{"id":479730,"date":"2025-10-07T10:22:13","date_gmt":"2025-10-07T10:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/479730\/"},"modified":"2025-10-07T10:22:13","modified_gmt":"2025-10-07T10:22:13","slug":"warum-die-hauptstaedter-so-unbeliebt-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/479730\/","title":{"rendered":"Warum die Hauptst\u00e4dter so unbeliebt sind"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBPlp\">35 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede zwischen Ost und West in Deutschland noch immer immens, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/interaktiv\/sympathie-analyse-zum-tag-der-deutschen-einheit-ost-gegen-west-west-gegen-ost-14442311.html?icid=in-text-link_14485097\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie eine Studie der Freien Universit\u00e4t Berlin und des Tagesspiegel gezeigt ha<\/a>t. Nur in einem Punkt sind sich fast alle Bundesl\u00e4nder einig: in ihrer Ablehnung der Berlinerinnen und Berliner.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">\u201eNehmen Sie Kontroversen und Meinungsunterschiede zwischen den Menschen aus den verschiedenen Regionen oder Bundesl\u00e4ndern wahr? Wenn ja, wie sehen diese Unterschiede Ihrer Meinung nach aus?\u201c Das hatten Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler der Freien Universit\u00e4t in ihrer Studie gefragt. Die Ergebnisse waren mehr als eindeutig: Ganz Deutschland mag die Hauptstadt nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesspiegel.de\/lab\/alle-gegen-berlin-das-grosse-sympathie-ranking-der-bundeslaender-wer-mag-wen-wen-moegen-wir-interaktiv\/?icid=single-topic_14485097___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB1mf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wer kann hier wen (nicht) leiden? Das gro\u00dfe Sympathie-Ranking der Bundesl\u00e4nder <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Folgt man den Zahlen der Erhebung, ist Berlin in ganz Deutschland unbeliebt, au\u00dfer in Berlin selbst. Von elf m\u00f6glichen Punkten kommt Berlin bei den Menschen aus Schleswig-Holstein auf gerade mal 6,02 Punkte, bei den Menschen aus NRW auf 6,13 Punkte und bei denen aus Bayern auf 6,21 Punkte. Nur die Berlinerinnen und Berliner geben ihrer eigenen Stadt 8,5 von elf m\u00f6glichen Punkten.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Zum Vergleich: Hamburg \u2013 ebenfalls ein Stadtstaat und eine Gro\u00dfstadt mit allen Vor- und Nachteilen \u2013 landet mit 201 Gesamtpunkten auf Platz 1. Berlin landete hier mit 60 Punkten auf dem letzten Platz.<\/p>\n<p> Was st\u00f6rt die Deutschen? <\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Schaut man genauer in die Erhebung, sind es vor allem drei gr\u00f6\u00dfere Themen, die die Deutschen an Berlin st\u00f6ren: die Stadt und ihr Ruf, zum Ersten. Zweitens die Berlinerinnen und Berliner selbst. Und drittens die herausgehobene Rolle als Hauptstadt.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">In zahlreichen Antworten der Befragung zeichnet sich ein deutliches Bild: Berlin gilt als Sonderfall, als eigenst\u00e4ndiges kleines Land, eine Art Labor, in dem sich Deutschland ausprobiert. Und sich manchmal auch verliert.<\/p>\n<p> Links, liberal, ein eigenes Ding <\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Politisch gilt die Hauptstadt ohnehin als Ausnahme. Kein anderes Bundesland steht weiter links, keines w\u00e4hlt so liberal. F\u00fcr manche ist das Ausdruck einer offenen, modernen Gesellschaft; andere sehen darin den Beweis, dass Berlin sich zu weit von der Lebensrealit\u00e4t vieler Menschen entfernt hat. Berlin wirke, als w\u00fcrde die Stadt ihr ganz eigenes Ding machen, lautet sinngem\u00e4\u00df eine Einsch\u00e4tzung. \u201eBerlin f\u00fchlt sich an, als geh\u00f6re es kaum noch zu Deutschland\u201c, lautet eine andere.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Die kulturelle Vielfalt, die in Berlin oft gesch\u00e4tzt wird, sehen andere mit Neid, aber auch Misstrauen. W\u00e4hrend die einen in ihr Weltoffenheit sehen, empfinden andere sie als \u00fcberdrehten Liberalismus, besonders bei Fragen von Identit\u00e4t und Geschlecht.<\/p>\n<p> \u00dcber das Projekt <\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Die Forschungsumfrage, auf der diese Analyse basiert, wurde im September 2024 durchgef\u00fchrt. Forscher am Otto-Suhr-Institut f\u00fcr Politikwissenschaft der <strong>Freien Universit\u00e4t Berlin<\/strong> haben die Daten im Rahmen des Forschungsprojekts \u201e<strong>Does Near Equal Dear?<\/strong> Analysing Citizen Preferences for Regional vs. Central Government\u201c erhoben und dem Tagesspiegel zur Verf\u00fcgung gestellt. Beteiligte Forscherinnen und Forscher: Lena Masch, Christoph Nguyen, Johanna Schnabel und Antonios Souris.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">\u201eWenn wir \u00fcber Polarisierung sprechen, denken die meisten sofort an Parteien. Doch es gibt noch eine weitere Form der Polarisierung, n\u00e4mlich zwischen Menschen aus verschiedenen Regionen: Ost gegen West, Bayern gegen den Rest, Stadt gegen Land\u201c, sagen die Forscherinnen und Forscher zu ihrem Projekt.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Die repr\u00e4sentative Online-Umfrage mit 1630 Teilnehmern zwischen 18 und 69 Jahren wurde vom <strong>James Madison Charitable Trust<\/strong> gef\u00f6rdert \u2013 einer britischen Stiftung, die sich der Erforschung f\u00f6deraler Systeme widmet. <\/p>\n<p> Zu multikulti, zu voll, zu kriminell <\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Hinzu kommt das Bild einer Metropole, die zu viel sei, wie es ein Teilnehmer der Studie sinngem\u00e4\u00df formuliert: Zu multikulti, zu schmutzig, zu kriminell, zu voll von Verkehr, Berlin ist von allem zu viel! Gleichzeitig werde Berlin als Magnet gesehen. Alle ziehe es nach Berlin und genau das mache das Leben hier zunehmend kompliziert, beschreibt ein Berliner Teilnehmer der Studie den Widerspruch inhaltlich.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Auch die Berliner selbst tragen ihren Teil zum m\u00e4\u00dfigen Image bei. Sie gelten als direkt, laut, streitlustig, werden wahlweise als \u201egro\u00dfm\u00e4ulig\u201c wahrgenommen \u2013 oder als \u201eHipster\u201c und als besonders woke. Die Berlinerinnen und Berliner, schreibt ein Teilnehmer, seien \u201edeutlich moderner und weltoffener\u201c \u2013 was nicht f\u00fcr alle eine positive Zuschreibung ist.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">In Berlin gibt es mehr Armut, und die Menschen wirken insgesamt weniger zufrieden, so k\u00f6nnte man den Eindruck eines Teilnehmers zusammenfassen.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Auch die politischen Berliner Debatten f\u00e4rben offenbar auf die Wahrnehmung der Stadt ab: Im Norden gehe es insgesamt ruhiger und bed\u00e4chtiger zu, weniger laut, weniger aufgeregt als etwa in Berlin oder Bayern, wo mehr gestritten, diskutiert und Tempo gemacht werde, beschreibt ein Studienteilnehmer in etwa seinen Eindruck. Und schlie\u00dflich bleibt da die alte Hauptstadtkr\u00e4nkung. Viele in anderen Bundesl\u00e4ndern glauben, Berlin profitiere \u00fcberm\u00e4\u00dfig davon, Regierungssitz und gr\u00f6\u00dfte Gro\u00dfstadt des Landes zu sein, kulturell, finanziell, politisch.<\/p>\n<p> Nur Rentner und Reiche sind Berlin-Fans <\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Auff\u00e4llig ist dabei auch, dass Rentnerinnen und Rentner Berlin (Sympathiewert: 7,1) positiver sehen als etwa Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fcler und Auszubildende (6,49).<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Gleichzeitig steigt die Popularit\u00e4t Berlins mit dem Bildungsgrad: Menschen mit Hauptschulabschluss bewerten Berlin durchweg negativer als Menschen mit h\u00f6heren Bildungsabschl\u00fcssen.<\/p>\n<p> Mehr zum Thema gesellschaftliche Spannungen auf Tagesspiegel Plus: <a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesspiegel.de\/lab\/alle-gegen-berlin-das-grosse-sympathie-ranking-der-bundeslaender-wer-mag-wen-wen-moegen-wir-interaktiv\/?icid=topic-list_14485097___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB1mf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wer kann hier wen (nicht) leiden? Das gro\u00dfe Sympathie-Ranking der Bundesl\u00e4nder <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/lebensverhaltnisse-lohne-demokratie-sieben-grafiken-zeigen-wie-einig-deutschland-35-jahre-nach-der-wiedervereinigung-ist-14441837.html?icid=topic-list_14485097___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB1mf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lebensverh\u00e4ltnisse, L\u00f6hne, Demokratie  Sieben Grafiken zeigen, wie (un)einig Deutschland 35 Jahre nach der Wiedervereinigung ist <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/alt-teuer-ode-berlin-mitte-ein-kiez-wie-ein-seniorenzentrum-13946875.html?icid=topic-list_14485097___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB1mf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teuer, \u00f6de, Berlin-Mitte Der einstige In-Kiez erstarrt im Geld <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">\u00c4hnlich verbl\u00fcffend ist der Fakt, dass Berlin mit steigendem Einkommen beliebter wird: In der Gruppe der Menschen, die pro Monat im Schnitt \u00fcber 5000 Euro brutto verdienen, ist Berlin demnach am beliebtesten. Was auf eine Art zumindest zu den seit Jahren rasant steigenden Mieten in Berlin passt.<\/p>\n<p class=\"tspBPlp\">Und Klaus Wowereits l\u00e4ngst zur Phrase gewordene Behauptung, Berlin sei \u201earm, aber sexy\u201c, hat sich geradezu ins Gegenteil verkehrt: Mittlerweile, k\u00f6nnte man behaupten, ist Berlin teuer. Aber unbeliebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"35 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede zwischen Ost und West in Deutschland noch immer immens, wie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":479731,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,772,3364,29,2768,30,692,13,117504,3295,7134,14,15,12,1971,966],"class_list":{"0":"post-479730","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bayern","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-freie-universitaet-berlin","14":"tag-germany","15":"tag-hamburg","16":"tag-headlines","17":"tag-hipster","18":"tag-hochschulen","19":"tag-mieten","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-schleswig-holstein","24":"tag-schule"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115332392353167172","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/479730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=479730"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/479730\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/479731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=479730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=479730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=479730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}