{"id":474949,"date":"2025-10-05T12:45:14","date_gmt":"2025-10-05T12:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474949\/"},"modified":"2025-10-05T12:45:14","modified_gmt":"2025-10-05T12:45:14","slug":"nuernberg-eroeffnung-der-spielzeit-2025-2026-mit-die-erste-liebe-haelt-5-jahre-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/474949\/","title":{"rendered":"N\u00fcrnberg: Er\u00f6ffnung der Spielzeit 2025\/2026 mit &#8222;Die erste Liebe h\u00e4lt 5 Jahre&#8220; &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am Anfang war, nein, nicht das Wort. Am Anfang war das Kinderspielzeug. Jedenfalls in dem St\u00fcck \u201egen e sis\u201c von Kiki Miru Miroslava Svolikova. Es hei\u00dft \u201eDie erste Liebe h\u00e4lt 5 Jahre\u201c und rahmt die diesj\u00e4hrige Er\u00f6ffnungsinszenierung der Spielzeit 2025\/2026 am N\u00fcrnberger Staatstheater. Insgesamt besteht es aus sieben Minidramen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die in Wien lebende Dramatikerin, Musikerin und bildende K\u00fcnstlerin wirft in ihrer Version der Sch\u00f6pfungsgeschichte einen desillusionierten Blick auf Gott und die Welt. Weil diesem allein so langweilig war, vertrieb er sich die Zeit mit Spielen und schuf das Universum samt Menschen. Dummerweise war er dabei aber so abgelenkt, dass \u201eihm eben einige Fehler\u201c unterliefen, wie uns eine Erz\u00e4hlerin nonchalant wissen l\u00e4sst. Dann verlor er, wie das halt so ist, das Interesse an seinem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Spielzeug\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spielzeug<\/a> und \u00fcberlie\u00df es sich selbst.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In der Inszenierung von Jessica Samantha Starr Weisskirchen l\u00fcmmelt zu Beginn der von Alban Mondschein gespielte Gott im hautfarbenen Strampler herum, ehe er sich eine Clownsnase aufsetzt und auf der Drehb\u00fchne, seinem Universum, Platz nimmt. Die Spielfl\u00e4che des Abends besteht aus von Wanda Traub entworfenen gr\u00fcnen Kontinent-H\u00fcgeln, die nach und nach von den anderen Mitspielern in unterschiedlichen Rollen bev\u00f6lkert werden: vom einsamen Kind \u00fcber ein neunmalkluges Schwein bis zur emp\u00f6rten Barbie. Dazu ein T-Rex, ein Luftgewehr und m\u00e4rchenhaft gl\u00e4nzende Lackschuhe. Alles irrwitzig bunt, mitunter zum Schreien komisch, aber auch irrwitzig brutal.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/N%C3%BCrnberg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">N\u00fcrnberg<\/a> blickt als Spielzeugstadt Nummer Eins auf eine mehr als 600-j\u00e4hrige Tradition zur\u00fcck. Es liegt daher nahe, dass die geb\u00fcrtige N\u00fcrnbergerin Lene Gr\u00f6sch als Nachfolgerin von Schauspieldirektor Jan Philipp Gloger dieses jedem aus der eigenen Kindheit bestens vertraute Thema zum Einstand auf den Spielplan gesetzt hat. Dazu gab sie bei sieben Autoren und Autorinnen, darunter das N\u00fcrnberger Br\u00fcderpaar Ewald und Helwig Arenz, die Schweizerin Katja Brunner und der neue Intendant des Bamberger E.T.A. Hoffmann-Theaters, John von D\u00fcffel, St\u00fccke in Auftrag.<\/p>\n<p>Wie w\u00fcrdig das Theater einen im Sommer gestorbenen Kollegen ehrt<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Weisskirchen hat diese mit viel Geschick zu einem tiefsinnigen Ganzen verwoben. Der Tenor bei aller Unterschiedlichkeit der Mikro-Dramen von traumatischer Kindheitserinnerung (Natasha A. Kelly, \u201eDas Puppenhaus\u201c) \u00fcber feministischem Empowerment (Katja Brunner, \u201eBarbarin Barbara\u201c) bis zu sadomasochistischem Petplay (Helwig Arenz, \u201eIch bin Dein\u201c): Irgendwas ist schief gelaufen. \u00a0John von D\u00fcffels St\u00fccktitel \u201eMenschenversTand \u2013 durchgebrannt\u201c bringt es auf den Punkt, spielt er doch auf den \u201eN\u00fcrnberger Tand\u201c an, eine alte Redewendung f\u00fcr das erste industriell hergestellte Spielzeug.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Unausgesprochen in der zweist\u00fcndigen Inszenierung schwingt zudem die ber\u00fchmte Schiller-Sentenz mit, dass der Mensch nur spielt, \u201ewo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist\u201c, und er nur da ganz Mensch ist, \u201ewo er spielt\u201c. Schiller meinte das nat\u00fcrlich positiv, doch \u201eDie erste Liebe h\u00e4lt 5 Jahre\u201c zeigt eindrucksvoll die Kehrseite.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Homo ludens, der spielende Mensch, war zu keiner Zeit ein unschuldiges Wesen. Seit jeher diente sein Spielzeug der Erziehung, zementierte es Rollenmuster, Herrschafts- und Machtverh\u00e4ltnisse. Das Luftgewehr f\u00fcr die Jungen, die Puppenk\u00fcche f\u00fcr die M\u00e4dchen. Hier das blaue, dort das rosa Kinderzimmer. Beide Farben pr\u00e4gen das B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es ist kein radikaler Schnitt, den Lene Gr\u00f6sch bei ihrem Amtsantritt vollzogen hat. \u00dcber die H\u00e4lfte der Darsteller ist geblieben. Bei den neuen Engagements wurde darauf geachtet, dass das Ensemble nun gleich viele Frauen und M\u00e4nner aufweist. Und so begegnet man in der Er\u00f6ffnung einem Publikumsliebling wie Amadeus K\u00f6hli ebenso wieder wie der gestandenen Staatschauspielerin Adeline Schebesch und der jungen, wandlungsf\u00e4higen Claudia Gyasi Nimako, die unter anderem die ironisch-bissige Erz\u00e4hlerin aus Svolikovas \u201egen e sis\u201c gibt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/eff4528b-f865-4fdd-84c2-4d4dab230cb0.jpg\"   alt=\"Rosa wie die Welt von Barbie: Eine Szene der Urauff\u00fchrung von \u201eDie erste Liebe h\u00e4lt 5 Jahre\u201c am Staatstheater N\u00fcrnberg.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Rosa wie die Welt von Barbie: Eine Szene der Urauff\u00fchrung von \u201eDie erste Liebe h\u00e4lt 5 Jahre\u201c am Staatstheater N\u00fcrnberg. (Foto: Konrad Fersterer)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber man freut sich auch \u00fcber neue Gesichter wie Katharina Uhland. Nicht mehr dabei: Der im Sommer gestorbene Thomas Nunner. Das langj\u00e4hrige Ensemblemitglied h\u00e4tte in Ewald Arenz\u02bc Szene \u201eJunge auf der Fensterbank\u201c den Jungen spielen sollen. Ihm zum Gedenken bleibt sie ungespielt, ersetzt durch eine Schweigeminute bei abgedunkelter B\u00fchne, ein bewegender Moment.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die \u00c4sthetik der Inszenierung erinnert noch an die Gloger-Jahre. Weisskirchen nutzt, wie einst Gloger, die gesamte sinnenbet\u00f6rende Theatermaschinerie: Irisierende Lichtstimmungen, viel Theaternebel, und einmal schniebelt es vom Schn\u00fcrboden. Auch Live-Musik und Gesang nehmen bei ihr breiten Raum ein.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">So h\u00f6rt man zur Klavierbegleitung von Alex R\u00f6ser Vatich\u00e9 das\u00a0\u201eAbendlied\u201c von Matthias Claudius. Doch von Wohlklang keine Spur, wenn das siebenk\u00f6pfige Ensemble \u201eDer Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen\u201c singt. Genauso schr\u00e4g ein verstolperter \u201eTanz der kleinen Schw\u00e4ne\u201c. Eben Menschenverstand, durchgebrannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Anfang war, nein, nicht das Wort. Am Anfang war das Kinderspielzeug. 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