{"id":473329,"date":"2025-10-04T20:07:17","date_gmt":"2025-10-04T20:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/473329\/"},"modified":"2025-10-04T20:07:17","modified_gmt":"2025-10-04T20:07:17","slug":"am-standort-der-ehemaligen-jutefabrik-soll-auch-an-das-kapitel-zwangsarbeit-erinnert-werden-video-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/473329\/","title":{"rendered":"Am Standort der ehemaligen Jutefabrik soll auch an das Kapitel Zwangsarbeit erinnert werden + Video \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. September ging es zu sp\u00e4ter Stunde auch noch um den Bebauungsplan Nr. 410 \u201eL\u00fctzner Stra\u00dfe \/ Karl-Heine-Kanal\u201c, also das Gel\u00e4nde der ehemaligen Jutespinnerei, auf dem die Lewo 240 neue Wohnungen bauen will. Geplant ist, das Gebiet unter Ber\u00fccksichtigung der Denkmalsubstanz als Wohnquartier mit gemischten Nutzungen in den Randbereichen und \u00f6ffentlichen Wegen zu gestalten. Eigentlich etwas Gutes. W\u00e4re da nicht die Geschichte dieser Fabrik, die am 24. September dann von SPD-Stadtr\u00e4tin Pia Heine thematisiert wurde.<\/p>\n<p>Denn die SPD-Fraktion hatte<a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2026637&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> einen \u00c4nderungsantrag zum Bebauungsplan<\/a> eingereicht. Das h\u00e4tte sie gar nicht erst getan, wenn die LEWO, die an der L\u00fctzner Stra\u00dfe bauen will, \u00fcberhaupt auf die Kontaktversuche der SPD-Fraktion reagiert h\u00e4tte.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/b1e4d29f95bb4d419697b40fde06deec.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2025\/10\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2025\/10\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Hat sie aber nicht. Manche Bautr\u00e4ger in Leipzig tun sich unheimlich schwer, auf solche Gespr\u00e4chsangebote einzugehen, verschanzen sich hinter ihren Planungen und tun so, als w\u00e4re ihnen die \u00f6ffentliche Wahrnehmung v\u00f6llig egal.<\/p>\n<p>Aber Nicht-Kommunikation ist eben auch eine Kommunikation. Und zwar keine gute.<\/p>\n<p>Und so sah sich die SPD-Fraktion eben gezwungen, wie Pia Heine erkl\u00e4rte, einen \u00c4nderungsantrag zum B-Plan zu stellen, damit das Anliegen trotzdem Ber\u00fccksichtigung findet. Im Antrag selbst ist es so formuliert: \u201eDer Oberb\u00fcrgermeister wird beauftragt,\u202fsich\u202fmit den\u202fErschlie\u00dfungstr\u00e4gern\u202fins Benehmen zu setzen, wie\u202fan das Schicksal der\u202fZwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter\u202fin der ehemaligen Vereinigten Jute-Spinnereien und Webereien AG zur NS-Zeit\u202fim Sinne einer lebendigen Erinnerungskultur\u202fin geeigneter Weise auf dem Areal erinnert werden kann.\u201c<\/p>\n<p>An Zwangsarbeit erinnern<\/p>\n<p>Eigentlich kein gro\u00dfes Ding. Aber eins der Erinnerung. Denn Leipzig war nun einmal im Zweiten Weltkrieg nicht nur ein Standort f\u00fcr die deutsche R\u00fcstungsproduktion, sondern eben auch einer, wo Tausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Auch in der Jutespinnerei am Karl-Heine-Kanal.<\/p>\n<p>\u201eSo wie in vielen Firmen wurden auch in der Vereinigten Jute-Spinnereien und Webereien AG in der L\u00fctzner Stra\u00dfe w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt \u2013 mindestens 125 Betroffene sind namentlich nachweisbar.\u202fWir w\u00fcrden es daher im Sinne einer lebendigen Erinnerungskultur sehr begr\u00fc\u00dfen, wenn sich dieser Aspekt bei der Entwicklung des Areals in angemessener Form widerspiegeln w\u00fcrde\u201c, hei\u00dft es im \u00c4nderungsantrag der SPD-Fraktion.<\/p>\n<p>\u201eAus unserer Sicht k\u00f6nnte z. B. eine sogenannte \u2018Stolperschwelle\u2019 oder eine Auseinandersetzung mit der Thematik durch Kunst im \u00f6ffentlichen Raum ein geeigneter Schritt sein, um dem Thema Raum zu geben. Die Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit in Leipzig, die \u00fcber ausgewiesene Expertise auf diesem Feld verf\u00fcgt, k\u00f6nnte hier aus unserer Sicht beratend einbezogen werden. Uns geht es darum, die Geschichte weder zu negieren noch zuzulassen, dass sie eine zuk\u00fcnftige Entwicklung des Areals \u00fcberpr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n<p>Zwangsarbeit sichtbar machen<\/p>\n<p>Ja, selbst Jute und Textilien waren damals Teil der Kriegsproduktion. In der Jutespinnerei wurden unter anderem Garne f\u00fcr Z\u00fcndschn\u00fcre und Kabel hergestellt. Alles archiviert im Nachlass eines der damals f\u00fcr die Fabrik zust\u00e4ndigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der in Hamburg aufbewahrt wird. Von dorther bekam die SPD-Fraktion 2024 auch die Informationen.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend die LEWO sich jeder Kontaktaufnahme verweigerte, war es f\u00fcr Oberb\u00fcrgermeister Burkhard Jung selbstverst\u00e4ndlich, das Anliegen mit in die<a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2024635&amp;refresh=false&amp;TOLFDNR=2173854\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Vorlage zum Bebauungsplan<\/a> aufzunehmen und es in einem st\u00e4dtebaulichen Vertrag festzuschreiben.<\/p>\n<p>Was dann letztlich eine ganz offizielle Aufforderung an den Bauherren ist, das Thema in irgendeiner Form aufzugreifen und damit auch an diese Stelle sichtbar zu machen, dass es auch hier Zwangsarbeit gab.<\/p>\n<p>Die Gesamtvorlage mitsamt dem \u00c4nderungsantrag bekam dann auch die einhellige Zustimmung der Ratsversammlung. Jetzt kann man gespannt sein, wie der Bauherr auf das Ansinnen eingeht und ob er tats\u00e4chlich eine w\u00fcrdige Form findet, an die Geschichte dieser alten Fabrikanlage zu erinnern.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 24. 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