{"id":476138,"date":"2025-10-06T00:09:11","date_gmt":"2025-10-06T00:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/476138\/"},"modified":"2025-10-06T00:09:11","modified_gmt":"2025-10-06T00:09:11","slug":"mediathek-muellheim-neue-sicht-auf-starautor-und-nobelpreistraeger-rebland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/476138\/","title":{"rendered":"Mediathek M\u00fcllheim: Neue Sicht auf Starautor und Nobelpreistr\u00e4ger &#8211; Rebland"},"content":{"rendered":"<p> 527 Seiten, dazu, wie es sich f\u00fcr einen Professor f\u00fcr Literaturkritik geh\u00f6rt, 59 Seiten quellenkritischer Anhang. Am Montag war er zu Gast in der Mediathek <a href=\"https:\/\/www.schwarzwaelder-bote.de\/thema\/M%C3%BCllheim\" title=\"M\u00fcllheim\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcllheim<\/a>.<\/p>\n<p>Das Buch macht derzeit Furore, nicht nur, weil Lahme erstens einen lockeren, ja unterhaltsamen Schreibstil pflegt und zweitens die Homosexualit\u00e4t Thomas Manns in nie dagewesener Weise ins Zentrum seines Schaffens r\u00fcckt, sondern auch, weil es eine ganz neue Sicht auf die Wissenschaft und ihren bisweilen verdrucksten Umgang mit dem Starautor und Nobelpreistr\u00e4ger \u00f6ffnet. Best\u00e4tigung f\u00fcr Lahmes Ansatz brachte die Ver\u00f6ffentlichung der Tageb\u00fccher Thomas Manns 20 Jahre nach seinem Tod, wie er selbst explizit angeordnet hat.<\/p>\n<p>Tilmann Lahme ist nicht nur Buchautor, sondern ein mitrei\u00dfender Erz\u00e4hler. So beschr\u00e4nkte sich die \u201eLesung\u201c auf einige wenige Originalquellen und Briefausschnitte, ansonsten war der Abend in der voll besetzten Mediathek eine spannende Erz\u00e4hlstunde, in der Lahme die Bedeutung der lebenslang unterdr\u00fcckten Homosexualit\u00e4t Thomas Manns herausarbeitete. Der Ausnahmeschriftsteller f\u00fchrte tats\u00e4chlich ein Leben am physischen und psychischen Abgrund. Die Familiensaga mit sch\u00f6ner, kluger Frau und sechs hochbegabten Kindern: eine glatte Fassade, der die Wissenschaft nur zu gern jahrzehntelang folgte. Zum 100. Geburtstag habe <a href=\"https:\/\/www.schwarzwaelder-bote.de\/thema\/Thomas_Mann\" title=\"Thomas Mann\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thomas Mann<\/a> die Abschiebung in die Klassik-Ecke gedroht, nach dem Motto, das kann jetzt mal weg. Alfred D\u00f6blin habe den gro\u00dfen Kollegen mit seiner ausufernden Schilderung gro\u00dfb\u00fcrgerlicher Befindlichkeiten als \u201eleibhaftig<\/p>\n<p>gewordene B\u00fcgelfalte\u201c geschm\u00e4ht. Dann kamen die Tageb\u00fccher und auch zwei verschollen geglaubte Briefe an den Jugendfreund Otto Grautoff an die \u00d6ffentlichkeit. Inge Jens, Herausgeberin von Briefen und Tageb\u00fcchern Thomas Manns, habe in einer Diskussion um die vielen Streichungen und L\u00fccken in diesen Quellen gemeint: Da k\u00f6nnte man was dazu sagen\u201c. Und auch Tilmann Lahme hatte immer gesp\u00fcrt, dass in diesem Kontext des von vielen H\u00e4nden bearbeiteten und zensierten Nachlasses \u201eirgendwas nicht stimmt\u201c. Als Wissenschaftler d\u00fcrfe man da schon genauer hinschauen. Was er dann mit seinem Buch auch getan hat.<\/p>\n<p>In seiner \u201eErz\u00e4hlstunde\u201c bl\u00e4tterte er die Jahre auf, in denen Thomas Mann als junger Schriftsteller Fu\u00df fasste und im Alter von 25 Jahren den Erfolgsroman \u201eBuddenbrooks\u201c vorlegte, der bis heute f\u00fcr viele Thomas-Mann-Fans das beste Buch seines umfangreichen Werks ist. Gebannt folgte das Publikum Lahmes Bericht, erfuhr, warum der Bleistift zum zentralen Dingsymbol im \u201eZauberberg\u201c geworden ist, warum man, wenn in Thomas Manns Erz\u00e4hlungen die Liebe anklopft, man auch gleich den Bestatter rufen k\u00f6nne, warum Thomas Mann \u201ekeine Frauen kann\u201c, wie die Literaturkritikerin Iris Radisch feststellt und wie es kam, dass Thomas Mann in der schwerreichen Familie Pringsheim mit seinem Plan Fu\u00df fassen konnte, die Tochter Katja zu heiraten. Die folgende, lebenslange Ehe mit ihrer \u00e4u\u00dferlich gl\u00e4nzenden Fassade ertrug er nur durch st\u00e4ndige Selbstkasteiung und einen umfangreichen Tablettencocktail. \u201eGeht uns das was an?\u201c, fragte Lahme und beantwortete die Frage selbst: Bei Thomas Mann bestehe ein klarer Bezug zwischen Leben und Werk. Dass Mann die Ver\u00f6ffentlichung seiner Tageb\u00fccher 20 Jahre nach seinem Tod verf\u00fcgte, sei ein Indiz daf\u00fcr, dass er wollte, dass die Nachwelt sein geheim gehaltenes schweres Leben sehen sollte. Das Publikum zeigte sich sehr informiert. Ein Zuh\u00f6rer bekannte, er habe das Buch gar nicht kaufen wollen, es aber dann \u201ein zehn Tagen gefressen\u201c. \u201eSo ist mir Thomas Mann viel n\u00e4her\u201c, lautete eine andere Anmerkung. F\u00fcr die Mediathek im Jahr ihres 25-j\u00e4hrigen Bestehens und die Lesegesellschaft als gemeinsame Veranstalter war der Abend eine besondere Sternstunde, in der wieder einmal klar wurde, dass Lesen nicht nur etwas f\u00fcrs stille K\u00e4mmerlein ist, sondern auch den gesellschaftlichen Diskurs steuern und beleben kann. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"527 Seiten, dazu, wie es sich f\u00fcr einen Professor f\u00fcr Literaturkritik geh\u00f6rt, 59 Seiten quellenkritischer Anhang. 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