{"id":481678,"date":"2025-10-08T04:29:12","date_gmt":"2025-10-08T04:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481678\/"},"modified":"2025-10-08T04:29:12","modified_gmt":"2025-10-08T04:29:12","slug":"ist-es-liebe-ein-paerchen-kaempft-gegen-kulturelle-huerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481678\/","title":{"rendered":"&#8222;Ist es Liebe&#8220;: Ein P\u00e4rchen k\u00e4mpft gegen kulturelle H\u00fcrden"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/covertscheplanowa-100.webp\" alt=\"Cover, Valery Tscheplanowa, &quot;Ist es Liebe&quot;\" title=\"Cover, Valery Tscheplanowa, &quot;Ist es Liebe&quot; | Rowohlt\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 08.10.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Valery Tscheplanowa wird nicht nur als Schauspielerin gefeiert &#8211; auch die Literaturkritik zeigte sich begeistert von ihrem 2023 erschienenen Romandeb\u00fct &#8222;Das Pferd im Brunnen&#8220;. Jetzt gibt es einen neuen Roman von ihr: &#8222;Ist es Liebe&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Katrin Kr\u00e4mer<\/p>\n<p class=\"\">Die Frage &#8222;Ist es Liebe&#8220; schwebt, nein, liegt schwer \u00fcber diesem Roman und wird f\u00fcr Anne zur Zerrei\u00dfprobe. Sie ist Anfang 20, kommt aus einem gutb\u00fcrgerlichen Elternhaus und lebt als Schauspielsch\u00fclerin in Berlin. In der U-Bahn trifft sie Richard. Er ist Schwarz, aufgewachsen in Nairobis gr\u00f6\u00dftem Slum Kibare und nach Deutschland gefl\u00fcchtet.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Ich wollte beschreiben, was f\u00fcr Gep\u00e4ck Menschen in die Liebe mitbringen&#8220;, erz\u00e4hlt Tscheplanowa. &#8222;Es geht ja ganz schnell, dass einem der andere gut gef\u00e4llt, dann gibt es rauschende drei Monate, und dann stellt man fest, dass der Andere etwas mitgebracht hat. Und dieses Mitgebrachte wollte ich portr\u00e4tieren und sagen: Das ist erstmal kein Hindernis.&#8220;<\/p>\n<p>    Pers\u00f6nliche H\u00fcrden und kulturelle Barrieren<\/p>\n<p class=\"\">Es wird dann aber doch ein ganzer Hindernisparcours, den Anne und Richard versuchen zu \u00fcberwinden. Richard ist n\u00e4mlich auch ein, wie es hei\u00dft, &#8222;Abschiebungsfall&#8220; ohne Aufenthaltstitel, nur vor\u00fcbergehend geduldet.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Richard, sagte Anne. Das kriegen wir hin. Sie hatte \u00fcberhaupt keine Ahnung, wie sie das hinkriegen sollte. (&#8230;) Sie setzte sich an den kleinen Tisch in der Ecke an ihren Laptop und tippte das Wort &#8222;Duldung&#8220; in die Suchleiste.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Es sind aber nicht nur Herkunft und Status, die zwischen Anne und Richard liegen. Sie k\u00e4mpft mit pers\u00f6nlichen Problemen, zum Beispiel gegen ihr \u00dcbergewicht. Richard, der schon als Kind erfahren hat, was Hunger bedeutet, begreift ihr Problem gar nicht: &#8222;Bei ihrem ersten Date traut sie sich zu sagen: &#8218;Ich habe eine Essst\u00f6rung&#8216;, und er wiederholt das Wort: &#8218;Ess-St\u00f6rung?&#8216; und kann sich nicht vorstellen, was das ist.&#8220;<\/p>\n<p>    Eine Beziehung am Scheideweg<\/p>\n<p class=\"\">Der Roman ist, wie Valery Tscheplanowa sagt, eine Geschichte \u00fcber den Umgang mit Grenzen. Und Anne st\u00f6\u00dft schon sehr bald an ihre eigenen. Einerseits f\u00fchlt sie sich an Richards Seite sichtbarer und sicherer. Andererseits sind die Gr\u00e4ben zwischen beiden viel tiefer als in Paarbeziehungen, in denen beide einen kulturellen Hintergrund teilen.<\/p>\n<p class=\"\">Als Anne schwanger wird und sich entscheidet, das gemeinsame Kind zu bekommen, muss sie aus ihrem ersten Engagement am Deutschen Theater aussteigen, wo sie doch gerade erst begonnen hat, &#8222;Alice in Wonderland&#8220; zu proben. Von den knappen Eink\u00fcnften schickt Richard nicht nur Geld an seine Familie nach Nairobi, sondern er feiert auch die N\u00e4chte durch, nimmt Drogen, betr\u00fcgt sie. Annes Schwester Katharina spricht aus, was Anne schon l\u00e4nger f\u00fchlt:<\/p>\n<blockquote><p>\n        &#8222;Du kannst nicht alles mit seiner Herkunft relativieren. Ihr f\u00fchrt die Beziehung hier in Deutschland, unter den Gegebenheiten, die hier herrschen, und hier nutzt er dich aus.&#8220;<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    &#8222;Ist es Liebe&#8220;: Ein literarisches Spiegelkabinett<\/p>\n<p class=\"\">In diesem aufgeladenen Roman l\u00e4sst Valery Tscheplanowa Welten aufeinanderprallen und verhandelt Fragen brennender Aktualit\u00e4t: L\u00e4sst sich das Fremde einfach wegretuschieren, nur weil man es nicht wahrnehmen will? Lassen sich herkunftsbedingte Gr\u00e4ben, wie sie sich zwischen Anne und Richard auftun, doch nicht \u00fcberwinden? Auch wenn es\u00a0&#8211; m\u00f6glicherweise &#8211; Liebe ist? Ist es Liebe, wenn es nicht reicht, f\u00fcr jemanden viel zu empfinden?<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Anne sagt irgendwann: &#8218;Vielleicht h\u00e4tte ich erstmal einen Fortbildungskurs machen sollen, bevor ich Richard k\u00fcsse.&#8216; Wenn man auf einen Menschen trifft, der aus einem anderen Land kommt, dann spielt seine Geschichte eine gro\u00dfe Rolle, die Geschichte eines anderen Landes. Und sich die M\u00fche zu machen, die Geschichte des anderen zu studieren, wenn man ihn in sein Leben l\u00e4sst&#8220;, so die Autorin.<\/p>\n<p class=\"\">Valery Tscheplanowa gelingt es auf bewundernswerte Weise, die Sch\u00f6nheiten und die Schwierigkeiten dieser Paarkonstellation von allen Seiten zu beleuchten. Und so entsteht ein faszinierendes literarisches Spiegelkabinett, in dem man st\u00e4ndig versucht herauszufinden, was richtig und was falsch ist. Um dann festzustellen, dass es das doch gar nicht gibt.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 08.10.2025 06:00 Uhr Valery Tscheplanowa wird nicht nur als Schauspielerin gefeiert &#8211; auch die Literaturkritik zeigte sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":481679,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,7718,29,214,30,121710,118850,1800,215,121709],"class_list":{"0":"post-481678","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-buchtipp","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-ist-es-liebe","15":"tag-neue-buecher","16":"tag-romane","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-valery-tscheplanowa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115336666483287261","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=481678"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481678\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/481679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=481678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=481678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=481678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}