{"id":481206,"date":"2025-10-08T00:11:12","date_gmt":"2025-10-08T00:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481206\/"},"modified":"2025-10-08T00:11:12","modified_gmt":"2025-10-08T00:11:12","slug":"frankfurt-abgelehntes-cannabis-modellprojekt-ist-eine-verpasste-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481206\/","title":{"rendered":"Frankfurt: Abgelehntes Cannabis-Modellprojekt ist eine \u201everpasste Chance\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dass Frankfurt vorerst kein Cannabis bei einem Modellprojekt verkaufen darf, st\u00f6\u00dft weitestgehend auf Kritik. Die einen sehen es als verpasste Chance, andere betrachten den Versuch als \u201eIrrweg\u201c, und manche vermuten politisches Kalk\u00fcl hinter der Ablehnung des Projekts. Mit dem Modellversuch wollte die Stadt unter anderem testen, ob man mit dem Verkauf von Cannabis in Fachgesch\u00e4ften den Schwarzmarkt eind\u00e4mmen kann.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der auf f\u00fcnf Jahre angelegte Versuch sollte medizinisch \u00fcberwacht und wissenschaftlich begleitet werden. Ein Forschungsantrag war im Dezember 2024 gestellt und vor rund einer Woche von der Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung (BLE) abgelehnt worden. Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Die Gr\u00fcnen) hat Widerspruch eingelegt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ursula Busch, sozialpolitische Sprecherin der SPD, findet es \u201ebedauerlich\u201c, dass der Versuch abgelehnt wurde. \u201eEs ist ja nicht so, dass wir Cannabis f\u00fcr jeden verf\u00fcgbar machen wollen\u201c, sagt sie. Nur in Frankfurt gemeldete, vollj\u00e4hrige und gesunde, nicht schwangere oder stillende Probanden h\u00e4tten teilnehmen k\u00f6nnen. Cannabis werde man nicht los, indem man es leugne, sagt Busch weiter. Da helfe auch kein \u201eLaw and Order\u201c. Im Zusammenhang mit dem Modellprojekt h\u00e4tte die Stadt noch mehr auf Jugendschutz, Aufkl\u00e4rung und Pr\u00e4vention gesetzt.<\/p>\n<p>Verbote haben in der Vergangenheit keine Wirkung gezeigt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sie sieht in der Ablehnung des Modellprojektes eine verpasste Chance. Besonders in einer Stadt wie Frankfurt, in der es besonders einfach sei, an Drogen zu kommen, w\u00e4ren die Ergebnisse des Versuchs besonders \u201einteressant\u201c gewesen. Fortschritte in der Drogenpolitik zu machen, ist laut Busch wichtig. Sie erinnert an die Neunzigerjahre und den damals neuen Ansatz des Frankfurter Wegs und der akzeptierenden Drogenpolitik.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ursula Busch und Suchtexperte Heino St\u00f6ver, der den Modellversuch wissenschaftlich begleiten sollte, vermuten hinter der Ablehnung des Modellversuchs eine politische und keine fachliche Entscheidung. Das denkt auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Dominike Pauli. Es gehe blo\u00df um Vorurteile und Realit\u00e4tsverweigerung, sagt sie. Prohibitive Ma\u00dfnahmen gegen Cannabis h\u00e4tten in der Vergangenheit keine Wirkung gezeigt. Es sei deshalb an der Zeit, neue Wege zu gehen. Denn solange es keine leicht zug\u00e4nglichen Konsumm\u00f6glichkeiten gebe, werde der Drogenhandel \u201ebl\u00fchen\u201c, sagt Pauli weiter.<\/p>\n<p>Mehrzahl der Erwachsenen bezieht Cannabis legal<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Volt ist \u201eentt\u00e4uscht\u201c \u00fcber die Entscheidung der BLE. Damit werde ein wichtiger Schritt in Richtung eines modernen, regulierten Umgangs mit Cannabis blockiert, sagt Britta Wollkopf, gesundheitspolitische Sprecherin von Volt. Derzeit seien die wenigen genehmigten Cannabis-Klubs neben der medizinischen Abgabe oder dem Eigenanbau die einzigen legalen Bezugsquellen. Die reichten nicht aus, um den Bedarf zu decken und den illegalen Drogenhandel wirksam zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, sagt Wollkopf. Eine nicht repr\u00e4sentative Befragung des Instituts f\u00fcr Suchtforschung Frankfurt am Main hat ergeben, dass die meisten erwachsenen Konsumenten ihr Cannabis aus legalen Quellen beziehen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwar seien die Klubs eine gute Idee, doch das Genehmigungsverfahren sei zu b\u00fcrokratisch und f\u00fcr Gelegenheitskonsumenten sei eine Mitgliedschaft wenig attraktiv, so Wollkopf weiter. Fachgesch\u00e4fte seien da ein praktikables Angebot. St\u00f6ver betont, dass zudem nicht jeder die M\u00f6glichkeit habe, sich in einer Anbauvereinigung zu engagieren oder selbst etwas anzubauen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Frankfurt brauche keine Cannabis-Shops, sondern Ordnung, Sicherheit und nachhaltige Pr\u00e4ventionsarbeit, sagt Sabine Fischer, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU. Das Projekt sei von Anfang an ein \u201eIrrweg\u201c gewesen und zu Recht gestoppt worden. Cannabis berge erhebliche Risiken f\u00fcr Abh\u00e4ngigkeit und gesundheitliche Sch\u00e4den, insbesondere f\u00fcr Jugendliche und junge Erwachsene, so Fischer.<\/p>\n<p>Cannabis vom Schwarzmarkt kann gef\u00e4hrlich sein<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch BFF-BIG sei grunds\u00e4tzlich gegen das Modellprojekt und bef\u00fcrworte die Ablehnung, sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Ingeborg Leineweber. Suchtexperte St\u00f6ver hingegen sieht in der Ablehnung des Forschungsantrages einen R\u00fcckschritt in der Drogenpolitik. Der Versuch k\u00f6nnte eine wissenschaftliche Basis f\u00fcr weitere politische Entscheidungen schaffen, Konsumenten sicheres Cannabis zur Verf\u00fcgung stellen und so den Schwarzmarkt eind\u00e4mmen. Denn das auf dem Schwarzmarkt erh\u00e4ltliche Cannabis k\u00f6nne gef\u00e4hrlich sein, sagt St\u00f6ver. Es sei oft gestreckt und verunreinigt, manchmal mit synthetischen Cannabinoiden, die unter anderem Psychosen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Au\u00dferdem sei f\u00fcr sicheren Konsum wichtig, die Konzentration von THC und CBD im Cannabis zu kennen, so St\u00f6ver weiter. Das Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden Stoffen sei entscheidend f\u00fcr die Bek\u00f6mmlichkeit des Rausches. THC ist f\u00fcr die Rauschwirkung verantwortlich, CBD wirkt entspannend. Je mehr THC also im Cannabis enthalten ist, desto heftiger, aber auch unbek\u00f6mmlicher ist der Rausch. Ein Dealer werde nicht sagen, wie hoch die Konzentration der Stoffe sei, so St\u00f6ver weiter. \u201eUnd er wird nicht nach dem Alter seiner Kunden fragen.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwar wiesen Studien wie etwa das Monitoring-System Drogentrends darauf hin, dass Jugendliche weniger Cannabis konsumieren, sie zeigten aber auch, dass die Pr\u00e4valenz bei Erwachsenen h\u00f6her sei. Ihnen m\u00fcsse man einen entsprechenden Zugang schaffen, so St\u00f6ver. Dass das mit Modellversuchen durchaus gelingen kann, zeige die Schweiz. Das Pilotprojekt \u201eWeed Care\u201c des Kantons Basel-Stadt, bei dem Cannabisprodukte verkauft werden, zeigt vielversprechende Entwicklungen im Bereich der Schadensminderung und best\u00e4tigt das Interesse der Konsumenten an einer legalen Regulierung. Trotz legaler Verf\u00fcgbarkeit haben demnach etwa weder die Konsumtage noch die Konsummenge zugenommen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Yanki P\u00fcrs\u00fcn, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP, will die Absage an das Frankfurter Modellprojekt nicht bewerten. Er findet es wichtiger, dass das Cannabisgesetz \u00fcberarbeitet wird. \u201eDas k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass vielleicht gar keine Modellversuche mehr gebraucht werden\u201c, sagt er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dass Frankfurt vorerst kein Cannabis bei einem Modellprojekt verkaufen darf, st\u00f6\u00dft weitestgehend auf Kritik. 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