{"id":481441,"date":"2025-10-08T02:19:11","date_gmt":"2025-10-08T02:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481441\/"},"modified":"2025-10-08T02:19:11","modified_gmt":"2025-10-08T02:19:11","slug":"russlands-krieg-und-das-gestohlene-getreide-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481441\/","title":{"rendered":"Russlands Krieg und das gestohlene Getreide der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 08.10.2025 03:37 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die Ernte in den besetzten ukrainischen Gebieten wird f\u00fcr die russische Landwirtschaft immer wichtiger, teils wird sie exportiert. Ukrainische Agrarunternehmen f\u00fchlen sich betrogen und fordern, mehr Druck auf Russland auszu\u00fcben. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Niels Bula, ARD Kiew.\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ruslan Masurenko steht auf dem Gel\u00e4nde seines Getreidelagers in der Region Kiew. Gerade schaut er zu, wie mehrere Tonnen Leinsamen auf einen Lkw geladen werden, fertig f\u00fcr den Export ins europ\u00e4ische Ausland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des ukrainischen Landwirtschaftsunternehmens Harveast blickt zufrieden auf die diesj\u00e4hrige Ernte. &#8222;Es gab zwar einen sehr trockenen Monat, aber wir pflanzen auch viele Winterkulturen an, die nicht so viel Feuchtigkeit aufnehmen m\u00fcssen&#8220;, sagt Masurenko. In der Region Kiew bewirtschaftet sein Betrieb 25.000 Hektar Land, ein Gebiet so gro\u00df wie 35 Fu\u00dfballfelder. Der Gro\u00dfteil davon wird mit Mais und Sonnenblumen bewirtschaftet, auch Raps und Weizen werden angebaut.<\/p>\n<p>    Von Donezk nach Mariupol nach Kiew<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eigentlich stammt Masurenko aus Mariupol. Mit Beginn der russischen Gro\u00dfinvasion 2022 haben er und das Unternehmen jedoch die Region im S\u00fcdosten der Ukraine verlassen. Schon zum zweiten Mal musste Harveast umziehen. Bis 2014 war der Hauptsitz in Donezk. Urspr\u00fcnglich besa\u00df das Unternehmen dort 200.000 Hektar Land.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute werden die Fl\u00e4chen von Russland kontrolliert, das die Gebiete im Osten der Ukraine besetzt h\u00e4lt. &#8222;Diese Gef\u00fchle sind schwer zu beschreiben. Es ist so verletzend und unverst\u00e4ndlich&#8220;, sagt Masurenko dazu. Dass Russland nun die Ackerfl\u00e4chen kontrolliert und mit dem Getreide Gesch\u00e4fte macht, sei nichts anderes als Banditentum.<\/p>\n<p>    &#8222;13 Millionen Tonnen, die wir im Jahr verlieren&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kornkammer Europas &#8211; so wird die Ukraine genannt. Getreide ist das Exportgut Nummer eins, laut UN mit 24 Prozent aller ukrainischen Exporte im vergangenen Jahr. Trotz Krieg konnte die Ukraine ihre Ausfuhren wieder steigern. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden 2024 Agrarprodukte im Wert von knapp 21 Milliarden Euro exportiert. Damit n\u00e4herte sich die Ukraine wieder dem Niveau vor der russischen Gro\u00dfinvasion.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">M\u00f6glich wurde das auch durch milit\u00e4rische Erfolge der ukrainischen Seestreitkr\u00e4fte im Schwarzen Meer. Denn vor allem dort wird das Getreide verschifft. Russland hatte das Schwarze Meer zeitweise mit seiner Marine blockiert, doch mit selbst entwickelten Seedrohnen hatte die Ukraine die Handelsroute wieder freigek\u00e4mpft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trotzdem kann die Ukraine weiterhin auf einen Teil ihres landwirtschaftlichen Ertrags nicht zugreifen, denn Russland h\u00e4lt etwa 20 Prozent der Ukraine besetzt. &#8222;Wenn wir den Ertrag im Jahr 2021, vor Beginn der aktiven Phase des Krieges, mit dem von heute vergleichen, dann sind das 13 Millionen Tonnen, die wir im Jahr verlieren&#8220;, sagt Oleh Chomenko vom Verband der Ukrainischen Agrarwirtschaft UKAB. Das sei ein ziemlich gro\u00dfes Volumen im Vergleich zur gesamten landwirtschaftlichen Produktion.<\/p>\n<p>    Gestohlenes Getreide immer wichtiger f\u00fcr Russland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dieses gestohlene Getreide aus den besetzten Gebieten wird offenbar immer wichtiger f\u00fcr die russische Landwirtschaft. 2024 lieferten die besetzten Gebiete von Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja drei Prozent der gesamten russischen Getreideernte, teilte das Landwirtschaftsministerium in Moskau mit. Ohne diese Regionen w\u00e4re die Ernte damals noch schlechter als ohnehin schon ausgefallen. Wegen schlechten Wetters im S\u00fcden Russlands hatten die Landwirte erhebliche Ausf\u00e4lle zu beklagen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In diesem Jahr wiederum rechnen die russischen Besatzungsbeh\u00f6rden allein in Luhansk mit etwa einer Million Tonne Getreide f\u00fcr 2025, das w\u00e4re doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Ein Teil davon soll ins Ausland exportiert werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der ukrainische Landwirtschaftsexperte Oleh Chomenko h\u00e4lt die Zahlen noch f\u00fcr untertrieben. &#8222;In Luhansk und Donezk war die Landwirtschaft sehr aktiv und entwickelte sich auch sehr stark. Die Besatzungsbeh\u00f6rden k\u00f6nnen Fakten und Zahlen manipulieren, um m\u00f6gliche Sanktionen zu verhindern.&#8220;<\/p>\n<p>    Sporadischer Kontakt zu ehemaligen Kollegen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Masurenkos Unternehmen Harveast z\u00e4hlte vor der russischen Gro\u00dfinvasion 1.200 Mitarbeitende. Jetzt sind es nur noch 250. Manche von ihnen fl\u00fcchteten vor dem Krieg ins Ausland, andere blieben in den besetzten Gebieten. &#8222;Eine Zeit lang hielten wir engen Kontakt zu allen Mitarbeitern&#8220;, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Kommunikation per Internet funktioniere aber nicht immer zuverl\u00e4ssig. &#8222;Hier ist alles zivilisiert, aber dort ist es etwas komplizierter. Die Messenger werden abgeschaltet, und es ist sehr schwierig, mit den Kollegen zu kommunizieren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wer genau nun die \u00c4cker in den besetzten Gebieten bewirtschaftet, wei\u00df Masurenko nicht. Er ist sich aber sicher, dass die Erntemaschinen des Unternehmens benutzt werden. Im Fr\u00fchjahr 2022 konnte er noch ihr GPS-Signal empfangen. &#8222;Da sah ich, dass unsere Traktoren im besetzten Gebiet unterwegs waren. Alle fuhren nach Makijiwka, Horliwka &#8211; und nach Rostow und Taganrog in Russland.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Masurenko ist \u00fcberzeugt: Eines Tages werden die Ackerfl\u00e4chen in den besetzten Gebieten wieder von der Ukraine kontrolliert. Aber bis dahin konzentriert sich sein Unternehmen vorerst weiter auf den Anbau in der Region Kiew &#8211; wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen als vor 2022.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hofft, dass die ukrainischen Verb\u00fcndeten Russland mit weiteren Sanktionen noch st\u00e4rker unter Druck setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 08.10.2025 03:37 Uhr Die Ernte in den besetzten ukrainischen Gebieten wird f\u00fcr die russische Landwirtschaft immer wichtiger,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":481442,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,45293,13,4046,14,15,4043,4044,850,307,12,317],"class_list":{"0":"post-481441","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-getreide","11":"tag-headlines","12":"tag-krieg","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-russia","16":"tag-russian-federation","17":"tag-russische-foederation","18":"tag-russland","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115336155787733456","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=481441"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481441\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/481442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=481441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=481441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=481441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}