{"id":483530,"date":"2025-10-08T21:19:16","date_gmt":"2025-10-08T21:19:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483530\/"},"modified":"2025-10-08T21:19:16","modified_gmt":"2025-10-08T21:19:16","slug":"wenn-deutschland-sich-behaupten-will-muss-es-technologisch-unabhaengiger-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483530\/","title":{"rendered":"\u201eWenn Deutschland sich behaupten will, muss es technologisch unabh\u00e4ngiger werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/DSC05788-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-131120\"\/>Foto: Lada<\/p>\n<p><strong>:<\/strong> Herr Minister, als Sie im Mai den Vorsitz der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und L\u00e4ndern \u00fcbernommen haben, erkl\u00e4rten Sie die \u201eHightech-Agenda\u201c zu einem der gro\u00dfen Themen Ihrer Amtszeit. Worum geht es da eigentlich?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>Die \u201eHightech-Agenda\u201c entspringt dem schwarz-roten Koalitionsvertrag auf Bundesebene, den ich seinerzeit mitverhandelt habe. Wir wollen damit bestimmen, in welchen Technologiebereichen wir eine dringende Notwendigkeit sehen, dass Deutschland hier mehr investiert. Damit soll Deutschland technologisch eigenst\u00e4ndiger, zukunftsf\u00e4higer und auch wettbewerbsf\u00e4higer werden. Neben der F\u00f6rderung von Spitzenforschung geht es deshalb auch darum, in die Anwendung zu kommen, also den Transfer weiter zu verbessern. Die K\u00fcnstliche Intelligenz spielt dabei als Megathema nat\u00fcrlich eine herausgehobene Rolle. An Themen wie der klimaneutralen Energieerzeugung oder der Zukunft der Mobilit\u00e4t sieht man zum Beispiel auch mit Blick auf Niedersachsen, welche Relevanz das f\u00fcr uns im Land hat. Wenn wir im Vergleich zu anderen Nationen aufholen wollen, m\u00fcssen wir massiv investieren.<\/p>\n<p><strong>Rundblick: <\/strong>Die Agenda soll Deutschland unabh\u00e4ngiger machen. Warum ist das n\u00f6tig?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>In der Vergangenheit haben gro\u00dfe Teile Deutschlands darauf vertraut, dass wir billige Energie aus Russland, billige Waren aus China und billige Sicherheit aus den USA bekommen. Nun sehen wir, dass all das ins Wanken gekommen ist. Russland ist schon lange kein Partner mehr, sondern inzwischen ein Gegner unseres Wertesystems. Auch bei China wissen wir nie, wie verl\u00e4sslich sie am Ende sind. Und selbst der Verb\u00fcndete, die USA, wird immer fragw\u00fcrdiger unter einem Pr\u00e4sidenten Trump. Wenn wir uns als Deutschland und im Verbund mit den europ\u00e4ischen Partnern behaupten wollen, m\u00fcssen wir in den zentralen Technologiebereichen vorankommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/DSC05783-scaled-e1759825810799-780x439.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-131110\"\/>Foto: Lada<\/p>\n<p><strong>Rundblick:<\/strong> Die Agenda weist sieben Schl\u00fcsseltechnologien und f\u00fcnf strategische Forschungsfelder aus. Was steuert denn Niedersachsen jetzt schon zu dieser Forschungsagenda bei?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>Da gibt es mehrere Ankn\u00fcpfungspunkte. So sind wir etwa beim Quanten-Computing zentraler Akteur in Deutschland. Wenn man herunterbricht, worum es bei der sehr komplexen Quantenphysik geht, sprechen wir dar\u00fcber, sehr schnell sehr leistungsf\u00e4hige Rechenoperationen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Das greift beispielsweise auch in den Sicherheitsbereich hinein, weil ich damit beispielsweise in der Lage bin, Passw\u00f6rter und andere Verschl\u00fcsselungen zu knacken. Wir sind aber auch in der Raumfahrt bemerkenswert dabei. Wir haben den gro\u00dfen Forschungsflughafen in Braunschweig, wo es eher um die Luftfahrt geht. Beim Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) in Trauen bei Munster geht es um Satelliten. Neben dem Sicherheitsbereich spielen in Niedersachsen auch die Mobilit\u00e4t, die Batterieforschung, die Energieerzeugung durch Sonne- und Windkraft sowie die Medizin eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p><strong>Rundblick: <\/strong>Mit der \u201eHightech-Agenda\u201c gibt die Politik schon sehr deutlich vor, in welche Richtung die Wissenschaft forschen soll, weil der Staat an der Anwendung ein Interesse hat. Sehen Sie darin einen Widerspruch zur Wissenschaftsfreiheit?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>Nein, den sehe ich so nicht. Die Freiheit der Wissenschaft ist im Grundgesetz garantiert und bezieht sich richtigerweise darauf, dass wir als Politik nicht sagen, was ganz konkret erforscht werden muss oder auch nicht erforscht werden darf. Und wir sagen als Politik vor allem auch nicht, was dabei herauskommen muss. Aber dennoch hat Deutschland und die demokratisch legitimierten Organe wie der Bundestag und die Regierung das Recht zu sagen, wo sie einen Bedarf sehen, intensiver zu forschen. So gibt es etwa das politische Ziel nach klimaneutraler Mobilit\u00e4t \u2013 und gleichzeitig das legitime Interesse, die starke Automobilindustrie auch in zehn Jahren noch im Land zu haben. Deshalb wollen wir, dass in diesem Bereich die Forschung intensiviert wird, und setzen daf\u00fcr entsprechende Anreize durch Forschungsprogramme. Die Hochschulen haben aber auch ihre Grundbudgets, bei denen die Politik nicht vorgibt, wof\u00fcr genau sie verwendet werden. Es geht also beides, das ist kein Problem.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/DSC05797-edited-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-131122\"\/>Foto: Lada<\/p>\n<p><strong>Rundblick:<\/strong> Im Herbst will die Bundesregierung gemeinsam mit den L\u00e4ndern und anderen Akteuren den weiteren Fahrplan f\u00fcr die \u201eHightech-Agenda\u201c festlegen. Wie kann der aussehen und welche Rolle spielen Sie dabei?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>Es reicht nicht aus, dass die Politik ein Ziel definiert, ohne auch die Schritte dahin zu beschreiben. Deshalb finde ich es gut, dass Bundesforschungsministerin Dorothee B\u00e4r jetzt gemeinsam mit den L\u00e4ndern eine Steuerungsgruppe aufbauen wird. Darin werde ich, weil ich die SPD-Wissenschaftsminister koordiniere, sehr sicher eine Rolle spielen. Es wird dann erforderlich sein, zu all den spezifischen Themen der Agenda herauszuarbeiten, wie dort im Konkreten mehr Souver\u00e4nit\u00e4t gewonnen werden kann. Und letztlich wird es dann darum gehen, wie viel Geld in den einzelnen Themenbereichen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Dar\u00fcber entscheidet am Ende nat\u00fcrlich der Haushaltsgesetzgeber, in diesem Fall der des Bundes.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Rundblick: <\/strong>Sie haben k\u00fcrzlich die Schwerpunkte Ihres Etatansatzes f\u00fcr 2026 im zust\u00e4ndigen Ausschuss des Landtags vorgestellt. Wo werden Sie Schwerpunkte in Niedersachsen setzen?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>Zahlenm\u00e4\u00dfig liegen die ganz gro\u00dfen Schwerpunkte im Baubereich \u2013 und deshalb findet man die gar nicht alle in meinem eigenen Etat. Das sind vor allem die n\u00e4chsten Bauabschnitte bei der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universit\u00e4tsmedizin G\u00f6ttingen, mit denen wir in der Krankenversorgung, aber auch im Bereich Forschung und Lehre f\u00fcr weitere und dringende Entlastung durch Ersatzneubauten sorgen. Der Sanierungsbedarf ist riesig. Wir haben in dieser Legislaturperiode bislang richtigerweise viel Energie darauf verwendet, schneller zu werden, und haben auch schon ordentlich Zeit eingespart. In Hannover sind wir etwa ein Jahr schneller als geplant und in G\u00f6ttingen liegen wir mitunter sogar f\u00fcnf Jahre vor dem Zeitplan. 500 Millionen Euro wollen wir zudem in den allgemeinen Hochschulbau geben, weil wir sehen, dass auch dort der Sanierungsbedarf seit vielen Jahren enorm ist. Deshalb nutzen wir f\u00fcr diese dringend ben\u00f6tigten Investitionen die M\u00f6glichkeiten, die sich aus der \u00c4nderung des Grundgesetzes und mit dem Sonderverm\u00f6gen des Bundes ergeben. Die Schuldenaufnahme finde ich deshalb in Ordnung, weil es Investitionen in die Bildung und die Zukunftsf\u00e4higkeit des Landes sind. Dar\u00fcber hinaus werden wir in Niedersachsen endlich einen Pflegestudiengang aufbauen, wir wollen in den Kulturbereich investieren und nicht zuletzt die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung st\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Rundblick: <\/strong>Zuletzt gab es in Niedersachsen mehrere Irritationen rund um Hochschulpr\u00e4sidenten \u2013 an der Uni G\u00f6ttingen, der Uni Vechta und an der Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover. Sehen Sie ein Strukturproblem, das angegangen werden muss?<\/p>\n<p><strong>Mohrs: <\/strong>Die drei besagten F\u00e4lle waren alle sehr unterschiedlich und \u00fcberall befinden wir uns zum Gl\u00fcck inzwischen wieder auf einem guten Weg. Wir haben dort in durchaus schmerzhaften Diskussionen gute L\u00f6sungen gefunden. Dennoch m\u00fcssen sich auch Hochschulen in Zukunft ver\u00e4ndern. Gerade f\u00fcr sehr gro\u00dfe Hochschulen ist die Frage einer strategischen Neuaufstellung nicht einfach zu bearbeiten. Unser Anliegen ist es, genau diese Strategief\u00e4higkeit der Hochschulen zu st\u00e4rken. Deshalb wollen wir im nieders\u00e4chsischen Hochschulgesetz verankern, dass die Hochschulpr\u00e4sidentin beziehungsweise der Hochschulpr\u00e4sident in strategischen Fragen sehr viel deutlicher eine Linie vorgeben kann. Zudem \u00fcberpr\u00fcfen wir zurzeit die Regeln f\u00fcr die Abwahl von Hochschulpr\u00e4sidentinnen und -pr\u00e4sidenten und suchen nach einer verfassungskonformen Alternative zum jetzigen Modell. Nach meiner Auffassung ist das etwas, wo eine Ver\u00e4nderung ganz gut sein kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Foto: Lada : Herr Minister, als Sie im Mai den Vorsitz der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und L\u00e4ndern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":483531,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,3364,29,90427,30,13,122069,122070,14,3923,15,3921,122071,12,193],"class_list":{"0":"post-483530","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-falko-mohrs","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-high-tech-agenda","18":"tag-hightech-agenda","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nachrichten-aus-deutschland","21":"tag-news","22":"tag-news-aus-deutschland","23":"tag-quentenphysik","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115340638653087864","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483530","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=483530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483530\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/483531"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=483530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=483530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=483530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}