{"id":48068,"date":"2025-04-20T23:30:10","date_gmt":"2025-04-20T23:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48068\/"},"modified":"2025-04-20T23:30:10","modified_gmt":"2025-04-20T23:30:10","slug":"einrichtungstrend-bookshelf-wealth-schoener-buchruecken-zum-entzuecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48068\/","title":{"rendered":"Einrichtungstrend Bookshelf-Wealth: Sch\u00f6ner Buchr\u00fccken zum Entz\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBookshelf-Wealth\u201c nennt sich ein Trend, der von Influencern beworben wird und die Individualit\u00e4t der Bewohner zeigen soll. Ganz so originell ist freilich auch diese neue Einrichtungsmode nicht.<\/p>\n<p>Werden Experten im Fernsehen befragt, pr\u00e4sentieren sie sich eigentlich immer vor einem B\u00fccherregal. Und das hat es in sich. Meterweise f\u00fcllt Fachliteratur die Regalbretter \u2013 und leistet wertvolle Dienste. Denn jedes einzelne <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Buch\" title=\"Buch\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buch<\/a>, ob gro\u00df oder klein, dick oder d\u00fcnn untermauert die Expertise der Person, die hier gerade spricht. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie die hunderttausende Seiten tats\u00e4chlich gelesen hat \u2013 das B\u00fccherregal als solches dient der intellektuellen Selbstdarstellung.<\/p>\n<p>Aber halt, wer liest denn heute \u00fcberhaupt noch B\u00fccher, schlie\u00dflich werden gerade wissenschaftliche Publikationen immer h\u00e4ufiger digital publiziert? Das ist die falsche Frage. Denn man kann B\u00fccher besitzen, ohne sie zu lesen, so, wie man in seiner K\u00fcche oder im Hobbykeller unter Umst\u00e4nden auch hochpreisige Ger\u00e4tschaften und Werkzeuge stehen hat, ohne sie je zu benutzen. <\/p>\n<p>Bei \u201eBookshelf-Wealth\u201c geht es um die Aura der Buches <\/p>\n<p>\u201eBookshelf-Wealth\u201c nennt sich ein neuer Einrichtungstrend, der auf die Aura des Buches setzt, aber anders als bei den Expertinnen und Experten im Fernsehen, die haupts\u00e4chlich Bildung und Belesenheit zur Schau stellen wollen. Bei \u201eBookshelf-Wealth\u201c geht es in erster Linie um den Wert des Buches, der den eigenen Wohlstand zum Ausdruck bringen soll. Der Inhalt der B\u00fccher spielt dabei durchaus eine Rolle. Denn popul\u00e4re Krimis und Schnulzen kommen in der Regel als Taschenb\u00fccher auf den Markt \u2013 und geben optisch wenig her. Um Stil und Kultiviertheit zu vermitteln, eignen sich eher teure Bildb\u00e4nde und Designklassiker, es d\u00fcrfen durchaus auch mal Vintage-St\u00fccke sein, sofern die Buchr\u00fccken farblich abgestimmt sind. <\/p>\n<p>Ein bemerkenswerter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Trend\" title=\"Trend\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Trend<\/a>, schlie\u00dflich haben B\u00fccher, die \u00fcber Jahrhunderte Insignien des Bildungsb\u00fcrgertums waren, in den vergangenen Jahren rapide an Bedeutung verloren. Dank des neuen Einrichtungstrends scheinen sie nun ein Comeback zu erleben und wieder gesch\u00e4tzt zu werden \u2013 zumindest zur Selbstdarstellung. Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen und erkl\u00e4ren Influencer das Ph\u00e4nomen \u201eBookshelf-Wealth\u201c. Die Anleitung, die Kailee Blalock, eine Innenarchitektin aus San Diego, auf TikTok gibt, wurde schon mehr als 1,3 Millionen Mal angeklickt. Sie erkl\u00e4rt, wie man B\u00fccher und andere Dinge, \u201edie die Seele erf\u00fcllen\u201c, richtig sammelt. <\/p>\n<p>Kuratiert wie eine Ausstellung im Museum <\/p>\n<p>Das erste Gebot der korrekten Einrichtung: B\u00fccher d\u00fcrfen keinesfalls pragmatisch nebeneinander gestellt oder gar nach Farben sortiert werden, sondern m\u00fcssen sich in eine Gesamtinszenierung einf\u00fcgen. Dabei, sagt die Fachfrau, m\u00fcsse selbstverst\u00e4ndlich der Charakter des gesamten Hauses ber\u00fccksichtigt werden. Das Zimmer wird wie eine Ausstellung im Museum kuratiert und die B\u00fccher werden mit \u00e4sthetischem Feingef\u00fchl arrangiert. Wichtig seien gem\u00fctliche Inseln, sagt Kailee Blalock, um die die B\u00fccher herum garniert werden. \u201eDas Mischen von Mustern und Farben ist nicht nur erlaubt, es ist ein Muss\u201c, sagt die Einrichtungsexpertin \u2013 und was w\u00fcrde einen besseren Farb- und Mustermix erm\u00f6glichen, wenn nicht B\u00fccher mit ihren unterschiedlich gestalteten R\u00fccken? <\/p>\n<p>Zur perfekten Inszenierung geh\u00f6ren aber weitere Gegenst\u00e4nde, ein Globus, ein h\u00f6lzernes Schatzk\u00e4stchen oder Kunsthandwerk, Kerzen und Vasen. Damit \u00e4hnelt \u201eBookshelf-Wealth\u201c den einstigen Wunderkammer der F\u00fcrsten und K\u00f6nige, die mit Fund- und Sammelst\u00fccken aus aller Welt beweisen wollten, dass sie nicht nur reich, sondern auch kosmopolitisch, weit gereist und interessiert sind. <\/p>\n<p>Es geht darum, seine Individualit\u00e4t zur Schau zu stellen <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Regenten aber versuchten, die Troph\u00e4en zu ergattern, die auch ihre Konkurrenten besa\u00dfen, sollen die B\u00fccher heute eher die Pers\u00f6nlichkeit und die eigenen Vorlieben unterstreichen. Fotos, Bildb\u00e4nde und Souvenirs sollen zeigen, wohin man gereist ist. Alte Schinken oder Dekost\u00fccke wollen den Eindruck erwecken, als w\u00e4ren sie seit Generationen in der Familie weitergegeben worden. Es geht also darum, seine Individualit\u00e4t zur Schau zu stellen. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/media.media.ac9f251b-2167-40da-a6af-4e92cb186d1f.original1024.media.jpeg\"\/>     Der franz\u00f6sische Philosoph Michel Foucault brachte die \u00e4sthetische Gestaltung des Lebensraums in einen direkten Zusammenhang mit der Gestaltung des Ichs.    Foto: imago \/Sophie Bassouls Leemage    <\/p>\n<p>Ganz so individuell ist freilich auch diese neue Einrichtungsmode nicht. Der franz\u00f6sische Philosoph Michel Foucault brachte die \u00e4sthetische Gestaltung des Lebensraums in einen direkten Zusammenhang mit der Gestaltung des Ichs. Letztlich gestalte das Individuum sich selbst wie ein Kunstwerk. Die Haltung, die man w\u00e4hlt, der Kleidungsstil, die Einrichtung und auch die B\u00fccher sind dabei zwar eine Art erweitertes Ich, aber vermitteln, so Foucault, immer auch die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, in der man sich sehen m\u00f6chte. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend viele die Welt derzeit als komplex und verwirrend erleben, ist die oberste Maxime beim \u201eBookshelf-Wealth\u201c, seine B\u00fccherregale nie chaotisch und vollgestopft wirken zu lassen. Jedes St\u00fcck soll bewusst pr\u00e4sentiert werden. Das freilich ist vielleicht f\u00fcr die Seele nicht mal das Schlechteste, wenigstens zu Hause das Gef\u00fchl zu haben, den \u00dcberblick zu bewahren \u2013 w\u00e4hrend die Generation der Babyboomer ihre B\u00fccher gern auch auf dem Boden stapelte oder in zwei Reihen ins Regal stellte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eBookshelf-Wealth\u201c nennt sich ein Trend, der von Influencern beworben wird und die Individualit\u00e4t der Bewohner zeigen soll. 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