{"id":480369,"date":"2025-10-07T16:14:12","date_gmt":"2025-10-07T16:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/480369\/"},"modified":"2025-10-07T16:14:12","modified_gmt":"2025-10-07T16:14:12","slug":"ns-dokumentationszentrum-hamburg-investor-will-ns-denken-steuerlich-absetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/480369\/","title":{"rendered":"NS-Dokumentationszentrum Hamburg: Investor will NS-Denken steuerlich absetzen"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Hamburg taz | Der Bau des NS-Dokumentationszentrums Hannoverscher Bahnhof in Hamburg verz\u00f6gert sich weiter und ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Das hat eine kleine Anfrage der Linksfraktion Hamburg ergeben, die der taz vorliegt. Aus der Antwort des Senats und der Kulturbeh\u00f6rde geht hervor, dass die Planungen f\u00fcr das Dokuzentrum schon seit mehr als einem Jahr gestoppt sind \u2013 weil der private Investor Harm M\u00fcller-Spreer, der den Bau finanziert, seine Kosten schon jetzt steuerlich absetzen will und die Stadt das pr\u00fcfen m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Das Dokumentationszentrum sollte 2026 er\u00f6ffnen. Auf der Webseite der Stadt Hamburg steht das noch so. Es hat sich aber schon l\u00e4nger abgezeichnet, dass das nichts wird. Bisher wurde nicht mal ein Bauantrag gestellt. Dabei steht schon seit mehr als zehn Jahren fest, dass der Dokumentationsort eingerichtet werden soll, f\u00fcr den Historiker*innen, Ak\u00adti\u00advis\u00adt*in\u00adnen und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Sinti-Vertreter-ueber-Gedenkort-Plaene\/!5746866\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Betroffenenverb\u00e4nde jahrelang gek\u00e4mpft<\/a> hatten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Das Zentrum, das in der heutigen Hafencity liegt, soll den 2017 eingeweihten Gedenkort \u201edenk.mal Hannoverscher Bahnhof\u201c erg\u00e4nzen und \u00fcber die Geschichte des Ortes informieren. Von dort aus wurden w\u00e4hrend des Nationalsozialismus mehr als 8.000 J\u00fc\u00addin\u00adnen*\u00adJu\u00adden sowie Rom*\u00adnja und Sin\u00adti*\u00adze aus Hamburg und Norddeutschland in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager in Mittel- und Osteuropa deportiert.<\/p>\n<p>      \u00dcberf\u00e4lliges Erinnern am Hannoverschen Bahnhof<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Dass daran endlich umfassend erinnert wird, h\u00e4lt Oliver von Wrochem, Leiter der KZ-Gedenkst\u00e4tte Neuengamme, wo die Dauerausstellung im Dokuzentrum erarbeitet wird, f\u00fcr \u00fcberf\u00e4llig. \u201eEs gibt bisher keinen Ort in Hamburg, der explizit an diejenigen erinnert, die selbst Teil der Stadtgesellschaft waren, die hier als Nach\u00adba\u00adr*in\u00adnen gelebt haben und w\u00e4hrend des Nationalsozialismus aus rassistischen Gr\u00fcnden sukzessive verfolgt, deportiert und ermordet worden sind.\u201c Daf\u00fcr sei das Dokumentationszentrum am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof ein geeigneter Ort, und die erneute Verz\u00f6gerung \u201enicht erfreulich\u201c, sagt von Wrochem.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Dass die Er\u00f6ffnung des Dokuzentrums verschoben wurde, passiert nicht zum ersten Mal. Die Verz\u00f6gerungen h\u00e4ngen unter anderem mit dem privaten Immobilieninvestor zusammen: der ehemalige Segel-Weltmeister und Hamburger Harm M\u00fcller-Spreer. Der hat 2022 einen Schenkungsvertrag mit der Stadt Hamburg geschlossen, in dem er sich bereit erkl\u00e4rt, das Geb\u00e4ude f\u00fcr das Dokuzentrum zu bezahlen. Das kam allerdings nicht von ungef\u00e4hr, sondern war das <a href=\"https:\/\/taz.de\/Wintershall-Mediation-droht-zu-scheitern\/!5777601\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ergebnis eines Mediationsprozesses zwischen M\u00fcller-Spreer, der Stadt Hamburg und Betroffenenverb\u00e4nden<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Zuvor war der Investor in die Kritik geraten, weil er den Gro\u00dfteil eines seiner Geb\u00e4ude am Lohsepark, in dessen Erdgeschoss das Dokuzentrum ziehen sollte, an die NS-belastete Firma Wintershall DEA vermietet hatte. Erst Betroffenenverb\u00e4nde und die Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte wiesen darauf hin, dass das Unternehmen, das als Profiteur des NS-Regimes ab 1936 selbst Verantwortung f\u00fcr die Verbrechen tr\u00e4gt, an deren Opfer an dem Ort erinnert wird, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Streit-ueber-Vermietung-an-NS-Profiteur\/!5745068\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wohl kaum als Mit-Mieter eines Dokumentationszentrums in Betracht kommen konnte<\/a>.<\/p>\n<p>      Seit einem Jahr steht der Planungsprozess still<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Der Entwurf f\u00fcr das neue Dokumentationszentrum beinhaltet ein zweigeschossiges Geb\u00e4ude mit rund 1.000 Quadratmetern Fl\u00e4che. Die Stadt Hamburg will den Innenausbau und den Einbau einer Dauerausstellung bezahlen. Den Rest \u00fcbernimmt M\u00fcller-Spreer. So steht es <a href=\"https:\/\/daten.transparenz.hamburg.de\/Dataport.HmbTG.ZS.Webservice.GetRessource100\/GetRessource100.svc\/5043e35d-ab70-4a07-b375-3fc6aa0e6fdc\/Akte__30-050.90.pdf\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">im 2022 geschlossenen Schenkungsvertrag<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Seit einem Jahr steht der Planungsprozess aber still. Auf taz-Anfrage schreibt die Kulturbeh\u00f6rde: \u201eDie baulichen Planungen sind im September 2024 vom Schenker ausgesetzt worden, um steuerrechtliche Fragen zur Absetzbarkeit seiner Aufwendungen kl\u00e4ren zu lassen.\u201c Die Stadt hat daher \u201eeine externe rechtliche Pr\u00fcfung\u201c veranlasst, deren Ergebnis noch nicht vorl\u00e4ge, so ein Sprecher der zust\u00e4ndigen Kulturbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Der Bau des Dokumentationszentrums verz\u00f6gert sich jetzt schon so lange, dass sich in der Zwischenzeit der Grund f\u00fcr das extra Geb\u00e4ude quasi erledigt hat: Das Unternehmen Wintershall DEA wurde Ende 2023 (mitsamt seiner NS-Vergangenheit) <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/Britischer-Oelkonzern-Harbour-Energy-uebernimmt-Wintershall-Dea,wintershall144.html\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">vom britischen \u00d6lkonzern Harbour Energy aufgekauft<\/a> und wird seine Firmensitze in Deutschland aufgeben.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Wenn Leute wie Harm M\u00fcller-Spreer oder Klaus-Michael K\u00fchne nicht mehr weitermachen wollen, finden sie Mittel und Wege daf\u00fcr und am Ende steht die Stadt vor dem Scherbenhaufen<\/p>\n<p class=\"typo-fotocredit pt-xsmall\">\n            Marco Hosemann, Die Linke<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Welche Auswirkungen das auf die Er\u00f6ffnung des Dokuzentrums hat, ist unklar. Fest steht: Je mehr sich der Baubeginn verz\u00f6gert, desto n\u00e4her r\u00fcckt eine Frist, ab der sowohl der Investor M\u00fcller-Spreer als auch die Stadt, den Schenkungsvertrag wieder aufheben k\u00f6nnten. Das ist der Fall, wenn bis zum 28.02.2028 kein bewilligter Bauantrag vorliegt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">F\u00fcr Marco Hosemann, erinnerungspolitischer Sprecher der Linken liegt das Problem darin, dass Hamburg die Aufgabe der Erinnerung an NS-Verbrechen \u00fcberhaupt erst in die H\u00e4nde eines privaten In\u00adves\u00adto\u00adr*in\u00adnen gelegt habe. Er zieht Parallelen zum <a href=\"https:\/\/taz.de\/Diskussion-um-Kuehne-Oper-in-Hamburg\/!6106794\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vertrag der Stadt mit dem Milliard\u00e4r Klaus-Michael K\u00fchne \u00fcber die Schenkung einer neuen Oper<\/a>. \u201eWenn Leute wie M\u00fcller-Spreer oder K\u00fchne nicht mehr weitermachen wollen, finden sie Mittel und Wege daf\u00fcr und am Ende steht die Stadt vor dem Scherbenhaufen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Wie die Linke fordert auch das an der Konzeption des Dokuzentrums beteiligte Auschwitz-Komitee von der Stadt, sich vom privaten Investor zu trennen und das Dokumentationszentrum unter eigener Regie zu verwirklichen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Ob es dazu kommen wird, ist derzeit ebenso offen wie die Frage, wann das Dokuzentrum gebaut wird. \u201eEin verbindlicher Zeitplan liegt derzeit nicht vor\u201c schreibt der Hamburger Senat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg taz | Der Bau des NS-Dokumentationszentrums Hannoverscher Bahnhof in Hamburg verz\u00f6gert sich weiter und ist auf unbestimmte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":480370,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[29,30,692],"class_list":{"0":"post-480369","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-hamburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115333776305069289","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/480369","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=480369"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/480369\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/480370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=480369"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=480369"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=480369"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}