{"id":483919,"date":"2025-10-09T00:55:15","date_gmt":"2025-10-09T00:55:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483919\/"},"modified":"2025-10-09T00:55:15","modified_gmt":"2025-10-09T00:55:15","slug":"prozess-gegen-comey-jetzt-zieht-trump-das-schaerfste-schwert-gegen-seine-gegner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/483919\/","title":{"rendered":"Prozess gegen Comey: Jetzt zieht Trump das sch\u00e4rfste Schwert gegen seine Gegner"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Ex-FBI-Chef James Comey muss sich nun der erste Erzfeind Donald Trumps vor Gericht verantworten \u2013 ein Schritt, den der Pr\u00e4sident von seiner Justizministerin gefordert hatte. F\u00fcr alle anderen Gegner Trumps ist das ein beunruhigender Vorgang, insbesondere im Lichte seiner j\u00fcngsten Ank\u00fcndigung.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Schon fr\u00fch am Morgen versammelte sich eine Handvoll Demonstranten vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude in Alexandria im Bundesstaat Virginia vor den Toren Washingtons, um zu protestieren. \u201eSchauprozess\u201c stand auf ihren Schildern. Zwei Stunden sp\u00e4ter schritt ein 1,90 Meter gro\u00dfer Mann in schwarzem Anzug und akkuratem Seitenscheitel in das Geb\u00e4ude: James Comey.<\/p>\n<p>Der ehemalige FBI-Direktor ist an diesem regnerischen Herbsttag hier, weil Donald Trump es so wollte. Der US-Pr\u00e4sident hatte von seiner Justizministerin eine Anklage seiner Erzfeinde gefordert. Eilig schusterte die extra daf\u00fcr frisch zur Staatsanw\u00e4ltin ernannte ehemalige pers\u00f6nliche Anw\u00e4ltin von Trump, Lindsey Halligan, eine Anklageschrift zusammen \u2013 kurz vor Ablauf der Verj\u00e4hrungsfrist in der kommenden Woche.<\/p>\n<p>Comey ist der erste prominente Gegner Trumps, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68d5cf830356251aa91fb09a\/trump-widersacher-ex-fbi-chef-james-comey-angeklagt-wir-beugen-uns-nicht-und-ihr-solltet-es-auch-nicht.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68d5cf830356251aa91fb09a\/trump-widersacher-ex-fbi-chef-james-comey-angeklagt-wir-beugen-uns-nicht-und-ihr-solltet-es-auch-nicht.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der sich nun tats\u00e4chlich vor Gericht wiederfindet<\/a>. Damit erreicht die Politisierung der Justiz einen neuen H\u00f6hepunkt. Selbst wenn Experten die Anklage aufgrund mangelhafter Beweislage f\u00fcr so konstruiert halten, dass sie noch vor dem anvisierten Prozessbeginn im Januar abgewiesen werden k\u00f6nnte, geht eine erhebliche Signalwirkung von diesem Morgen aus.<\/p>\n<p>Noch vor neun Jahren geh\u00f6rte Comey zu denjenigen, die Trump mochte. Der damalige FBI-Direktor spielte im Wahlkampf 2016 eine gro\u00dfe Rolle und hatte \u2013 wie Demokraten sagen \u2013 entscheidend zum Sieg von Trump beigetragen. Gro\u00dfes Thema war damals <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article151662753\/Hillary-Clinton-Affaere-um-Staatsgeheimnisse-in-privaten-Mails.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article151662753\/Hillary-Clinton-Affaere-um-Staatsgeheimnisse-in-privaten-Mails.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hillary Clintons Benutzung eines privaten E-Mail-Servers<\/a>, auf dem sie vertrauliche Kommunikation aufbewahrte, die dann teilweise verloren ging.<\/p>\n<p>Zwei Wochen vor der Wahl machte Comey mit der Ank\u00fcndigung Schlagzeilen, dass das FBI die Ermittlungen gegen Clinton wieder aufnehmen werde, da neues Material aufgetaucht sei. Eine Nachricht, die einschlug wie eine Bombe. Clintons Vorsprung in den nationalen Umfragen schwand von sechs auf nur noch drei Prozentpunkte.<\/p>\n<p>Trump wusste um den Effekt, als er Comey nach seiner Amtseinf\u00fchrung im Januar 2017 im Wei\u00dfen Haus begr\u00fc\u00dfte. \u201eOh, da ist ja James Comey\u201c, sagte er in einem Raum voller Menschen und bat ihn, vom anderen Ende zu ihm zu kommen. \u201eEr ist ber\u00fchmter als ich\u201c, sagte er in Anspielung auf die Clinton-Ermittlung. Comey beschrieb die Szene sp\u00e4ter als \u201ekaum auszuhalten\u201c, schlie\u00dflich galt der FBI-Direktor bisher immer als unabh\u00e4ngig von der Exekutive.<\/p>\n<p>Doch die Zuneigung Trumps f\u00fcr Comey hielt ohnehin nicht lange. Denn schon bald begann das FBI zu ermitteln, inwieweit sich Russland in die Wahl eingemischt hatte. Bei einem Abendessen unter vier Augen soll Trump von Comey Loyalit\u00e4t gefordert haben, was dieser ablehnte. \u201eSie werden Ehrlichkeit bekommen\u201c, sagte dieser laut einem Memo, das er \u00fcber den Abend verfasste. Wenig sp\u00e4ter bat Trump ihn darum, seinen damaligen Sicherheitsberater Mike Flynn vor Ermittlungen im Zusammenhang mit der russischen Wahlkampfeinmischung zu verschonen. Auch das lehnte Comey ab.<\/p>\n<p>Trumps Erzfeinde<\/p>\n<p>Im Mai feuerte Trump den FBI-Chef, was die Einsetzung des Sonderermittlers <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/robert-mueller\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/robert-mueller\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Robert Mueller <\/a>nach sich zog, dessen Untersuchung seine gesamte Amtszeit \u00fcberschattete. Seitdem geh\u00f6rt Comey zur Liste von Trumps Erzfeinden, die all jene umfasst, die sich gegen ihn gestellt hatten. Dazu geh\u00f6ren der demokratische Senator aus Kalifornien, Adam Schiff, der eine f\u00fchrende Rolle beim ersten Amtsenthebungsverfahren spielte und Letitia James. Sie ist Staatsanw\u00e4ltin in New York und hat gegen die Trump Organisation ein Betrugsverfahren gewonnen, wobei eine Strafe von 450 Millionen US-Dollar f\u00e4llig wurde.<\/p>\n<p>Mitte September forderte der Pr\u00e4sident seine Justizministerin Pam Bondi via Truth Social auf, alle drei anzuklagen. \u201eSie sind alle schuldig wie sonst was, aber nichts passiert.\u201c Zuvor war der Staatsanwalt, der James anklagen sollte, zur\u00fcckgetreten. Die Beweise reichten seiner Meinung nach nicht aus. Trump ernannte darauf seine pers\u00f6nliche Anw\u00e4ltin, Lindsey Halligan.<\/p>\n<p>Sie nahm sich zun\u00e4chst Comey vor, schlie\u00dflich dr\u00e4ngte hier die Zeit. Das Justizministerium wirft ihm nun vor, bei einer Befragung unter Eid vor dem Justizausschuss des Senats 2020 gelogen und die Justiz behindert zu haben. Das w\u00e4re kommende Woche verj\u00e4hrt. Unter Rechtsexperten gelten die Vorw\u00fcrfe als konstruiert, da sie auf die \u00c4u\u00dferungen von Comeys damaligen Stellvertreter Andrew McCabe zur\u00fcckgehen, der jedoch in der Vergangenheit mit zahlreichen irref\u00fchrenden Statements aufgefallen ist.<\/p>\n<p>Comey meldete sich vergangene Woche per Instagram-Video zu Wort. \u201eWir werden nicht in die Knie gehen. Und ihr solltet das auch nicht\u201c, sagte er. \u201eAngst ist das Werkzeug eines Tyrannen\u201c, so Comey und bekundete sein Vertrauen in die Fairness der Gerichte. Der Ex-FBI-Chef ist zwar ein prominentes Opfer von Trumps Rachefeldzug und kann sich dagegen wehren. Andere m\u00f6glicherweise nicht. <\/p>\n<p>Die Feindesliste des Pr\u00e4sidenten umfasst nicht nur Politiker wie Schiff, sondern etwa auch den ehemaligen Mitarbeiter im Heimatschutzministerium, Miles Taylor, der im September 2018 den viel beachteten anonymen Gastbeitrag in der \u201eNew York Times\u201c mit dem Titel \u201eIch bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Regierung\u201c schrieb. Anders als Comey hat so jemand weniger Ressourcen f\u00fcr eine juristische Schlammschlacht. Entsprechend einsch\u00fcchternd d\u00fcrfte die Anklage auf all jene wirken, die sich Trump in der Vergangenheit entgegengestellt haben oder dies in Erw\u00e4gung ziehen.<\/p>\n<p>\u201eSystematischer Missbrauch der Justizbeh\u00f6rden\u201c<\/p>\n<p>Die Demokraten werfen Trump eine Instrumentalisierung der Justiz vor. Trump und Bondi betrieben einen \u201esystematischen Missbrauch der Justizbeh\u00f6rden\u201c, um ihre Gegner zu verfolgen, sagte der Senator Dick Durbin bei einer Anh\u00f6rung der Justizministerin am Dienstag. Damit t\u00e4ten sie genau das, was sie Joe Biden immer vorwarfen.<\/p>\n<p>Ein Argument, das im Wei\u00dfen Haus ins Gegenteil verkehrt wird. \u201eWarte mal, warte mal\u201c, sagte ein aufgebrachter Peter Navarro am Dienstagabend darauf angesprochen. Der Trump-Berater steht vor dem West Wing und wedelt mit seinem neuen Buch. Es tr\u00e4gt den Titel \u201eIch bin ins Gef\u00e4ngnis gegangen, damit ihr es nicht m\u00fcsst.\u201c Das sei Ausweis genug, dass es vielmehr die Demokraten seien, die die Justiz instrumentalisiert h\u00e4tten. Navarro wurde 2021 zu vier Monaten Haft verurteilt, weil er die Vorladung des Kongresses zur Anh\u00f6rung \u00fcber den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar desselben Jahres ignorierte.<\/p>\n<p>Auch Trump sieht das so. \u201eSie wollten mich zweimal des Amtes entheben und haben mich f\u00fcnfmal wegen nichts angeklagt\u201c, schrieb er auf Truth Social und schob hinterher: \u201eGerechtigkeit muss hergestellt werden.\u201c Weitere Anklagen w\u00fcrden folgen, k\u00fcndigte er wenig sp\u00e4ter an.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/gregor-schwung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/gregor-schwung\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Gregor Schwung<\/b><\/a><b> berichtet seit 2025 als au\u00dfenpolitischer Korrespondent \u00fcber transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbr\u00fcche mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Ukraine und die USA.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit dem Ex-FBI-Chef James Comey muss sich nun der erste Erzfeind Donald Trumps vor Gericht verantworten \u2013 ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":483920,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[116519,114,22720,13,48104,14,15,12,10,8,9,11,113,716],"class_list":{"0":"post-483919","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-comey","9":"tag-donald-geb-1946","10":"tag-fbi","11":"tag-headlines","12":"tag-james","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-top-news","17":"tag-top-meldungen","18":"tag-topmeldungen","19":"tag-topnews","20":"tag-trump","21":"tag-usa-politik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115341487314433529","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=483919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/483919\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/483920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=483919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=483919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=483919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}