gmt":"2025-10-03T05:35:13","slug":"stilllegung-von-gasspeichern-erloese-reichen-nicht-ploetzlich-offenbart-sich-auf-dem-energiemarkt-ein-bizarres-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/469239\/","title":{"rendered":"Stilllegung von Gasspeichern: \u201eErl\u00f6se reichen nicht\u201c \u2013 Pl\u00f6tzlich offenbart sich auf dem Energiemarkt ein bizarres Problem"},"content":{"rendered":"<p>Zu Beginn der Heizsaison sind viele Gasspeicher in Deutschland nur unzureichend gef\u00fcllt. Der Staatskonzern Uniper beantragt jetzt sogar die Stilllegung des drittgr\u00f6\u00dften deutschen Speichers. Der Grund \u00fcberrascht \u2013 und offenbart ein gro\u00dfes Versorgungsrisiko f\u00fcr das Land.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der verstaatlichte Energieriese Uniper aus D\u00fcsseldorf hat zu Beginn der Heizsaison beantragt, den drittgr\u00f6\u00dften deutschen Gasspeicher Breitbrunn am Chiemsee in Bayern im \u00fcbern\u00e4chsten Jahr stillzulegen. \u201eDie Erl\u00f6se reichen nicht aus, um die laufenden Kosten f\u00fcr Speicherentgelte, Betrieb und Netze zu decken\u201c, teilt der f\u00fchrende deutsche Gasversorger mit.<\/p>\n<p>Nach WELT-Informationen wollen auch andere Betreiber bei der Bundesnetzagentur Stilllegungen beantragen. Die Entscheidung verhei\u00dft f\u00fcr die Versorgungssicherheit nichts Gutes. Weil Deutschland unter anderem wegen des sogenannten Frackingverbots kaum eigenes Erdgas produziert, sind die Speicher zur W\u00e4rmeversorgung in Herbst, Winter und Fr\u00fchjahr unverzichtbar. <\/p>\n<p>Bislang ist Deutschland weltweit der viertgr\u00f6\u00dfte Betreiber von unterirdischen Gasspeichern, nach den USA, Russland und der Ukraine. An kalten Wintertagen werden bis zu 60 Prozent der deutschen W\u00e4rmeversorgung aus den Speichern abgedeckt. Wenn die Betreiber jetzt mitten in einer geopolitisch heiklen Versorgungslage aus dem Lagergesch\u00e4ft aussteigen wollen, hat nicht nur die Bundesrepublik ein Sicherheitsproblem: Ganz Europa ist auf die hierzulande gelagerten Vorr\u00e4te angewiesen.<\/p>\n<p>Kalter Winter, Speicher leer<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/guenstige-gas-tarife-was-ihr-wissen-solltet-und-fuer-wen-sich-wechseln-lohnt\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/guenstige-gas-tarife-was-ihr-wissen-solltet-und-fuer-wen-sich-wechseln-lohnt\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erdgas<\/a> wird in Kavernen gelagert, die aus unterirdischen Salzst\u00f6cken gesp\u00fclt wurden. Auch werden nat\u00fcrliche por\u00f6se Gesteinsschichten im Untergrund, sogenannte Porenspeicher, zur Lagerung genutzt. Aktuell sind diese Reservoirs in Deutschland zu 77 Prozent gef\u00fcllt. Laut Verordnung des Bundes m\u00fcssen die Speicher zum 1. November zu 80 Prozent gef\u00fcllt sein.<\/p>\n<p>Diese Vorgabe wird voraussichtlich auch erf\u00fcllt. Ein akutes Versorgungsproblem ist damit im kommenden Winter h\u00f6chst unwahrscheinlich. Doch im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren entwickeln sich die F\u00fcllst\u00e4nde sehr z\u00e4h: 90 Prozent w\u00e4ren zu dieser Jahreszeit eigentlich \u00fcblich. 80 Prozent reichen zwar bei einem normalen oder sogar warmen Winter. Gibt es jedoch eisige Temperaturen wie etwa im Jahr 2010, w\u00e4ren die deutschen Speicher Ende Januar leer, warnt die Energiespeicher-Initiative INES.<\/p>\n<p>In einem solchen Fall w\u00e4re der Bund gezwungen, seine Agentur \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.tradinghub.eu\/de-de\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.tradinghub.eu\/de-de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Trading Hub Europe<\/a>\u201c (THE) loszuschicken, um auf dem Weltmarkt kurzfristig Fl\u00fcssiggas aufzukaufen und per Tankschiff herbeibringen zu lassen. Nach den Erfahrungen der von Russland ausgel\u00f6sten Versorgungskrise vor drei Jahren wei\u00df man: Das w\u00fcrde den Bundeshaushalt Milliarden kosten. <\/p>\n<p>Doch das w\u00fcnschenswerte Aufstocken der Vorr\u00e4te auf 90 Prozent oder mehr gestaltet sich in diesem Jahr sehr schwierig. Die Gasversorger wollen keinen Speicherplatz mehr buchen. Der Uniper-Speicher Breitbrunn war am 30. September  erst zu knapp 58 Prozent gef\u00fcllt. \u201eNach mehreren erfolglosen Vermarktungsversuchen kann das F\u00fcllstandsziel von 80 Prozent bis zum 1. November nicht mehr zuverl\u00e4ssig erreicht werden\u201c, teilt Uniper mit.<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt in den strukturellen Verwerfungen des Gasmarktes, die durch den russischen Lieferstopp entstanden sind. Fr\u00fcher war das Gasspeicher-Gesch\u00e4ft ein Selbstl\u00e4ufer: Im Sommer wurde das stetig flie\u00dfende, billige Pipeline-Gas aus Russland in die Kavernen und Porenspeicher gef\u00fcllt, im Winter dann teuer verkauft: Die Preisdifferenz zwischen Sommer und Winter (\u201eSommer-Winter-Spread\u201c) sorgte bei Gasversorgern und Speicherbetreibern gleicherma\u00dfen f\u00fcr gute Gewinne.<\/p>\n<p>Mit dem Stopp russischer Gaslieferungen ist der \u00fcbliche Sommer-Winter-Spread jedoch aus dem Takt gekommen: Auf einmal war Gas im Sommer sogar teurer als die prognostizierten Winterpreise. Ein Gesch\u00e4ft mit eingespeichertem Gas lie\u00df sich so nicht mehr machen. Um eine Gasmangellage zu verhindern, gab die Bundesregierung der Beschaffungsagentur THE 2022 den Auftrag, im Notfall mit Steuergeld das fehlende Gas am Weltmarkt zu beschaffen.<\/p>\n<p>In dem Wissen, dass im Zweifel die THE kurz vor Beginn der Heizperiode praktisch jeden Preis zahlen w\u00fcrde, um die Heizungen in Deutschland warmzuhalten, spekulierten die Marktteilnehmer gegen die Bundesagentur: Statt einzulagern, speicherten sie sogar aus. Die deutschen Verbraucher mussten deshalb in den vergangenen drei Jahren rund sechs Milliarden Euro als \u201eGasspeicherumlage\u201c zahlen, um die hohen Beschaffungskosten der THE auszugleichen.<\/p>\n<p>Um die B\u00fcrger und Betriebe von Energiekosten zu entlasten, m\u00f6chte die neue Bundesregierung die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/politik\/bundesregierung-will-gaskunden-um-34-milliarden-euro-entlasten\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.businessinsider.de\/politik\/bundesregierung-will-gaskunden-um-34-milliarden-euro-entlasten\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gasspeicherumlage<\/a> zwar abschaffen. Die Speicherkosten sollen k\u00fcnftig direkt aus dem Bundeshaushalt oder dem Klima- und Transformationsfonds bezahlt werden.<\/p>\n<p>Doch die Haushaltsprobleme der Bundesregierung lassen eine solche L\u00f6sung kaum \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume zu. Weil jetzt weniger Gas stetig per Pipeline geliefert wird, sondern immer gr\u00f6\u00dfere Mengen nur im Bedarfsfall per Fl\u00fcssiggas-Tanker angeliefert werden, gibt es keinen verl\u00e4sslichen Sommer-Winter-Spread mehr, der den Speicherbetrieb bislang so ausk\u00f6mmlich gemacht hat. <\/p>\n<p>Es drohen Folgen, die dem politischen Ziel der \u201eResilienz\u201c, also der wirtschaftlichen Robustheit zuwiderlaufen. Wenn Kavernen- oder Porenspeicher komplett stillgelegt werden, fallen sie n\u00e4mlich dauerhaft aus, ohne R\u00fcckhol-Option. In einem Gasspeicher muss durchgehend ein gewisser Innendruck aufrechterhalten werden. Deshalb werden sie nie vollst\u00e4ndig entleert. Wird jedoch auch noch das sogenannte  \u201eKissengas\u201c abgelassen, was bei einer Betriebsaufgabe der Fall w\u00e4re, droht bei Kavernenspeichern der Einsturz, Porenspeicher w\u00fcrden sich mit Wasser vollsaugen.<\/p>\n<p>Der Bundesregierung d\u00fcrfte daran gelegen sein, es nicht so weit kommen zu lassen: Sie braucht die Speicher nicht nur als Versorgungsgarantie. Auch der nach wie vor geplante Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft kommt ohne Speicher nicht aus. Da Wasserstoff pro Volumeneinheit nur halb so viel Energie enth\u00e4lt wie Erdgas, sind bei einer Umstellung von dem fossilen Brennstoff auf den klimaneutralen Energietr\u00e4ger rechnerisch sogar doppelt so gro\u00dfe Speichervolumen n\u00f6tig. <\/p>\n<p>In der Gasbranche diskutiert man bereits L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten. Als ein Vorbild gilt Frankreich. Dort werden Gash\u00e4ndler verpflichtet, einzuspeichern. Der Speicherpreis wird per Auktion ermittelt. Ist das Auktionsergebnis nicht ausk\u00f6mmlich, bekommen die Speicherbetreiber einen staatlichen Zuschuss. Werden jedoch \u00dcbergewinne erzielt, m\u00fcssen sie ihre Einnahmen mit dem Staat teilen.<\/p>\n<p>Mit solchen \u201eDifferenzvertr\u00e4gen\u201c (contracts for difference, cfd) w\u00fcrden sich Speicherbetreiber Risiken und Chancen des Gesch\u00e4fts mit dem Staat teilen. Ein \u00e4hnliches Verg\u00fctungsmodell wird auch f\u00fcr \u00d6kostrom erwogen, wenn die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission f\u00fcr die sogenannte EEG-Verg\u00fctung Ende kommenden Jahres in Deutschland ausl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Wie es auch kommt: Saisonale Preisunterschiede am Markt werden wohl nicht mehr automatisch f\u00fcr gef\u00fcllte Gasspeicher sorgen: Die Betreiber verlangen mit den \u201eDifferenzvertr\u00e4gen\u201c k\u00fcnftig eine Art Versicherungspr\u00e4mie f\u00fcr ihre Dienstleistung. <\/p>\n<p><b>Dieser Artikel wurde f\u00fcr das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.businessinsider.de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Business Insider<\/b><\/a><b> erstellt.<\/b><\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-wetzel\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-wetzel\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Daniel Wetzel<\/b><\/a><b> ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet \u00fcber Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universit\u00e4t K\u00f6ln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zu Beginn der Heizsaison sind viele Gasspeicher in Deutschland nur unzureichend gef\u00fcllt. 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