{"id":475807,"date":"2025-10-05T20:55:30","date_gmt":"2025-10-05T20:55:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/475807\/"},"modified":"2025-10-05T20:55:30","modified_gmt":"2025-10-05T20:55:30","slug":"dinglingers-weinberghaus-am-dresdner-elbufer-der-zwist-ist-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/475807\/","title":{"rendered":"Dinglingers Weinberghaus am Dresdner Elbufer: Der Zwist ist vergessen"},"content":{"rendered":"<p>Die Mauer am Ende der Schevenstra\u00dfe in Dresden ist recht hoch, das Grundst\u00fcck ziemlich weitl\u00e4ufig. 20.000 Quadratmeter inklusive Weinhang, der etwa die H\u00e4lfte des Anwesens ausmacht. Doch die Hausherrin Caroline Hollenders muss nicht extra aus der Bibliothek oder ihrem Arbeitszimmer zum Tor laufen, wenn es klingelt. Neuerdings geht das mit einer App. &#8222;Die neue Technik ist sehr hilfreich&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich muss sie \u00f6fters an ihrem Smartphone herumwischen, als dieser Tage der Presseclub Dresden zu Besuch kommt. Familie Hollenders hat eingeladen, um vor allem \u00fcber die gute Weinlese an Dinglingers Weinberg zu sprechen. Aber unausweichlich kommt auch die Rede auf den gro\u00dfen Zwist, der das Familienprojekt vom Start Mitte der 90er Jahre an begleitete.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sind die G\u00e4ste begeistert vom tollen Blick auf die Elbe, die Stadt Dresden bis in die S\u00e4chsische Schweiz. &#8222;Unbezahlbar, dieser Ausblick zum Sonnenuntergang&#8220;, sagt jemand. Tats\u00e4chlich haben Caroline Hollenders, Landschafts\u00f6kologin und ehemalige FAZ-Wissenschaftsjournalistin, und ihr Mann Christoph, Notar und Unternehmer, rund 2,7 Millionen Euro in ihren barocken Traum investiert. Doch das Projekt tats\u00e4chlich umzusetzen, war viel schwieriger als gedacht.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/slider-1-1_TEXT.jpg\"\/><\/p>\n<p>Dinglingers Weinberg mit Haus. Foto: Gesellschaft Dinglinger Weinberg<\/p>\n<p>Dinglingers Weinberg und das 650 Quadratmeter gro\u00dfe Weinberghaus waren in keinem guten Zustand, als Familie Hollenders, die von Frankfurt\/M. nach Dresden kam, ihren Plan von der Sanierung dieses Areals ins Auge fassten. M\u00f6glicherweise war es damals nicht die beste Zeit f\u00fcr solch ein Unterfangen. Die Einheitseuphorie war lange vorbei. Wessis, die Grundst\u00fccke kaufen wollten, begegnete man misstrauisch. Doch die Hollenders wollten unbedingt den denkmalgerechten Wiederaufbau des Weinberggel\u00e4ndes. Dazu mussten sie \u00a0Antr\u00e4ge an sieben \u00c4mtern eingereichen, von Naturschutz \u00fcber Denkmalschutz bis zum Forst. Das dauerte. Erst im Fr\u00fchjahr 1999 waren sie genehmigt.\u00a0<\/p>\n<p>Mit dem Wein war mehr Tempo vonn\u00f6ten. Denn die Ausnahmeregelungen f\u00fcr den Weinbau in Ostdeutschland liefen Ende 1999 aus. Doch die ersten Neupflanzungen, 700 St\u00f6cke Riesling und 1.200 Traminer, schafften die Hollenders zum Termin und setzten sogar die alten Weinbergsmauern instand. Jetzt sind es noch mehr Rebst\u00f6cke, ein Viertel Hektar kam hinzu.\u00a0<\/p>\n<p>Ende September hat Familie Hollenders den Wein gelesen. Im Unterschied zum Vorjahr, als die Aprilfr\u00f6ste die ganze Ernte zerst\u00f6rten, mit einem guten Ergebnis. Die Rebst\u00f6cke hatten den Frost \u00fcberlebt und trieben im Fr\u00fchjahr wieder aus. Das diesj\u00e4hrige Ergebnis beim Traminer waren 500 Kilogramm, also rund 500 Flaschen. Beim Riesling sogar 540 Kilogramm. Die Hollenders lassen ihren Wein beim Prinzen zur Lippe in Mei\u00dfen keltern.<\/p>\n<p>Das barocke Weinberghaus geh\u00f6rte eine Zeit lang dem Hofjuwelier von K\u00f6nig August dem Starken Johann Melchior Dinglinger. Er feierte in diesem Haus auch 1728 seine f\u00fcnfte Hochzeit. Drei Jahre sp\u00e4ter starb er. Die Hollenders achteten beim Sanieren auf jedes Detail. Sie machten sogar mehr, als der Denkmalschutz es forderte.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/img-0451_TEXT.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Der barocke Saal im ersten Stock des Weinberghauses. Foto: Ulf Mallek<\/p>\n<p>Familie Hollenders gro\u00dfer Stolz ist der barocke Saal. Im Grunde, so Frau Hollenders, ist es der letzte original erhaltene Barocksaal in Dresden. Ein Prunkst\u00fcck, das die Familie f\u00fcr Konzerte, Lesungen, Gespr\u00e4chsrunden nutzt. Wie Christoph Hollenders dann erw\u00e4hnt, habe der Saal sogar noch eine ganz wichtige, eheliche Funktion: \u00a0Christoph Hollenders hat auf der rechten Seite vom Saal sein Arbeitszimmer, Caroline links. Der gro\u00dfe Saal ist ein guter Puffer, wenn es mal n\u00f6tig sein sollte. Das Haus, auf diese Aussage legt die Familie wert, ist immer nur ein b\u00fcrgerliches Heim gewesen, niemals ein Schloss des Adels.<\/p>\n<p>Irgendwann kommt dann doch der Elefant im Raum zur Sprache. Der s\u00e4chsische Landeskonservator und Dresdner Ehrenb\u00fcrger Hans Nadler hat seit 1955 in diesem Haus gewohnt. Er wollte nicht ausziehen, zumindest wollte seine Tochter, dass er nicht auszieht. Und so kam es zu einem erbitterten Streit, den die Medien mehr oder weniger engagiert begleiteten. Die Zeit schrieb von einem Weinberg der Zwietracht. Caroline Hollenders sieht es heute so: &#8222;Es war eine schmerzhafte Geschichte. Ich bedauere es sehr, dass Professor Nadler es nicht mehr erlebt hat, was aus dem Haus geworden ist. Die sieben Jahre waren schwere Jahre f\u00fcr uns alle. Sie haben den Menschen nicht gutgetan und dem Haus auch nicht, denn der Hausschwamm r\u00fcckte weiter vor.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Der Zwist ist heute vergessen. Die Hollenders bem\u00fchen sich um Offenheit und Freundschaft mit ihren Nachbarn, laden sie auch mal ein. Christoph Hollenders ist Honorarkonsul S\u00fcdkoreas, Lehrbeauftragter an den Unis Dresden und Leipzig. An einigen gr\u00f6\u00dferen Firmenk\u00e4ufen und wirtschaftlichen Deals war als Mediator beteiligt.\u00a0<\/p>\n<p>Caroline Hollenders fasst es so zusammen: &#8222;Wir haben alles hingekriegt und sind froh und dankbar dar\u00fcber.&#8220;<\/p>\n<p>Text: Ulf Mallek<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Mauer am Ende der Schevenstra\u00dfe in Dresden ist recht hoch, das Grundst\u00fcck ziemlich weitl\u00e4ufig. 20.000 Quadratmeter inklusive&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":475808,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[120678,120676,120675,3364,29,120677,2386,30,120679,859,120680],"class_list":{"0":"post-475807","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-barocksaal","9":"tag-caroline-hollenders","10":"tag-christoph-hollenders","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-dinglinger-weinberg","14":"tag-dresden","15":"tag-germany","16":"tag-hans-nadler","17":"tag-sachsen","18":"tag-weinberg-der-zwietracht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115323557049702904","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/475807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=475807"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/475807\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/475808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=475807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=475807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=475807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}