{"id":475968,"date":"2025-10-05T22:28:13","date_gmt":"2025-10-05T22:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/475968\/"},"modified":"2025-10-05T22:28:13","modified_gmt":"2025-10-05T22:28:13","slug":"kioskkultur-ostfildern-hamburg-sued-in-kemnat-ein-ex-seemann-mit-faible-fuer-nostalgie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/475968\/","title":{"rendered":"Kioskkultur Ostfildern: \u201eHamburg S\u00fcd\u201c in Kemnat: Ein Ex-Seemann mit Faible f\u00fcr Nostalgie"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t      \t\t            \t\t             \t\t\t\t   \t\t\t\t\t   <img decoding=\"async\" id=\"article-image\" fetchpriority=\"high\" alt=\"Kioskkultur Ostfildern: \u201eHamburg S\u00fcd\u201c in Kemnat:  Ein Ex-Seemann mit Faible f\u00fcr Nostalgie\" title=\"Kioskkultur Ostfildern: \u201eHamburg S\u00fcd\u201c in Kemnat:  Ein Ex-Seemann mit Faible f\u00fcr Nostalgie\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.3a13a2aa-abc5-4e6f-a276-4d8eae94b42c.16x9_700.jpg\" data-linkto=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/javascript:void(0);\"\/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tDer Hamburger Seemann Horst Giese bringt Kultur und nostalgisches Flair in sein Kiosk in Kemnat.\u00a0Foto: Kathrin Horster\t\t\t<\/p>\n<p>Im \u201aHamburgS\u00fcd\u2018 bewahrt Inhaber Nicolas Giese ein St\u00fcck Kemnater Einkaufsgeschichte mit Nostalgieflair, setzt dabei aber auf ein individuelles Konzept und zweites Standbein, die Kultur.<\/p>\n<p>Bei Nicolas Giese bekommt man nicht nur Radiergummis, Schulhefte der Marke Oxford, Zeitungen und sogar Klopapier, sondern, falls n\u00f6tig, auch mal Vokabelnachhilfe. Beim Ortstermin in dessen Kemnater <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Kiosk\" title=\"Kiosk\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kiosk<\/a> \u201aHamburgS\u00fcd\u2018 will eine Frau, die nur Englisch spricht, einen Kugelschreiber bezahlen. Das Wort \u201eBon\u201c kennt die Dame nicht; also kritzelt Giese die drei Buchstaben auf die Papiert\u00fcte, in die er gerade den Kuli packen wollte. \u201eIn Great Britain you say \u201abill\u2018. In Germany we say \u201aQuittung\u2018 or \u201aBon\u2018, B-o-n!\u201c, buchstabiert er vor. Die Frau lacht, \u201eah, thank you\u201c, Giese strahlt.<\/p>\n<p>Seit 2018 betreibt der geb\u00fcrtige Hamburger Seemann im Ostfildener Stadtteil Kemnat sein Trafik-Caf\u00e9 in der Heumadener Stra\u00dfe 1, aus dem verflixten siebten Jahr sei er gerade raus. Bis Giese seine Frau, eine geb\u00fcrtige Schw\u00e4bin kennen lernt, f\u00e4hrt er f\u00fcr die Reederei Hamburg-S\u00fcd vom Puddingfabrikanten Dr. Oetker um die Welt. Die Liebe lie\u00df ihn stranden, sagt er, und lacht donnernd. Von der Decke des Ladens baumeln h\u00f6lzerne Schiffsmodelle, die Theke ist von orangefarbenem Containerblech umrahmt, im Schaufenster h\u00e4ngt neben einer Lotto-Werbung ein Rettungsring. <\/p>\n<p>\u201eKemnat ist tot\u201c: Giese k\u00e4mpft gegen den Onlinehandel   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.b6221875-4647-4e9f-b2c5-d9fbc595b54b.original1024.media.jpeg\"\/>     Kiosk-Kultur in Kemnat: Das \u201eHamburg S\u00fcd\u201c von au\u00dfen.    Foto: Kathrin Horster    <\/p>\n<p>Heimweh nach dem alten Leben hat Giese nicht, auch wenn es im Kiosk nicht immer rund l\u00e4uft. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.einzelhandel-in-ostfildern-viele-kemnater-einzelhaendler-beklagen-finanzielle-einbussen.c2b7c025-bc99-432c-9db6-3da3e2cf261f.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201eKemnat ist tot, seit vor einem Jahr der Supermarkt zugemacht hat\u201c, beschreibt Giese die aktuelle Situation schonungslos offen.<\/a> Au\u00dferdem kauften die meisten Leute ihr B\u00fcromaterial inzwischen beim Aldi, auch Kinder k\u00e4men gar nicht mehr, um bei ihm Tintenpatronen oder Hefte zu holen. \u201eDas erledigen die M\u00fctter im Internet. Ehrlich, die Deutschen sparen an den Schulmitteln ihrer Kinder, das Geld wird lieber in den n\u00e4chsten Urlaub oder den Musicalbesuch gesteckt\u201c, konstatiert Giese d\u00fcster, auch auf Basis der Erfahrungen seiner Frau, einer Grundschullehrerin. Wie nah ihm die Zeitenwende mit dem Erstarken des Onlinehandels geht, merkt man Giese im Gespr\u00e4ch deutlich an.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass ein Besuch im HamburgS\u00fcd wie eine kleine Zeitreise wirkt. Schon beim Betreten des Ladenlokals f\u00fchlt man sich \u2013 abgesehen von den nautischen Dekorationsdetails \u2013 in die 1970er und 1980er Jahre versetzt, als der Kiosk um die Ecke zu den wichtigsten Nahversorgern und sozialen Treffpunkten der Menschen geh\u00f6rte. Giese, so scheint es, versucht diesen Geist in seinem nostalgisch anmutenden Interieur zu bewahren. Gleichzeitig interpretiert er das inzwischen historische Kiosk-Format eigenwillig neu. Neben dem typischen Sortiment bietet der redefreudige Hamburger Kaffee, Kuchen und ein Schw\u00e4tzchen \u00fcber der Ladentheke an.<\/p>\n<p>\u201eWas ist das denn f\u00fcr ein komischer Laden?\u201c \u2013 Gieses Konzept polarisiert <\/p>\n<p>Die besten Zeiten erlebte der Kiosk laut Giese unter der Besitzerin Cecilia Maurer in den Wirtschaftswunderjahren, er selbst \u00fcbernahm von Familie Fischer. Alte Einbauten hinter der Theke stammen noch original aus den 1950ern, wie der Terrazzo-Steinbelag auf dem Boden. Vor der Theke hat Giese einen Stammtisch eingerichtet, orangefarbenes Kunststofffurnier mit Holzmaserung, dahinter eine gepolsterte Sitzbank. Mit seinem individuellen Konzept hat sich der Neig\u2019schmeckte im beschaulich-b\u00fcrgerlichen Kemnat allerdings nicht nur Freunde verschafft. \u201eLetztens kam ein alter Mann, um sich zu beschweren, was das denn hier f\u00fcr ein komischer Laden sei\u201c, schildert Giese kopfsch\u00fcttelnd. <\/p>\n<p>Dabei interessierten sich die Kunden immer weniger f\u00fcr sein Sortiment aus Tageszeitungen von Bild bis zur S\u00fcddeutschen und Magazinen vom \u201ePlayboy\u201c bis zur \u201eLandlust\u201c. Gieses zweites Standbein ist deshalb die Kultur, die besonders G\u00e4ste aus dem Stuttgarter Westen anzieht. Im hinteren Teil des Ladens hat Giese eine B\u00fchne eingerichtet. \u201eSchlager und so sind nicht mein Ding\u201c, sagt er. In seiner Jugend war der 60-J\u00e4hrige als Punker in der Hamburger Szene um die Hafenstra\u00dfe unterwegs. Heute treten bei ihm Gr\u00f6\u00dfen wie Alexander Hacke, ehemaliges Mitglied der deutschen Avantgarde-Rockband Einst\u00fcrzende Neubauten, und Timo Blunck vom NDW-Urgestein Palais Schaumburg auf. Die Rauchwaren und Magazine wolle er behalten, der Kiosk sei inzwischen aber haupts\u00e4chlich ein tolles B\u00fchnenbild.<\/p>\n<p>Das Ladengesch\u00e4ft und sein Angebot <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>\u00d6ffnungszeiten<\/strong><br \/>T\u00e4glich 9 bis 12 Uhr beziehungsweise 12.30 Uhr, montags und mittwochs bleibt der Laden nachmittags geschlossen, dienstags \u00f6ffnet Giese am Nachmittag von 16 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Samstags von 9 bis 12.30 Uhr.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Caf\u00e9<\/strong><br \/>Giese bietet Getr\u00e4nke und Kuchen, zu Veranstaltungen auch vorbereitete Fischstullen an. Das Brot in Bioqualit\u00e4t bezieht er von der Eselsm\u00fchle im Siebenm\u00fchlental. Au\u00dferdem verkauft er Imker-Honig aus der Region.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Kultur<\/strong><br \/>Im HamburgS\u00fcd treten Autoren und Musiker aus der Sub- und Popkulturszene auf, am 16. Oktober ist zum Beispiel der Musiker Timo Blunck zu Gast. Am 22. November liest die Autorin Katja Kullmann aus ihrem 2025 im Hanser-Verlag erschienenen Buch \u201eStars\u201c. Das Programm ist online unter <a href=\"https:\/\/www.trafikcafekemnat.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.trafikcafekemnat.de<\/a> abrufbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Hamburger Seemann Horst Giese bringt Kultur und nostalgisches Flair in sein Kiosk in Kemnat.\u00a0Foto: Kathrin Horster Im&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":475969,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,30,120690,89969,4141,80,72510,8035,1441],"class_list":{"0":"post-475968","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-hamburg-sued","13":"tag-kemnat","14":"tag-kiosk","15":"tag-kultur","16":"tag-nostalgie","17":"tag-ostfildern","18":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115323922795998314","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/475968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=475968"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/475968\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/475969"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=475968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=475968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=475968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}