{"id":483162,"date":"2025-10-08T18:00:17","date_gmt":"2025-10-08T18:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483162\/"},"modified":"2025-10-08T18:00:17","modified_gmt":"2025-10-08T18:00:17","slug":"kritik-zu-im-schatten-des-orangenbaums-menschlichkeit-als-ultimative-form-des-widerstands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483162\/","title":{"rendered":"Kritik zu Im Schatten des Orangenbaums: Menschlichkeit als ultimative Form des Widerstands"},"content":{"rendered":"<p class=\"bo-p\">Eigentlich wollte die Regisseurin und Schauspielerin <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/195595.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cherien Dabis<\/a> ihren neuen Film in Pal\u00e4stina drehen, doch aufgrund der Hamas-Massaker des 7. Oktober 2023 und der anschlie\u00dfenden israelischen Invasion in Gaza musste das Team aus dem Land fliehen. Aber jetzt ist es umso zentraler, dass Dabis\u2018 generationenumspannendes Drama \u201e<b>Im Schatten des Orangenbaums<\/b>\u201c ein Narrativ aus pal\u00e4stinensischer Sicht bietet. Das Drehbuch wurde inhaltlich zwar nicht nachtr\u00e4glich ver\u00e4ndert, aber bei der Inszenierung wurde mehr Raum f\u00fcr Stille und Schmerz zugelassen, ohne deshalb gleich ins R\u00fchrselige abzugleiten. Trotz einer klar pro-pal\u00e4stinensischen Haltung ist Dabis\u2018 epische Familiensaga ein filmisches Friedensangebot und zeigt: Menschlichkeit ist eine Form des Widerstands, die einem niemand nehmen kann. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Inzwischen sind deshalb auch die Hollywoodstars <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/25190.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mark Ruffalo<\/a> (\u201eAvengers 5\u201c) und <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/16228.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Javier Bardem<\/a> (\u201eF1 \u2013 Der Film\u201c) als ausf\u00fchrende Produzenten mit an Bord. Vor allem Bardem lobte das 145-min\u00fctige Werk in Interviews bereits auf ganzer Linie: \u201eCheriens wundersch\u00f6ner, intelligenter und zutiefst bewegender Film zeigt auf eindrucksvolle Weise die wahre Geschichte Pal\u00e4stinas, die noch nie zuvor auf so k\u00fcnstlerische und authentische Weise erz\u00e4hlt wurde.\u201c Eine logische Wahl also, dass der beim Sundance Festival uraufgef\u00fchrte Film Jordanien bei der anstehenden Oscar-Saison in der Kategorie \u201eBester internationaler Film\u201c vertreten wird.<\/p>\n<p>                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" bis=\"\" durchlebt=\"\" salim=\"\" noch=\"\" eine=\"\" gl=\"\" kindheit=\"\" im=\"\" elterliche=\"\" orangenhain=\"\" in=\"\" jaffa.=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/3c06e6474af36d0618ce19afa0f0eb92.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" alt=\"Bis 1948 durchlebt Salim noch eine gl\u00fcckliche Kindheit im elterliche Orangenhain in Jaffa.\"\/><\/p>\n<p>                                    X-Verleih<\/p>\n<p>                    Bis 1948 durchlebt Salim noch eine gl\u00fcckliche Kindheit im elterliche Orangenhain in Jaffa.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">1988 wird der Teenager Noor (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/1000537.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Muhammad Abed Elrahman<\/a>), Sohn von Hanan (Regisseurin Cherien Dabis selbst) und Salim (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/193803.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Saleh Bakri<\/a>), bei einem Protest gegen die israelische Besatzung im Westjordanland schwer verletzt. 34 Jahre sp\u00e4ter schaut Hanan in einem Caf\u00e9 einen jungen j\u00fcdischen Mann an und beginnt die Geschichte ihrer Familie zu erz\u00e4hlen: \u201eNiemand h\u00e4tte je geglaubt, dass es so kommen w\u00fcrde. Ich werde ihnen erz\u00e4hlen, wie es angefangen hat.\u201c Los geht es 1948 mit der Gr\u00fcndung des Staates Israel. Auf einem Orangenhain in Jaffa befindet sich das Haus von Salims Vater Sharif (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/639272.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Adam Bakri<\/a>), der seinen Sohn hochhebt, um ihn eine Orange vom Baum pfl\u00fccken zu lassen. Doch das Gl\u00fcck w\u00e4hrt nicht lange: Das Dorf wird bombardiert und Sharifs Frau dr\u00e4ngt darauf, mit den Kindern einen sichereren Ort aufzusuchen, w\u00e4hrend Sharif selbst zur\u00fcckbleibt, um das Haus zu bewachen.  <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Drei Jahrzehnte sp\u00e4ter herrscht Uneinigkeit zwischen den Generationen: W\u00e4hrend Gro\u00dfvater Sharif den alten Zeiten nachtrauert und seinen Enkelkindern sein Pal\u00e4stina nahebringen m\u00f6chte, versucht Vater Salim, einen anderen Zugang zu finden. Einer der st\u00e4rksten und zugleich traurigsten Momente spielt sich ab, als Salim mit seinem kleinen Sohn Noor auf dem Heimweg von Soldaten gedem\u00fctigt wird. Sie bedrohen den Vater mit Waffen, damit er vor seinem Sohn laut herausschreit, dass er ein Esel sei. Danach muss er auch noch Noors Mutter aufs schlimmste beleidigen. Die beiden werden zwar verschont, aber der gedem\u00fctigte Salim hat fortan die Achtung seines Sohnes verloren\u2026<\/p>\n<p>Was der Krieg auch nach den Bomben noch alles anrichtet<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Cherien Dabis, eine in den USA geborene Tochter pal\u00e4stinischer Eltern, setzt sich f\u00fcr die Sichtbarkeit arabisch-amerikanischer Geschichten ein. Ihre Filme sind seit jeher autobiografisch gepr\u00e4gt, das ist auch bei \u201eIm Schatten des Orangenbaums\u201c nicht anders: Als sie 2007 auf dem Weg nach Ramallah erf\u00e4hrt, warum sie im Stau steht, w\u00e4chst in der Regisseurin der Wunsch, einen Film dar\u00fcber zu drehen. Durch die von Rauschwaden durchzogene Luft sieht sie junge M\u00e4nner, die aus Protest Steine werfen. Eine Reihe israelischer Soldaten richtet Gewehre auf sie \u2013 und sie fragt sich: Wer sind diese M\u00e4nner und mit welchen Gedanken sind sie zu dieser Demonstration gekommen? <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Also entschloss sich die Filmemacherin, weit auszuholen und eine Familie inmitten von Jahrzehnten politischer Unruhen zu portr\u00e4tieren. Dabei l\u00e4sst sich Dabis vor allem von eigenen Erlebnissen inspirieren. Kriegsbilder interessieren sie nicht, man wird also keine Bomben oder brennenden H\u00e4user sehen. Stattdessen gibt Dabis pers\u00f6nliche Einblicke in ein vom Krieg gezeichnetes, fragiles Familienleben. <\/p>\n<p>                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" schatten=\"\" des=\"\" orangenbaumes=\"\" erz=\"\" mehr=\"\" als=\"\" sieben=\"\" jahrzehnte=\"\" hinweg=\"\" die=\"\" geschichte=\"\" von=\"\" drei=\"\" generationen=\"\" einer=\"\" familie=\"\" ma=\"\" durch=\"\" anhaltende=\"\" besetzung=\"\" westjordanlands=\"\" gepr=\"\" wird.=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/73b244fd3cc72465646ce386cee60d5f.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" alt=\"\u201eIm Schatten des Orangenbaumes\u201c erz\u00e4hlt \u00fcber mehr als sieben Jahrzehnte hinweg die Geschichte von drei Generationen einer Familie, die ma\u00dfgeblich durch die anhaltende Besetzung des Westjordanlands gepr\u00e4gt wird.\"\/><\/p>\n<p>                                    X-Verleih<\/p>\n<p>                    \u201eIm Schatten des Orangenbaumes\u201c erz\u00e4hlt \u00fcber mehr als sieben Jahrzehnte hinweg die Geschichte von drei Generationen einer Familie, die ma\u00dfgeblich durch die anhaltende Besetzung des Westjordanlands gepr\u00e4gt wird.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Die St\u00e4rke von \u201eIm Schatten des Orangenbaums\u201c liegt darin, dass Dabis ihren Plot aus einem ganz pers\u00f6nlichen Schmerz heraus entwickelt hat. Auch die beschriebene Szene mit der Dem\u00fctigung durch die Soldaten hat sie in abgewandelter Form selbst erlebt: Mit acht Jahren reiste sie mit ihrer Familie zum ersten Mal nach Pal\u00e4stina, wo sie zw\u00f6lf Stunden an der Grenze festgehalten wurden. All ihre Sachen, selbst die von ihren ein und drei Jahre alten Schwestern, wurden durchsucht, alle wurden zudem einer Leibesvisitation unterzogen. Ihr Vater wollte sie verteidigen und wurde von einem Soldaten angeschrien. F\u00fcr ihn eine gef\u00e4hrliche Situation \u2013 und f\u00fcr die achtj\u00e4hrige Tochter ein Bild, das sie ihr Leben lang nicht vergessen hat. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Aufgrund der erschwerten Bedingungen wurde wie gesagt nicht in Pal\u00e4stina, sondern auf Zypern und in Griechenland gedreht. Auch Dabis\u2018 Vater war im Exil \u2013 und es sind all diese biografischen \u00dcberschneidungen, die den Film sp\u00fcrbar gepr\u00e4gt haben. Trotzdem beugt sich der Film nicht der Wut und Gewalt, sondern k\u00e4mpft f\u00fcr die Liebe. In einem Interview spricht sich Dabis f\u00fcr Offenheit und Neugierde aus, damit Konflikte gel\u00f6st werden k\u00f6nnen: \u201eWir m\u00fcssen uns fragen, ob wir neugierig sind, zu erfahren und zu verstehen, was der andere erlitten hat. Das ist eine Aufgabe, der wir uns alle stellen sollten\u201c, so die Regisseurin. \u201eDenn wenn wir uns nicht auf die gemeinsame Menschlichkeit aller Menschen konzentrieren \u2013 und nicht zulassen, dass die M\u00e4chtigen unsere Unterschiede zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen \u2013, dann werden wir niemals Frieden haben.\u201c <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Diese Intention sp\u00fcrt man auch in \u201eIm Schatten des Orangenbaums\u201c. <\/p>\n<p class=\"bo-p\"><b>Fazit: \u201eIm Schatten des Orangenbaums\u201c ist ein gewaltiges Epos \u00fcber den Verlust von Heimat und menschliche St\u00e4rke \u2013 und damit ein herausragender Kandidat f\u00fcr die anstehende Oscar-Saison!<\/b><\/p>\n<p class=\"bo-p\">Wir haben \u201eIm Schatten des Orangenbaums\u201c beim Filmfest Hamburg 2025 gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich wollte die Regisseurin und Schauspielerin Cherien Dabis ihren neuen Film in Pal\u00e4stina drehen, doch aufgrund der Hamas-Massaker&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":483163,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,214,30,95,1777,215],"class_list":{"0":"post-483162","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kino","13":"tag-movie","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115339855520239530","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=483162"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483162\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/483163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=483162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=483162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=483162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}