{"id":469386,"date":"2025-10-03T06:55:13","date_gmt":"2025-10-03T06:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/469386\/"},"modified":"2025-10-03T06:55:13","modified_gmt":"2025-10-03T06:55:13","slug":"35-jahre-east-side-gallery-bilder-fuer-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/469386\/","title":{"rendered":"35 Jahre East Side Gallery: Bilder f\u00fcr die Freiheit"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.10.2025 07:02 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die East Side Gallery zieht sich mitten durch Berlin. Dort, wo fr\u00fcher Menschen erschossen wurden, bestaunen heute Millionen Besucher die Kunst auf Beton. Nach 35 Jahren hat die Galerie ihren einst spontanen Charakter verloren.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">An der M\u00fchlenstra\u00dfe direkt an der Spree, zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbr\u00fccke, bleiben Touristen stehen, z\u00fccken Handys, betrachten die farbigen Mauerreste. Ein Paar aus M\u00fcnchen wirkt ratlos: &#8222;Es sieht gar nicht so historisch aus&#8220;, sagt der Mann. Seine Begleiterin erg\u00e4nzt: &#8222;F\u00fcr mich ist das alles sehr weit weg, ich sollte mal wieder eine Doku sehen, ich wei\u00df zu wenig.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So geht es vielen, die hier vorbeikommen. F\u00fcr manche ist die East Side Gallery ein Fotomotiv, f\u00fcr andere ein schwer greifbares Relikt. Und doch bleibt sie einer der Orte, an denen Berliner Geschichte am st\u00e4rksten sp\u00fcrbar wird. Ohne die Bemalungen st\u00fcnden die Mauerreste heute wom\u00f6glich nicht mehr.<\/p>\n<p>    Vom Provisorium zum Denkmal<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am 28. September 1990, vor 35 Jahren, wurde die East Side Gallery er\u00f6ffnet. 118 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler aus 21 L\u00e4ndern bemalten den auch damals schon l\u00e4ngsten noch erhaltenen Mauerabschnitt, der sich \u00fcber 1,3 Kilometer erstreckt. Eigentlich war das Projekt nur f\u00fcr ein halbes Jahr geplant. Doch schon 1991 wurde die Galerie unter Denkmalschutz gestellt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Eines der bekanntesten Kunstwerke der east Side Gallery: Der Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Weil die urspr\u00fcnglich nur provisorisch aufgetragenen Farben abbl\u00e4tterten, folgte 2009 eine umfassende Sanierung: Viele Werke wurden neu aufgetragen und mit einem Schutz gegen Verwitterung und zum leichteren Entfernen von Graffiti versehen. Deshalb wirken ber\u00fchmte Motive wie der &#8222;Bruderkuss&#8220; von Dmitri Wrubel oder der durchbrechende Trabi von Birgit Kinder bis heute wie frisch gemalt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein Trabi f\u00fcr die Freiheit: Birgit Kinder bemalt einen Teil der Berliner Mauer.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was ohne Sanierung aus den Bildern geworden w\u00e4re, l\u00e4sst sich an einem unbehandelten Mauerabschnitt gut sehen: Dort ist das Mauerwerk por\u00f6s, die Farben sind verblasst, von den Bildern keine Spur mehr.<\/p>\n<p>    Bilder mit Botschaft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Galerie ist nicht nur bunt, sie ist auch politisch. &#8222;Die Best\u00e4ndigkeit der Ignoranz&#8220; nennt Karsten Wenzel sein Werk: Ein gesichtsloser Herrscher im K\u00f6nigsmantel, Kopfform und Brillenumriss deuten Erich Honecker an. &#8222;M\u00e4chtige entfremden sich vom Volk &#8211; das wiederholt sich in der Geschichte, leider auch heute noch&#8220;, sagt der K\u00fcnstler.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Das Werk von Karsten Wenzel warnt vor den Folgen einer Entfremdung vom Volk.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch Kani Alavis &#8222;Es geschah im November&#8220; pr\u00e4gt die Galerie: Eine Menschenmasse, die durch die Mauer dr\u00e4ngt. Der Maler, der 1938 im Iran geboren wurde und seit den 1970er-Jahren in Deutschland lebt, wollte den Moment des Mauerfalls festhalten &#8211; die Freude und die Euphorie, die Sorgen, die Mischung aus Gl\u00fcck und Unsicherheit. &#8222;Ich habe \u00fcber 800 Gesichter gemalt, jedes mit eigenem Ausdruck&#8220;, erz\u00e4hlt er. Er wohnte zu dem Zeitpunkt am Checkpoint Charlie, hat die von Ost nach West str\u00f6menden Menschen somit aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Aus n\u00e4chster N\u00e4he beobachtete Alavi die Euphorie nach dem Mauerfall &#8211; und hielt sie auf den Mauerresten fest.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Alavi ist nicht nur K\u00fcnstler, sondern auch Aktivist. Er gr\u00fcndete die Initiative zum Erhalt der East Side Gallery, deren Vorsitzender er ist. Sein unerm\u00fcdlicher Einsatz hat ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass die Galerie unter Denkmalschutz gestellt wurde. Nach wie vor k\u00e4mpft er gegen die fortw\u00e4hrenden Bedrohungen durch Investoren, die das Gel\u00e4nde mit dem Mauerabschnitt oder zumindest Teile davon kommerziell nutzen wollen. Offiziell verantwortet die landeseigene Stiftung Berliner Mauer seit 2018 die East Side Gallery.<\/p>\n<p>    Die Sanierung 2009 &#8211; ein kontroverses Thema<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trotz des Engagements vieler K\u00fcnstler gab es 2009 auch kontroverse Stimmen: Einige Urheber der Originalbilder lehnten die Sanierung ab oder wollten sich nicht an der Neuerstellung ihrer Werke beteiligen &#8211; aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden: Einige K\u00fcnstler bef\u00fcrchteten, dass durch das \u00dcbermalen die Authentizit\u00e4t und der urspr\u00fcngliche Ausdruck ihrer Arbeiten verloren gehen k\u00f6nnten. Andere kritisierten, dass nicht alle Urheber ausreichend in den Prozess eingebunden wurden. Wiederum andere fanden, dass durch die Erneuerung der Bilder der authentische, spontane Charakter der Galerie verloren gehen k\u00f6nnte &#8211; schlie\u00dflich waren die Werke urspr\u00fcnglich als tempor\u00e4re Kunst entstanden, nicht als Denkmal.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nicht zuletzt waren 2009 auch bereits einige der urspr\u00fcnglich 118 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler verstorben. Dies alles f\u00fchrte dazu, dass nicht alle Bilder der Galerie erneuert wurden, einige 1990 bemalte Fl\u00e4chen sind heute frei.<\/p>\n<p>    Eine Galerie, die vom Zusammenwachsen erz\u00e4hlt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">J\u00e4hrlich kommen Millionen Besucher aus aller Welt hierher: aus Europa, den USA, China oder Australien. Manche sehen die East Side Gallery als Mahnmal, andere denken \u00fcber ihre eigene Gegenwart nach. Ein Besucher aus Rum\u00e4nien sagt: &#8222;Fr\u00fcher starben Menschen beim Versuch, von Ost nach West zu gelangen &#8211; heute spazieren wir hier alle friedlich entlang.&#8220; So erz\u00e4hlt die East Side Gallery nicht nur von deutscher Teilung, sondern auch von Ver\u00e4nderung und Zusammenwachsen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die 1,3 Kilometer Mauerreste stehen frei zug\u00e4nglich am Spreeufer &#8211; ohne Zaun, ohne Eintritt. Das macht ihre Wirkung besonders: Wer hier entlang l\u00e4uft, begegnet Geschichte. Und zugleich einem Gesamtkunstwerk mitten in der Stadt. 35 Jahre nach ihrer Er\u00f6ffnung bleibt die East Side Gallery damit ein Denkmal, das mahnt, erinnert &#8211; und zeigt, wie Kunst Vergangenheit lebendig halten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.10.2025 07:02 Uhr Die East Side Gallery zieht sich mitten durch Berlin. 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