{"id":472571,"date":"2025-10-04T12:50:17","date_gmt":"2025-10-04T12:50:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/472571\/"},"modified":"2025-10-04T12:50:17","modified_gmt":"2025-10-04T12:50:17","slug":"gady-bei-kleine-zeitung-ganz-nahdie-neutralitaet-nuetzt-uns-nur-bis-der-erste-schuss-faellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/472571\/","title":{"rendered":"Gady bei Kleine Zeitung \u201eGanz nah!\u201c:\u201eDie Neutralit\u00e4t n\u00fctzt uns nur, bis der erste Schuss f\u00e4llt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Europa steht geopolitisch bedingt an einem strategischen Scheideweg. Die alten Paradigmen von Sicherheit, Abh\u00e4ngigkeit und Stabilit\u00e4t geraten ins Wanken\u2013 ausgel\u00f6st durch Russlands aggressives Vorgehen, durch die schwindende Bereitschaft der USA, dauerhaft als \u201eWeltpolizei\u201c zu fungieren, und durch die zunehmende multipolare Konkurrenz in globalen Machtfragen. Schafft es der Kontinent, sicherheitspolitisch unabh\u00e4ngig zu werden \u2013 oder bleibt er abh\u00e4ngig von externen M\u00e4chten? <\/p>\n<p>Am Samstag (4. Oktober 2025) stand dazu Milit\u00e4rexperte\u00a0Franz-Stefan Gady in einem exklusiven Live-Gespr\u00e4ch Au\u00dfenpolitik-Chefin Maria Schaunitzer Rede und Antwort. Seine erste Reportage kam einst aus Afghanistan, sp\u00e4ter arbeitete er in den USA. Nach 17 Jahren dort lebt er nun wieder in \u00d6sterreich \u2013 mit einem wachen Blick auf die transatlantischen Beziehungen.<\/p>\n<p>\u201eTrump hat nur eine T\u00fcr aufgesto\u00dfen, die l\u00e4ngst offen war\u201c, sagt Gady. Die Umw\u00e4lzungen in den USA, die Polarisierung und die Bewegung \u201eMake America Great Again\u201c (MAGA) seien keine Ursache, sondern das Symptom einer Entwicklung, die mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak begann. Diese h\u00e4tten das Vertrauen in Staat, Politik und Armee ersch\u00fcttert. \u201eDas System war abbruchreif, lange bevor Trump kam.\u201c<\/p>\n<p>Amerikas Demokratie ist intakt<\/p>\n<p>Die amerikanische Demokratie sei trotz allem intakt, betont Gady. \u201eSolange Gerichte funktionieren und Gewaltenteilung besteht, ist die USA keine Autokratie.\u201c Doch die Selbstzensur wachse \u2013 deutlich erlebbar bei Journalisten, Beamten und selbst im Nationalen Sicherheitsrat. Vieles h\u00e4nge nun von den Midterms 2026 ab. \u201eEs ist keine Krise der Demokratie, sondern der politischen Parteien.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Europa zieht Gady klare Lehren: \u201eTrump hat uns gezeigt, dass wir sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen stehen m\u00fcssen. Europa ist allein zu Hause.\u201c Nicht fehlendes Geld oder milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten seien das Problem, sondern das Denken in Abh\u00e4ngigkeiten. Noch immer verlasse man sich zu stark auf Washington. \u201eWir m\u00fcssen unsere Interessen definieren und milit\u00e4rische St\u00e4rke wieder als Teil der Au\u00dfenpolitik begreifen \u2013 zur Abschreckung, nicht zur Aggression.\u201c<\/p>\n<p>Europas Sicherheit ist fragil<\/p>\n<p>Der Krieg in der Ukraine und die wiederkehrenden Drohnen- und Sabotageaktionen in Europa zeigten, wie Moskau versuche, den Westen zu destabilisieren. Russland verfolge seit Jahrhunderten dieselben Ziele: die Schw\u00e4chung der EU und die Zerschlagung der NATO. Europa m\u00fcsse sich darauf einstellen, dass dies das \u201eneue Normal\u201c sei \u2013 eine permanente Phase hybrider Bedrohungen, die mit milit\u00e4rischen, digitalen und psychologischen Mitteln gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>\u201eWir befinden uns in einer Vorbereitungsphase auf einen potenziellen milit\u00e4rischen Konflikt\u201c, sagt Gady, \u201edas bedeutet nicht, dass er unausweichlich ist \u2013 aber wir m\u00fcssen die richtigen Schritte setzen, um abzuschrecken.\u201c Dazu brauche es Investitionen in Verteidigungsf\u00e4higkeit, Resilienz gegen Desinformation und politische Klarheit \u00fcber Europas eigene Interessen.<\/p>\n<p>Gady warnt davor, die Lage zu dramatisieren: \u201eAussagen wie \u201adie gef\u00e4hrlichste Situation seit dem Zweiten Weltkrieg\u2018 stumpfen die Menschen nur ab.\u201c Dennoch befinde sich Europa in einem \u201ekalten Frieden\u201c \u2013 einer Vorbereitungsphase auf einen m\u00f6glichen Konflikt. \u201eWir leben in einer Welt, in der milit\u00e4rische St\u00e4rke wieder z\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Neutralit\u00e4t n\u00fctzt uns nur, bis der erste Schuss f\u00e4llt\u201c<\/p>\n<p>Auch \u00d6sterreich m\u00fcsse sich ehrlich vor Augen f\u00fchren. \u201eDie Neutralit\u00e4t n\u00fctzt uns nur, bis der erste Schuss f\u00e4llt\u201c, sagt Gady. \u201eWir sind keine Insel. Wenn \u00fcber unser Territorium NATO-Truppen von West nach Ost verlegt w\u00fcrden, w\u00e4ren wir automatisch Teil des Konflikts.\u201c Und eines der ersten Ziele. Er pl\u00e4diert f\u00fcr eine neue Definition der Neutralit\u00e4t, ein st\u00e4rkeres Bundesheer und offene gesellschaftliche Debatten. \u201eWir profitieren von der EU, m\u00fcssen aber auch solidarisch handeln.\u201c<\/p>\n<p>Gefragt nach der Entwicklung in den n\u00e4chsten Monaten, ist Gady \u00fcberzeugt: \u201eEin russischer Durchbruch in der Ukraine sei derzeit unwahrscheinlich, meint Gady, doch der Krieg bleibe unberechenbar. \u201eMan kann oft nur zwei, drei Wochen vorausschauen \u2013 das ist die Natur des Krieges.\u201c Die Ukraine zeige enorme Widerstandskraft. \u201eAber klar ist: Europa muss lernen, seine Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen.\u201c Klar sei auch: \u201eWenn Europa diese Herausforderung annimmt, werden wir vielleicht eines Tages sagen: Das war der Moment, in dem Europa erwachsen wurde\u201c, schlie\u00dft Gady. Eine n\u00fcchterne, aber klare Botschaft: Eigenst\u00e4ndigkeit ist die Voraussetzung f\u00fcr Sicherheit \u2013 und die Chance auf eine stabile Zukunft des Kontinents.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europa steht geopolitisch bedingt an einem strategischen Scheideweg. Die alten Paradigmen von Sicherheit, Abh\u00e4ngigkeit und Stabilit\u00e4t geraten ins&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":472572,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-472571","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115315987477202421","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/472571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=472571"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/472571\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/472572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=472571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=472571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=472571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}