{"id":483602,"date":"2025-10-08T22:03:15","date_gmt":"2025-10-08T22:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483602\/"},"modified":"2025-10-08T22:03:15","modified_gmt":"2025-10-08T22:03:15","slug":"wie-aus-geschichten-in-der-neuen-heimat-ein-buch-entsteht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483602\/","title":{"rendered":"Wie aus Geschichten in der neuen Heimat ein Buch entsteht"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Manchmal beginnt eine neue Geschichte mit einem alten Haus. Ein Ort, an dem der Staub von Jahrzehnten in den Ritzen sitzt und der doch einen Sog entfaltet, als wolle er sagen: Erz\u00e4hl mich. Juliane Primus, 1988 in Karl-Marx-Stadt geboren, hat diesen Ruf geh\u00f6rt. Sie ist Journalistin, Biografin, Sammlerin von Geschichten \u2013 und inzwischen auch Lychenerin. Mit ihrem druckfrischen Buch \u201eLychener Leute \u2013 Portr\u00e4t einer Stadt\u201c ist sie auf literarische Tuchf\u00fchlung zu ihrem neuen Zuhause gegangen.<\/p>\n<p>Hochzeit in Lychen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Weg von Julianes Primus f\u00fchrte \u00fcber Berlin, Potsdam und Paris, durch Zeitungsredaktionen, die ihr den Blick f\u00fcr das Fl\u00fcchtige und das Bleibende sch\u00e4rften, die aber auch das Gef\u00fchl entstehen lie\u00dfen, dass nach zehn Jahren viele der Gro\u00dfstadtgeschichten auserz\u00e4hlt seien. 2017 kam sie auf der Suche nach einem Ort f\u00fcr ihre Hochzeit nach Lychen. Sie heiratete und blieb.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">2019 begann sie mit Matthias Kluckert, ihrem Mann, ein altes Haus am Malerwinkel zu sanieren, das heute Zuhause und Arbeitsst\u00e4tte zugleich ist: Hier betreibt sie ihre Memoiren-Manufaktur, in der sie Lebensgeschichten anderer Menschen zu B\u00fcchern verdichtet. Doch wer Biografien im Auftrag schreibt, kennt die stille Sehnsucht, auch selbst einmal mit eigenem Namen auf dem Cover zu stehen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Als 2021 in der Neuen Lychener Zeitung ihre Kolumne \u201eLychener Leute\u201c startete, war der erste Schritt getan. Anneliese Nennmann, die Schneiderin im \u201eF\u00e4rberhaus\u201c, war die erste Portr\u00e4tierte \u2013 eine Frau mit einem ph\u00e4nomenalen Ged\u00e4chtnis, mit Lust am Erz\u00e4hlen. Von da an ergab eines das andere: T\u00fcren \u00f6ffneten sich, Geschichten fanden zur Autorin, und die Stadt begann, zu ihr zu sprechen.<\/p>\n<p>Kollektive Chronik<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das nun vorliegende Buch ist aus diesen Kolumnen gewachsen. Drei\u00dfig Geschichten von Menschen, die alle in irgendeiner Weise mit Lychen verbunden sind. Manche stammen aus Familien, die seit Generationen hier leben. Sie berichten vom Kriegsende, von Werkst\u00e4tten, von L\u00e4den, die l\u00e4ngst verschwunden sind &#8211; und vom Alltag in der DDR. Es sind Erinnerungen, die eine kollektive Chronik ergeben \u2013 eine Art gelebte Stadtgeschichte, von innen heraus erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Doch das Buch ist nicht nostalgisch. Denn Lychen war nie nur die Stadt der Alteingesessenen. Es war immer auch ein Ort, an dem Menschen neu ankamen, ihre Hoffnungen und Pl\u00e4ne mitbrachten. Zugezogene, R\u00fcckkehrer, Menschen, deren Lebenswege bis Paris, Belgien, Afghanistan und Nordafrika reichen. Manche haben das Z\u00e4hlen ihrer Umz\u00fcge l\u00e4ngst aufgegeben. Andere sagen: \u201eWie viele andere sind wir voller Optimismus und Begeisterung hierhergekommen.\u201c Wieder andere schw\u00e4rmen: \u201eLychen-Downtown, also alles innerhalb der alten Stadtmauer, f\u00fchlt sich f\u00fcr mich an wie ein einziges gro\u00dfes Wohnzimmer.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zwischen diesen Stimmen entfaltet sich ein tieferer Gedanke: Von sich und der eigenen Lebensgeschichte zu erz\u00e4hlen, bedeutet auch, zu illustrieren, wie Lebenslinien verlaufen \u2013 quer durch Ost und West, durch N\u00e4he und Ferne, durch Fremd- und Angekommen sein. Individuelle Erinnerungen und Erz\u00e4hlungen als Spiegel des gro\u00dfen Ganzen, in dem Unterschiede und Gemeinsamkeiten neu verhandelt werden, in Lychen, in der Uckermark.<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck Selbstreflexion<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die ausgew\u00e4hlten Stimmen spiegeln auch die Autorin selbst. Als Zugezogene, als eine, die bleiben will. Wie w\u00fcrde ihr erster Satz in einer solchen Geschichte \u00fcber Juliane Primus lauten? Sie \u00fcberlegt, l\u00e4chelt, denkt laut \u00fcber die Herausforderung nach, den einen richtigen Einstieg in einen Text zu finden. Vielleicht: \u201eEs ist einfach so passiert.\u201c Sie meint damit auch ihre Unbefangenheit, die so vieles m\u00f6glich machte. Dass sie hier gelandet ist, dass sie Geschichten sammelt, Menschen zuh\u00f6rt, ein Haus rettet, B\u00fcrgermeisterin werden wollte, heute Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung ist. Und sagt: \u201eEs ist alles gut so, wie es ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eLychener Leute\u201c ist mehr als eine Sammlung von Lebensgeschichten. Es ist ein atmendes, vielstimmiges, widerspr\u00fcchliches St\u00fcck Zeitgeschichte und damit auch ein kleines, unaufdringliches Kaleidoskop deutsch-deutscher Erfahrungen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eLychener Leute \u2013 Portr\u00e4t einer Stadt\u201c wird am Donnerstag, dem 9. Oktober, um 19.30 Uhr im Alten Kino in Lychen vorgestellt. Erh\u00e4ltlich ist es unter anderem in der Memoiren-Manufaktur, in der Handwerksb\u00e4ckerei, beim Kreativwerk Lychen und bei We &amp; Te.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Manchmal beginnt eine neue Geschichte mit einem alten Haus. Ein Ort, an dem der Staub von Jahrzehnten in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":483603,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-483602","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115340810930121498","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=483602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483602\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/483603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=483602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=483602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=483602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}