{"id":472129,"date":"2025-10-04T08:45:10","date_gmt":"2025-10-04T08:45:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/472129\/"},"modified":"2025-10-04T08:45:10","modified_gmt":"2025-10-04T08:45:10","slug":"wie-sibirien-nur-in-europa-was-in-deutschland-passiert-wenn-der-golfstrom-versiegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/472129\/","title":{"rendered":"&#8222;Wie Sibirien, nur in Europa&#8220;: Was in Deutschland passiert, wenn der Golfstrom versiegt"},"content":{"rendered":"<p>                    &#8222;Wie Sibirien, nur in Europa&#8220;<br \/>\n                Was in Deutschland passiert, wenn der Golfstrom versiegt<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Oliver Scheel<br \/>\n\t\t\t\t              04.10.2025, 10:23 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Atlantische Umw\u00e4lzstr\u00f6mung wird laut Experten rapide schw\u00e4cher. Ein Kollaps k\u00f6nnte Europa v\u00f6llig ver\u00e4ndern. Doch welche Folgen drohen ganz konkret? Zwei Klimaforscher schildern ntv.de, worauf wir uns unter Umst\u00e4nden einstellen m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Welt heizt sich auf &#8211; schneller als die meisten Experten es bef\u00fcrchtet hatten. Doch ein Kontinent k\u00f6nnte ausgerechnet in Zeiten der Erderw\u00e4rmung eine herbe K\u00e4lteschelle abkriegen: Europa. Denn es ist ziemlich offensichtlich, dass die immer w\u00e4rmer werdende Welt die Atlantische Meridionale Umw\u00e4lzzirkulation (AMOC), im Volksmund meist Golfstrom genannt, abw\u00fcrgt. Und wenn das passiert, m\u00fcssen wir uns warm anziehen. Die Klimaforscher Stefan Rahmstorf und Frederik Schenk zeichneten auf dem Extremwetterkongress j\u00fcngst in Hamburg ein gespenstisches Szenario f\u00fcr uns Europ\u00e4er.<\/p>\n<p>Was spielt sich da gerade ab im Atlantik? Vereinfacht gesagt ist es so, dass die enorme Gletscherschmelze vor allem vom gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eisschild riesige Mengen an S\u00fc\u00dfwasser ins Meer tr\u00e4gt, wodurch sich der Salzgehalt des Meerwassers ver\u00e4ndert. Das Absinken des kalten Tiefenwassers wird gest\u00f6rt, die Zirkulation des Wassers ger\u00e4t ins Stocken. Die AMOC sei jetzt schon schw\u00e4cher als &#8222;jemals in den letzten 1000 Jahren&#8220;, sagte Rahmstorf. Sollte der Kipppunkt schon erreicht sein, dann wird sich die Str\u00f6mung in den kommenden Jahrhunderten nicht mehr erholen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen diesen Prozess dann nicht mehr stoppen. &#8222;Das ist sehr bedenklich&#8220;, so der renommierte Klimaexperte vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK).<\/p>\n<p>Aber warum ist das so bedenklich? Was passiert mit Europa ohne diese riesige W\u00e4rmepumpe im Atlantik? W\u00e4hrend sich S\u00fcdeuropa weiter aufheizt, wird es in Nord- und Mitteleuropa wesentlich k\u00e4lter. &#8222;Wie das Wetter dann aussieht, kann heute niemand beantworten. Das ist so weit weg von dem, was wir kennen. Da k\u00f6nnen wir nur sagen, es werden ungeahnte Sachen passieren, die wir bislang nie erlebt haben&#8220;, so Rahmstorf.<\/p>\n<p>&#8222;St\u00fcrme werden zunehmen&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Man kann sich sicher sein, dass die St\u00fcrme zunehmen werden. Der CO2-Gehalt steigt ja weiter an, die Energie ist also da. Aber der Atlantik k\u00fchlt stark ab, dann kriegst du riesige Gradienten (Temperaturunterschiede in zwei Regionen, Anm. d. Red.) und das muss durch St\u00fcrme ausbalanciert werden. Das geht gar nicht anders&#8220;, erkl\u00e4rt Schenk. Sein Forschungsfeld ist tats\u00e4chlich die Vergangenheit. Er untersucht die Bedingungen, die bei anderen AMOC-St\u00f6rungen oder Abrissen in Europa vorherrschten. Vor etwa 15.000 bis 11.000 Jahren gab es mehrere Aufs und Abs bei der AMOC.<\/p>\n<p>Damals waren die Winter extrem kalt und extrem lang. Die Vegetationsphasen waren sehr kurz, die Sommer dabei hei\u00df. &#8222;In Europa gab es kaum W\u00e4lder. Die Sommer waren hei\u00df und trocken, die Winter kalt&#8220;, so Schenk. Das Klima w\u00e4re in etwa so wie das von Sibirien. &#8222;Nur eben jetzt mitten in Europa&#8220;, sagt er. &#8222;Die Ver\u00e4nderungen w\u00e4ren massiv. Das w\u00fcrde praktisch alles \u00e4ndern, Landwirtschaft k\u00f6nnen wir vergessen, Forstwirtschaft, die in nordischen L\u00e4ndern ja sehr wichtig ist, k\u00f6nnen wir weitgehend vergessen. In Zentraleuropa, also in Deutschland und dem Mittelmeerraum kommt dann diese akute Trockenheit hinzu&#8220;, beschreibt Schenk das Szenario, das uns droht.<\/p>\n<p>Hohe Wahrscheinlichkeit f\u00fcr AMOC-Kollaps<\/p>\n<p>Und diese lebensferne Welt, die so gar nichts mit unserem jetzigen angenehmen Klima zu tun hat, k\u00f6nnte sich innerhalb von nur 100 Jahren einstellen. Den Kipppunkt dazu haben wir vielleicht schon \u00fcberschritten. &#8222;Dann dauert es noch 50 bis 100 Jahre, bis die AMOC v\u00f6llig versiegt ist&#8220;, erl\u00e4utert Rahmstorf. Seine Modellierungen zeichnen ein dramatisches Bild: Wenn wir weiterhin so viel Treibhausgas in die Atmosph\u00e4re entlassen, dann liegt die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen AMOC-Kollaps bei 70 Prozent.<\/p>\n<p>Wie aber passt das alles zusammen? Schlie\u00dflich sehen wir ja momentan wenig von strenger werdenden Wintern. &#8222;Im Moment merken wir die Auswirkungen eher in Form von besonders hei\u00dfen Sommern. Das Alfred-Wegener-Institut zeigt, dass die Hitzesommer mit besonders kalten Temperaturen drau\u00dfen im Atlantik korrelieren. Hitzewellen in Europa haben st\u00e4rker zugenommen als in anderen Regionen und vergleichbaren Breitengraden. Wir k\u00f6nnen also sagen, wir sp\u00fcren bereits die Folgen, nur nicht wie in &#8218;The Day After Tomorrow&#8216;, wo es ganz kalt wird, sondern eher so, dass Europa zu einem Hotspot f\u00fcr Hitzewellen geworden ist&#8220;, erkl\u00e4rt Rahmstorf in unserem Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Das sieht Schenk, der in Stockholm forscht, \u00e4hnlich: &#8222;W\u00e4hrend der Hitzewellen gab es immer wieder den Zusammenhang zwischen den kalten Meerestemperaturen im Atlantik und den Hitzewellen. Wenn dieser Cold Blob sich ausdehnt oder \u00f6fter kommt, gibt es mehr Hitzewellen im Sommer.&#8220;<\/p>\n<p>Auch blo\u00dfe Abschw\u00e4chung hatte massive Folgen<\/p>\n<p>Dabei spielt es f\u00fcr Schenk gar nicht mal eine so gro\u00dfe Rolle, ob die AMOC komplett kollabiert oder sich nur abschw\u00e4cht: &#8222;Auch kleinere St\u00f6rungen hatten in der Vergangenheit massive Auswirkungen.&#8220; W\u00e4lder verschwanden, es kam zu einem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang.<\/p>\n<p>Rahmstorf sieht die Folgen f\u00fcr die Zukunft Europas \u00e4u\u00dferst kritisch. &#8222;Es ist eine existenzielle Frage. Und es wird gro\u00dfe Fl\u00fcchtlingsbewegungen geben, vielleicht auch in Europa&#8220;, blickt er voraus. &#8222;Dazu wird es in S\u00fcdeuropa ja weiter hei\u00dfer. Die Menschen hoffen, dass das nicht so kommt, aber wenn es kommt, ist es zu sp\u00e4t. Ich denke mit Grausen an die Zukunft meiner Kinder&#8220;, so der Ozeanforscher.<\/p>\n<p>Aber was macht denn angesichts solcher Szenarien noch Hoffnung? &#8222;Wir haben die L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten, wir haben die Technologien&#8220;, sagt Rahmstorf. &#8222;Wir m\u00fcssen nur verhindern, dass die weiter von Interessengruppen ausgebremst werden. Es ist jetzt nicht die Zeit zum Abwarten, wir m\u00fcssen voran mit der Energie- und der Verkehrswende&#8220;, fordert der Professor. Und wenn wir es nicht schaffen? Dann wird es schwierig. Schenk formulierte es so: &#8222;Es gibt dann keinen Grund mehr hier zu leben. Und ich w\u00fcsste nicht, wo ich hin sollte.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Wie Sibirien, nur in Europa&#8220; Was in Deutschland passiert, wenn der Golfstrom versiegt Von Oliver Scheel 04.10.2025, 10:23&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":472130,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,752,951,548,663,158,3934,3935,13,952,14,15,12],"class_list":{"0":"post-472129","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bildung","11":"tag-erderwaermung","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-headlines","18":"tag-klimawandel","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115315024514255151","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/472129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=472129"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/472129\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/472130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=472129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=472129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=472129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}