{"id":471514,"date":"2025-10-04T02:46:20","date_gmt":"2025-10-04T02:46:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/471514\/"},"modified":"2025-10-04T02:46:20","modified_gmt":"2025-10-04T02:46:20","slug":"muss-die-zivile-seenotrettung-auf-dem-mittelmeer-gerettet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/471514\/","title":{"rendered":"Muss die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer gerettet werden?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.10.2025 20:14 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Seit 2015 retten vor allem zivile Organisationen Migranten aus dem Mittelmeer. Aber sie stecken in Schwierigkeiten, denn Italiens Regierung behindert ihre Arbeit. Und der Bundestag streicht F\u00f6rdermittel.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/lisa-weiss-102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Lisa Wei\u00df\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/weiss-110.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist fr\u00fch am Morgen, als am vergangenen Montag das Schiff Sea Watch 5 der privaten deutschen Seenotrettungsorganisation Sea Watch den Hafen von Neapel erreicht. An Bord sind auch 124 aus dem Mittelmeer gerettete Migrantinnen und Migranten. Sea-Watch-Einsatzleiterin Eliora Henzler ist erst mal mehrere Stunden bei der K\u00fcstenwache, um Fragen zur Rettungsaktion zu beantworten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie seien von der libyschen K\u00fcstenwache bedroht und beschossen worden, als sie 60 Menschen aus dem Meer retten wollten, erz\u00e4hlt Henzler danach &#8211; und das in internationalen Gew\u00e4ssern, nicht direkt vor der libyschen K\u00fcste. Sie und die anderen seien m\u00fcde, aber erleichtert, dass die Rettungsaktion gegl\u00fcckt ist, dass alle jetzt sicher an Land sind. Die libysche K\u00fcstenwache wird vor allem von Milizen kontrolliert, verifizieren l\u00e4sst sich dieser mutma\u00dfliche Angriff daher nur schwer.<\/p>\n<p>    Ein Bootsungl\u00fcck und seine Folgen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Rettungsaktionen wie diese wurden fr\u00fcher mal von staatlichen Stellen durchgef\u00fchrt, nicht von zivilen Seenotrettungsorganisationen wie Sea Watch, Sea Eye oder all den anderen. Gerade Italien tat sich da hervor: Nach einem schweren Bootsungl\u00fcck vor Lampedusa am 3. Oktober 2013, bei dem mehr als 300 Migrantinnen und Migranten starben, schickte die damalige Mitte-Links-Regierung in Italien zus\u00e4tzliche Marineschiffe ins Mittelmeer. Sie sollten Schlepper finden, aber auch Menschen in Seenot retten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr als 150.000 Menschen wurde durch diese sogenannte Mission Mare Nostrum aus dem Mittelmeer gerettet, in etwa einem Jahr. Dann lief Mare Nostrum aus, und der politische Wind hatte sich gedreht: Die Nachfolgemission Triton der EU hatte das Ziel, die Grenzen der EU zu sch\u00fctzen, nicht Menschen zu retten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deshalb sprangen Privatleute ein, gr\u00fcndeten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), kauften mit Spendengeldern Schiffe, um Migranten zu retten.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Bilder von der Insel Lampedusa spalteten nicht nur die italienische Gesellschaft. Die hohe Zahl von ankommenden Migranten und Fl\u00fcchtlingen zeugte von der dramatischen Lage auf dem Mittelmeer. Zugleich f\u00fchlte man sich auf der Insel immer wieder \u00fcberfordert.\n                    <\/p>\n<p>    Zehntausende im Mittelmeer verschwunden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So wie die Sea Watch 5, auf der Henzler im Einsatz ist. Ihre Bilanz der vergangenen zehn Jahre: Die Arbeit der NGOs reiche nicht aus, sei in etwa so hilfreich wie ein Pflaster auf einer Schusswunde. Zivile Organisationen k\u00f6nnten diese Aufgabe nicht stemmen, eigentlich m\u00fcssten da die Staaten Verantwortung \u00fcbernehmen, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und: Die Seenotrettung habe in den vergangenen zehn Jahren zwar extrem viele Leute gerettet, sehr viele Leute seien aber auch beim \u00dcberqueren des Mittelmeers ertrunken. Die Internationale Organisation f\u00fcr Migration der Vereinten Nationen geht davon aus, dass seit 2014 mehr als 32.000 Menschen im Mittelmeer verschwunden sind. \u00a0<\/p>\n<p>    Melonis versch\u00e4rfter Kurs<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr die NGOs: Italiens aktuelle, sehr rechte Regierung behindert die zivile Seenotrettung &#8211; noch mehr als andere rechte Regierungen vor ihr. Unter Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni wurde unter anderem eingef\u00fchrt, dass Seenotrettungsschiffe nach jeder Rettung zur\u00fcck in den Hafen m\u00fcssen, auch wenn sie noch Platz f\u00fcr weitere Menschen in Seenot h\u00e4tten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die NGOs beklagen zudem, dass Italiens Beh\u00f6rden ihnen oft weit entfernte H\u00e4fen zuweisen, irgendwo in Norditalien, anstatt im nahen Sizilien. Die Folge: Die Schiffe sind tagelang unterwegs und k\u00f6nnen in dieser Zeit keine Migrantinnen und Migranten retten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Oft werden die Seenotrettungsschiffe wochenlang in den H\u00e4fen festgesetzt. Immer wieder entscheiden italienische Gerichte im Nachgang, dass diese Festsetzungen nicht rechtm\u00e4\u00dfig gewesen seien.<\/p>\n<p>    Abschreckung statt Seenotrettung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Strategie von Italiens Regierung, um mit der Migration umzugehen: Sie setzt auf Abschreckung und auf Abkommen mit Libyen oder Tunesien. Die L\u00e4nder sollen die Migrantinnen und Migranten zur\u00fcckhalten, damit diese gar nicht erst aufs Meer kommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Italiens Innenminister Matteo Piantedosi geht diese Strategie auf. Nur, indem man die irregul\u00e4ren Abfahrten komplett blockiere, k\u00f6nne man die Schiffbr\u00fcche auf null reduzieren, sagte Piantedosi.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seitdem die aktuelle Regierung im Amt sei, habe sich die Zahl der Ank\u00fcnfte drastisch reduziert &#8211; in diesem Sommer seien es 60 Prozent weniger als im Jahr 2023 gewesen. Man sei zuversichtlich, noch besser zu werden, so der Innenminister.\u00a0<\/p>\n<p>    Bundestag streicht Mittel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das politische Klima in weiten Teilen Europas hat sich in den vergangenen zehn Jahren ver\u00e4ndert. Vor kurzem hat auch der Haushaltsausschuss im deutschen Bundestag die Mittel f\u00fcr die Seenotrettung gestrichen. Viele NGOs sehen dies als ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Rettung von Migrantinnen und Migranten auch f\u00fcr Deutschland kaum noch Priorit\u00e4t hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kritiker der zivilen Seenotrettung bef\u00fcrchten allerdings, dass immer mehr Menschen in Boote steigen und im Mittelmeer sterben, weil sie davon ausgehen, sowieso von den NGOs gerettet zu werden und nach Europa zu kommen.<\/p>\n<p>    Seenotrettung als Pull-Effekt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit diesem so genannten Pull-Effekt hat sich auch Christopher Hein besch\u00e4ftigt. Er ist Professor f\u00fcr Migrations- und Asylrecht an der Universit\u00e4t LUISS in Rom. Dazu sei viel diskutiert, geschrieben und geforscht worden, sagt er, aber empirisch sei dieser Pull-Effekt bei der Seenotrettung nicht nachweisbar.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Hein gibt es einen anderen Faktor: Viele Staaten k\u00fcrzen momentan Hilfsgelder f\u00fcr die Anrainerstaaten von Kriegs- und Krisengebieten in Afrika oder Asien. Wenn Menschen vor Krieg oder Hungersn\u00f6ten aus ihrer Heimat in Nachbarstaaten fliehen, dort aber nicht leben k\u00f6nnen, weil es an allem fehlt, dann z\u00f6gen sie weiter nach Europa, sagt der Professor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Den gleichen Effekt habe man schon w\u00e4hrend der so genannten Fl\u00fcchtlingskrise vor zehn Jahren gesehen. Auch da hatten viele Staaten einige Zeit zuvor angefangen, bei der humanit\u00e4ren Hilfe zu sparen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.10.2025 20:14 Uhr Seit 2015 retten vor allem zivile Organisationen Migranten aus dem Mittelmeer. 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