{"id":482827,"date":"2025-10-08T15:05:11","date_gmt":"2025-10-08T15:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/482827\/"},"modified":"2025-10-08T15:05:11","modified_gmt":"2025-10-08T15:05:11","slug":"muenchner-bavaria-wird-175-jahre-alt-ueber-einen-inbegriff-von-bayerns-freiheitsliebe-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/482827\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchner Bavaria wird 175 Jahre alt &#8211; \u00fcber einen Inbegriff von Bayerns Freiheitsliebe &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am 9. Oktober 1850 war es endlich so weit. Die Sonne schien, und so konnte in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> das wegen schlechten Wetters um sechs Tage verschobene Gro\u00dfereignis auf der Theresienwiese seinen Lauf nehmen: die feierliche Enth\u00fcllung der Bavaria. Vor den Augen K\u00f6nig Ludwigs I. und Tausender Zuschauer wurden unter dem Donner von Kanonen mehrere Bretterw\u00e4nde zum Einsturz gebracht. Und die \u201eBavaria, das Sinnbild des bayer. Vaterlandes, stand vom sch\u00f6nsten Sonnenlichte beleuchtet vor den Augen der staunenden Volksmenge, welche in endlosen Jubelruf ausbrach\u201c, so schildern es damals die Neuesten Nachrichten aus M\u00fcnchen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Lobreden auf den kunstsinnigen Ex-Monarchen, der zwei Jahre zuvor wegen seiner Aff\u00e4re mit der T\u00e4nzerin Lola Montez abgedankt hatte, wurden gehalten. Und Ludwig selbst sagte: \u201eIch bin 64 Jahre alt, hab\u2019 viel des Sch\u00f6nen gesehen, so Sch\u00f6nes noch nie; ich habe viele Freuden erlebt, doch eine solche Freude noch nie!\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mehr als ein Jahrzehnt hatte es gedauert, bis die bronzene Schutzpatronin Bayerns und die sie umgebende, nun auch fast fertiggestellte Ruhmeshalle Gestalt annahmen. Bereits in den 1830er-Jahren hatte Ludwig I. den Bau bei seinem favorisierten Architekten Leo von Klenze beauftragt, mit dessen Baukunst er M\u00fcnchen in ein Isar-Athen umwandeln wollte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nun ragte die Bronze-Dame endlich am Rand der Theresienwiese 18,52 Meter in die H\u00f6he, auf einem Sockel von etwa neun Metern H\u00f6he montiert. Aus der Klenze\u2019schen \u201egriechischen Amazone\u201c war am Ende ein \u201ebayerisch-germanisches Weibsbild\u201c (Luise Kinseher) geworden. Denn der mit der konkreten Ausgestaltung beauftragte M\u00fcnchner Bildhauer Ludwig von Schwanthaler verlieh der Bavaria ganz im Sinne der patriotisch-romantischen Vorstellungen der Zeit ein mehr \u201eteutsches\u201c Aussehen. Tunika und B\u00e4renfell bedeckten nun den K\u00f6rper, und Eichenlaub ersetzte Lorbeerkr\u00e4nze am Kopf und in der Hand.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ein Schwert und L\u00f6we an der Seite der Figur dr\u00fcckten St\u00e4rke, Freiheitsliebe und Wehrhaftigkeit aus. Besonders deutsch soll indes das Gesicht der Bavaria sein: Wie sp\u00e4ter ein Freund Schwanthalers enth\u00fcllte, soll der Bildhauer deren Antlitz einer Frau aus Preu\u00dfen nachempfunden haben, in die er ungl\u00fccklich verliebt war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/3d3439a4-69bf-412c-a99c-f2b0b26e3570.jpg\"   alt=\"Ludwig von Schwanthaler verlieh der Statue ein doch recht deutsches Aussehen\u00a0\u2013 und soll ihr Antlitz einer Frau nachempfunden haben, in die er ungl\u00fccklich verliebt war.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Ludwig von Schwanthaler verlieh der Statue ein doch recht deutsches Aussehen\u00a0\u2013 und soll ihr Antlitz einer Frau nachempfunden haben, in die er ungl\u00fccklich verliebt war. (Foto: Peter Kneffel\/ dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gro\u00dfe \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit erfuhr die Bavaria nicht erst am Tag ihrer Enth\u00fcllung. Auch ihr Entstehungsprozess und ihr Aufbau wurden von zahlreichen Neugierigen verfolgt. \u201eViele Zuschauer, selbst f\u00fcrstliche Damen waren zugegen\u201c, schrieb Ferdinand von Miller in sein Tagebuch. Ein anderes Mal waren es an die hundert Zuschauer. Miller fertigte auf Grundlage der Gipsform Schwanthalers die monumentalen Teilst\u00fccke der Bronzestatue. Eine technische Herausforderung, nicht nur f\u00fcr den jungen Erzgie\u00dfer. So schildert er in seinem Tagebuch, wie er bei der Fertigung des Kopfes, seines ersten gro\u00dfen Gusses, einen \u201esolchen Wechsel von Schrecken und Freude\u201c wie noch nie empfindet. Und wie er beim Guss des besonders gro\u00dfen Brustst\u00fccks \u201eden bittern Becher der Verzweiflung kostet\u201c, weil lange Zeit das Erz der Kanonen nicht schmelzen will.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Schwierig war in einer Zeit ohne schweres Ger\u00e4t auch der Transport der Hunderte Zentner schweren Teile. Zwei Monate brauchte es, bis die vier Haupt- sowie einige kleinere Teile von der Erzgie\u00dferei zur Theresienwiese gebracht worden waren. Die Wagen daf\u00fcr mussten zum Teil eigens gebaut und von \u201esechzehn starken Hengsten\u201c gezogen werden, wie die zeitgen\u00f6ssische Illustrirte Zeitung schrieb. Zuletzt wurde demnach begleitet von einem gro\u00dfen Festzug \u201edas riesige und doch lieblich sch\u00f6ne Haupt der Bavaria\u201c angeliefert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Miller lie\u00df sich mit seinen S\u00f6hnen und Arbeitern bei der Montage im Kopf mit in die H\u00f6he ziehen. Und gro\u00df muss der Jubel und das Staunen gewesen sein, als am Ende \u00fcber eine Leiter ganze 31 Menschen dem Kopf entstiegen. \u201eIch habe es gesehen, und glaube es doch nicht\u201c, sagte dazu K\u00f6nig Ludwig I., \u201ein heiterer Laune\u201c, wie die Illustrirte Zeitung befand, die einen weiteren Vergleich zur Veranschaulichung der Gr\u00f6\u00dfe der Bavaria lieferte: Deren gro\u00dfer Finger habe einen Umfang \u201ewie eine mittelschlanke M\u00e4dchentaille\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wer sich selbst noch mal ein Bild von der Dimension der Bavaria machen m\u00f6chte, kann ihr im Innern \u00fcber eine Wendeltreppe zu Kopf steigen\u00a0\u2013 in diesem Jahr allerdings nur noch bis zum 19. Oktober. Denn aus Sicherheitsgr\u00fcnden ist die Bavaria im Winter geschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 9. Oktober 1850 war es endlich so weit. 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