{"id":470511,"date":"2025-10-03T17:22:10","date_gmt":"2025-10-03T17:22:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/470511\/"},"modified":"2025-10-03T17:22:10","modified_gmt":"2025-10-03T17:22:10","slug":"ehemalige-innerdeutsche-grenze-vom-todesstreifen-zum-naturparadies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/470511\/","title":{"rendered":"Ehemalige innerdeutsche Grenze: Vom Todesstreifen zum Naturparadies"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.10.2025 16:50 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die ehemalige Grenze zwischen Ost und West ist heute ein Schutzgebiet. Wo einst Sch\u00fcsse fielen, f\u00fchlen sich Biber, W\u00f6lfe und Wildpferde wohl. Was aus dem deutsch-deutschen Niemandsland geworden ist.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;B\u00f6ser Ort&#8220;, so hei\u00dft der 90-Grad-Knick der Elbe zwischen dem nordwestlichsten Zipfel Brandenburgs und dem nieders\u00e4chsischen Wendland. Binnenschiffer f\u00fcrchten die t\u00fcckischen Str\u00f6mungen. Davon unbeeindruckt setzt die kleine F\u00e4hre &#8222;Westprignitz&#8220; hier zigmal am Tag \u00fcber. Schon seit 500 Jahren \u00fcberqueren Menschen zwischen Pevestorf und Lenzen den Fluss.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nur vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis kurz nach dem Mauerfall war der F\u00e4hrbetrieb eingestellt: In der Flussmitte verlief die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik. Damals patrouillierten bewaffnete Posten auf dem \u00f6stlichen Deich. Direkt am F\u00e4hranleger steht noch ein Grenzwachturm aus Beton, heute ist er eine Aussichtsplattform.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Oben l\u00e4sst Wolfgang Wetzel den Blick \u00fcber den Fluss und die weite norddeutsche Landschaft schweifen. In seiner Kindheit hat er von der Westseite aus den mehr als drei Meter hohen Grenzzaun auf dem Deich am Ostufer gesehen. &#8222;Es sah immer aus wie eingesperrt&#8220;, erinnert er sich. &#8222;Der Zaun hat irgendwie Eindruck gemacht. Und die T\u00fcrme waren ja alle besetzt. War schon immer ein bisschen komisch.&#8220;<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/uferbereich-elbe-luetkenwisch-100.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Bilderstrecke<br \/>\n        Uferbereich der Elbe bei L\u00fctkenwisch zur Zeit der DDR und heute<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>    Abgeholzter Grenzstreifen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der massive Zaun ist l\u00e4ngst verschwunden. Den Deich haben die Beh\u00f6rden verlegt, damit der Fluss bei Hochwasser mehr Platz hat. &#8222;Hier inmitten des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Flusslandschaft Elbe haben wir wirklich eine naturnahe Flusslandschaft, wie man sie kaum noch findet&#8220;, sagt Bettina K\u00fchnast, die das Besucherzentrum des Bundes f\u00fcr Umwelt und Naturschutz in Lenzen leitet. &#8222;F\u00fcr Mitteleuropa ist das wirklich einzigartig.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zu DDR-Zeiten holzten die Grenzer die Gegend weitr\u00e4umig ab. Sie wollten freie Sicht auf den Todesstreifen, um auf sogenannte Republikfl\u00fcchtlinge schie\u00dfen zu k\u00f6nnen. In den vergangenen 35 Jahren haben Natursch\u00fctzer wieder B\u00e4ume gepflanzt, auch ein Auwald w\u00e4chst heran. Das alles kommt der Artenvielfalt und dem Tierbestand zugute. &#8222;Das Braunkehlchen findet man hier immer noch&#8220;, berichtet Bettina K\u00fchnast. Dazu gekommen sind Biber, W\u00f6lfe und Wildpferde, die entlang der Elbe auf den Fl\u00e4chen der Deichr\u00fcckverlegung leben.<\/p>\n<p>    &#8222;Gr\u00fcnes Band&#8220; per App erkunden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Elbauen geh\u00f6ren wie die kompletten 1.400 Kilometer der einstigen innerdeutschen Grenze vom S\u00fcden Sachsens bis hoch zur Ostsee zum Schutzgebiet &#8222;Gr\u00fcnes Band&#8220;. 40 Jahre lang hatten nur Grenzsoldaten Zugang zum Todesstreifen, die Natur blieb relativ ungest\u00f6rt. Schon 1989 hatten deshalb Natursch\u00fctzer die Idee, diese Biotope zu erhalten. Heute kann jede und jeder den Verlauf des &#8222;Eisernen Vorhangs&#8220; per Rad oder zu Fu\u00df erkunden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das &#8218;Gr\u00fcne Band&#8216; steht auf der einen Seite f\u00fcr die deutsche Teilung und das Leid, das die Menschen erfahren haben. Auf der anderen Seite aber auch daf\u00fcr, dass 1989 die Teilung \u00fcberwunden wurde und somit f\u00fcr Freiheit und Selbstbestimmung&#8220;, sagt Historikerin Franziska Kuschel, die den Arbeitsbereich Wissenschaft bei der Bundesstiftung Aufarbeitung leitet. Die Stiftung ver\u00f6ffentlicht am Tag der deutschen Einheit 2025 gemeinsam mit dem Verein BerlinHistory eine App mit umfangreichen Informationen zur Geschichte der Grenze und des heutigen &#8222;Gr\u00fcnen Bandes&#8220;.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/aussichtsplattform-harpe-darendorf-104.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Bilderstrecke<br \/>\n        Aussichtsplattform zwischen Harpe und Darendorf zur Zeit der DDR und heute<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Autor Thom Gallie hat daf\u00fcr 900 Orte besucht, fotografiert und deren Historie recherchiert. &#8222;Es gibt viele, viele Grenzt\u00fcrme, die erhalten geblieben sind&#8220;, berichtet er. &#8222;Es gibt Grenzpfosten, Zaunpf\u00e4hle &#8211; ganz viele materielle Dinge, die anzufassen und zu besuchen sind.&#8220; Vieles davon ordnet die App mit kurzen Texten ein, erinnert an die Todesopfer des Grenzsystems und erkl\u00e4rt die Natur der Schutzgebiete. Fotos von damals und heute zeigen die Ver\u00e4nderungen. Interaktive Karten helfen bei der Orientierung. Eine Wander- und Radroute \u00fcber die gesamte L\u00e4nge des &#8222;Gr\u00fcnen Bandes&#8220; ist ebenso verzeichnet wie viele lokale Rundwege.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/ostsee-strand-110.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Bilderstrecke<br \/>\n        Strandabschnitt an der Ostsee zur Zeit der DDR und heute<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>    Pr\u00e4sente Vergangenheit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Thom Gallie hat \u00fcberrascht, wie pr\u00e4sent die Vergangenheit vor Ort noch immer ist: &#8222;Wenn man am &#8218;Gr\u00fcnen Band&#8216; mit Zeitzeugen spricht und die Menschen fragt: &#8218;Was hast du am 9. November 1989 gemacht?&#8216; kommt wie aus der Pistole geschossen eine Antwort. Das beschreibt jeder, der dort in der Region gelebt hat, als einen ganz wichtigen Zeitpunkt in seinem Leben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch besondere Schicksale sind \u00e4lteren Anwohnern noch bewusst. Anfang der 1950er-Jahre etwa hatte die DDR-Staatssicherheit auf Befehl der Staatsf\u00fchrung viele Menschen vertrieben, weil sie zu dicht an der Grenze lebten. Danach lie\u00dfen die Beamten viele der H\u00e4user zerst\u00f6ren, manchmal sogar ganze D\u00f6rfer und Siedlungen. Diese geschleiften Orte sind in der App verzeichnet. Und auch kurze Biografien von 233 Menschen, die am &#8222;Eisernen Vorhang&#8220; ums Leben kamen &#8211; von Grenzsoldaten erschossen oder ertrunken beim Versuch, schwimmend aus der DDR zu fl\u00fcchten.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/grenze-ullitz-104.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Bilderstrecke<br \/>\n        Innerdeutsche Grenze bei Ullitz zur Zeit der DDR und heute<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>    Kultur- und Naturerbe<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den dreieinhalb Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung sind entlang der ehemaligen Grenze viele neue Biotope entstanden. Ob in der G\u00f6rsdorfer Heide zwischen Sachsen und Bayern, in der renaturierten Werra-Aue zwischen Th\u00fcringen und Hessen oder eben an der Elbf\u00e4hre zwischen Brandenburg und Niedersachsen &#8211; \u00fcberall zieht das &#8222;Gr\u00fcne Band&#8220; Touristen wie Wolfgang Wetzel an: &#8222;Das ist eine tolle Natur hier. Und das hat mich einfach begeistert. Deswegen bin ich jetzt hier.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wegen dieser Verbindung aus Natur und Geschichte wollen Engagierte das &#8222;Gr\u00fcne Band&#8220; gleich doppelt als UNESCO-Welterbe anmelden: Als erster Ort weltweit soll er Weltkulturerbe und Weltnaturerbe gleichzeitig werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.10.2025 16:50 Uhr Die ehemalige Grenze zwischen Ost und West ist heute ein Schutzgebiet. 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