{"id":476643,"date":"2025-10-06T05:16:19","date_gmt":"2025-10-06T05:16:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/476643\/"},"modified":"2025-10-06T05:16:19","modified_gmt":"2025-10-06T05:16:19","slug":"jung-und-ostdeutsch-wie-viel-ossi-steckt-in-der-gen-z","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/476643\/","title":{"rendered":"Jung und ostdeutsch &#8211; Wie viel \u201eOssi\u201c steckt in der Gen Z?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sachsen\/Hannover. Deutschland ist seit 35 Jahren wiedervereint, doch die Unterteilung in Ost- und Westdeutschland bleibt \u2013 auch bei der jungen Generation. \u201eOstdeutsch\u201c \u2013 so betiteln sich immer mehr Jugendliche mit Stolz, die aus den neuen Bundesl\u00e4ndern kommen. Doch was hei\u00dft das \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sechs M\u00e4nner und Frauen der Gen Z erz\u00e4hlen, wie sie die einstige Trennung Deutschlands noch heute begleitet. Was sie mit \u201eostdeutsch\u201c verbinden. Und welche Klischees daran haften.<\/p>\n<p>Patrick Albrecht: \u201eVon den Dorfkindern wurde erwartet: Ihr habt eine Simson\u201c<img decoding=\"async\" alt=\"Patrick Albrecht ist 24 Jahre alt und B\u00fcrgermeister von G\u00f6\u00dfnitz.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/LYS3IXAYYRFFPLVOYL4L2FUN3U.jpg\" \/><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Das Metall gl\u00e4nzt rot. Nach dem zweiten Antreten schnurrt der Motor. Auf der Maschine sitzt Patrick Albrecht, 24 Jahre alt und B\u00fcrgermeister seiner Heimatstadt G\u00f6\u00dfnitz in Th\u00fcringen \u2013 der j\u00fcngste Mensch in Deutschland in diesem Amt. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eViele meiner Klassenkameraden sind in die gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dte gegangen \u2013 oft in den Westen.\u201c Doch weg wollte Patrick nie. \u201eIch bin schon ein bisschen ostdeutsch\u201c, sagt er und lacht. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Eine gro\u00dfe Rolle spielen dabei f\u00fcr ihn die DDR-Mopeds. \u201eWenn man 15 oder 16 Jahre alt ist, dann f\u00e4hrt man die Dinger. Das Kultfahrzeug schlechthin.\u201c F\u00fcr viele Jugendliche war die \u201eSimme\u201c das erste motorbetriebene Fahrzeug. \u201eDas war ein gro\u00dfes Freiheitsgef\u00fchl\u201c, erinnert sich der 24-J\u00e4hrige. \u201eVor allem von den Dorfkindern wurde erwartet: Ihr habt eine Simson in der Garage stehen, keinen Plastikroller.\u201c Patricks Simson ist ein Erbst\u00fcck, sein Vater habe sie damals eingetauscht, gegen Bier. Ein Tauschgesch\u00e4ft; Alltag in der DDR.<\/p>\n<blockquote><p>Mein Vater hat die damals eingetauscht, gegen Bier.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Patrick Albrecht,<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 kncpVQ\">\u00fcber seine Simson S 51<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eDas war fr\u00fcher ausschlaggebend\u201c, erinnert sich der junge B\u00fcrgermeister: \u201eIch hab ne Simme. Ich komme aus dem Osten. Ossis sind cool.\u201c Heute sieht er das differenzierter. \u201eMan sollte trotzdem weltoffen sein.\u201c In Clubs und auf Dorffesten beobachtet er einen Trend: Viele Jugendliche w\u00fcrden sich als Ossis feiern. Gef\u00e4hrlich wirke das nicht, findet Patrick. \u201eIch wei\u00df nur nicht, ob das noch angebracht ist. 35 Jahre nach der Wende. Aber das sind oft 17-, oder 18-J\u00e4hrige, die M\u00e4dels beeindrucken wollen\u201c, sagt er. Zu seinem 18. Geburtstag habe er damals auch einen Hut mit Aufschrift \u201eOstdeutschland\u201c bekommen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Eigentlich m\u00f6ge er die Ost-West-Trennung nicht. \u201eIch w\u00fcnsche mir, dass die Differenzen verschwinden\u201c, sagt der 24-J\u00e4hrige. Den Ostdeutschland-Hut trage er mittlerweile nicht mehr.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Lena Martin: \u201eIch bin auf jeden Fall ostdeutsch\u201c<img decoding=\"async\" alt=\"Lena Martin wurde in Freiberg im Erzgebirge geboren und lebt seit sechs Jahren in Leipzig.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/KHR4NKOJFZEBRCX4TMKRR2WGKM.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Entspannt sitzt Lena Martin auf ihrem braunen Sofa in ihrer Wohnung in Leipzig. \u201eIch bin auf jeden Fall ostdeutsch\u201c, sagt die geb\u00fcrtige Erzgebirgerin selbstbewusst. Den ersten Bezug zum Ostdeutschsein habe sie durch ihre Eltern wahrgenommen, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. \u201eDieser DDR-Bezug ist der Hauptpunkt, den ostdeutsche Identit\u00e4t f\u00fcr mich ausmacht, auch, wenn es mich selbst nicht betrifft\u201c. Phrasen wie \u201evor der Wende\u201c oder \u201ezu Ostzeiten\u201c, sind in Lenas Familie immer wieder gefallen. Das Gef\u00fchl ostdeutsch zu sein habe die 25-J\u00e4hrige immer mehr gesp\u00fcrt, umso \u00e4lter sie wurde, \u201ewenn man die Heimat verl\u00e4sst und mit Unterschieden konfrontiert wird\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Neun Volont\u00e4re und Volont\u00e4rinnen der Leipziger Volkszeitung befassten sich in einem Projekt mit der ostdeutschen Identit\u00e4t der Generation Z in Sachsen. Obere Reihe: Lea Heidel, Nora Kneer,\u00a0Madeleine\u00a0Eisenbarth, Maximilian Pfab Untere Reihe:\u00a0Roxana\u00a0Irrgang, Charis M\u00fcndlein, Clara Geilen, Sophia Heinl, Sonja Garan\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/HG7QHZDKAJAY7N4B7XMIGQXR2U.jpg\" \/>\u201eSind wir noch Ossis?\u201c<\/p>\n<p class=\"CallToActionBasestyled__Text-sc-1k69918-5 fbjGwD\">Mit dieser Frage hat sich der aktuelle Jahrgang der Volont\u00e4re und Volont\u00e4rinnen der Leipziger Volkszeitung besch\u00e4ftigt. Junge Menschen der Generation Z, die etwa zwischen den Jahren 1995 und 2010 geboren wurden, erz\u00e4hlen im Video, welcher Einfluss \u201eder Osten\u201c in ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld hat. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Lena wurde in Freiberg im Erzgebirge geboren und ist f\u00fcr ihr Studium vor sechs Jahren nach Leipzig gezogen. \u201eIch wusste, ich wollte was mit Medien studieren und das geht dann eigentlich nur au\u00dferhalb der Heimat.\u201c In Leipzig hat sie viele Freunde, die aus den westdeutschen Bundesl\u00e4ndern kommen. In Gespr\u00e4chen mit ihnen fallen Unterschiede auf, die eher banal erscheinen, wie die Eierschecke, die Lena gerne isst und ihre westdeutschen Freunde nicht kannten. \u201eIch habe nie dar\u00fcber nachgedacht, dass das etwas spezifisch Ostdeutsches ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dass viele ihrer Bekannten nicht aus dem Osten kommen, spiele f\u00fcr sie keine Rolle. \u201eWenn man jemanden kennenlernt, dann begegnet man sich auf der pers\u00f6nlichen Ebene. Ob du aus Ost- oder Westdeutschland kommst, ist egal. Ich bin mir der Unterschiede bewusst. Aber das hat in meinen pers\u00f6nlichen Beziehungen weniger eine Bedeutung als im Gesamtgef\u00fchl in der Gesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Josefine Velde: \u201eWir haben den s\u00e4chsischen Dialekt abgelegt\u201c<img decoding=\"async\" alt=\"Dresden, 2025-08-14 Foto: SZ\/ Veit Hengst Ingenieurin Josefine Velde aus Dresden, hat in Hamburg studiert.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/7RX7IPEU55GL3JUZ4TREHZRWXA.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Josefine Velde erinnert sich noch gut an die Grundschullehrerin, die sie und ihre Schwester f\u00fcr ihr sauberes Hochdeutsch gelobt hat. \u201eIch habe schon in fr\u00fchester Kindheit verstanden: S\u00e4chsisch sollte man ablegen\u201d, erz\u00e4hlt Josefine. Dabei schaut sie nachdenklich aus dem K\u00fcchenfenster ihrer Altbauwohnung in der Dresdener Neustadt. \u201eWarum hat die uns<b> <\/b>\u00fcberhaupt gelobt? Das ist absurd.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Zu Schulzeiten hat die heute 28-J\u00e4hrige h\u00e4ufig beobachtet, \u201edass s\u00e4chselnde Kinder probiert haben, diesen Dialekt zu vermeiden\u201c Denn ihr katholisches Gymnasium wurde auch von Jugendlichen besucht, deren Eltern westdeutsch waren. Die sprachen dialektfrei, und die anderen passten sich an. Inzwischen findet Josefine das schade. Auch bei sich selbst: \u201eMan merkt, dass ich es jetzt nur nachahme. Es klingt nicht authentisch.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe schon in fr\u00fchester Kindheit verstanden: S\u00e4chsisch sollte man ablegen.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Josefine Velde<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 kncpVQ\">kommt aus Dresden<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">W\u00e4hrend ihres Studiums in Hamburg f\u00fchrte die angehende Energietechnikerin immer wieder Gespr\u00e4che mit Kommilitonen \u00fcber Ost- und Westdeutschland und die DDR-Vergangenheit ihrer Familie. Besonders h\u00e4ufig fragte man sie nach einem bestimmten Thema:<b> <\/b>die rechtsextreme und islamfeindliche Bewegung Pegida. Pl\u00f6tzlich wurde ihre Heimat mit einer Bewegung assoziiert, die sie nicht vertrat \u2013 und f\u00fcr die sie sich rechtfertigen musste. \u201ePegida stand f\u00fcr ein Sachsen, das ich so vorher nicht wahrgenommen habe\u201c, erz\u00e4hlt die geb\u00fcrtige Dresdnerin. \u201eEs war zum Verzweifeln.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Trotz dieses Beigeschmacks m\u00f6chte sie sich nicht vom Begriff \u201eostdeutsch\u201c abgrenzen. \u201eEs ist meine Identit\u00e4t, die ich mir \u00fcber die Zeit zur\u00fcckgeholt hab\u201c, erkl\u00e4rt sie. Daf\u00fcr f\u00fchrt sie ein Beispiel an: Wenn sie heute auf ihre Herkunft und Aussprache angesprochen wird, entgegnet Josefine, wie sch\u00f6n sie den Dialekt findet. \u201eDamit die Leute gar nicht erst kommentieren: Haha, S\u00e4chsisch.\u201c<\/p>\n<p>Lio Micholka: \u201eIch will meine Identit\u00e4t nicht \u00fcber meinen Herkunftsort definieren\u201c<img decoding=\"async\" alt=\"Lio (22) wohnt seit drei Jahren in Hannover, kommt urspr\u00fcnglich aus einem Dorf nahe Leipzig. \u00dcber seine Herkunft will er sich nicht definieren.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/C4JD5HGK2NHNJH7NPMPDNI4ZU4.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eDas ist ein St\u00fcck Teenager-Geschichte.\u201c Lio Micholka blickt auf die blaue CD in seinen H\u00e4nden. Ein Album von Felix Kummer, dem Fronts\u00e4nger der Rockband Kraftklub. \u201eDie hab ich mit 14 angefangen zu h\u00f6ren\u201c, erinnert sich der 22-J\u00e4hrige. \u201eDas waren Liedtexte, die mich gest\u00e4rkt haben.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Lio stammt aus einem 100-Leute-Ort nahe Leipzig. Heute studiert er in Hannover, sitzt auf seinem Gartenstuhl im Hinterhof. \u201eIch war ein Dorfkind\u201c, erz\u00e4hlt er. Lange Fahrtwege, wenige Partys<b> <\/b>und das Gef\u00fchl, abgeh\u00e4ngt worden zu sein. Aber auch Begegnungen mit Rechtsradikalismus. \u201eEs war normal, dass rechtsextreme Symbolik in Schultische geritzt wurde und das Lehrpersonal das ignorierte.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">F\u00fcr einen Gegenentwurf sorgte Kraftklub. \u201eSie haben gezeigt: Mein Heimatort hat auch coole Sachen zu bieten.\u201c Als ostdeutsch bezeichnet Lio<b> <\/b>sich nicht. \u201eIch will meine Identit\u00e4t nicht \u00fcber meine Herkunft definieren. Auch wenn ich nicht leugnen kann, dass sie mich gepr\u00e4gt hat\u201c, erl\u00e4utert der Student. Seinen Dialekt hat er seit der Oberstufe aus Scham abgelegt: \u201eIch hatte das Gef\u00fchl, dass S\u00e4chseln dumm wirkt.\u201c Vor allem bei Besuchen im Westen sei es ihm peinlich gewesen.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Doch seine Vergangenheit konnte er auch in Hannover nicht absch\u00fctteln. \u201eDie Leute sind zusammengezuckt, wenn ich erz\u00e4hlt habe, wo ich herkomme\u201c, sagt Lio. Hinzu kamen Klischees: Im Osten haben Lehrer einen Trabant und \u00fcberall treffe man Nazis.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Trotzdem f\u00fchlt<b> <\/b>Lio sich mittlerweile wohl. Ein Verantwortungsgef\u00fchl gegen\u00fcber seiner Heimat bleibt aber. Deshalb hat er mit zwei Freunden das Au\u00dfenposten Kollektiv gegr\u00fcndet. Ihr Ziel: Menschen aus Hannover das Leben in Sachsen nahebringen. In Form eines Magazins.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eWir versuchen, ein positives St\u00fcck von Sachsen in den Westen zu bringen.\u201c Die Beteiligten interviewen Menschen aus ihrer Heimat, die etwas vor Ort bewegen. Im besten Fall f\u00fcr einen Lerneffekt f\u00fcr die Bewohner von Hannover: \u201eMittlerweile ist die rechtsextreme Szene nicht nur ein Ostproblem\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eWas k\u00f6nnen wir in Hannover von Sachsen lernen?\u201c<b> <\/b>Perspektivisch will Lio nach seinem Studium zur\u00fcck in seine Heimat. Um selbst mitzugestalten. Und sich dem s\u00e4chsischen Dialekt wieder anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p>Mustafa Alizada: \u201eDie Menschen sind verschlossener als im Westen\u201c<img decoding=\"async\" alt=\"Mustafa Alizada kam vor zehn Jahren aus Afghanistan nach Leipzig, heute nennt er sich selbst ostdeutsch.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/KTGCXUKGUZFRVF4Y77XZDWX6HU.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Den blauen Ornament-Teppich hat ihm ein Freund aus dem Iran mitgemacht, der graue Perser-Kater war ein Geschenk \u2013 Mustafa Alizada nennt ihn liebevoll seinen Mitbewohner. Er war 13 Jahre alt, als er 2015 in Sachsen ankam. Mustafa stammt aus Afghanistan. Nun lebt er in Leipzig.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Aktuell macht der 23-J\u00e4hrige eine Ausbildung zum Immobilienmakler. Wo Leipzig liegt, wusste Mustafa vor der Flucht nicht. \u201eWir wurden hierhergeschickt. Und ich bin sehr zufrieden, dass ich hier gelandet bin\u201c, sagt er. Heute sagt er \u00fcber sich: \u201eIch bin Ostdeutscher.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Aber nicht immer f\u00fchlt er sich heimisch, auch Rassismus verbindet er mit Ostdeutschland. Die ersten Erfahrungen machte Mustafa in Machern, wo er zuerst lebte. \u201eDa waren wir die einzigen Ausl\u00e4nder im ganzen Dorf\u201c, beschreibt er. Auf einem Stadtfest wurde er mit einem Freund von einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe angegriffen. \u201eSie haben mein Auge verletzt und uns verfolgt, als wir weggerannt sind.\u201c Sie retteten sich in einen Krankenwagen auf dem Stadtfest, die Gruppe lauerte ihnen davor auf und drohte ihnen.<\/p>\n<blockquote><p>Die Menschen sind verschlossener als im Westen.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Mustafa Alizada<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 kncpVQ\">wohnt seit 10 Jahren in Deutschland<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Damals war er erst zwei Jahre in Deutschland. K\u00f6rperliche Gewalt hat er seither nicht noch einmal erlebt. Manchmal kassiere er aber Spr\u00fcche in der Stra\u00dfenbahn, wenn er sich mit Freunden auf seiner Muttersprache unterhalte. Mustafa versteht nicht, wieso sich andere daran st\u00f6ren. \u00dcber die Ostdeutschen sagt er: \u201eDie Menschen sind verschlossener als im Westen.\u201c Mit Migrationshintergrund sei es hier schwerer, Kontakte zu kn\u00fcpfen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Mustafa kennt viele andere gro\u00dfe deutsche St\u00e4dte im Westen. Er hat einen Freund in K\u00f6ln, der mit ihm aus Afghanistan geflohen ist. \u201eWenn ich mit ihm spreche: Gro\u00dfartig Rassismus oder Diskriminierung hat er nicht erlebt\u201c, erz\u00e4hlt Mustafa.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ein Grund, Ostdeutschland den R\u00fccken zu kehren? \u201eEigentlich ist Leipzig mein Zuhause, ich kann mir nur schwer vorstellen, in eine andere Stadt zu ziehen. Aber wenn ich irgendwann Kinder haben werde, m\u00f6chte ich gerne in einer Stadt leben, wo es keine Diskriminierung gibt, wo meinem Kind nicht sp\u00e4ter in der Schule und Kita gesagt wird, dass es Ausl\u00e4nder ist.\u201c Lieber will er aber hier bleiben, am Wandel Leipzigs mitwirken und Arbeitspl\u00e4tze schaffen. \u201eIch hoffe es wird immer besser hier. Leipzig ist mein Zuhause.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Tom Mahler: \u201eOstdeutsch zu sein, bedeutet weniger Chancen im Leben zu haben\u201c<img decoding=\"async\" alt=\"Tom Mahler im Kleingarten seiner Eltern Leipzig.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/ZUKEO72GCREFBBQ4TK2CH6JAC4.jpeg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Tomaten gie\u00dfen, Zucchini ernten, Holzreste verarbeiten. F\u00fcr Tom Mahler eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit: \u201eFr\u00fcher als Kind habe ich im Garten Selbstversorger gespielt\u201d. Jetzt bewirtschaftet der 24-J\u00e4hrige den Schrebergarten seiner Eltern. \u201eDas ist schon etwas typisch Ostdeutsches\u201c findet er.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Tom ist in Markranst\u00e4dt, sp\u00e4ter dann in Leipzig aufgewachsen. \u201eDa ich schon immer hier lebe, bin ich nat\u00fcrlich im Osten sozialisiert\u201c, sagt er. F\u00fcr ihn hei\u00dft das: P\u00fcnktlich sein, sich an Regeln halten und sparsam zu leben. \u201eIch schmei\u00dfe kein Geld zum Fenster raus\u201c, betont Tom. Wenn etwas kaputt geht, werde es repariert \u2013 nicht neu gekauft. Der Leipziger zeigt auf einen Holzstapel im Schrebergarten. \u201eDaraus will ich einen Tisch bauen\u201c, erkl\u00e4rt er. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Seine nachhaltige, sparsame Lebensart habe Mahler von klein auf von seinen Eltern vermittelt bekommen: \u201eOstdeutsche Werte\u201c, wie er findet. Obwohl er diese<b> <\/b>bis heute auslebt, will er seine Herkunft nicht zu seiner Identit\u00e4t machen. \u201eIch br\u00fcste mich nicht damit, aus den neuen Bundesl\u00e4ndern zu kommen\u201c, so Tom. Grund daf\u00fcr seien auch die Vorurteile: \u201eEs hei\u00dft oft, im Osten seien alle rechts, obwohl das nicht stimmt\u201c.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Tom macht deutlich: \u201eNur weil ich hierher komme, bin ich nicht besser oder schlechter als jemand aus dem Westen\u201c. Doch der G\u00e4rtner-Azubi<b> <\/b>wei\u00df, dass Ostidentit\u00e4t h\u00e4ufig stigmatisiert wird. Fr\u00fcher habe sein Umfeld ihm vermittelt, dass er wahrscheinlich weniger Chancen im Leben haben werde als Jugendliche in Westdeutschland. \u201eEs gibt in den K\u00f6pfen der Gesellschaft immer noch eine Trennung zwischen den alten und neuen Bundesl\u00e4ndern\u201d, bedauert Tom. Er ist der Ansicht: \u201eWir sind alle doch gar nicht so unterschiedlich.\u201c<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sachsen\/Hannover. 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