{"id":481826,"date":"2025-10-08T05:51:14","date_gmt":"2025-10-08T05:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481826\/"},"modified":"2025-10-08T05:51:14","modified_gmt":"2025-10-08T05:51:14","slug":"buchtipps-auf-nordbayern-de-supertex-von-leon-de-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/481826\/","title":{"rendered":"Buchtipps auf nordbayern.de: \u201eSuperTex\u201c von Leon de Winter"},"content":{"rendered":"<p>                                &#8211;                                Eigentlich m\u00f6chte man sich mit dem Protagonisten eines Buches identifizieren k\u00f6nnen. Bei Leon de Winter f\u00e4llt das schwer.<\/p>\n<p>                Anfang 2025 hat Leon de Winter wieder einen neuen Roman ver\u00f6ffentlicht. Der NDR stellte ihm dazu das Pr\u00e4dikat <strong>\u201eSensationell komponierter Roman\u201c<\/strong> aus. Wir werfen an dieser Stelle einen Blick auf ein <strong>\u00e4lteres Werk<\/strong> des niederl\u00e4ndischen Autors.<\/p>\n<p>Denn gerade bei Autorinnen und Autoren, die schon seit einigen Jahren publizieren, ist es immer wieder interessant, auf ein<strong> fr\u00fcheres Werk <\/strong>zu schauen. Nicht nur, um <strong>Entwicklungen <\/strong>in der <strong>Schreibart <\/strong>zu sehen. Sondern auch, um <strong>herauszufinden<\/strong>, ob die <strong>Themen <\/strong>immer noch <strong>relevant<\/strong> sind.<\/p>\n<p>\u201e<strong>SuperTex<\/strong>\u201c ist ein Roman, den <strong>de Winter<\/strong> bereits <strong>1996<\/strong> ver\u00f6ffentlichte. So viel sei schon einmal gesagt: Die <strong>Sinnsuche<\/strong>, auch in <strong>Verbindung <\/strong>mit <strong>Religion<\/strong>, das <strong>Hinterhertaumeln <\/strong><strong>der <\/strong><strong>eigenen <\/strong><strong>Erwartungen <\/strong>und auch <strong>geerbter Erwartungen <\/strong>sind <strong>zeitlose Themen<\/strong>, mit denen sich jede <strong>Generation auseinandersetzen<\/strong> muss.<\/p>\n<p>                                                \u201eSuperTex\u201c von Leon de Winter: Ein Scheusal auf der Therapiecouch<\/p>\n<p><strong>Max Breslauer <\/strong>macht eine <strong>Therapie<\/strong>. Zumindest hat er sich die <strong>Therapeutin<\/strong>, bei der er seit vier Jahren nicht mehr war, f\u00fcr einen <strong>ganzen Tag <\/strong>gebucht. Die Handlung des Romans besteht im Grunde nur aus dieser <strong>Therapiesitzung <\/strong>und ist <strong>durchzogen <\/strong>von den <strong>Geschichten<\/strong>, die <strong>Breslauer <\/strong>seiner <strong>Therapeutin <\/strong>erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt wirklich schwer, diesen <strong>Protagonisten sympathisch <\/strong>zu finden. Er ist <strong>cholerisch<\/strong>, <strong>arrogant <\/strong>und <strong>scheint <\/strong>sich nur um sein <strong>eigenes <\/strong><strong>Wohl <\/strong>zu scheren. Der Grund, warum er <strong>v\u00f6llig \u00fcberst\u00fcrzt <\/strong>und unbedingt den ganzen Tag bei der <strong>Therapeutin <\/strong>brauchte, <strong>obwohl<\/strong> sie eigentlich schon andere <strong>Klienten<\/strong> f\u00fcr den Tag geplant hatte, war ein <strong>Autounfall<\/strong>.<\/p>\n<p>Beziehungsweise der Satz \u201e<strong>Ein Jude in einem Porsche<\/strong>\u201c. Denn beinahe h\u00e4tte Breslauer den Sohn eines <strong>ultraorthodoxen Juden <\/strong>\u00fcber den <strong>Haufen <\/strong>gefahren, als er mit seinem <strong>Porsche <\/strong>viel <strong>zu schnell <\/strong>durch <strong>Amsterdam <\/strong>raste. Der Satz kam vom <strong>Vater des Jungen<\/strong>, nachdem sich Breslauer gegen den Vorwurf des <strong>Antisemitismus erwehrte <\/strong>und ihm erkl\u00e4rte, dass er <strong>selbst Jude <\/strong>ist.<\/p>\n<p>Es ist <strong>nicht das erste Mal<\/strong>, dass Max diesen <strong>Satz <\/strong>h\u00f6rt, und er st\u00fcrzt ihn in eine <strong>tiefe Sinnkrise<\/strong>. Im weiteren <strong>Gespr\u00e4ch <\/strong>mit der <strong>Therapeutin <\/strong>wird deutlich, dass Max <strong>sein ganzes Leben <\/strong>im <strong>Zwiespalt <\/strong>zwischen dem <strong>Wunsch nach Anerkennung <\/strong>von, und der <strong>Abscheu <\/strong>gegen seinen <strong>Vater <\/strong>lebte. Bis dieser nur wenige Jahre zuvor starb.<\/p>\n<p>Es entspinnt sich eine Geschichte \u00fcber die <strong>Verh\u00e4ltnisse <\/strong>der <strong>Familie Breslauer<\/strong>, der <strong>Fehler <\/strong>und <strong>Gewinne <\/strong>des <strong>Vaters<\/strong>, der aus dem <strong>Nichts <\/strong>ein <strong>Verm\u00f6gen <\/strong>angeh\u00e4uft hat. Was mehr als <strong>beeindruckend <\/strong>ist, denn eine <strong>T\u00e4towierung <\/strong>mit einer <strong>Zahlenfolge <\/strong>auf dem <strong>Unterarm <\/strong>verdeutlicht, was diesem <strong>j\u00fcdischen Jungen <\/strong>aus <strong>Polen <\/strong>w\u00e4hrend dem <strong>Zweiten Weltkrieg <\/strong>widerfahren ist. Doch auch wir versp\u00fcren den <strong>Zwiespalt gegen diesen Menschen<\/strong>, denn seinen <strong>Wohlstand <\/strong>hat er auf dem <strong>R\u00fccken <\/strong>von <strong>Arbeitssklaven <\/strong>in <strong>asiatischen Sweatshops <\/strong>errichtet.<\/p>\n<p>Abgesehen von seinem Vater haben sich <strong>zwei wichtige Menschen <\/strong>in den letzten Jahren von Max <strong>verabschiedet<\/strong>. Beide, weil sie den Weg vom Leben in Amsterdam als mehr oder weniger <strong>ungl\u00e4ubige Juden <\/strong>hin zum <strong>orthodoxen Glauben <\/strong>gefunden haben. Und f\u00fcr Max bleibt die Frage, <strong>wer er eigentlich ist.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eSuperTex\u201c<\/strong><\/p>\n<p>von Leon de Winter<\/p>\n<ul>\n<li>\u00fcbersetzt von Sibylle Mulot<\/li>\n<li>352 Seiten<\/li>\n<li>Diogenes Deluxe<\/li>\n<li>ISBN: 978-3-257-26112-7<\/li>\n<li>12 Euro<\/li>\n<\/ul>\n<p>                                                                    <a class=\"box\" href=\"https:\/\/www.nordbayern.de\/panorama\/buchtipp-neuerscheinung-sebastian-fitzek-rep-2-1.14675508\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20251007_1316_collage.jpg\" alt=\"\u201eDer Nachbar\u201c von Sebastian Fitzek: Was gibt es schon zu wissen \u00fcber sein n\u00e4chstes Buch?\" class=\"\" title=\"\u201eDer Nachbar\u201c von Sebastian Fitzek: Was gibt es schon zu wissen \u00fcber sein n\u00e4chstes Buch?\" data-id=\"114675509\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n<p>                                                                    <a class=\"box\" href=\"https:\/\/www.nordbayern.de\/panorama\/buchtipps-evgr-die-beliebtesten-horbucher-auf-audible-und-co-kw-41-1.14621905\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/young_woman_with_headphones_drinking_water_by_the_.jpg\" alt=\"Die besten H\u00f6rb\u00fccher - Das l\u00e4uft auf Audible, BookBeat und Co\" class=\"\" title=\"Die besten H\u00f6rb\u00fccher - Das l\u00e4uft auf Audible, BookBeat und Co\" data-id=\"114621906\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n<p>                                                                    <a class=\"box\" href=\"https:\/\/www.nordbayern.de\/service\/buchtipp-das-neue-buch-von-rita-falk-der-neue-eberhofer-krimi-rep-1-1.14813470\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/20250829_1339_collage.jpg\" alt=\"\u201eApfelstrudel-Alibi\u201c: Wann kommt endlich der neue Eberhofer-Krimi?\" class=\"\" title=\"\u201eApfelstrudel-Alibi\u201c: Wann kommt endlich der neue Eberhofer-Krimi?\" data-id=\"114813471\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n<p>                                                \u201eSuperTex\u201c: verstehen ohne zu m\u00f6gen<\/p>\n<p>Eigentlich wollen wir die <strong>Hauptfigur <\/strong>unseres <strong>aktuellen Lesest\u00fccks gut <\/strong>finden. Eigentlich wollen wir sie oder ihn <strong>m\u00f6gen<\/strong>. Leon de Winter macht uns das in \u201e<strong>SuperTex<\/strong>\u201c nicht gerade leicht, wenn nicht sogar <strong>unm\u00f6glich<\/strong>.<\/p>\n<p>Denn wir k\u00f6nnen beim <strong>besten Willen <\/strong>Max Breslauer nicht als <strong>guten Menschen <\/strong>sehen, der einfach <strong>Pech <\/strong>hatte, mit einem <strong>schwierigen Vater <\/strong>aufzuwachsen. Er ist <strong>reich<\/strong>, <strong>\u00fcberheblich<\/strong>, <strong>arrogant<\/strong> und sich <strong>selbst<\/strong> der <strong>N\u00e4chste<\/strong>.<\/p>\n<p>Aber genau das macht diesen Roman interessant. Denn in gewisser Weise ist Max Breslauer tats\u00e4chlich ein <strong>Scheusal <\/strong>auf der <strong>Therapiecouch<\/strong>. Doch wir <strong>verstehen <\/strong>ihn auch. Wir verstehen, wie er sich zwischen <strong>Abscheu <\/strong>und <strong>Anerkennungswunsch <\/strong>gegen seinen <strong>Vater <\/strong>wenden kann. Und wir k\u00f6nnen die tiefe <strong>Verwirrung <\/strong>verstehen, die dieser Mensch <strong>versp\u00fcrt<\/strong>, als alles, woran er zu <strong>glauben <\/strong>dachte, <strong>keinen Sinn <\/strong>mehr ergibt. Und allein dieser <strong>Spagat<\/strong>, den Leon de Winter hier <strong>literarisch <\/strong>bewerkstelligt, macht \u201eSuperTex\u201c lesenswert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8211; Eigentlich m\u00f6chte man sich mit dem Protagonisten eines Buches identifizieren k\u00f6nnen. 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