{"id":478644,"date":"2025-10-07T00:01:15","date_gmt":"2025-10-07T00:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/478644\/"},"modified":"2025-10-07T00:01:15","modified_gmt":"2025-10-07T00:01:15","slug":"psychische-erkrankungen-im-fokus-von-depression-bis-essstoerung-diese-klinik-hilft-bei-der-rueckkehr-ins-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/478644\/","title":{"rendered":"Psychische Erkrankungen im Fokus: Von Depression bis Essst\u00f6rung: Diese Klinik hilft bei der R\u00fcckkehr ins Leben"},"content":{"rendered":"<p>Endlich ist wieder Montag. Zum Wochenstart, nach der psychotherapeutischen Gruppentherapie, treffen sich hier die \u201eMontagsmaler\u201c. So nennt Kunsttherapeutin Sabine Finze das Quartett aus drei M\u00e4nnern und einer Frau. Das einstmals wei\u00dfe Leinentuch auf dem langen Tisch ist mit Schlieren und Farbflecken \u00fcbers\u00e4t, darauf liegen Schachteln mit Buntstiften und Farbkreide, gro\u00dfe Kunststofftuben mit Farbe, quadratische Farbtafeln sind \u00fcber den Tisch verteilt. <\/p>\n<p>\u201eDas ist mein Anker hier\u201c, sagt G\u00fcnther Siefert. In der Psychosomatischen Institutsambulanz (PsIA) des Diakonie\u2009Klinikums k\u00f6nnen die Patienten ihre kreativen Seiten entdecken, zeichnen, malen, Collagen kleben, \u201eauf spielerische Art, fernab von Leistungsdruck\u201c, sagt Maria Roskowski. Auch sie hei\u00dft eigentlich anders, wie alle genannten Patientinnen und Patienten. Hier k\u00f6nnen sie offen sprechen, \u00fcber sich, \u00fcber ihr Leben und ihr Leiden, hier finden sie Ruhe und Entspannung. \u201eDer Montag ist ein Fixpunkt, da f\u00fchle ich mich gut aufgehoben\u201c, sagt Albert Petzold.<\/p>\n<p>Jahrzehnte im Job \u2013 und pl\u00f6tzlich der Zusammenbruch <\/p>\n<p>Alle in der Gruppe leiden an schweren <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Depressionen\" title=\"Depressionen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Depressionen<\/a>, haben mehrw\u00f6chige Klinikaufenthalte hinter sich. Alle waren Jahrzehnte im Beruf erfolgreich aktiv, bis es pl\u00f6tzlich nicht mehr ging. Einen \u201eWorkaholic\u201c nennt sich G\u00fcnther Siefert, 53, Prokurist in einem mittelst\u00e4ndischen Handelsunternehmen, im Ehrenamt in einem gro\u00dfen Verein in verantwortlicher Stellung. Dann der Absturz: Herzinfarkt, Schlaganfall, H\u00f6rsturz. \u201eL\u00e4ngere Belastungen gehen nicht\u201c, sagt auch Michael Riske, 55, Industrieelektriker in einem qu\u00e4lenden Trennungsprozess mit seiner Frau. Albert Petzold, 64, lange Projektleiter in einem Gewerbebetrieb, kommt meist \u201eganz abgeschlagen\u201c hier an. Maria Roskowski, 52, war mehr als zwei Jahrzehnte Projektmanagerin bei einem Autozulieferer. Heute geht sie kaum noch aus dem Haus. Auch sie ist froh, den vertrauten Kreis zu haben. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.b97e1c2a-327e-429a-b20e-492518c8f21c.original1024.media.jpeg\"\/>     Susanne Rue\u00df, Chef\u00e4rztin der Klinik f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie    Foto: Diakonie-Klinikum    <\/p>\n<p>Die Depressionsgruppe war die \u201eStartgruppe\u201c der Anfang des Jahres neu eingerichteten Psychosomatischen Institutsambulanz. Es ist die erste dieser Art in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>, der weitere in anderen H\u00e4usern folgen werden. Damit schlie\u00dfe man \u201eeine Versorgungsl\u00fccke zwischen ambulanter und station\u00e4rer Behandlung\u201c, sagt Susanne Rue\u00df, Chef\u00e4rztin der Klinik f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. 18\u2009station\u00e4re und 12\u2009teilstation\u00e4re Pl\u00e4tze hat die Klinik. Nur: Was geschieht nach dem station\u00e4ren Aufenthalt? Oder: Was tun, wenn jemand eine Behandlung dringend br\u00e4uchte, aber kein Platz frei ist auf der Station?<\/p>\n<p>Durch die Einrichtung der PsIA k\u00f6nne man Patienten aus der station\u00e4ren Behandlung \u201efr\u00fcher entlassen, ohne dass sie in ein Loch fallen\u201c, nennt die Chef\u00e4rztin einen der Vorz\u00fcge des Angebots. Nur Psychotherapie reiche da oft noch nicht, erkl\u00e4rt Susanne Rue\u00df. Durch die Vernetzung von station\u00e4rem und ambulantem Angebot k\u00f6nnen Patienten ambulant weiter \u201evon einem multiprofessionellen Team betreut werden wie bei einem station\u00e4ren Aufenthalt\u201c.<\/p>\n<p>Seit Jahresbeginn wurden in der PsIA 56 Patientinnen und Patienten behandelt, 21 konnten bereits wieder entlassen werden. Die Behandlungszeit betrug bisher drei bis sechs Monate. Der Gro\u00dfteil wurde von niedergelassenen Psychiatern zugewiesen. Die Patienten haben neben ihrer psychischen auch eine k\u00f6rperliche Erkrankung. Zur Psychotherapie und anderen Angeboten pflegt man einen engen Austausch mit den somatischen Disziplinen im Haus, so mit der Onkologie. Etwa ein Drittel der betroffenen PsIA-Patienten leidet an Krebs, insbesondere an Brustkrebs, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Essst%C3%B6rungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein weiteres Drittel an einer Essst\u00f6rung<\/a>. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganf\u00e4lle oder Adipositas mit entsprechenden Folgeerkrankungen kommen h\u00e4ufiger vor. <\/p>\n<p>Insbesondere f\u00fcr die oft j\u00fcngeren Patientinnen, die unter Essst\u00f6rungen wie <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Bulimie\" title=\"Bulimie\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bulimie<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.psychische-erkrankungen-zahl-der-magersuechtigen-steigt-weiter.434f34da-8c52-4a8e-816b-e8d1beabc862.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Magersucht<\/a> leiden, sei das neue Angebot wichtig. Gerade bei Magersucht gebe es in den ersten Wochen nach dem Klinikaufenthalt \u201eeine hohe Quote an R\u00fcckf\u00e4llen\u201c, sagt Chef\u00e4rztin Susanne Rue\u00df. Die k\u00f6nne man so \u201eleichter vermeiden\u201c. Das Diakonie\u2009Klinikum, dessen Psychosomatik einen Schwerpunkt bei Essst\u00f6rungen hat, sei eine der wenigen Einrichtungen in der Region, die Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 14 aufnehme, das macht die Therapie sehr anspruchsvoll. <\/p>\n<p>An diesem Tag geht es in der Besprechung des PsIA-Teams um die Frage, ob f\u00fcr eine neue Patientin Anfang 40, die an einer schweren Bulimie, also Ess-Brech-Sucht, und an einer Depression leidet, die Aufnahme in die PsIA passt oder doch ein station\u00e4rer Aufenthalt n\u00f6tig ist. Die ambulante Behandlung h\u00e4tte f\u00fcr die Architektin den Vorteil, dass sie zumindest zun\u00e4chst nur einen Tag in der Woche k\u00e4me, was gut mit ihrem Job vereinbar w\u00e4re. Das nutzen etliche Patienten. Diese M\u00f6glichkeit erleichtert nach einem station\u00e4ren Aufenthalt die Wiedereingliederung in den Beruf.<\/p>\n<p>Auch die Teilnehmer der Depressionsgruppe kommen einmal in der Woche ins Diakonie\u2009Klinikum. Au\u00dfer Kunsttherapie und der Bewegungsgruppe steht heute der Achtsamkeitskurs auf dem Programm. Es ist ein tr\u00fcber, verregneter Tag und Charlotte Crawford muntert das Quartett auf mit der Bemerkung, Stuttgart erlebe eben \u201eeinen schottischen Sommer\u201c. Crawford wei\u00df, was das hei\u00dft, sie kommt aus Edinburgh. Heute geht es ihr um die Frage: \u201eWas tue ich, wenn es mir nicht gut geht?\u201c Etwa wenn Michael Riske feststellt: \u201eZuhause kriege ich den Kopf nicht frei.\u201c Oder wenn Albert Petzold, wie am Wochenende, vor einer dringend n\u00f6tigen, aber aufw\u00fchlenden Aussprache mit dem Vater und dem Bruder steht. Wenn sich \u00c4ngste und Panik breit machen und das Gedankenkarussell sich immer schneller dreht.<\/p>\n<p>\u201eWenn man unter Strom ist\u201c, sagt Charlotte Crawford, k\u00f6nnen \u201eAblenkungstechniken\u201c hilfreich sein. Sie l\u00e4sst die vier Teilnehmer in der Runde von 200 in Siebenerschritten herunterz\u00e4hlen und Namensketten bilden, bei denen immer End- und Anfangsbuchstabe gleich sind. Und der Kurs enth\u00e4lt, wie die Bewegungsgruppe und die Aromatherapie, die an diesem Tag in einem anderen Kreis stattfindet, neben gespr\u00e4chstherapeutischen Elementen auch meditative \u00dcbungen, welche die Teilnehmer zur Ruhe kommen lassen. <\/p>\n<p>Charlotte Crawford hat schon in ihrer schottischen Heimat als <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Mental_Health\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mental Health<\/a> Nurse gearbeitet. Dort werden Pflegekr\u00e4fte schon lange in therapeutische Prozesse wie diese einbezogen. Dass ihnen nun auch hierzulande \u201emehr Verantwortung \u00fcbertragen wird\u201c, h\u00e4lt Susanne Rue\u00df \u201ef\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Gewinn\u201c der neuen Einrichtung. Schon weil das Verh\u00e4ltnis der Patienten zu den Pflegekr\u00e4ften ein anderes sei als zur \u00c4rzteschaft. \u201eDas setzt viele Ressourcen frei und macht den Beruf attraktiver\u201c, betont die Chef\u00e4rztin. <\/p>\n<p> Im Lauf des Tages geht es allen in der Gruppe besser <\/p>\n<p>Inzwischen ist die Stimmung in der Gruppe heiter und gel\u00f6st. \u201eIm Vergleich zu heute morgen hat sich mein Kopf doch sehr entspannt\u201c, lobt Michael Riske den Tagesverlauf. Alle sind nun zu Sp\u00e4\u00dfen aufgelegt, man vertraut und neckt sich auch schon mal. Nachdem G\u00fcnther Siefert im Bewegungskurs die Wahrnehmungs\u00fcbung absolviert hat, bei der die Gruppe auf den Fu\u00dfkanten gehen und dann einige \u00dcbungen mit Holzst\u00f6cken machen muss, stellt er fest: \u201eAm Anfang fand ich das ganz komisch. Aber wenn man mitmacht und sich einl\u00e4sst, ist das gut.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Endlich ist wieder Montag. Zum Wochenstart, nach der psychotherapeutischen Gruppentherapie, treffen sich hier die \u201eMontagsmaler\u201c. 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