{"id":478902,"date":"2025-10-07T02:28:14","date_gmt":"2025-10-07T02:28:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/478902\/"},"modified":"2025-10-07T02:28:14","modified_gmt":"2025-10-07T02:28:14","slug":"drei-fragen-an-blossgestellt-und-schikaniert-was-tun-gegen-cybermobbing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/478902\/","title":{"rendered":"Drei Fragen an: Blo\u00dfgestellt und schikaniert: Was tun gegen Cybermobbing?"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Berlin<\/strong> &#8211; Nicht jeder kleine Streit, jede Beleidigung oder jede Auseinandersetzung ist gleich Mobbing. Aber wenn jemand wiederholt und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit aggressiv von anderen angegangen oder ausgegrenzt wird, ohne sich allein aus diesem Kreislauf befreien zu k\u00f6nnen, ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Neben der H\u00e4ufigkeit und Dauer solcher Attacken ist das Aus\u00fcben von Macht \u00fcber einen Menschen charakteristisch f\u00fcr Mobbing.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Und Mobbing \u201elebt\u201c auch oft davon, dass andere rundherum wegschauen. \u201eDas geht mich nichts an, zum Gl\u00fcck bin ich ja nicht betroffen, da gucke ich weg\u201c, beschreibt Medienp\u00e4dagogin Kristin Langer das Ph\u00e4nomen und zitiert Erich K\u00e4stner: \u201eAn allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Im Interview erkl\u00e4rt Langer, die als Mediencoach f\u00fcr die Initiative \u201eSchau hin! Was Dein Kind mit Medien macht.\u201c arbeitet, was Mobbing insbesondere im Netz bedeutet &#8211; und was Betroffenen hilft.<\/p>\n<p>Frau Langer, was ist das Besondere, oder besser gesagt, das besonders Gef\u00e4hrliche an Cybermobbing?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Kristin Langer: Cybermobbing ist ein Ph\u00e4nomen, das sich \u00fcber digitale Kan\u00e4le verbreitet, \u00fcbers Internet, \u00fcber Foren, \u00fcber Chatgruppen. Und es ist v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von Zeit und Ort. Also rund um die Uhr kann mich etwa eine Beleidigung oder eine Verleumdung erreichen. Oder jemand legt ein Fake-Profil von mir an und verbreitet unter meinem Namen Informationen, die gar nicht meine sind &#8211; und von denen ich oftmals erst \u00fcber Dritte erfahre.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Die Verbreitung von Informationen \u00fcber Social-Media-Kan\u00e4le sind rasant schnell und haben eine gro\u00dfe Reichweite. Ich wei\u00df also nie, wer alles mitliest. Cybermobbing kann mich pausenlos ereilen, anders als etwa beim Mobbing in der Schule oder im Sportverein, weil der Schultag oder das Training irgendwann vorbei sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Beleidigungen, falsche Informationen oder Hasskommentare dauerhaft im Netz bleiben.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Was noch wichtig ist: die Anonymit\u00e4t. Dadurch, dass jemand zum Beispiel mit einem erfundenen Nickname kommunizieren kann, wei\u00df ich nicht unbedingt, von wem eine \u201eAttacke\u201c kommt. Das ist insgesamt extrem belastend und verunsichernd. Cybermobbing kann alle treffen, die aktiv im Netz unterwegs ist. In Chats schaukeln sich Situationen sehr schnell hoch, durch schnelle, unreflektierte Antworten oder Bemerkungen.<\/p>\n<p>Woran k\u00f6nnen Eltern, Lehrkr\u00e4fte, aber auch Freunde erkennen, dass jemand von Mobbing oder Cybermobbing betroffen ist?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Langer: In der Regel daran, dass jemand stiller wird, soziale Kontakte meidet, nicht mehr mit den Freunden, Eltern oder Bezugspersonen spricht. Traurigkeit stellt sich ein, vielleicht auch pl\u00f6tzliche Angst in Situationen, die vorher nicht da war, oder auch Angst vor dem Smartphone, das dann auff\u00e4llig h\u00e4ufig weggelegt wird.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Vielleicht wird die Spielkonsole beziehungsweise ein digitales Spiel, bei dem es ja auch Chatgruppen gibt, auf einmal nicht mehr so h\u00e4ufig genutzt. Auff\u00e4lliges Verhalten wie etwa Schulverweigerung oder Konzentrations \u2013 beziehungsweise Schlafst\u00f6rungen sind ebenfalls m\u00f6gliche Signale.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Wichtig f\u00fcr Eltern zu wissen ist zudem: Es kann durchaus die Situation entstehen, dass das eigene Kind am Mobbing beteiligt ist, etwa weil es Angst davor hat, selbst gemobbt zu werden. Wenn Eltern also mitbekommen, dass ihr Kind Gemeinheiten oder Unfaires im Netz verbreitet, sollten sie unbedingt nachfragen: Was steckt dahinter? Warum machst Du das?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Vielleicht steht das eigene Kind enorm unter Druck und f\u00fchlt sich selbst in der Gruppe oder Klasse nicht wohl. Eltern k\u00f6nnen au\u00dferdem an das Kind appellieren, sich in den anderen hineinzuversetzen: Wie wird es wohl demjenigen gehen, den Du attackierst?<\/p>\n<p>Welche Schritte sind n\u00f6tig, um allen Betroffenen zu helfen und digitale Gewalt zu stoppen?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Langer: Ganz wichtig ist, Kindern und Heranwachsenden zu vermitteln, dass im digitalen Raum die gleiche H\u00f6flichkeit, der gleiche Respekt und die gleiche R\u00fccksicht wie im realen Leben gelten. Im Grunde genommen ist es eine Werte-Ein\u00fcbung.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Und weil sich jede Reaktion, jede Bemerkung, jedes Emoji im Netz so unglaublich schnell verbreitet, muss ich mit den Kindern darauf hinarbeiten, dass sie nicht immer unmittelbar und impulsiv reagieren, sondern so etwas wie Selbstregulierung lernen. Das bedeutet, wenn mir jemand etwas schreibt, das ich nicht gut finde oder das mich sogar w\u00fctend macht, sollte ich zwei Dinge beherzigen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Ich antworte erstens nicht sofort, sondern lasse mir Zeit und denke noch mal dr\u00fcber nach, bevor ich zur\u00fcckschreibe. Und zweitens: Wenn es in irgendeiner Form m\u00f6glich ist, kl\u00e4re ich das direkt mit dem Gegen\u00fcber, also im realen Leben, um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden und damit sich die Situation nicht hochschaukelt.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Sonst kann es sein, dass jemand Worte gebraucht, die der andere missversteht, oder jemand Emojis nutzt, die sein Gegen\u00fcber anders entschl\u00fcsselt. Hier k\u00f6nnen auch Medienkompetenz-Trainings helfen. Und schon im Klassenchat kann man den fairen Umgang miteinander und mutiges \u201eStopp sagen\u201c \u00fcben.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich ist es wichtig, dass Eltern und Lehrkr\u00e4fte das Selbstvertrauen Heranwachsender st\u00e4rken. Wenn ich dann Online-Verletzung erfahre, habe ich eine Widerstandskraft, kann mich wehren oder das zumindest einigerma\u00dfen aushalten.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Heranwachsenden sollte immer nahegelegt werden: Hole Dir Hilfe von Erwachsenen und vertraue Dich jemandem an, damit jemand aufmerksam wird, gehe mit einem Freund oder einer Freundin zu einer Vertrauensperson. Wenn der Lehrer nicht die richtige Person ist, dann vielleicht die Eltern, Verwandte oder auch ein Trainer.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Empfehlenswert sind auch Hilfsportale wie \u201eJuuuport.de\u201c oder das Kinder- und Jugendtelefon \u201eNummer gegen Kummer\u201c. Dorthin k\u00f6nnen sich Jugendliche anonym wenden, wenn sie in Bedr\u00e4ngnis geraten.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt, es kann rechtliche Konsequenzen f\u00fcr die T\u00e4terinnen oder T\u00e4ter nach sich ziehen. Deshalb sollten Betroffene Beweise sichern und gegebenenfalls Anzeige erstatten. Denn oft sind bei Cybermobbing Straftatbest\u00e4nde erf\u00fcllt oder es werden Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin &#8211; Nicht jeder kleine Streit, jede Beleidigung oder jede Auseinandersetzung ist gleich Mobbing. 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