{"id":478886,"date":"2025-10-07T02:19:14","date_gmt":"2025-10-07T02:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/478886\/"},"modified":"2025-10-07T02:19:14","modified_gmt":"2025-10-07T02:19:14","slug":"dauerkrise-in-paris-wie-gefaehrdet-ist-die-eurozone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/478886\/","title":{"rendered":"Dauerkrise in Paris \u2013 wie gef\u00e4hrdet ist die Eurozone?"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der n\u00e4chste Premierminister verschlissen, die Sanierung der Staatsfinanzen weiter aufgeschoben: Die politische Krise in Frankreich wird zur H\u00e4ngepartie. Bedroht die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Eurozone die Stabilit\u00e4t des W\u00e4hrungsraums?<\/p>\n<p>Warum ist die Lage in Frankreich so prek\u00e4r?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat Frankreich mit 114 Prozent die dritth\u00f6chste Schuldenquote in der Europ\u00e4ischen Union nach Griechenland und Italien. \u00d6konomen der Commerzbank warnen: Ohne Reformen k\u00f6nnte die Schuldenquote des franz\u00f6sischen Staats in den kommenden zehn Jahren \u201edeutlich \u00fcber 150 Prozent\u201c steigen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">In absoluten Zahlen lastet auf dem Land mit rund 3.300 Milliarden Euro der h\u00f6chste Schuldenberg im Euroraum. Auch die Staatsausgaben geh\u00f6ren zu den h\u00f6chsten in Europa. Das Haushaltsdefizit lag zuletzt bei 5,8 Prozent. Die EU-Kommission hat im Juli 2024 ein Defizitverfahren gegen Frankreich er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Wie reagieren die M\u00e4rkte auf das erneute Scheitern der Regierung?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der R\u00fccktritt des franz\u00f6sischen Premierministers S\u00e9bastien Lecornu nach nur vier Wochen im Amt hat die Finanzm\u00e4rkte verunsichert. Am Montag gab es Verluste an den franz\u00f6sischen Aktienm\u00e4rkten, zum Beispiel f\u00fcr den dortigen Leitindex Cac 40 ging es abw\u00e4rts. Vor allem Bankwerte gerieten unter Druck. Den deutschen Aktienmarkt brachte Lecornus \u00fcberraschender R\u00fccktritt nicht aus der Spur. In Summe hielten sich die Marktreaktionen in Grenzen. \u201eLetztlich zieht man an den Finanzm\u00e4rkten instabile politische Verh\u00e4ltnisse ins Kalk\u00fcl\u201c, erkl\u00e4rt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/62142520-7699-4490-a75e-c4646b5b2bc1.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"R\u00fccktritt nach nur vier Wochen im Amt: S\u00e9bastien Lecornu.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>R\u00fccktritt nach nur vier Wochen im Amt: S\u00e9bastien Lecornu. (Foto: Stephane Mahe\/Reuters Pool\/AP\/dpa)<\/p>\n<p>Drohen in Frankreich italienische Verh\u00e4ltnisse?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wer immer in Paris k\u00fcnftig regiert: Neue Schulden werden f\u00fcr Frankreich zunehmend teuer. Das Land muss Investoren f\u00fcr neue Staatsanleihen immer h\u00f6here Zinsen bieten. Zudem bremst die fehlende Aussicht auf politische Reformen die Nachfrage nach franz\u00f6sischen Anleihen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Kapitalmarktzinsen franz\u00f6sischer Anleihen sind in diesem Jahr deutlich gestiegen. F\u00fcr zehnj\u00e4hrige franz\u00f6sische Anleihen legten die Renditen am Montag auf 3,60 Prozent zu. F\u00fcr deutsche Staatsanleihen sind es 2,71 Prozent. Mittlerweile liegen die Renditen franz\u00f6sischer Anleihen \u00fcber dem Niveau vergleichbarer Papiere s\u00fcdeurop\u00e4ischer L\u00e4nder wie Italien oder Griechenland.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/4124e12f-c303-4042-839f-31cf5744943c.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Frankreich ist ein Schwergewicht im Euroraum. (Symbolbild)\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Frankreich ist ein Schwergewicht im Euroraum. (Symbolbild) (Foto: Hendrik Schmidt\/dpa)<\/p>\n<p>Inwiefern versch\u00e4rfen Urteile der Ratingagenturen die Krise?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Mitten in der Haushaltskrise stufte die Ratingagentur Fitch Mitte September auch noch die Kreditw\u00fcrdigkeit Frankreichs herab. Die Bonit\u00e4t der zweitgr\u00f6\u00dften Euro-Volkswirtschaft wurde von AA- auf A+ gesenkt. Das erschwert es Frankreich zus\u00e4tzlich, sich am Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Fitch begr\u00fcndete den Schritt mit geringen Erfolgschancen f\u00fcr Wirtschaftsreformen, weil das Land innenpolitisch polarisiert und instabil sei: \u201eWir gehen davon aus, dass der Vorlauf zur Pr\u00e4sidentschaftswahl 2027 den Spielraum f\u00fcr eine Haushaltskonsolidierung in naher Zukunft weiter einschr\u00e4nken wird und halten es f\u00fcr sehr wahrscheinlich, dass die politische Pattsituation auch nach der Wahl andauern wird.\u201c<\/p>\n<p>Wird Frankreich zur Gefahr f\u00fcr die Eurozone?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Staatskrise bleibe auf Frankreich begrenzt und habe nur wenig Auswirkungen auf die \u00fcbrigen Eurostaaten, kommentiert der Anleihen-Fachmann Peter Goves von MFS Investment Management. Auch Bankvolkswirte halten die Gefahr f\u00fcr gering, dass es zu einer neuen Krise im gesamten Euroraum kommt &#8211; unter anderem, weil die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) umfangreiche Instrumente hat, um notfalls einzugreifen.<\/p>\n<p>Kann die EZB dem Land helfen?<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Europ\u00e4ische Zentralbank k\u00f6nnte im Rahmen des \u201eTransmission Protection Instrument\u201c (TPI) im Krisenfall Anleihen einzelner Eurostaaten in unbegrenztem Umfang kaufen. Wenn eine Notenbank in gro\u00dfem Stil Staatsanleihen kauft, muss der jeweilige Staat nicht so hohe Zinsen f\u00fcr Wertpapiere bieten und kommt g\u00fcnstiger an frisches Geld. Gedacht ist das TPI jedoch f\u00fcr den Fall, dass die Anleihenzinsen durch Finanzspekulation unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stark steigen &#8211; nicht, weil eine Regierung schlechte finanzpolitische Entscheidungen trifft.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/38fe81da-bacd-4ae2-84e5-3c05281a9dac.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Die Euro-W\u00e4hrungsh\u00fcter um EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde haben einen gut best\u00fcckten Instrumentenkasten f\u00fcr Krisen im Euroraum. (Archivbild)\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Die Euro-W\u00e4hrungsh\u00fcter um EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde haben einen gut best\u00fcckten Instrumentenkasten f\u00fcr Krisen im Euroraum. (Archivbild) (Foto: Boris Roessler\/dpa)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Ohne direkt auf Frankreich einzugehen, verwiesen die Euro-W\u00e4hrungsh\u00fcter nach ihrer j\u00fcngsten Sitzung Mitte September auf das TPI, das ihnen die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffne, \u201eungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken entgegenzuwirken\u201c. EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde ging auf Nachfrage nicht n\u00e4her auf die politische Lage in ihrem Heimatland ein. Sie \u00e4u\u00dferte allgemein die Hoffnung, dass politische Entscheidungstr\u00e4ger alles tun werden, um \u201eUnsicherheit so weit wie m\u00f6glich zu reduzieren\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der n\u00e4chste Premierminister verschlissen, die Sanierung der Staatsfinanzen weiter aufgeschoben: Die politische Krise in Frankreich wird zur H\u00e4ngepartie.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":478887,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,875,1721,13,10268,14,15,139,12,1620],"class_list":{"0":"post-478886","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-ezb","16":"tag-finanzen","17":"tag-headlines","18":"tag-konjunktur","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-regierung","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-schulden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115330493124799005","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/478886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=478886"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/478886\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/478887"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=478886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=478886"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=478886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}