{"id":471316,"date":"2025-10-04T00:54:16","date_gmt":"2025-10-04T00:54:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/471316\/"},"modified":"2025-10-04T00:54:16","modified_gmt":"2025-10-04T00:54:16","slug":"ex-regierungspraesident-steinbachs-grossprojekt-fuer-das-leipziger-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/471316\/","title":{"rendered":"Ex-Regierungspr\u00e4sident Steinbachs Gro\u00dfprojekt f\u00fcr das Leipziger Land"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">R\u00f6tha. Walter Christian Steinbach kommt kaum dazu, seine Tasse Kaffee auszutrinken. So viel hat er zu erz\u00e4hlen von seinem neuen Projekt im Leipziger Land: der Internationalen Bauausstellung. Bisher wissen nur wenige, was das ist und was das soll. Trotzdem sitzt der 81-J\u00e4hrige l\u00e4chelnd da und sagt: \u201eDas wird gut.\u201c Widerspruch und Skepsis ist er gewohnt \u2013 seit Jahrzehnten. Seine Biografie erz\u00e4hlt viel vom Wandel der Region.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dieser Mann war und ist ein Macher. Als am 30. Mai 1968 die Universit\u00e4tskirche in Leipzig aus Ideologiegr\u00fcnden gesprengt wurde, war der 24-J\u00e4hrige entsetzt. \u201eDas geht gar nicht\u201c, sagte er sich. Gerade hatte er sein Studium in Physik und Mathematik beendet. Er studierte aus Protest Theologie und wurde Pfarrer in R\u00f6tha. Daneben lag das Braunkohlenwerk Espenhain, auch \u201eDreckschleuder\u201c genannt. M\u00f6lbis, nur wenige Kilometer entfernt, sollte sp\u00e4ter als \u201edreckigstes Dorf Europas\u201c bekannt werden.<\/p>\n<p>Vom Pfarrer zum Umweltsch\u00fctzer<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Lebenserwartung in der Region lag sechs Jahre unter dem Landesdurchschnitt, die Krebsh\u00e4ufigkeit war extrem. Kinder hatten in hohem Ma\u00dfe Haut- und Atemwegserkrankungen. Steinbach geh\u00f6rte zu den Gr\u00fcndern des Christlichen Umweltseminars R\u00f6tha und setzte auf friedlichen Protest.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Tausende Menschen kamen zu den Umweltgottesdiensten. \u201eEine Mark f\u00fcr Espenhain\u201c war die gr\u00f6\u00dfte nicht genehmigte Unterschriftenaktion der DDR. Ende der 1980er-Jahre sa\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig Stasi-Mitarbeiter im Trabant vor seinem Haus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"b800a950-d047-11e8-a21b-126bf507ab26_15164758465\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/5EUIAO772MBY5AI24GUFG5VMJQ.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nach der politischen Wende war er 20 Jahre lang Chef des Regierungspr\u00e4sidiums, einer wichtigen Entscheidungsbeh\u00f6rde. Die gestaltete wesentlich das Leipziger Neuseenland. Eine Landschaft voller Tagebaul\u00f6cher sollte zur Seenplatte werden. Damals, Anfang der 90er, sagten die meisten: \u201eIhr spinnt doch, das wird nie was!\u201c Doch Europas gr\u00f6\u00dfter Landschaftsumbau gelang. <\/p>\n<blockquote><p>Beim Neuseenland haben viele mitgewirkt, und es hat der Region im Tief der Arbeitslosigkeit geholfen.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Walter Christian Steinbach<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 kncpVQ\">ehemaliger Regierungspr\u00e4sident<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Trotz schwieriger Verh\u00e4ltnisse. Von 56.000 Menschen, die in Mitteldeutschland im Bereich Bergbau, Chemie und Energie arbeiteten, sei damals etwa die H\u00e4lfte arbeitslos geworden. Es gab Frustration und Unsicherheit. Steinbach bewertet heute: zu viel Siegerpose damals, zahlreiche Menschen hatten \u201eviel erlitten\u201c.<\/p>\n<p>Anfangs Skepsis beim Neuseenland<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Was ihm damals wie heute wichtig ist: \u201eVerwaltung sowie B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger m\u00fcssen sich auf Augenh\u00f6he begegnen.\u201c Als er in die Beh\u00f6rde wechselte, sagte er zu seinen Besch\u00e4ftigten: \u201eIch m\u00f6chte, dass Eure erste Frage beim B\u00fcrgerkontakt nicht ist \u201aBin ich zust\u00e4ndig?\u2018, sondern \u201aWie kann ich Ihnen helfen?\u2018.&#8220;<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Das Neuseenland sei im engen Austausch mit St\u00e4dten und Gemeinden, B\u00fcrgerschaft und Wirtschaft entstanden, \u201ees haben viele daran mitgewirkt, und es hat der Region im Tief der Arbeitslosigkeit geholfen\u201c. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ex-Regierungspr\u00e4sident Walter Christian Steinbach.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6EVJJLUN22QADG4XOBXPKR3AL4.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Den Bergm\u00e4nnern, die ihre jahrzehntelangen Arbeitsorte \u2013 Kraftwerke wurden gesprengt, an den B\u00f6schungen der Seen arbeiteten meist die einstigen Kumpel \u2013 sei seiner Meinung nach bei diesem gro\u00dfen Wandel zu wenig gedankt worden.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Den Neubau des Kraftwerkes Lippendorf, er\u00f6ffnet im Jahr 2000, sieht er nach wie vor als Meilenstein. \u201eMich \u00e4rgert die H\u00e4me, die ich heute zum Teil wahrnehme.\u201c Schon damals sei klar gewesen, dass Nutzung von Braunkohle nicht dauerhaft m\u00f6glich ist, doch es sei eine wichtige \u00dcbergangstechnologie gewesen, \u201edie Region brauchte das Kraftwerk\u201c. Wesentlich war auch der Bau der Autobahn 38. Als die Trasse 2009 fertig war, gab es dort ein Volksfest, so was sei selten in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Jetzt stehe das Leipziger Land vor dem zweiten gro\u00dfen Wandel \u2013 und da laufe so einiges nicht rund, findet Steinbach, der CDU-Mitglied ist. \u201eEnergie hat mit Physik zu tun und nicht mit Ideologie\u201c, sagt er. Wesentliche Fragen seien: Was erfordert der Klimawandel? Was kostet das? Und dann m\u00fcsse mit B\u00fcrgern auf Augenh\u00f6he diskutiert werden: Was k\u00f6nnen wir gemeinsam ertragen?<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Hier setzt nun das neue Projekt an, das er seit einigen Jahren mit Akteuren der Region vorbereitet und das 2027 starten soll: die Internationale Bauausstellung im Leipziger Land. Solche Ausstellungen gibt es seit Jahrzehnten deutschlandweit, um st\u00e4dtebaulichen und landschaftlichen Wandel mit neuen Ideen voranzutreiben. Dabei geht es um soziale, wirtschaftliche und \u00f6kologische Aspekte.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Was hei\u00dft das konkret f\u00fcr die hiesige Region? Steinbach will hier \u201eLeuchtt\u00fcrme\u201c aufstellen, Projekte vor Ort verwirklichen und zum Nachahmen anregen. Themen sind zum Beispiel:<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Erstens:<\/b> \u201eDas Bauwesen ist f\u00fcr 40 Prozent der globalen CO\u2082-Emissionen verantwortlich, da m\u00fcssen wir ran\u201c, sagt er. Eine Bauwende sei angesagt. Es gehe darum, mit CO\u2082-freiem Beton und mit Holz zu bauen. Ein Hochhaus, der Torso aus Beton, ummantelt mit Holz, soll entstehen, Holzindustrie sich ansiedeln.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Zweitens:<\/b> Umbau statt Abriss und Neubau. Hier gebe es enorme Ressourcen. Das Leipziger Land k\u00f6nne zu einer Modellregion f\u00fcr klimaneutrales und zukunftsorientiertes (Um)-Bauen werden.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Drittens:<\/b> \u201eWir haben zu wenig B\u00fcrgerbeteiligung\u201c, sagt er. Es m\u00fcsse mehr Dialog geben und nicht nur Erkl\u00e4rungen, was nicht geht. \u201eEine Energiewende gegen B\u00fcrger ist aussichtslos.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Viertens:<\/b> Sozialen Wohnungsbau neu denken. \u201eEs geht nicht um billigen Wohnraum, sondern um eine Art des Bauens, das soziales Leben f\u00f6rdert\u201c, meint er.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>F\u00fcnftens:<\/b> Das Neuseenland solle endlich komplett werden. Es fehlen immer noch die Verbindungen zwischen den Seen, \u201ewir m\u00fcssen neue Wege ansto\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p>2027 soll es losgehen<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Kontakte zu Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kommunen sind gekn\u00fcpft. Anfang 2027 soll eine mehrk\u00f6pfige Mannschaft starten, die Wettbewerbe ausschreibt, gute Projekte aussucht und bekanntmacht, bei der F\u00f6rdermittelsuche und Umsetzung hilft. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ja, es gebe wieder Zweifler und Kritiker. Doch daran ist Steinbach schon lange gew\u00f6hnt. Er setzt auf positive Visionen und will die auch in der Realit\u00e4t bauen.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"R\u00f6tha. Walter Christian Steinbach kommt kaum dazu, seine Tasse Kaffee auszutrinken. 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