{"id":473648,"date":"2025-10-04T23:17:10","date_gmt":"2025-10-04T23:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/473648\/"},"modified":"2025-10-04T23:17:10","modified_gmt":"2025-10-04T23:17:10","slug":"debuetroman-schildert-zukunft-zwischen-internet-und-klimakrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/473648\/","title":{"rendered":"Deb\u00fctroman schildert Zukunft zwischen Internet und Klimakrise"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_gesellschaft\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesellschaft<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 05.10.2025, 00:01 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/judith-von-sternburg-xaw4z3af4.html\" title=\"Zur Autorenseite von Judith von Sternburg\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" von=\"\" sternburg=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Judith von Sternburg<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/39948869-30-09-2025-berlin-fiona-sironic-schriftstellerin-sitzt-vor-der-veranstaltung-deutscher-buch.jpeg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"Die Autorin sitzt im rot bezogenen Parkett des Urania, lehnt sich ernst auf die R&#xFC;ckenlehne vor ihr und schaut in die Kamera.\"\/>Sironic beim Shortlist-Abend in Berlin. Am Sonntag ist die Frankfurter Ausgabe.  \u00a9\u00a0Annette Riedl\/dpa<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Fiona Sironics Deb\u00fctroman tr\u00e4gt den l\u00e4ngsten Titel auf der Buchpreis-Shortlist. Und erz\u00e4hlt von einer instabilen Zukunft.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wie es nach unseren Tagen weitergehen k\u00f6nnte, \u00fcbern\u00e4chstes Jahr, in zehn Jahren, wird hier recht plastisch. Fiona Sironics Deb\u00fctroman \u201eAm Samstag gehen die M\u00e4dchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft\u201c ist ein schmales Buch von hoher Zeitgenossenschaft und mit plausiblen Anteilen von Zukunft. Und mit Kunstwillen. Das f\u00e4ngt beim hinrei\u00dfenden Titel an, der zugleich der erste Satz der Geschichte ist. Und einen offensichtlich markanten Vorgang schildert.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die M\u00e4dchen, die am Samstag in den Wald gehen und Sachen in die Luft jagen \u2013 Explosionen, die sie aufnehmen und posten \u2013, sind selbst T\u00f6chter von zwei M\u00fcttern der Generation Internet. Man merkt nicht direkt, dass die Geschichte in der (unangenehm nahen) Zukunft spielt, aber tats\u00e4chlich sind die Jugendlichen im Roman bereits die, die einst (heute) als Babys von ihren Influencerinnen-M\u00fcttern zu unfreiwilligem Ruhm getragen wurden. Jetzt sind Maja und Merle selbst online aktiv, verpixeln aber ihre Gesichter, tragen Kapuzen, konzentrieren sich darauf, mit m\u00f6glichst viel Aufmerksamkeit in Vergessenheit zu geraten. <\/p>\n<p>Das Buch<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Fiona Sironic:<\/strong> Am Samstag gehen die M\u00e4dchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft. Roman. Ecco 2025.  208 S., 23 Euro.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ein Kuriosum also, aber das einzige Mittel, das ihnen eingefallen ist. L\u00f6schen, l\u00f6schen, l\u00f6schen und zwischendurch m\u00f6glichst viel Hardware sprengen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die Menschheit dagegen ist l\u00e4ngst damit befasst, dass das Internet zwar theoretisch nicht vergisst, praktisch aber Online-Archive hohe technische Anspr\u00fcche stellen und schlechtere Voraussetzungen haben als die herk\u00f6mmliche British Library und ihre Papierbest\u00e4nde. Nicht nur an dieser Stelle begegnen sich der Wunsch nach dem gro\u00dfen Vergessen und der Wunsch, nicht das Ged\u00e4chtnis zu verlieren. Eine Art planbares Vergessen also, zweischneidig, aber dar\u00fcber gr\u00fcbeln die M\u00e4dchen im Buch nicht weiter nach.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eAnything not saved will be lost\u201c, was nicht gerettet wird, geht verloren, so die lakonische und doch imposante Devise des Romans. Freilich geht es dabei urspr\u00fcnglich schlicht um Datensicherung. Nintendo-Konsolen warnen damit Unachtsame beim Verlassen eines Spiels. <\/p>\n<p>Daten und Feuer l\u00f6schen<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Sironic, 1995 in Neuss geboren, hat Kreatives Schreiben in Hildesheim und Sprachkunst in Wien studiert. Sie ist insofern mit allen Wassern gewaschen und ihr Buch sorgsam gebaut. W\u00e4hrend Maja und Merle ihr spielerisches, vergebliches, jedoch rebellisches Zerst\u00f6rungswerk vorantreiben, geht die Welt um sie herum auch ohne ihr Zutun zugrunde. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der reale und der virtuelle Raum treffen sich dabei in der Ich-Erz\u00e4hlerin. Era ist 15, mit ihrer Mutter \u2013 beruflich mit dem \u201eEarly Internet\u201c befasst \u2013 lebt sie in einem H\u00e4uschen im Wald. Maja und Merle kennt auch sie selbstverst\u00e4ndlich aus dem Netz. Nun sieht sie die beiden am Samstag in den Wald gehen und Sachen in die Luft jagen. Obwohl gestreamt wird, als g\u00e4be es kein Morgen, sind das theaterhafte Szenen: Das \u201eEchte\u201c liegt nicht in der naturalistischen Bebilderung, sondern in der Lebendigkeit der Figuren.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Era beobachtet die Natur und dokumentiert ihr Sterben mit Akribie. Dabei zeigt sich, dass der Generation, die t\u00e4glich den Momfluencerinnen zugeschaut hat, die Klimakatastrophe aus dem Blick geraten ist. Jetzt stirbt ein Vogel nach dem anderen aus und im Sommer brennen die W\u00e4lder.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eEs ist aber Fr\u00fchling, als wir pl\u00f6tzlich die Sirenen h\u00f6ren: In den Nachrichten, die Mama im Stream laufen l\u00e4sst, wenn wir fr\u00fchst\u00fccken, und im Nachhall, bzw. in der Au\u00dfenwelt. Wir schauen uns an und die Dinkelflocken bleiben uns beiden im Hals stecken.\u201c Mutter und Tochter bleibt nur die Flucht, das H\u00e4uschen ist verloren. Die Mutter schnappt sich ihren Laptop. Dinkelflocke und Weltenbrand, da lauert die Ironie, bleibt aber im Versteck. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">W\u00e4hrend die Turteltauben ausgestorben sind, hat die Liebe ihr Gewicht in diesem Buch \u00fcber Jugendliche, bei dem sich auch an ein sehr junges Lesepublikum denken l\u00e4sst. Era und Maja, die nicht ewig nur im Wald die Sprengkraft ihrer Aktionen testen will, werden vorl\u00e4ufig ein Paar. Der Roman indes entwickelt einen Thriller-Strang, findet aber nicht zu einem knalligen Ende.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Es ist sympathisch, aber mit Blick auf die Wucht des B\u00fccherherbstes auch luxuri\u00f6s, dass \u201eAm Samstag gehen die M\u00e4dchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft\u201c auf die Shortlist f\u00fcr den Deutschen Buchpreis gelangt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Gesellschaft Stand: 05.10.2025, 00:01 Uhr Von: Judith von Sternburg DruckenTeilen Sironic beim Shortlist-Abend in Berlin. 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