{"id":474332,"date":"2025-10-05T06:36:17","date_gmt":"2025-10-05T06:36:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474332\/"},"modified":"2025-10-05T06:36:17","modified_gmt":"2025-10-05T06:36:17","slug":"vor-parlamentswahl-syriens-minderheiten-im-ungewissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474332\/","title":{"rendered":"Vor Parlamentswahl: Syriens Minderheiten im Ungewissen"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 05.10.2025 06:20 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Erstmals seit dem Sturz von Diktator Assad hat in Syrien eine Parlamentswahl begonnen. Sie soll den Weg zu einer neuen Verfassung ebnen. Doch Minderheiten sorgen sich um ihren Platz im Land, da es immer wieder zu Gewalt kommt.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/korrespondent-ts-174.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"J\u00fcrgen Stryjak\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/stryjak-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am 8. August dieses Jahres versammelten sich 500 Vertreterinnen und Vertreter ethnischer und religi\u00f6ser Minderheiten Syriens in der Stadt Hassakah im kurdischen Nordosten des Landes. Sie forderten Gleichberechtigung sowie die Dezentralisierung des Staates. Zum ersten Mal in der Geschichte Syriens, so Beobachter, bildeten die Minderheiten eine Allianz und sprechen mit einer Stimme. Das geschah vor dem Hintergrund der Gewalt gegen Alawiten, Drusen und Christen nach dem Sturz Baschar al-Assads im Dezember 2024.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Rund 80 Prozent aller Syrerinnen und Syrer sind Araber und mehrheitlich sunnitische Muslime. Die zweitgr\u00f6\u00dfte ethnische Volksgruppe sind die Kurden mit einem Anteil von rund zehn Prozent, auch sie \u00fcberwiegend sunnitisch. Sie leben in Nord- und Nordost-Syrien, im Alltag sprechen sie den nordkurdischen Dialekt Kurmandschi.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die kurdisch dominierte Miliz Syrische Demokratische Kr\u00e4fte (SDF) hatte in den vergangenen Jahren zusammen mit den USA die Terrororganisation &#8222;Islamischer Staat&#8220; (IS) in Syrien bek\u00e4mpft und geschw\u00e4cht. Die Kurden sind die einzige Minderheit, der es in den vergangenen Jahren gelang, eine begrenzte Autonomie mit Selbstverwaltung zu etablieren. Ihre Eigenst\u00e4ndigkeit m\u00f6chten sie in einem f\u00f6deralen und multiethnischen Syrien bewahren.<\/p>\n<p>    Die Kurden bleiben misstrauisch<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am 10. M\u00e4rz unterzeichneten der syrische \u00dcbergangspr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa und der Oberbefehlshaber der SDF, Mazloum Abdi, ein Acht-Punkte-Abkommen, das die Kurden als &#8222;indigene Volksgruppe&#8220; Syriens anerkennt, die Integration &#8222;aller zivilen und milit\u00e4rischen Einrichtungen im Nordosten Syriens&#8220; in den Zentralstaat vorsieht und der \u00dcbergangsregierung Zugang zu den Flugh\u00e4fen, Grenz\u00fcberg\u00e4ngen und \u00d6lfeldern der Region gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die kurz darauf vorgestellte \u00dcbergangsverfassung erw\u00e4hnt jedoch weder die Kurden, noch enth\u00e4lt sie Garantien f\u00fcr Minderheitenrechte. Das Misstrauen gegen die \u00dcbergangsregierung in Damaskus bleibt.<\/p>\n<p>    Die Alawiten und der Hass auf Assad<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Etwa jeder zehnte Syrer geh\u00f6rt der Glaubensgemeinschaft der Alawiten an, die vor allem im Westen Syriens am Mittelmeer leben. Das Alawitentum entstand im 9. Jahrhundert im Irak als Ableger des schiitischen Islams. Seine religi\u00f6se Doktrin ist eine mythische Lehre von der Entstehung der Welt, in der Ali, einem Vetter sowie Schwiegersohn des Propheten Muhammed, g\u00f6ttliche Eigenschaften verliehen werden. Viele Sunniten sehen darin eine ketzerische Irrlehre.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch Ex-Diktator Assad geh\u00f6rt zu dieser religi\u00f6sen Minderheit. Bis zu seinem Sturz waren viele F\u00fchrungskader in Staat und Armee Alawiten. Deshalb werden Angeh\u00f6rige dieser Religionsgruppe in Syrien schnell verd\u00e4chtigt, Assad-Anh\u00e4nger zu sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im M\u00e4rz 2025 kam es zu einer Welle der Gewalt gegen Alawiten. Einer Reuters-Recherche zufolge t\u00f6teten bewaffnete Islamisten bei Massakern und Rachemorden rund 1.500 syrische Alawiten. Die Befehlskette habe von den Angreifern direkt zu M\u00e4nnern an der Seite von Syriens neuer islamistischer F\u00fchrung unter al-Scharaa gef\u00fchrt, hei\u00dft es in dem Reuters-Bericht.<\/p>\n<p>    Drusen auf der Suche nach neuer Positionierung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei Gewaltausbr\u00fcchen gegen Angeh\u00f6rige der Religionsgruppe der Drusen im S\u00fcden Syriens kamen von April bis Juli 2025 mehr als 1.000 Menschen ums Leben, \u00fcberwiegend Drusen. Das Drusentum entstand im 11. Jahrhundert aus dem schiitischen Islam. In \u00c4gypten entwarf der persische Gelehrte Hamza ibn Ali ibn Ahmad eine ganz eigene religi\u00f6se Lehre, die sich deutlich vom Islam unterscheidet. Weltweit hat sie mindestens eine Million Anh\u00e4nger, circa 700.000 davon leben in Syrien, zumeist in der Provinz Suweida s\u00fcdlich der Hauptstadt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die syrischen Drusen arrangierten sich mit dem Assad-Regime. Sie hielten Distanz, blieben m\u00f6glichst fern von Konflikten. Anders als im Rest des Landes waren es in der Provinz Suweida keine sunnitisch-islamistischen HTS-Milizen, die dort das Assad-Regime vertrieben, sondern Drusen-Milizen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit M\u00e4rz 2025 haben Drusenvertreter mehrere Vereinbarungen und Waffenruhen mit beziehungsweise unter Vermittlung der \u00dcbergangsregierung abgeschlossen. Diese sehen unter anderem die Eingliederung der Lokalverwaltung der Drusen in den Staat und ihrer Milizen in die nationale Armee vor. Das wird nicht von allen Drusen begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Israel griff in diesen innersyrischen Konflikt mehrmals milit\u00e4risch ein, weil es sich als Schutzmacht der syrischen Drusen sieht. Manche Drusen in Syrien begr\u00fc\u00dfen das, andere lehnen es ab. In Israel und auf den von Israel annektierten Golanh\u00f6hen leben 150.000 Drusen.<\/p>\n<p>    Die Lage der Christen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Christentum in Syrien ist konfessionell vielf\u00e4ltig und reicht von orthodoxen \u00fcber evangelische, maronitische bis hin zu katholischen Gemeinden. Der Anteil von Christen an der syrischen Bev\u00f6lkerung sank in den Jahren des B\u00fcrgerkriegs von zehn auf circa zwei Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit dem Ende des Assad-Regimes, zu dessen St\u00fctzen auch die Kirchen geh\u00f6rten, attackierten Bewaffnete die griechisch-orthodoxe Erzdi\u00f6zese in Hama. Am 22. Juni sprengte sich ein Attent\u00e4ter in einer griechisch-orthodoxen Kirche in Damaskus in die Luft und t\u00f6tete mehr als 20 Menschen. Die \u00dcbergangsregierung beschuldigte den IS, es bekannte sich aber die weniger bekannte Extremistengruppe Saraya Ansar al-Sunna zu der Tat. Viele syrische Christen blicken mit Sorge in die Zukunft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Al-Scharaa, der islamistische \u00dcbergangspr\u00e4sident mit der Al-Kaida-Vergangenheit, hat ein friedliches Syrien f\u00fcr alle versprochen. Bislang wird das Land vorwiegend von Islamisten und islamistisch gef\u00e4rbten Politikern beherrscht. Ob es wirklich zu Stabilit\u00e4t finden kann, wird auch davon abh\u00e4ngen, ob die Konflikte zwischen den\u00a0Bev\u00f6lkerungsgruppen entsch\u00e4rft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 05.10.2025 06:20 Uhr Erstmals seit dem Sturz von Diktator Assad hat in Syrien eine Parlamentswahl begonnen. 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