{"id":476439,"date":"2025-10-06T03:12:46","date_gmt":"2025-10-06T03:12:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/476439\/"},"modified":"2025-10-06T03:12:46","modified_gmt":"2025-10-06T03:12:46","slug":"kritik-zu-euphorie-gelsenkirchen-statt-hollywood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/476439\/","title":{"rendered":"Kritik zu \u201eEuphorie\u201c: Gelsenkirchen statt Hollywood"},"content":{"rendered":"<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-igfcb31176\">\u201eEuphorie\u201c ist da \u2013 die deutsche Neuauflage eines viel diskutierten Serienformats. Nachdem auf dem Filmfest M\u00fcnchen bereits die ersten drei Episoden gezeigt wurden, ist nun die komplette erste Staffel mit insgesamt acht Folgen gestartet. Lohnt sie sich?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bef6c6_4be3cdeae3214ed19f672a587a1b80ab~mv2.webp.webp\" alt=\"Szenenbild aus \u201eEuphorie\u201c: Zwei junge Frauen stehen sich in \u201eEuphorie\u201c in einem dunklen Raum gegen\u00fcber und blicken sich intensiv in die Augen\" style=\"width:100%;height:100%;object-fit:cover;object-position:50% 50%;max-width:100%\" data-pin-url=\"https:\/\/www.derfilmjournalist.de\/artikel\/kritik-zu-euphorie-gelsenkirchen-statt-hollywood\" data-pin-media=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/bef6c6_4be3cdeae3214ed19f672a587a1b80ab~mv2.webp\/v1\/fill\/w_2188,h_1094,al_c,q_90\/bef6c6_4be3cdeae3214ed19f672a587a1b80ab~mv2.webp\" draggable=\"false\"\/><\/p>\n<p>Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-3yf7219796\">Wenn von Jugenddramen im Fernsehen die Rede ist, f\u00e4llt seit einigen Jahren unweigerlich ein Titel: \u201eEuphoria\u201c. Die US-Serie von HBO hat mit ihrer kompromisslosen Darstellung von Abh\u00e4ngigkeit, Identit\u00e4tssuche und jugendlichem Aufbegehren Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt und eine weltweite Debatte \u00fcber die Darstellung einer ganzen Generation ausgel\u00f6st. Weniger bekannt ist, dass dieses Format urspr\u00fcnglich aus Israel stammt und dort bereits 2012 entwickelt wurde, bevor es in Amerika seinen gro\u00dfen Durchbruch erlebte. Nun wagt sich auch Deutschland an eine Adaption: Unter dem Titel \u201eEuphorie\u201c hat RTL+ gemeinsam mit Zeitsprung Pictures acht Episoden produziert, die die Konflikte und Verunsicherungen des Erwachsenwerdens in einen hiesigen Kontext verlagern. Wie schl\u00e4gt sich die deutsche Neuauflage?<\/p>\n<p>Darum geht es:<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-pgrrb16140\">Nach drei Monaten in der Jugendpsychiatrie kehrt die 16-j\u00e4hrige Mila in ihren Alltag zur\u00fcck \u2013 doch Heilung ist keine in Sicht. Die Schule tuschelt, das Sexvideo ist noch immer Thema, und die Welt f\u00fchlt sich genauso kaputt an wie vorher. Zwischen Flashbacks, Drogentrips und innerer Leere taumelt Mila in eine explosive Dreiecksbeziehung: Ali, das M\u00e4dchen aus der Klinik, ist verschwunden \u2013 und Jannis, ein aufstrebendes Talent der Filmszene, zieht sie tiefer in einen Strudel aus Exzess, Schmerz und Selbstzerst\u00f6rung. Findet Mila einen Weg zur\u00fcck ins Leben \u2013 oder verliert sie sich endg\u00fcltig?<\/p>\n<p>Die Rezension:<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-tedff19150\">\u201eEuphorie\u201c ist kein deutsches \u201eEuphoria\u201c und will das auch nicht sein \u2013 zum Gl\u00fcck. Was auf dem Papier leicht als blo\u00dfer Versuch erscheinen k\u00f6nnte, sich an ein global erfolgreiches Konzept anzulehnen, entpuppt sich auf dem Bildschirm als durchdachte und mutige Interpretation. Die erste Staffel von \u201eEuphorie\u201c war dabei durchaus ein Wagnis \u2013 und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Ein Wagnis, weil sie auf dem israelischen Original \u201eEuphoria\u201c basiert, das international weitgehend unbeachtet blieb. Ein Wagnis aber vor allem, weil die gleichnamige US-Adaption mit Zendaya l\u00e4ngst zum popkulturellen Referenzpunkt avanciert ist. Wer heute mit dem Titel \u201eEuphorie\u201c antritt, muss sich zwangsl\u00e4ufig mit dem \u00dcberformat messen lassen. Die deutsche Variante entscheidet sich jedoch bewusst dagegen, mitzuspielen \u2013 und genau darin liegt eine ihrer gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken. Und zugleich eine ihrer Grenzen. \u201eEuphorie\u201c macht von Anfang an deutlich, dass es nicht um das Kopieren eines globalen Erfolgs geht, sondern um die Verortung einer bekannten Coming-of-Age-Dramaturgie im Hier und Heute eines deutschen Lebensgef\u00fchls.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bef6c6_4a910dd89c034ef5ae2a8034fd5ef465~mv2.webp.webp\" alt=\"Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung \/ Nir\u00e9n Mahajan\" style=\"width:100%;height:100%;object-fit:cover;object-position:50% 50%;max-width:100%\" data-pin-url=\"https:\/\/www.derfilmjournalist.de\/artikel\/kritik-zu-euphorie-gelsenkirchen-statt-hollywood\" data-pin-media=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/bef6c6_4a910dd89c034ef5ae2a8034fd5ef465~mv2.webp\/v1\/fill\/w_2188,h_1094,al_c,q_90\/bef6c6_4a910dd89c034ef5ae2a8034fd5ef465~mv2.webp\" draggable=\"false\"\/><\/p>\n<p>Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung \/ Nir\u00e9n Mahajan<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-qe0vt19582\">Statt die US-\u00dcber\u00e4sthetisierung zu imitieren, bindet die Adaption ihre Konflikte an Gelsenkirchen, an Schreberg\u00e4rten statt Trailerparks, an Partys ohne High-Fashion-Attit\u00fcde, und verlagert das Zentrum vom schockhaften Absturz zur allm\u00e4hlichen Entgleisung: Mila ist zu Beginn keine im Drogennetz gefangene S\u00fcchtige, sondern eine Sechzehnj\u00e4hrige, deren Kontakt zu Drogen sich erst allm\u00e4hlich \u00f6ffnet \u2013 ein geleaktes Sexvideo, die Nachwehen einer famili\u00e4ren Krebserkrankung, ein vorausgegangener Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie nach einem mutma\u00dflichen Suizidversuch \u2013 mit den gr\u00f6\u00dfer gedachten Stressoren der Gegenwart \u2013 Pandemie, Klimakrise, gesellschaftliche Verh\u00e4rtungen \u2013 verschaltet wird; dieser Fokus macht die Serie weniger zum Skandalformat als zu einer Beobachtung dar\u00fcber, wie Eskapismus aus Angst, \u00dcberforderung und Sinnsuche w\u00e4chst. Hier soll nichts glamour\u00f6s wirken. Und das tut es auch nicht. Was man sieht, ist oft roh, manchmal beklemmend und selten sch\u00f6n \u2013 aber stets glaubw\u00fcrdig. Das gibt den behandelten Themen wie Drogenmissbrauch, Angstst\u00f6rungen oder jugendlichem Leistungsdruck ein anderes Gewicht als in der hochpolierten US-Version.<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-yvvtz19154\">Die deutsche Neuauflage erz\u00e4hlt vom Druck des Erwachsenwerdens in einer Zeit, in der niemand so recht wei\u00df, wie die Zukunft aussehen soll. Und sie macht dabei nicht den Fehler, die Jugendlichen blo\u00df als Opfer zu inszenieren. Diese Jugendlichen sind keine blo\u00dfen Tr\u00e4ger gesellschaftlicher Probleme, sondern agierende, manchmal scheiternde, oft suchende Menschen, die auf sehr pers\u00f6nliche Weise versuchen, mit dem inneren Chaos umzugehen \u2013 mal in Form von Eskapismus, mal durch Radikalisierung, mal durch den Versuch, irgendwie Anschluss zu finden. Doch wo der US-Serienhit den Drang zur Selbstaufgabe oft r\u00e4tselhafter stehen lie\u00df und dadurch eine fiebrige Unruhe erzeugte, ordnet die deutsche Adaption die Affekte st\u00e4rker \u2013 plausibel, manchmal auch demonstrativ \u2013 riskiert dabei jedoch, stellenweise zu erkl\u00e4rend zu sein. Die Drehb\u00fccher \u2013 entwickelt um Head-Autor Jonas Lindt und inszeniert vom Regieduo Andr\u00e9 Szardenings und Antonia Leyla Schmidt \u2013 schaffen eine Erz\u00e4hlweise, die mit der Widerspr\u00fcchlichkeit spielt: Milas Z\u00e4rtlichkeit existiert neben ihrer Wut, ihr Humor neben Kontrollverlust, ihre Sehnsucht nach Verbindung neben der Flucht in Bet\u00e4ubung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bef6c6_4ae53e36ffcc46618eaadf003ab475a5~mv2.webp.webp\" alt=\"Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung\" style=\"width:100%;height:100%;object-fit:cover;object-position:50% 50%;max-width:100%\" data-pin-url=\"https:\/\/www.derfilmjournalist.de\/artikel\/kritik-zu-euphorie-gelsenkirchen-statt-hollywood\" data-pin-media=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/bef6c6_4ae53e36ffcc46618eaadf003ab475a5~mv2.webp\/v1\/fill\/w_2188,h_1094,al_c,q_90\/bef6c6_4ae53e36ffcc46618eaadf003ab475a5~mv2.webp\" draggable=\"false\"\/><\/p>\n<p>Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-by22719156\">Diese Ambivalenzen tragen die Serie, vor allem, weil Derya Akyol Mila nicht als plakativen Fall spielt, sondern als K\u00f6rper im Konflikt; ihre Pr\u00e4senz ist ungek\u00fcnstelt, oft physisch und dabei verletzlich. Milas Weg ist kein Fallbeispiel, sondern eine Bewegung mit R\u00fcckkoppelschleifen, in der N\u00e4he und Distanz, Trotz und Scham, Selbstverachtung und Sehnsucht eng beieinanderliegen. Dass \u201eEuphorie\u201c eine sp\u00fcrbare Sogkraft aufbaut, liegt zentral an Derya Akyol. Inszenatorisch w\u00e4hlt \u201eEuphorie\u201c einen Hyperrealismus, der laufend Distanz und N\u00e4he verschaltet: Die Kamera ist selten statisch, gro\u00dfe Fahrten und scharfe Rhythmuswechsel erzeugen eine eigenwillige Energie, w\u00e4hrend Milas Voice-over den Blick erdet, erkl\u00e4rt, konterkariert, manchmal fast allwissend sortiert und damit eine Leitspur durch das Gef\u00fchlschaos legt.<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-gls0r19158\">Dabei ist die Erz\u00e4hlweise alles andere als konventionell: Wenn Mila die vierte Wand durchbricht und ein Scheinwerfer die Szene f\u00fcr einen Moment fast wie in ein B\u00fchnenbild verwandelt, entsteht eine besondere Intensit\u00e4t, die in gewisser Weise an Bertolt Brechts episches Theater erinnert, das darauf zielte, das Publikum nicht in Illusionen zu wiegen, sondern durch Verfremdungseffekte zum kritischen Nachdenken zu bewegen. Statt die Zuschauenden passiv mitleiden zu lassen, wird ihre Rolle neu definiert: Das Publikum soll nicht blo\u00df mitf\u00fchlen, sondern mitdenken. Gerade in dieser Serie funktioniert diese Brechtsche Technik, weil sie den Abstand zwischen Fiktion und Realit\u00e4t nicht verwischt, sondern offenlegt. Das Risiko dieser Methode liegt allerdings in der \u00dcberlagerung \u2013 nicht jede Szene profitiert davon, unterbrochen oder kommentiert zu werden. Die Inszenierung bleibt insgesamt nah an ihren Figuren, ohne in Pathos oder Voyeurismus zu verfallen.<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-f36xy19160\">Dass die Serie insgesamt auf Schockbilder als Selbstzweck verzichtet, ist ein Qualit\u00e4tsmerkmal \u2013 und zugleich eine strategische Entscheidung gegen den einfachen Buzz. Die Kehrseite: Die Serie verzichtet auf die fiebrig-viralen Spitzen, an denen die US-Version ihre Gespr\u00e4chswucht entfaltete. \u201eEuphorie\u201c ist konsequent ernsthafter und \u2013 im besten Sinn \u2013 unglamour\u00f6s. Inhaltlich legt die Serie dabei eine klare These: Eskapismus ist weniger Attit\u00fcde als \u00dcberlebensstrategie. So bilden soziale Medien und Reality-Formate hier auch reale Fluchtventile \u2013 das ist inhaltlich stimmig \u2013, verwebt aber zugleich sichtbar den Senderkosmos. \u201eEuphorie\u201c integriert RTL-Formate, zitiert die eigene Nachrichtenwelt und schafft wiederholt subtile wie weniger subtile Querverweise zur Senderidentit\u00e4t. Ob durch eingeblendete Ausschnitte des tats\u00e4chlichen RTL-Magazins \u201ePunkt 12\u201c, die Integration von Reality-Stars aus hauseigenen Formaten oder die Darstellung medialer Aufmerksamkeit als sozialer Aufstiegstraum \u2013 immer wieder durchzieht die Serie ein metamedialer Subtext, der deutlich macht, dass hier auch ein Streaming-Angebot beworben wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bef6c6_722b655c57424a77b4f7a3f1691d18a5~mv2.webp.webp\" alt=\"Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung\" style=\"width:100%;height:100%;object-fit:cover;object-position:50% 50%;max-width:100%\" data-pin-url=\"https:\/\/www.derfilmjournalist.de\/artikel\/kritik-zu-euphorie-gelsenkirchen-statt-hollywood\" data-pin-media=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/bef6c6_722b655c57424a77b4f7a3f1691d18a5~mv2.webp\/v1\/fill\/w_2188,h_1094,al_c,q_90\/bef6c6_722b655c57424a77b4f7a3f1691d18a5~mv2.webp\" draggable=\"false\"\/><\/p>\n<p>Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-zsqwa19162\">Dass ausgerechnet in der deutschen Version Reality-TV eine derart prominente Rolle im Wertehorizont der Figuren spielt, wirkt dabei weniger wie ein kultureller Zufall als vielmehr wie ein gezielter Verweis auf die DNA des Senders. Die Serie inszeniert also nicht nur das Lebensgef\u00fchl einer entwurzelten Jugend, sondern auch \u2013 subtil, aber konsequent \u2013 ein mediales \u00d6kosystem, das seine neuen Zuschauenden gleich mit an sich binden will. Dramaturgisch funktioniert das als Verankerung in einer wiedererkennbaren Medienumgebung; \u00f6konomisch ist es nachvollziehbar. Manchmal kippt die Balance jedoch in Richtung Eigenwerbung und rei\u00dft kurz an der Illusion. Wie schon beim US-Serienhit spielt die musikalische Untermalung auch hier eine gro\u00dfe Rolle. Der Soundtrack reicht von Retro-Hits der Achtziger und Neunziger bis zu aktuellem Hip-Hop, nahezu jede Szene ist musikalisch unterlegt.<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-c4q5v19360\">Der Soundtrack spannt den Bogen von Alphaville bis Deutschrap und legt sich in fast jeder Szene wie ein zweiter Erz\u00e4hler \u00fcber das Bild. Mal treibend, mal melancholisch \u2013 oft pointiert eingesetzt, gelegentlich zu dominant. Das erzeugt Atmosph\u00e4re und Rhythmus, nimmt aber in einzelnen Momenten den Mut zur Stille, der innere Bewegungen noch deutlicher machen k\u00f6nnte. Denn \u201eEuphorie\u201c ist in den stillen Kollisionen am st\u00e4rksten: im Blick, der l\u00e4nger dauert, als es bequem ist; im Satz, der von Scham gebremst wird; im Versuch, N\u00e4he herzustellen, obwohl die Hand zittert. Besonders tr\u00e4gt die Staffel deshalb dort, wo sie ihre Figuren ernst nimmt. Diversit\u00e4t wird hier als Selbstverst\u00e4ndlichkeit erz\u00e4hlt, nicht als p\u00e4dagogischer Programmpunkt. Zwar scheint die Serie zun\u00e4chst auf bekannte Jugendserien-Klischees zu setzen, doch die schauspielerische Umsetzung unterl\u00e4uft diese Erwartungshaltung gezielt. Besonders bemerkenswert ist, dass die Serie migrantisch gepr\u00e4gte Lebensrealit\u00e4ten zeigt, ohne in stereotype Zuschreibungen zu verfallen \u2013 ein Balanceakt, den viele vergleichbare Formate verfehlen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bef6c6_e3ca604fdd1c4aafabcc9299d767faad~mv2.webp.webp\" alt=\"Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung\" style=\"width:100%;height:100%;object-fit:cover;object-position:50% 50%;max-width:100%\" data-pin-url=\"https:\/\/www.derfilmjournalist.de\/artikel\/kritik-zu-euphorie-gelsenkirchen-statt-hollywood\" data-pin-media=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/bef6c6_e3ca604fdd1c4aafabcc9299d767faad~mv2.webp\/v1\/fill\/w_2188,h_1094,al_c,q_90\/bef6c6_e3ca604fdd1c4aafabcc9299d767faad~mv2.webp\" draggable=\"false\"\/><\/p>\n<p>Bildnachweis: \u00a9 RTL \/ Zeitsprung<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-sz3k719166\">Statt auf Starpower verl\u00e4sst sich die Serie auf Inhalt und Ensemble. Gerade dieser Verzicht auf bereits etablierte Bekanntheiten erm\u00f6glicht ein realistischeres, unvoreingenommeneres Eintauchen in die Geschichte. Es ist das Zusammenspiel aus Casting, Rollenkonzeption und Performance, das \u201eEuphorie\u201c \u00fcber konventionelle Formate hinaushebt \u2013 und zugleich deutlich macht, wie sehr deutsche Titel davon profitieren k\u00f6nnen, junge Talente in tragende Rollen zu lassen, selbst wenn nicht jeder Besetzungsentscheid gleich stimmig ist. Denn bei manchen jugendlichen Rollen liegt das wahrgenommene Alter der Darstellenden doch sehr deutlich \u00fcber dem behaupteten Rollenalter. Immersion ist im Jugenddrama eine fragile Ressource, und an diesen Stellen knarzt es. Zudem ist der Preis der F\u00fclle an Figuren, dass nicht jeder Handlungsbogen und Charakter die gleiche Tiefe erreicht; doch die St\u00e4rke ist davon gleicherma\u00dfen, dass die Serie Jugend nicht als Einzelschicksale, sondern als Geflecht aus Beziehungen, Missverst\u00e4ndnissen und Momenten beschreibt.<\/p>\n<p>Fazit:<\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-rn1ul11249\"><strong style=\"font-weight:700\">\u201eEuphorie\u201c ist eine ambitionierte, bildstarke und inhaltlich \u00fcberaus relevante Serie, die sich nicht scheut, gro\u00dfe Themen anzupacken \u2013 und diese weder in Pathos noch in Klischees ertr\u00e4nkt. Sie erz\u00e4hlt nicht nur von Jugendlichen, sondern vor allem vom Zustand der Gegenwart \u2013 und trifft dabei einen Ton, der selten ist: scharf, ehrlich und unbequem. Wer nach einer Serie sucht, die den Zeitgeist nicht nur reproduziert, sondern genau hinsieht, wird hier f\u00fcndig \u2013 und bleibt dank des stark aufspielenden Ensembles rund um Derya Akyol auch nicht unber\u00fchrt zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-lnnz610160\"><strong style=\"font-weight:700\">&gt;&gt;&gt; STARTTERMIN: Ab dem <\/strong><strong style=\"font-weight:700\">03. August 2025<\/strong><strong style=\"font-weight:700\">\u00a0auf Netflix.<\/strong><\/p>\n<p><strong style=\"font-weight:700\">Wie hat Dir die 1. Staffel gefallen? Teile Deine Meinung gerne in den Kommentaren!<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT YY-zb _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-p62uc5422\"><strong style=\"font-weight:700\">Weitere Informationen zu \u201e<\/strong><strong style=\"font-weight:700\">Euphorie<\/strong><strong style=\"font-weight:700\">\u201c:<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT YY-zb _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-y67q914992\"><strong style=\"font-weight:700\">Genre: Drama, Coming-Of-Age<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT YY-zb _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-i6tqh23649\"><strong style=\"font-weight:700\">Altersfreigabe:\u00a0ab 16 Jahren<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT YY-zb _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-mn6lm31555\"><strong style=\"font-weight:700\">Regie: <\/strong><strong style=\"font-weight:700\">Andr\u00e9 Szardenings und Antonia Leyla Schmidt<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT jmBhI _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-davsp34095\"><strong style=\"font-weight:700\">Drehbuch: <\/strong><strong style=\"font-weight:700\">Jonas Lindt, Raquel Kishori Dukpa, Paulina Lorenz und Antonia Leyla Schmidt<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT YY-zb _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-ggtko44577\"><strong style=\"font-weight:700\">Besetzung: <\/strong><strong style=\"font-weight:700\">Derya Akyol, Eren M. G\u00fcvercin, Denis Schmidt <\/strong><strong style=\"font-weight:700\">und viele mehr &#8230;<\/strong><\/p>\n<p class=\"-kA22 pbpjT YY-zb _3DWex\" dir=\"auto\" id=\"viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-viewer-hf1zx73801\"><strong style=\"font-weight:700\">Trailer zur 1. Staffel von \u201e<\/strong><strong style=\"font-weight:700\">Euphorie<\/strong><strong style=\"font-weight:700\">\u201c:<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eEuphorie\u201c ist da \u2013 die deutsche Neuauflage eines viel diskutierten Serienformats. Nachdem auf dem Filmfest M\u00fcnchen bereits die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":476440,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1848],"tags":[3364,29,548,663,3934,3658,30,13,14,15,1209,12],"class_list":{"0":"post-476439","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gelsenkirchen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-gelsenkirchen","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115325039311595066","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/476439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=476439"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/476439\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/476440"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=476439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=476439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=476439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}