{"id":480641,"date":"2025-10-07T18:48:16","date_gmt":"2025-10-07T18:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/480641\/"},"modified":"2025-10-07T18:48:16","modified_gmt":"2025-10-07T18:48:16","slug":"frankfurt-staerkt-nachhaltige-beschaffung-mit-neuer-projektstelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/480641\/","title":{"rendered":"Frankfurt st\u00e4rkt nachhaltige Beschaffung mit neuer Projektstelle"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frau Moumna, Sie sind seit Januar Koordinatorin f\u00fcr kommunale Entwicklungspolitik im Zentraleinkauf der Frankfurter Stadtk\u00e4mmerei. Was tun Sie? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Als \u00f6ffentlicher Auftraggeber tr\u00e4gt die Stadt Frankfurt eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollen, dass alle Menschen, die Produkte f\u00fcr die Stadt herstellen, dies unter menschenw\u00fcrdigen Bedingungen tun. Daf\u00fcr gibt es global gesehen viele Herausforderungen. Wir kaufen als Stadt Produkte ein, bei denen es innerhalb der Lieferkette zu Menschenrechtsverletzungen kommen k\u00f6nnte. Meine Aufgabe ist, meine Kollegen und Kolleginnen in der Stadt zu unterst\u00fctzen, m\u00f6glichst fair gehandelte und nachhaltige Produkte einzukaufen.<\/p>\n<p><strong>Wie reagieren die \u00c4mter auf Sie? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ich bin sehr \u00fcberrascht davon, wie viel Zuspruch ich erhalte. Viele Kollegen haben in ihrem vollen Arbeitsalltag kaum Zeit, sich \u00fcber Fragen von Menschenrechten in der Produktion unserer Lieferleistungen Gedanken zu machen. Viele w\u00fcrden gern auf mehr Nachhaltigkeit achten, aber fragen sich oft auch: \u201eWas ist denn jetzt wirklich nachhaltig und was ist vielleicht nur Green- oder Fair-Washing?\u201c Genau in solchen Momenten hilft die M\u00f6glichkeit, jederzeit den H\u00f6rer in die Hand nehmen und mich kurz anrufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Reagiert niemand skeptisch? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es gibt nat\u00fcrlich ab und zu Bedenken, ob wir mit gro\u00dfem b\u00fcrokratischem Aufwand oder explodierenden Kosten auf die Kol\u00adlegen zukommen. Meistens kann ich aber vermitteln, dass wir unterst\u00fctzen und es meine Aufgabe ist, Hintergrundrecherchen abzunehmen. Es zeigt sich aber auch, dass es sehr viel Potential gibt, wirtschaftlicher zu handeln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Tamara Moumna, Koordinatorin f\u00fcr kommunale Entwicklungspolitik im Zentraleinkauf der Frankfurter Stadtk\u00e4mmerei\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/tamara-moumna-koordinatorin.jpg\" width=\"2001\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Tamara Moumna, Koordinatorin f\u00fcr kommunale Entwicklungspolitik im Zentraleinkauf der Frankfurter Stadtk\u00e4mmereiStadt Frankfurt<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie Beispiele nennen, was die Stadt Frankfurt \u201ebeschafft\u201c?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Frankfurt hat sehr unterschiedliche Aufgaben: Von der Daseinsvorsorge, wie der Bereitstellung von Kitapl\u00e4tzen, bis hin zu Stadtteilfesten, Bauauftr\u00e4gen, Gr\u00fcnfl\u00e4chenbetreuung und IT-Infrastruktur ist alles M\u00f6gliche dabei. \u00dcberall ben\u00f6tigt es nicht nur st\u00e4dtisches Personal, das diese Arbeit leistet, sondern auch Produkte, die als Arbeitsmittel oder zur Unterst\u00fctzung oder als Baustoffe eingekauft werden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wir arbeiten \u00fcberwiegend in B\u00fcros. Die werden mit M\u00f6beln, IT-Produkten und Material ausgestattet. Die stellen wir nat\u00fcrlich nicht selbst her, sondern kaufen daf\u00fcr Lieferleistungen ein. Unsere G\u00e4rtner brauchen genauso Arbeitskleidung wie die Feuerwehr oder das Personal von Palmengarten und Zoo. Bei B\u00fcrgerveranstaltungen gibt es oftmals kleinere Cateringauftr\u00e4ge, ebenso bei Sitzungen des Magis\u00adtrats, Empf\u00e4ngen des Oberb\u00fcrgermeisters und Sportfesten in der Stadt, um nur ei\u00adniges zu nennen. Bei allen diesen Aufgaben werden Produkte eingekauft, die Teile ihrer Herstellung in L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens haben und bei denen es zu Menschenrechtsverletzungen am Arbeitsplatz kommen kann. Beispielsweise gibt es nach wie vor global gesehen etwa 138 Millionen Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren, die arbeiten m\u00fcssen, da ihre Familien sie sonst nicht ern\u00e4hren k\u00f6nnten. Davon sind 60 Prozent der Kinderarbeiter in der Landwirtschaft t\u00e4tig. Viele arbeiten im Anbau von Kakao, Kaffee, Reis oder Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p><strong>Was ist mit der Arbeitskleidung?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Arbeitskleidung f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt wird oftmals in Bangladesch, Pakistan und Vietnam hergestellt. Nach allem, was wir \u00fcber die Textilproduktion wissen, zahlen die wenigsten globalen Textilunternehmen existenzsichernde L\u00f6hne. Brandschutzbestimmungen werden nicht eingehalten \u2013 vielleicht erinnern Sie sich an den Brand in der verschlossenen Textilfabrik Ali Enterprises in Pakistan 2012, bei dem \u00fcber 250 N\u00e4herinnen starben, weil die Not\u00adausg\u00e4nge verschlossen waren. Es kommt also zur massiven Missachtung von Arbeitsrechten. Das sind unw\u00fcrdige Bedingungen f\u00fcr die Menschen, die Produkte f\u00fcr unsere Stadt und letztendlich mit Steuergeldern herstellen.<\/p>\n<p>KI-Artikelchat nutzen<\/p>\n<p>Mit der kostenlosen Registrierung nutzen Sie Vorteile wie den Merkzettel.&#13;<br \/>\n                Dies ist&#13;<br \/>\n                kein Abo und kein Zugang zu FAZ+&#13;<br \/>\n                Artikeln.<\/p>\n<p>Sie haben Zugriff mit Ihrem Digital-Abo.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Registrierung<\/p>\n<p>            <a data-registered-resend=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-loggedin-continue=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-login=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-register=\"\" adobe-track=\"true\"\/><\/p>\n<p><strong>Was ist die Besonderheit in Frankfurt?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Dezentralit\u00e4t unserer Verwaltung ist ei\u00adne gro\u00dfe Herausforderung. Wir decken im zentralen Einkauf nur den Allgemeinbedarf ab. Doch der Zentraleinkauf der Stadtk\u00e4mmerei achtet etwa bei Textilien schon auf Menschenrechtsstandards, Un\u00adsere Ausschreibungsunterlagen, Textbausteine und Herangehensweisen teilen wir gern mit den anderen \u00c4mtern. Wir haben Handreichungen wie \u00dcbersichten zu verl\u00e4sslichen Siegeln und Textbausteine f\u00fcr die faire Beschaffung erarbeitet.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Vorbilder in anderen St\u00e4dten f\u00fcr Ihre Stelle und Ihre Arbeit?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es gibt einige Kommunen, die sich schon l\u00e4nger mit den Themen befassen. Stuttgart, Ludwigsburg und Dortmund leisten tolle Arbeit und haben sogar k\u00fcrzlich beim zweiten Tag der Fairen Beschaffung im Frankfurter R\u00f6mer Workshops angeboten. Auch Hamburg, Bremen und M\u00fcnchen machen das vorbildlich. Viele St\u00e4dte sind \u00e4hnliche Wege gegangen, da hilft oftmals ein Anruf, wenn es knifflig wird. Der Austausch auf dieser Ebene funktioniert sehr gut. Es gibt auch bundesweite Vernetzungen wie das Netzwerktreffen \u201eFaire Beschaffung\u201c von Engagement Global, einer Organisation auf Bundesebene, die im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums arbeitet.<\/p>\n<p><strong>Frankfurt ist seit 2011 Fairtrade-Stadt. Reicht das nicht?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Fairtrade-Stadt zu sein, bedeutet, mehr fair gehandelte Produkte in der Verwaltung und bei Veranstaltungen einzusetzen, die Zivilgesellschaft einzubinden und die B\u00fcrger zu sensibilisieren. Die Stelle der kommunalen Entwicklungspolitik mit Schwerpunkt nachhaltige Beschaffung reicht weiter: Wir setzen uns daf\u00fcr ein, dass nicht nur einzelne Produkte fair gehandelt werden. Wir m\u00f6chten Ver\u00e4nderungen in den Bereichen erwirken, bei denen wir als Gro\u00dfstadt gro\u00dfe Hebel haben. Das ist sehr komplex. Oftmals m\u00fcssen Unternehmen zu Transparenz verpflichtet werden. Die Siegellandschaft ver\u00e4ndert sich stetig, viele Standards, die Nachhaltigkeit versprechen, sind undurchsichtig. Parallel dazu erleben wir immer komplexere Aufgaben in der Verwaltung, und wir m\u00f6chten, dass dieses Thema nicht herunterf\u00e4llt, sondern einen hohen Stellenwert erf\u00e4hrt. Meine Stelle wird vom Bundesentwicklungsministerium gef\u00f6rdert. Auch die Bundesebene hat also erkannt, dass Kommunen gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen bewirken k\u00f6nnen, sie daf\u00fcr aber Personal ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p><strong>Welches Ziel haben Sie pers\u00f6nlich? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mir ist es wichtig, dass ich nicht nur Vordrucke und Formulare erstelle, die in der Vergabe von \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen die richtigen Standards setzen. Das sind praktische Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Kollegen, die sind wichtig. Ich m\u00f6chte aber vor allem im pers\u00f6nlichen Austausch daf\u00fcr sensibilisieren, dass es Wege gibt, die viele andere St\u00e4dte schon gegangen sind und die vielleicht gar nicht so steinig sind wie erwartet. Ich hoffe, dass damit das Bewusstsein f\u00fcr unsere globalen Einkaufsmuster gesch\u00e4rft wird. Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn wir sagen k\u00f6nnten: \u00dcberall, wo es Standards zur Einhaltung von Menschenrechten gibt, haben wir un\u00adsere Marktmacht als Stadt genutzt und haben diese Standards eingefordert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frau Moumna, Sie sind seit Januar Koordinatorin f\u00fcr kommunale Entwicklungspolitik im Zentraleinkauf der Frankfurter Stadtk\u00e4mmerei. 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