{"id":474866,"date":"2025-10-05T11:56:10","date_gmt":"2025-10-05T11:56:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474866\/"},"modified":"2025-10-05T11:56:10","modified_gmt":"2025-10-05T11:56:10","slug":"von-blyton-bis-hogwarts-was-schulromane-heute-lehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474866\/","title":{"rendered":"Von Blyton bis Hogwarts: Was Schulromane heute lehren"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sie sind dagegen, schon aus Prinzip und in diesem Fall auch aus konkreten Gr\u00fcnden. Ihre Eltern wollen die Zwillinge Hanni und Nanni zum Wechsel auf die h\u00f6here Schule ins Internat Lindenhof schicken und dadurch von ihren Freundinnen Mary und Fr\u00e4nzi trennen, die auf ein Internat namens Ringmeer gehen werden \u2013 eine Schule mit einem exzellenten Ruf, jedenfalls in den Augen von Fr\u00e4nzis Mutter. Die sagt, die Schule sei \u201efantastisch, nur wohlhabende Leute k\u00f6nnen es sich leisten, ihre Kinder dorthin zu schicken\u201c. Au\u00dferdem gebe es kleine Schlafr\u00e4ume und keine Schuluniformen. Dagegen dieses Lindenhof, meckern die beiden Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen, \u201ewo jeder hingehen kann, wo sechs oder acht M\u00e4dchen in einem Raum schlafen\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Enid Blytons Kinderbuch \u201eHanni und Nanni sind immer dagegen\u201c, im Original unter dem Titel \u201eThe Twins At St. Clare\u2019s\u201c 1941 erschienen, ist der Auftakt einer immens erfolgreichen Reihe mit urspr\u00fcnglich sechs B\u00e4nden, die nach dem Tod der Autorin im Jahr 1968 in der deutschen Fassung frei weitererz\u00e4hlt und auf insgesamt 33 Romane aufgestockt wurde \u2013 eine Werkausgabe von 2013 b\u00fcndelt all das auf 2830 D\u00fcnndruckseiten.<\/p>\n<p>Puh, diese graue Schuluniform!<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Generation der Babyboomer ist mit Hanni und Nanni aufgewachsen, sie hat sich auf die H\u00f6rspiele gest\u00fcrzt und wom\u00f6glich sp\u00e4ter mit ihren Kindern die Kinofilme gesehen. Und sie hat die nur wenig verh\u00fcllte Botschaft in sich aufgenommen, die Enid Blyton der Buchreihe vom ersten Band an mitgegeben hat: Wer sich daran st\u00f6rt, dass in die neue Schule \u201ejeder hingehen kann\u201c und nicht nur die Kinder \u201ewohlhabender Leute\u201c, wer sich au\u00dferdem dagegen wehrt, eine \u2013 hier: graue \u2013 Schuluniform zu tragen und also aus der Gruppe der Mitsch\u00fclerinnen nicht weiter herauszustechen, den trifft zu Recht ein Vorwurf, wie ihn der Vater der Zwillinge an seine T\u00f6chter richtet. Als sie ihn bitten, die Entscheidung zur Schulwahl doch noch einmal zu \u00fcberdenken, h\u00e4lt er ihnen entgegen, er habe festgestellt, \u201edass ihr beide im letzten Jahr sehr eingebildet und ziemlich \u00fcberheblich geworden seid. Wenn ihr ganz von vorn beginnen m\u00fcsst und herausfindet, dass ihr gar nicht so viel k\u00f6nnt, wie ihr glaubt, so wird euch das nur guttun!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Schule soll also eine Erziehungsaufgabe \u00fcbernehmen, an der die Eltern scheitern \u2013 das ist ein gesellschaftlicher Befund, der jenseits der Fiktion bis heute wahrnehmbar ist. Immerhin sind die Eltern der Zwillinge vern\u00fcnftig genug, die wachsende Arroganz ihrer T\u00f6chter zu erkennen, was allerdings auch den Lesern nicht weiter schwerf\u00e4llt, wenn Hanni bereits auf Seite vier des Buches meint: \u201eEs ist nun mal eine Tatsache, dass wir beide sehr intelligent sind und noch dazu gut aussehen.\u201c Dennoch haben es die Eltern, so der Tenor des Buches, in der Hand, die entscheidenden Weichen f\u00fcr ihre T\u00f6chter zu stellen, und zwar \u00fcber die Wahl der Schule. Sie entscheiden sich f\u00fcr das egalit\u00e4re Internat Lindenhof, Fr\u00e4nzis snobistische Mutter f\u00fcr Ringmeer. Und ernten, was sie ges\u00e4t haben.<\/p>\n<p>Die jungen Sch\u00fclerinnen kochen den \u00e4lteren Tee<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wissensfr\u00fcchte sind das nicht, jedenfalls stehen sie nicht im Vordergrund dieser und vieler anderer B\u00fccher, die f\u00fcr junge Leser von Schulen aller Art erz\u00e4hlen. Die schulische Laufbahn, meist \u00fcber viele Jahre verfolgt, ist vor allem eine Erziehung des Herzens. Hanni und Nanni lernen schnell, dass sie sich in eine Gemeinschaft einf\u00fcgen m\u00fcssen, deren geschriebene Regeln von den Lehrerinnen definiert werden, w\u00e4hrend die ungeschriebenen unter den Sch\u00fclerinnen tradiert werden und sich dabei als erstaunlich konservativ erweisen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Man erzieht sich also gegenseitig, und wenn die Schulregel besagt, dass die j\u00fcngeren Sch\u00fclerinnen den \u00e4lteren Dienste leisten, ihnen beispielsweise die Schuhe putzen oder den Tee servieren, dann sorgen die Sch\u00fclerinnen untereinander daf\u00fcr, dass daran nicht ger\u00fcttelt wird. Gerade Neuank\u00f6mmlinge werden mit einigem Druck in die bestehende Ordnung gezw\u00e4ngt oder sonst gen\u00f6tigt, die Einrichtung nach Ablauf des Schuljahres wieder zu verlassen. Liest man dieses Erziehungskonzept von 1941 mit dem Bewusstsein unserer Gegenwart, sticht das Fragw\u00fcrdige daran sofort ins Auge.<\/p>\n<p>Schr\u00e4nkeschieben und verschwitzte Hemden<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es bleibt Blytons deutschem Pendant Oliver Hassencamp, Internatssch\u00fcler in Salem, Soldat im Zweiten Weltkrieg und Gr\u00fcndungsmitglied der M\u00fcnchner Lach- und Schie\u00dfgesellschaft, vorbehalten, diesen Gruppenzwang im Schulroman zur Kenntlichkeit zu bringen. In seiner Buchreihe um das Internat \u201eSchloss Schreckenstein\u201c, begonnen 1959 und in 27 B\u00e4nden bis 1988 weitergef\u00fchrt, wird abweichendes Verhalten von den selbst auferlegten Regeln der Sch\u00fclergemeinschaft k\u00f6rperlich bestraft. Die Jungen, die sich als sp\u00e4te Ritter inszenieren, dulden individuelle Freiheit nur in dem Rahmen, den das Kollektiv \u2013 beziehungsweise eine Gruppe von Wortf\u00fchrern \u2013 definiert. Bisweilen gibt es organisierten Gesellschaftstanz (im Jargon der Jungs: \u201eSchr\u00e4nkeschieben\u201c) mit den M\u00e4dchen vom benachbarten Internat oder einen Wettbewerb mit dem Ziel, Oberhemden so lange zu tragen, dass sie vor lauter Schmutz von selbst stehen, und dergleichen mehr. Es d\u00fcrfte kaum eine Jugendbuchreihe geben, die so rasch so muffig geworden ist wie diese.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Tats\u00e4chlich galt seit den Siebzigerjahren in Deutschland das Internat als Schauplatz f\u00fcr Kinder- und Jugendb\u00fccher unter Autoren und Verlegern als zumindest fragw\u00fcrdig. Vertreter des dezidiert realistischen Kinderbuchs wie beispielsweise Peter H\u00e4rtling kritisierten, dass mit der Wahl dieses Settings die Lebenswirklichkeit allenfalls eines Bruchteils der Sch\u00fclerschaft ausgiebig dargestellt werde, und pl\u00e4dierten f\u00fcr einen Blick auf den Betrieb in normalen Schulen.<\/p>\n<p>Harry Potters bittere Erkenntnis<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Als dann aber mit J. K. Rowlings Fantasy-Serie \u201eHarry Potter\u201c das Genre 1997 einen erneuten, fulminanten Siegeszug auf dem weltweiten Buchmarkt begann, hatten sich die Vorzeichen grundlegend gewandelt. Mit den Verh\u00e4ltnissen in gew\u00f6hnlichen Schulen hatten die B\u00fccher nun noch viel weniger zu tun als ihre Vorg\u00e4nger von Blyton und Hassencamp. Der Snobismus, der in Blytons Schulromanen \u2013 neben \u201eHanni und Nanni\u201c ist das vor allem die sehr \u00e4hnliche \u201eDolly\u201c-Serie \u2013 so negativ gezeichnet wird, macht sich hier weniger an finanziellen Verh\u00e4ltnissen fest als an vermeintlichem \u201ereinen Blut\u201c, also der Herkunft aus alten Zaubererfamilien. Deren Protagonisten, allen voran der junge Draco Malfoy, sehen auf die von ihnen als \u201eSchlammbl\u00fcter\u201c bezeichneten Kinder aus nichtmagischen Familien herab \u2013 ausgerechnet die von Malfoy besonders verachtete Hermine Granger erweist sich dann als regelm\u00e4\u00dfige Jahrgangsbeste. Offensichtlich h\u00e4lt die Autorin Rowling wenig vom Pochen auf ererbte Privilegien und viel vom sozialen Aufstieg durch Flei\u00df und Talent.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vor allem aber erscheint die Schule Hogwarts, in die der Held der Serie ger\u00e4t, nun als Rettung vor einer zutiefst unerfreulichen Welt, als eine Art abgeschottetes Biotop, in dem die Sch\u00e4den ausgeglichen werden, die die ungeliebte Waise <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Harry Potter\" data-rtr-id=\"6e2bc57a477d62dc32b836286f2605925ee9133b\" data-rtr-score=\"87.75805970149253\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/harry-potter\" title=\"Harry Potter\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Harry Potter<\/a> au\u00dferhalb dieser Zuflucht erlitten hat. Umso grausamer die Erkenntnis, dass von der Schule als gesch\u00fctztem Raum nichts bleibt, wenn einem die Lehrer dort vermeintlich (Snape) oder tats\u00e4chlich (Quirrell) buchst\u00e4blich nach dem Leben trachten und die fr\u00fcheren psychischen Grausamkeiten von P\u00e4dagogen wie \u201eGott Kupfer\u201c in Friedrich Torbergs \u201eDer Sch\u00fcler Gerber\u201c nun in handfeste Mordversuche m\u00fcnden. Dennoch bleibt Hogwarts f\u00fcr den Zaubersch\u00fcler Harry wie f\u00fcr die Leser ein Faszinosum, wahrscheinlich gerade wegen der Unberechenbarkeit dieser Schulwelt, deren charismatischer Leiter, Professor Dumbledore, sich von Buch zu Buch als zunehmend hilflos erweist oder zumindest diesen Anschein erweckt.<\/p>\n<p>Ich bin Werwolf, und ich bin stolz darauf!<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der ungeheure Erfolg dieser Serie mit ihren diversen Ablegern und Adaptionen rief eine Vielzahl von \u00e4hnlich strukturierten Fantasy-Reihen auf den Plan, Internate f\u00fcr magisch begabte Kinder jeglicher Couleur, Tiermenschen, Vampire, Werw\u00f6lfe, Zombies, Abk\u00f6mmlinge griechischer G\u00f6tter und vieles mehr. Als gemeinsamer Nenner, wenn auch nur unterschwellig pr\u00e4sent, zeigt sich dabei bis in die Gegenwart das Angebot an Kinder, die es \u2013 wie Rick Riordans Figur \u201ePercy Jackson\u201c \u2013 in normalen Bildungseinrichtungen schwer haben: Was ein Kind daran hindert, sich in eine normale Schule einzuf\u00fcgen, ist keine Schw\u00e4che, sondern eine St\u00e4rke, die nur noch nicht erkannt worden ist; was unverst\u00e4ndige Menschen ADHS nennen, ist in Wirklichkeit das genetische Erbe als Sohn des Poseidon, so in etwa.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Und wenn in Vanessa Walders j\u00fcngst erschienenem Roman \u201eNightmore\u201c der junge Fynn von einem Werwolf gebissen wird und daher eine Schule besuchen muss, die auf seinesgleichen ausgelegt ist, dann wird im Verlauf des schmalen Buches aus einem anf\u00e4nglichen Fluchtimpuls zur\u00fcck ins alte Leben schlie\u00dflich das selbstbewusste Bejahen seiner Existenz. Das Kinderbuch endet mit dem Angebot seiner angereisten Eltern, ihn wieder zur\u00fcck nach Hause zu holen \u2013 \u201edie sind ja v\u00f6llig irre hier\u201c, sagt sein Vater, w\u00e4hrend seine Mutter das Internat \u201elebensgef\u00e4hrlich\u201c findet (was ihr Sohn fr\u00f6hlich best\u00e4tigt). Er sei hier ja \u201egar nicht du selbst\u201c, sagt sie zu Fynn. \u201eDoch, Mama\u201c, antwortet er, \u201eich war ganz ich selbst: ein Werwolf. Und das ist gar nicht mal so schlecht.\u201c<\/p>\n<p>Seri\u00f6se Padagogen muss man mit der Lupe suchen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">So dick tragen andere B\u00fccher nicht auf, um die Rolle zu betonen, die eine gute Schule als Erg\u00e4nzung oder auch als Gegengewicht zu dem einnehmen kann, was ein Kind zu Hause erlebt. Dabei hat die Zauberschule als Gef\u00e4ngnis, wie sie noch Otfried Preu\u00dflers Roman \u201eKrabat\u201c beschrieb, offenbar ausgedient. Ob Internat oder herk\u00f6mmliche Bildungsanstalt, fungiert Schule in der Literatur als Hallraum, als Hintergrund oder auch als St\u00f6rfaktor f\u00fcr ein Leben, das auch andernorts stattfindet. Nat\u00fcrlich kommen Kinderb\u00fccher, auch ohne aus: Michael Endes Momo etwa geht gar nicht zur Schule, bei Tove Janssons Mumins w\u00fcrde Unterricht das ewige Abenteuer der Trolle nur st\u00f6ren, und Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf absolviert eine einzige Schulstunde, die wohl keiner der Beteiligten wiederholen m\u00f6chte \u2013 Pippi wohl kaum, weil sich der geregelte Lernstoff als \u00e4u\u00dferst unbequem und in ihren Augen sinnlos erweist, und die Lehrerin nicht, weil das zutiefst subversive M\u00e4dchen mit ihren am gesunden Menschenverstand orientierten Fragen und Einw\u00e4nden den Grundkonsens der Klasse infrage stellt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Nicht immer ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Lehrerin und Sch\u00fclerin so klar. P\u00e4dagogen als verl\u00e4ssliche Instanz, als seri\u00f6se Orientierungsmarke in einer verwirrenden Welt \u2013 das gilt f\u00fcr \u201eHanni und Nanni\u201c oder f\u00fcr den g\u00fctigen Direktor \u201eJustus\u201c in Erich K\u00e4stners \u201eDas fliegende Klassenzimmer\u201c. Wenn aber solche Lehrer nicht in Sicht sind, nur solche, die vom Schulbetrieb l\u00e4ngst ermattet sind, vor allem ihre Ruhe haben wollen und die Jahre bis zur Rente z\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Chaot der Klasse kriegt eine eigene Buchreihe<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Christian Seltmanns Roman \u201eDer Lehrerinnendrucker\u201c stellen zwei Sch\u00fcler mit einer entsprechenden Maschine eine wunschgem\u00e4\u00dfe Lehrerin selbst her. In Sabine Ludwigs 2011 begonnener Reihe um die englische Austauschlehrerin Miss Braitwhistle dagegen ist das nicht n\u00f6tig. Die chaotische Klasse 4a \u2013 das \u201ea\u201c \u00fcbersetzen sich manche als Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u201eAlbtraum\u201c \u2013, die niemand in den Griff bekommt, wird von der Mary-Poppins-haften Lehrerin permanent beeindruckt, \u00fcberrascht und herausgefordert. W\u00e4hrend andere Lehrer die Unruhe und Dynamik innerhalb der Klasse einhegen wollen, bedient sich Miss Braitwhistle gerade dieser Impulse, lenkt das Geschehen aber in die von ihr gew\u00fcnschte Richtung, auch mit ein wenig Magie. Mittlerweile sind sechs B\u00e4nde der Serie erschienen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch in Marie H\u00fcttners Roman \u201eRocky Winterfeld\u201c zieht eine Lehrerin im Hintergrund und mit einer Art Schnitzeljagd die F\u00e4den, bis sich eine Gruppe von hochbegabten Sch\u00fclern in einem Reisebus nach Polen wiederfindet, gesteuert von der Lehrerin. Sie ist es, die mit ungew\u00f6hnlichem Engagement und einigen \u00dcberraschungen aus den auf je unterschiedliche Weise ungl\u00fccklichen Kindern das herausholt, was sie eigentlich sind und wollen. In Timo Parvelas finnischer Schulbuchserie \u201eElla\u201c dagegen sind die Gewichte wie gewohnt zwischen chaotischen Sch\u00fclern und einem so liebenswerten wie \u00fcberforderten Klassenlehrer verteilt, nur dass hier die Bereitschaft beider Seiten, die Anforderungen des Schulalltags miteinander zu bew\u00e4ltigen, au\u00dfer Frage steht, zugleich aber von irgendeiner Berechenbarkeit keine Rede sein kann \u2013 Pekka, dem gr\u00f6\u00dften Chaoten der Klasse, sind mittlerweile eigene B\u00e4nde der Reihe gewidmet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Was Autorit\u00e4t ist, wird in den neueren B\u00fcchern zum Thema ganz anders aufgefasst als in den Gr\u00fcndungswerken des Genres und ebenso, welche Rolle die Sch\u00fcler dabei spielen. Davon, dass Schulgeschichten noch l\u00e4ngst nicht auserz\u00e4hlt sind, zeugen die vielen B\u00fccher zum Thema, die jedes Jahr erscheinen. Die besten unter ihnen fragen danach, wie eine Schule aussehen k\u00f6nnte, die allen gerecht wird. Lesen wir weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie sind dagegen, schon aus Prinzip und in diesem Fall auch aus konkreten Gr\u00fcnden. 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