{"id":474655,"date":"2025-10-05T09:53:12","date_gmt":"2025-10-05T09:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474655\/"},"modified":"2025-10-05T09:53:12","modified_gmt":"2025-10-05T09:53:12","slug":"so-will-deutschland-die-ostsee-vor-putins-drohnen-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474655\/","title":{"rendered":"So will Deutschland die Ostsee vor Putins Drohnen sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem Zaun steht ein einzelner Wachmann im Halbdunkel. Das silberne Meer umsp\u00fclt die gro\u00dfen Kriegsschiffe, die hinter ihm vor Anker liegen. Ihrem grauen Stahl hat die Wolkendecke jeden Glanz genommen.<\/p>\n<p>Es liegt Spannung in der Luft, hier am <strong>Marinest\u00fctzpunkt Kiel-Wik<\/strong>. Kapit\u00e4nleutnant <strong>Alex <\/strong>\u2013 sein Nachname darf aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht genannt werden \u2013 bekommt das direkt bei der Ankunft am Hafentor zu sp\u00fcren.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eUnd Sie sind?\u201c, fragt ein Wachmann forsch. Alex hebt die Hand: \u201eIch bin der Kommandant der ,Dillingen\u2019.\u201c Seinen Ausweis muss Alex trotzdem zeigen, dann erst wird er hineingelassen. \u201eEine gute Wache\u201c, sagt er grinsend. \u201eGenau so muss das sein.\u201c<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Deutschland Marine Kiel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/46-219119340.jpg\"  data- data-ratio=\"1440\/1080\" alt=\"Deutschland Marine Kiel\"\/><\/p>\n<p>                Copyright-Hinweis \u00f6ffnen\/schlie\u00dfen<\/p>\n<p>\n                \u00a9 Johannes Arends\n            <\/p>\n<p>Zwei Minenjadgboote und ein &#8222;Tender&#8220; liegen am Marinest\u00fctzpunkt Kiel-Wik vor Anker.<\/p>\n<p>Die \u201eDillingen\u201c ist eines von zw\u00f6lf Minenjagdbooten der deutschen Marine in Kiel. Wie der Name schon sagt, dienen sie eigentlich dazu, Seeminen aufzusp\u00fcren und zu zerst\u00f6ren. In der Ostsee gibt es immerhin noch Hunderttausende Tonnen an \u201eAltlasten\u201c aus beiden Weltkriegen.\u00a0<\/p>\n<p>Doch weil die Boote mit ihrem starken Sonar auch Unterwasserdrohnen orten k\u00f6nnen, dienen sie der NATO heute als wichtige Werkzeuge, um Pipelines und Unterseekabel vor hybriden Angriffen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>    &#8222;Ich bin vor jeder Ausfahrt nerv\u00f6s&#8220;<\/p>\n<p>Seit Anfang September hat Alex das Kommando auf der \u201eDillingen\u201c \u00fcbernommen \u2013 und damit \u00fcber die fast 40-k\u00f6pfige Besatzung. Gl\u00fcckw\u00fcnsche nimmt er nicht entgegen. \u201eIst ja keine Einzelleistung.\u201c Er ist 35, nur f\u00fcnf Jahre \u00e4lter als das Schiff selbst. Mit seinem Vollbart, der Glatze und dem Kommandantenhut wirkt er fast wie der Prototyp eines Schiffkapit\u00e4ns.<\/p>\n<p>Alex f\u00fchrt mit schnellen Bewegungen durch die engen, st\u00e4hlernen G\u00e4nge seines neuen Arbeitsplatzes, \u00f6ffnet Schotten, zeigt auf Plaketten verb\u00fcndeter NATO-Verb\u00e4nde an den W\u00e4nden. Auf engstem Raum teilen sich je zwei Soldaten eine Kabine, Alex gr\u00fc\u00dft jeden beim Namen.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Deutschland Marine Kiel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/46-219119488.jpg\"  data- data-ratio=\"1440\/1080\" alt=\"Deutschland Marine Kiel\"\/><\/p>\n<p>                Copyright-Hinweis \u00f6ffnen\/schlie\u00dfen<\/p>\n<p>\n                \u00a9 Johannes Arends\n            <\/p>\n<p>Die Br\u00fccke des Minenjagdbootes &#8222;Dillingen&#8220;.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war man bei einer Ausfahrt bis zu f\u00fcnf Monate auf See, heute gibt es aufgrund von NATO-Vorgaben h\u00e4ufigere Ruhepausen. N\u00e4chste Woche geht es f\u00fcr die \u201eDillingen\u201c wieder los. Bei einer Zigarette auf dem Heck gesteht Alex: \u201eIch bin vor jeder Ausfahrt nerv\u00f6s.\u201c Eine gewisse Grundspannung sei eben immer da, wenn man Verantwortung tr\u00e4gt. \u201eAnders als fr\u00fcher f\u00e4hrt man aber heute im Wissen los, dass es jederzeit zum Ernstfall kommen kann.\u201c<\/p>\n<p>&#8222;Wir befinden uns nicht im Krieg, aber auch nicht im Frieden&#8220;<\/p>\n<p>In diesen Tagen zeigt sich die neue Bedrohungslage in der Ostsee deutlicher denn je. Erst tauchten Anfang September russische Drohnen \u00fcber Polen und Rum\u00e4nien auf, dann Kampfjets \u00fcber Estland, in dieser Woche sogar mehrfach Drohnen \u00fcber D\u00e4nemark. Als sich am Mittwoch deshalb die 27 EU-Regierungschefs in Kopenhagen zum Krisengipfel trafen, parkte die deutsche Marine dort zum Schutz eine Fregatte im Hafen.<\/p>\n<p>Flottillenadmiral <strong>Christian Walter Meyer<\/strong>, der h\u00f6chste Marineoffizier am Standort Kiel, formuliert die neue Realit\u00e4t so: \u201eWir befinden uns nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden.\u201c Die Ostsee sei inzwischen ein \u201eHotspot\u201c, das sp\u00fcre man t\u00e4glich. \u201ePutin hat uns ins 19. Jahrhundert zur\u00fcckgebombt\u201c, sagt Meyer. \u201eEr hat die Friedensordnung infrage gestellt.\u201c Und die NATO-Staaten \u2013 damit auch Deutschland \u2013 gezwungen, innerhalb weniger Jahre massiv aufzur\u00fcsten. Das sei \u201eschlimm\u201c, so der Admiral, \u201eaber es ist leider eine Notwendigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Von einer \u201eZeitenwende\u201c sprach Ex-Kanzler <strong>Olaf Scholz<\/strong>, als er vor drei Jahren die Aufr\u00fcstungsoffensive ausrief. Seither steigt das deutsche Verteidigungsbudget stetig, in diesem Jahr liegt es bei 62 Milliarden Euro. Au\u00dferdem nahm der Staat massiv Schulden auf, schuf ein Sonderverm\u00f6gen in H\u00f6he von 100 Milliarden Euro und bestellte damit neue Waffen, Ger\u00e4te, Fahrzeuge und Schiffe \u2013 darunter je sechs hochmoderne Fregatten und U-Boote f\u00fcr die Marine.<\/p>\n<p>An Bord der \u201eDillingen\u201c sind die Fr\u00fcchte der \u201eZeitenwende\u201c schon zu sehen. Neben drei unterschiedlichen Varianten von Unterwasserdrohnen \u2013 \u201eRemus\u201c, \u201eSeefuchs\u201c und \u201eSea Cat\u201c \u2013 liegt dort ein metallenes Ger\u00e4t, das aussieht wie ein Gewehr aus einem Science-Fiction-Film. Ein sogenannter \u201eJammer\u201c: Damit kann man die Elektronik von Flugdrohnen aus der Ferne lahmlegen und sie zum Absturz bringen.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"lazyload \" title=\"Deutschland Marine Kiel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/46-219119339.jpg\"  data- data-ratio=\"1440\/1080\" alt=\"Deutschland Marine Kiel\"\/><\/p>\n<p>                Copyright-Hinweis \u00f6ffnen\/schlie\u00dfen<\/p>\n<p>\n                \u00a9 Johannes Arends\n            <\/p>\n<p>Mit einem solchen &#8222;Jammer&#8220; k\u00f6nnen Flugdrohnen aus der Ferne lahmgelegt und zum Absturz gebracht werden.<\/p>\n<p>Um wirklich wehrf\u00e4hig zu sein, komme es genau auf solche Systeme an, sagt Admiral Meyer. \u201eWir m\u00fcssen bei der Entwicklung Schritt halten. Wenn sich der Drohnentyp pl\u00f6tzlich grundlegend \u00e4ndert, m\u00fcssen wir auch neue Abwehrsysteme an Bord bringen k\u00f6nnen. Und zwar schnell.\u201c Meyer ist zuversichtlich, dass das m\u00f6glich ist: \u201eEs sieht so aus, dass uns das Geld in den n\u00e4chsten Jahren keine ernsthaften Grenzen setzt.\u201c<\/p>\n<p>Generationenwechsel<\/p>\n<p>Am Budget mangelt es also nicht, sehr wohl jedoch an neuen Rekruten. \u201eDie deutsche Marine hat ein Personalproblem, es hat auch keinen Sinn, das kleinzureden\u201c, sagt Meyer. Es gebe zu wenige Bewerber, gleichzeitig steige durch die Aufr\u00fcstung der Bedarf an Soldaten. Zwar seien die Grundausbildungseinheiten gerade voll, \u201ees wird aber Jahre dauern, bis diese Menschen ausgebildet sind und tats\u00e4chlich in den Dienst treten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Nicht immer l\u00e4uft es so wie bei Alex. Der entschloss sich schon als 16-J\u00e4hriger, sp\u00e4ter zur Marine zu gehen. Er wurde Offiziersanw\u00e4rter, Ausbilder, studierte Politikwissenschaften. Und ist heute \u00fcberzeugt: \u201eEs gibt viele junge Menschen, f\u00fcr die das interessant ist. Die Anerkennung von Bundeswehr und Marine hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert.\u201c<\/p>\n<p>Der n\u00f6tige Generationenwechsel wird an diesem Tag auch deutlich, als sich ein verdienter Offizier in den Ruhestand verabschiedet. Alle ranghohen Mitarbeiter der Flottille stehen f\u00fcr ihn Spalier, sie salutieren, als der Mann zwischen ihnen hindurch schreitet. Kurz vor dem schwarzen Wagen, der ihn ein letztes Mal nach Hause fahren wird, dreht er sich um. \u201eIch w\u00fcnsche Ihnen allen Gesundheit und Zufriedenheit\u201c, ruft er. \u201eUnd passen Sie auf unsere Flottille auf!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor dem Zaun steht ein einzelner Wachmann im Halbdunkel. 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