{"id":481792,"date":"2025-10-08T05:32:11","date_gmt":"2025-10-08T05:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481792\/"},"modified":"2025-10-08T05:32:11","modified_gmt":"2025-10-08T05:32:11","slug":"jugendstudie-der-uni-stuttgart-die-grosse-mehrheit-ist-nicht-extrem-so-geht-es-jungen-menschen-in-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481792\/","title":{"rendered":"Jugendstudie der Uni Stuttgart: \u201eDie gro\u00dfe Mehrheit ist nicht extrem\u201c \u2013 so geht es jungen Menschen in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>Junge Menschen, besonders der sogenannten Gen Z, werden h\u00e4ufig als verweichlicht bezeichnet, von manchen gar als \u201eSnowflakes\u201c beschimpft. \u00c4ltere unterstellen der Generation immer wieder extrem sensibel, verletzlich und wenig robust zu sein. Wie ein Schneefl\u00f6ckchen scheinen sie bei der kleinsten H\u00fcrde im Leben dahin zu schmelzen. <\/p>\n<p>Junge Menschen sind psychisch belasteter als fr\u00fcher  <\/p>\n<p>Aber ist das wirklich so? Und ja, viele Studien zeigen, junge Menschen sind heute psychisch belasteter als fr\u00fche noch. Wahr ist aber auch, dass sie derzeit zwischen Pandemie, Krieg, Klimakrise und schlechter wirtschaftlicher Lage aufwachsen. <\/p>\n<p>Wie blicken junge Menschen aus Baden-W\u00fcrttemberg auf das aktuelle Zeitgeschehen? Was sind ihre gr\u00f6\u00dften Sorgen, was ist ihnen wichtig? Vier Professoren der Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> vom Institut f\u00fcr Erziehungswissenschaft und dem Institut f\u00fcr Sozialwissenschaften untersuchen im Rahmen der Jugendstudie alle zwei Jahre, wie es jungen Menschen in Baden-W\u00fcrttemberg geht und was sie umtreibt. Ausgehend von ihren Forschungsschwerpunkten nehmen die Wissenschaftler dabei unterschiedliche Perspektiven auf junge Menschen ein. <\/p>\n<p>\u201eZeig\u2018 mir deine Jugend und ich sage dir, in welcher Gesellschaft du lebst.\u201c Jugendliche und junge Erwachsene seien wie ein Seismograph f\u00fcr die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung. Daher sei es essenziell, die Lebenswirklichkeit, W\u00fcnsche und Befindlichkeiten von Jugendlichen zu kennen und die Jugendpolitik daran auszurichten, hei\u00dft es von den Studienautoren.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist vielschichtig: Die psychische Gesundheit von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren ist schlechter geworden, sagt Andr\u00e9 B\u00e4chtiger, Leiter der Abteilung Politische Theorie und Empirische Demokratieforschung. Die Ursachen daf\u00fcr k\u00f6nne man nicht mehr nur auf Corona zur\u00fcckf\u00fchren, es sei vielmehr ein l\u00e4nger anhaltender Trend. <\/p>\n<p> Steigende Preise und die weltweite Bedrohungslage machen Angst <\/p>\n<p>Seine Kollegin Susanne Vogl, Professorin f\u00fcr Soziologie, sagt dazu: \u201eDie Anzahl derer, die sich nie oder fast nie Sorgen machen, ist unter ein Prozent gesunken \u2013 im Vergleich waren es 2022 noch knapp 20 Prozent.\u201c Die gr\u00f6\u00dften \u00c4ngste der Jugendliche sind laut der Jugendstudie steigende Preise (64 Prozent), Krieg und die weltweite Bedrohungslage (61 Prozent) sowie sp\u00e4ter keine Arbeit zu finden (49 Prozent). <\/p>\n<p>Vogl sagt, Belastungen seien durchaus erkennbar und die zeigten sich vor allem bei M\u00e4dchen und jungen Frauen: <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.58-000-stuttgarter-sind-einsam-hohe-belastung-bei-18-bis-27-jaehrigen-was-die-stadt-gegen-einsamkeit-tut.180f28d2-f98b-475c-ba32-8cdaa000f2a5.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie \u00fcberanstrengt zu sein, unruhig zu schlafen, sich niedergeschlagen zu f\u00fchlen<\/a>. Gleichwohl seien die durchschnittlichen Werte f\u00fcr Gl\u00fccklichsein und das-Leben-genie\u00dfen insgesamt vergleichbar hoch. Im Vergleich zu 2022 waren Jugendliche im Jahr 2024 in Baden-W\u00fcrttemberg sogar etwas h\u00e4ufiger gl\u00fccklich. <\/p>\n<p>Auch die COPSY-Studie des UKE und schulpsychologische Dienste melden seit Jahren steigende Belastungen \u2013 von \u00c4ngsten bis zu Essst\u00f6rungen, besonders bei M\u00e4dchen. \u201eJunge Menschen verbringen teils ihre Freizeit isolierter, h\u00e4ngen einfach nur rum oder sind nur \u00fcber digitale Tools in Kontakt\u201c, sagt die Professorin Christine S\u00e4lzer, Leiterin der Abteilung f\u00fcr P\u00e4dagogik. \u201eDas wirkt oberfl\u00e4chlich wie Gemeinschaft, ist aber oft eine einsame Erfahrung.\u201c Was S\u00e4lzer besorgt ist, dass vor allem junge M\u00e4dchen, die von hohen Belastungen sprechen und zudem h\u00e4ufiger in der Schule fehlen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher wurden psychische Probleme oft verschwiegen. Im Kontext der Universit\u00e4t etwa sprechen Studierende heute offener \u00fcber Pr\u00fcfungs\u00e4ngste oder Depressionen \u2013 und k\u00f6nnen mit \u00e4rztlicher Diagnose Nachteilsausgleiche beantragen und Unterst\u00fctzung erhalten. S\u00e4lzer findet das an sich gut, auch weil man heute eben \u00fcber viele Belastungen und St\u00f6rungsbilder wie ADHS oder Autismus besser Bescheid wisse und diese offener thematisiert werden. <\/p>\n<p> Viele achten st\u00e4rker auf ihre psychische Gesundheit <\/p>\n<p>Jugendliche seien im Hinblick auf ihre psychische Gesundheit st\u00e4rker sensibilisiert und gleichzeitig sei die wahrgenommene gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Belastungen aus Sicht von jungen Erwachsenen gestiegen, sagt Vogl. <\/p>\n<p>Geht es Jugendlichen also heute schlechter als es jungen Menschen noch vor zehn bis zwanzig Jahren ging? Das findet Christine S\u00e4lzer gar nicht so relevant: \u201eEs geht darum, jungen Menschen zuzuh\u00f6ren, ihre \u00c4ngste ernst zu nehmen und ihnen nicht einfach zu sagen, sie sollen sich nicht so anstellen.\u201c <\/p>\n<p>Dies betrifft etwa auch die Frage der Berufswahl, die bereits im Jugendalter eine Rolle spielt. Kristina K\u00f6gler erforscht als Berufsp\u00e4dagogin die Entwicklung beruflicher Interessen und Identit\u00e4t von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. \u00dcber 70 Prozent der befragten Jugendlichen \u00e4u\u00dfern bereits konkrete Wunschberufe. Die beruflichen Interessen seien insgesamt breit ausdifferenziert. <\/p>\n<p>Es sei aber festzustellen, dass M\u00e4dchen soziale und k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeiten als etwas interessanter einstufen, w\u00e4hrend Jungen eher an unternehmerischen und handwerklichen T\u00e4tigkeiten interessiert seien. Unterst\u00fctzung werde insbesondere von sozialen Bezugspersonen in Familie und Freundeskreis in Anspruch genommen,<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.dak-report-baden-wuerttemberg-vor-allem-juengere-menschen-erleben-generationenkonflikte-im-job.9b0c1614-efbf-466d-b86f-f4313ab1ff47.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> dabei gebe es aber noch gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr schulische und au\u00dferschulische Unterst\u00fctzungsinstanzen<\/a>. <\/p>\n<p>Der Politikwissenschaftler B\u00e4chtiger sieht hinter vielen \u00c4ngsten von Jugendlichen einen sehr realen Hintergrund. Was ihn besorgt ist, dass sich junge Menschen f\u00fcr gesellschaftliche und politische Themen interessieren, ihren eigenen Einfluss aber wiederum als sehr gering einsch\u00e4tzen. \u201eEs fehlt das Vertrauen in politische Institutionen\u201c, sagt B\u00e4chtiger. <\/p>\n<p>Viele bef\u00fcrworteten unabh\u00e4ngig von ihrem schulischen Hintergrund zwar die Demokratie als Staatsform, seien aber mehrheitlich unzufrieden, wie die Politik aus ihrer Sicht aktuell funktioniere. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.jung-und-rechtsextrem-es-geht-um-gruppen-um-gemeinschaft-um-erlebnisse.21635cfa-d92c-4511-8477-9329b74699ee.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Unzufriedenheit mit der Politik <\/a>stieg laut der Umfrage binnen zwei Jahren von 42 auf 57 Prozent. <\/p>\n<p> Unsere Gesellschaften sind liberaler geworden  <\/p>\n<p>Insgesamt sieht B\u00e4chtiger manche aktuelle gesellschaftliche Entwicklung aber gelassener als es so manche Menschen in sozialen Netzwerken oder in Kommentarspalten tun. \u201eDer gro\u00dfe Trend ist, dass Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten liberaler und toleranter geworden sind\u201c, betont er. Derzeitige Backlashes sind aus seiner Sicht nicht unbedingt lang anhaltende Trends. \u201eJede Neuerung fordert immer auch Widerst\u00e4nde heraus\u201c, so der Politikwissenschaftler. <\/p>\n<p>Insgesamt seien die meisten jungen Menschen aus seiner Sicht politisch doch gem\u00e4\u00dfigt. Dies habe auch die f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg repr\u00e4sentative Studie ergeben. \u201eDie gro\u00dfe Mehrheit ist nicht extrem. Von der h\u00f6rt man nur nicht so viel\u201c, so B\u00e4chtiger und erg\u00e4nzt: \u201eAber genau diejenigen muss man mehr mobilisieren.\u201c Menschen, die sich vom demokratischen Diskurs schon v\u00f6llig entkoppelt h\u00e4tten, hole man vermutlich nicht mehr zur\u00fcck. \u201eZumindest nicht mit den klassischen Methoden.\u201c <\/p>\n<p> Jugendliche und junge Erwachsene m\u00fcssen sich einbringen k\u00f6nnen  <\/p>\n<p>S\u00e4lzer sieht es vor diesem Hintergrund durchaus als positive Entwicklung an, dass es in Baden-W\u00fcrttemberg einen Landesjugendbeirat und eine Landesjugendkonferenz gibt, bei dem sich junge Menschen mit ihren W\u00fcnschen und Vorstellungen f\u00fcr die Gesellschaft einbringen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>B\u00e4chtiger fragt sich wiederum, wie die aktuelle Unzufriedenheit mit der Politik \u00fcberwunden werden k\u00f6nnte. \u201eWie m\u00fcssten wir Politik machen, dass es allen besser geht?\u201c Die Antwort auf diese Frage sei schwierig. <\/p>\n<p>In Skandinavien und in seinem Heimatland, der Schweiz, sind B\u00fcrger laut B\u00e4chtiger deutlich zufriedener mit Politik. Dabei w\u00fcrden in Deutschland im Schnitt deutlich mehr als 50 Prozent der Wahlversprechen tats\u00e4chlich eingel\u00f6st \u2013 weit mehr, als viele glaubten.<\/p>\n<p>Viele Abgeordnete arbeiteten hart, aber es komme bei den W\u00e4hlern nicht an. \u201eW\u00e4hler sehen nur die gro\u00dfen Versprechen, die vermeintlich nicht erf\u00fcllt werden. Und das pr\u00e4gt das Image\u201c, erg\u00e4nzt er. <\/p>\n<p>Das Fazit der vier ist dennoch kein negatives: Belastungen h\u00e4tten zugenommen, ja; Social Media ver\u00e4ndere das Miteinander und das Erleben von jungen Menschen sehr, aber die gro\u00dfe Mehrheit sei weder extrem in ihren politischen Einstellungen noch blicke sie hoffnungs- oder gar mutlos auf das aktuelle Zeitgeschehen, so das ihr Fazit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Junge Menschen, besonders der sogenannten Gen Z, werden h\u00e4ufig als verweichlicht bezeichnet, von manchen gar als \u201eSnowflakes\u201c beschimpft.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":481793,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,597,30,121721,13353,3652,1441,193],"class_list":{"0":"post-481792","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-forschung","12":"tag-germany","13":"tag-jugendstudie","14":"tag-psychologie","15":"tag-stadtkind","16":"tag-stuttgart","17":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115336914093659828","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=481792"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481792\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/481793"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=481792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=481792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=481792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}