{"id":484060,"date":"2025-10-09T02:10:18","date_gmt":"2025-10-09T02:10:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484060\/"},"modified":"2025-10-09T02:10:18","modified_gmt":"2025-10-09T02:10:18","slug":"literaturnobelpreis-2025-die-sichere-wette-auf-die-ewige-enttaeuschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484060\/","title":{"rendered":"Literaturnobelpreis 2025: Die sichere Wette auf die ewige Entt\u00e4uschung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/26e9387173c94cb5aaf8c21454f69dc8.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" class=\"wpvgw-marker-image\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" referrerpolicy=\"no-referrer-when-downgrade\" style=\"display:none;\"\/><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/wp-content\/uploads\/literaturnobelpreis_2025.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1190\" height=\"448\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/literaturnobelpreis_2025-1190x448.jpg\" alt=\"Die Gewinner des Literaturnobelpreises 2025, wie die KI sie sieht (Erstellt mit Gemini)\" class=\"wp-image-54939\"\/><\/a>Die Gewinner des Literaturnobelpreises 2025, wie die KI sie sieht (Erstellt mit Gemini)<\/p>\n<p>Morgen, am 9. Oktober 2025, wird in Stockholm der Literaturnobelpreis verk\u00fcndet. Die Buchmacher haben ihre Favoriten, die Feuilletons ihre Wunschkandidaten. Und die Schwedische Akademie wird vermutlich wieder alle \u00fcberraschen. Womit? Hier sind die garantierten \u00dcberraschungen!<\/p>\n<p class=\"ez-toc-title ez-toc-toggle\" style=\"cursor:pointer\">Inhalts\u00fcbersicht dieses Beitrags<\/p>\n<p><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\">Toggle<\/a><\/p>\n<p>Am Donnerstag, den 9. Oktober, um 13 Uhr \u00f6ffnet sich in Stockholm die ber\u00fchmte Fl\u00fcgelt\u00fcr des Blauen Salons. Mats Malm, der St\u00e4ndige Sekret\u00e4r der Schwedischen Akademie, tritt vor die versammelten Journalistinnen und Journalisten und verk\u00fcndet einen Namen. Der Literaturnobelpreis 2025 wird vergeben \u2013 dotiert mit elf Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet rund 970.000 Euro. Dazu kommen Medaille, Urkunde und die Gewissheit, dass k\u00fcnftig jedes Buch mit dem Etikett \u00bbLiteraturnobelpreistr\u00e4ger\u00ab verkauft wird. Das kann die Verkaufszahlen vervielfachen. Die Favoriten k\u00f6nnten leer ausgehen. Oder auch nicht \u2013 aber darauf sollte man nicht wetten.<\/p>\n<p>Die Schwedische Akademie, ein Gremium aus 18 Mitgliedern, das seit 1901 \u00fcber den Nobelpreis f\u00fcr Literatur entscheidet, hat sich seit ihrer Neuausrichtung 2018 einen bemerkenswerten Ruf erarbeitet: Sie tut selten das, was alle erwarten. Nach dem Skandal um sexuelle \u00dcbergriffe reformierte sich die Akademie grundlegend \u2013 und scheint seither eine gewisse Lust an der Unberechenbarkeit zu pflegen. Das ist keine Kritik \u2013 nur Statistik.<\/p>\n<p>Es ist <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/das-erzaehlerische-praeteritum-in-prosa-und-lyrik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oktober, die Bl\u00e4tter fallen<\/a>, und mit ihnen die Hoffnungen all jener Autorinnen und Autoren, die schon so oft als hei\u00dfe Kandidaten gehandelt wurden, dass man sie mittlerweile getrost als abgek\u00fchlt bezeichnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die ewige Kandidatenshow<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haruki_Murakami\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Haruki Murakami<\/a><\/strong> steht seit fast drei Jahrzehnten auf den Wettlisten. Der japanische Bestsellerautor, bekannt f\u00fcr seine Mischung <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/die-stadt-und-ihre-ungewisse-mauer-von-haruki-murakami\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aus magischem Realismus und Popkultur-Referenzen<\/a>, taucht so zuverl\u00e4ssig unter den Top-Favoriten auf, wie die Akademie zuverl\u00e4ssig Murakami nicht w\u00e4hlt. Solange er auf Platz eins steht, kann man sicher sein, dass er es nicht wird. Seine Romane wie \u00bb1Q84\u00ab oder \u00bbKafka am Strand\u00ab sind weltweit Millionen-Seller \u2013 was in Stockholm m\u00f6glicherweise mehr schadet als n\u00fctzt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Can_Xue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Can Xue<\/a><\/strong>, der 72-j\u00e4hrigen chinesischen Meisterin des literarischen Experiments. Ihre surrealistischen, r\u00e4tselhaften Geschichten werden seit Jahren hoch gehandelt, ihre Quote liegt aktuell bei 6:1 \u2013 das bedeutet: Buchmacher halten sie als Gewinnerin f\u00fcr sehr wahrscheinlich. Nach Nobelpreislogik bedeutet das: keine Chance. Zum Vergleich: Eine Quote von 33:1, wie <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/buchbesprechung-die-vegetarierin-von-han-kang-literaturnobelpreis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Han Kang<\/a> sie 2024 hatte, entsprach etwa drei Prozent Wahrscheinlichkeit. Sie gewann.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joyce_Carol_Oates\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Joyce Carol Oates<\/a><\/strong>, geboren 1938, also inzwischen 87 Jahre alt, hat mehr Romane geschrieben, als die meisten Menschen B\u00fccher gelesen haben. Die US-Amerikanerin, bekannt f\u00fcr ihre schonungslosen Gesellschaftsportr\u00e4ts, ver\u00f6ffentlichte seit 1963 \u00fcber 40 Romane. Sie gilt seit Jahrzehnten als Kandidatin \u2013 was vermutlich der einzige Grund ist, warum sie den Preis nie bekommen wird. Die Akademie hat eine Allergie gegen das Erwartbare.<\/p>\n<p>\u00dcberraschung als Programm<\/p>\n<p>Britische Buchmacher wie Ladbrokes f\u00fchren seit Jahrzehnten Quoten, welche Autorinnen und Autoren die besten Chancen auf den Nobelpreis haben. Diese Wetten liegen beim Literaturnobelpreis auffallend oft daneben. Nicht aus Unwissen, sondern aus Prinzip.<\/p>\n<p>Han Kang stand mit der erw\u00e4hnten Quote von 33:1 auf der Liste. Die rund drei Prozent Wahrscheinlichkeit waren genau der Sweet Spot der Akademie: ein Bereich, in dem kaum jemand mit dem Gewinn rechnet.<\/p>\n<p>Wer 2025 gewinnen wird? Garantiert nicht <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ali_Ahmad_Said\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adonis<\/a><\/strong>, der 95-j\u00e4hrige syrisch-libanesische Dichter (b\u00fcrgerlich Ali Ahmad Said), einer der bedeutendsten arabischen Lyriker. Auch nicht <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Salman_Rushdie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Salman Rushdie<\/a><\/strong>, der nach dem Messerattentat 2022 und seinem Buch \u00bbKnife\u00ab sowohl politische als auch literarische Argumente auf seiner Seite h\u00e4tte \u2013 was seine Chancen vermutlich schm\u00e4lert, weil das Signal zu offensichtlich w\u00e4re. Und schon gar nicht <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mircea_C%C4%83rt%C4%83rescu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mircea C\u0103rt\u0103rescu<\/a><\/strong>, der rum\u00e4nische Autor opulenter, traumartiger Romane, der auf den vorderen Pl\u00e4tzen auftaucht \u2013 was ihn sofort verd\u00e4chtig macht.<\/p>\n<p>Die unerwarteten Kandidaten<\/p>\n<p>Zwischen den ewigen Favoriten und den v\u00f6llig Unbekannten k\u00f6nnte man doch einmal die wirklich Unerwarteten auszeichnen:<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dan_Brown\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dan Brown<\/a><\/strong>, ja genau, der Autor von \u00bbSakrileg\/The Da Vinci Code\u00ab. Die Begr\u00fcndung der Akademie k\u00f6nnte lauten: \u00bbF\u00fcr seine beispiellose F\u00e4higkeit, Millionen zum Lesen zu bringen und dabei komplexe Verschw\u00f6rungstheorien in eine Form zu gie\u00dfen, die selbst Leute verstehen, die sonst nur die Etiketten von Shampoo-Flaschen lesen.\u00ab Das w\u00e4re der ultimative Tabubruch \u2013 und w\u00fcrde die literarische Welt in Schockstarre versetzen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sally_Rooney\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sally Rooney<\/a><\/strong>, die irische Autorin, die Millennials das Gef\u00fchl gibt, verstanden zu werden. <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/normale-menschen-von-sally-rooney\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ihre Werke handeln von Menschen<\/a>, die nicht wissen, wie sie kommunizieren sollen. Die Begr\u00fcndung: \u00bbF\u00fcr die pr\u00e4zise Kartografierung einer Generation, die zwischen Ironie und Aufrichtigkeit schwankt.\u00ab Mit 34 Jahren w\u00e4re sie die j\u00fcngste Preistr\u00e4gerin seit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rudyard_Kipling\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rudyard Kipling<\/a>, der 1907 mit 41 Jahren ausgezeichnet wurde. Perfekt f\u00fcr eine Akademie, die gern \u00fcberrascht.<\/p>\n<p><strong>Ein Social-Media-Account eines verstorbenen Autors<\/strong>, betrieben von dessen Erben. Die Akademie k\u00f6nnte digitale Posthum-Literatur als neue Form anerkennen. \u00bbF\u00fcr die Fortf\u00fchrung eines \u0152uvres im Zeitalter der sozialen Medien \u2013 280 Zeichen als moderne Haiku-Form.\u00ab Ein Preis, der zugleich Debatten \u00fcber Autorschaft, Erinnerung und KI befeuern w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Ein Kollektiv von f\u00fcnf Autorinnen<\/strong>, die gemeinsam unter einem Namen publizieren. Die Akademie m\u00fcsste entscheiden, ob alle f\u00fcnf auf die B\u00fchne d\u00fcrfen oder w\u00fcrfeln. Das w\u00e4re ein Statement gegen den Geniekult \u2013 und w\u00fcrde die Preisverleihung zur Performance machen.<\/p>\n<p><strong>Haruki Murakami, aber diesmal wirklich.<\/strong> Nach 30 Jahren w\u00e4re das die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung von allen \u2013 gerade weil niemand mehr daran glaubt. Die Akademie k\u00f6nnte sagen: \u00bbManchmal warten wir so lange, bis das Erwartbare wieder unerwartet wird.\u00ab<\/p>\n<p>Die eigentlich aussichtslosen Kandidaten mit \u00fcberraschend guten Chancen<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Pynchon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thomas Pynchon<\/a><\/strong>, der legend\u00e4re Eremit der amerikanischen Literatur, hat sich seit Jahrzehnten der \u00d6ffentlichkeitsarbeit entzogen. Seine Werke sind komplex, widerspenstig, f\u00fcr viele unlesbar \u2013 perfekt f\u00fcr einen Preis, der gelegentlich hermetische Literatur liebt. Die Akademie k\u00f6nnte ihn w\u00e4hlen und sagen: \u00bbLiteratur muss nicht gefallen, sie muss bedeutend sein.\u00ab Die Preisverleihung w\u00fcrde ohne Preistr\u00e4ger stattfinden. Konsequent.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anne_Carson\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anne Carson<\/a><\/strong>, die kanadische Dichterin und Altphilologin, bewegt sich zwischen Antike und Moderne, Lyrik und Essay. Ihre Texte sind hybrid, experimentell, oft r\u00e4tselhaft \u2013 genau das, was die Akademie liebt, wenn sie sich selbst ernst nimmt. Allerdings: Sie steht aktuell auf Platz eins der Wettlisten. Und das ist selten ein gutes Zeichen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Don_DeLillo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Don DeLillo<\/a><\/strong>, der gro\u00dfe Chronist amerikanischer Paranoia, w\u00e4re eine sichere Wahl \u2013 was gegen ihn spricht. Vielleicht w\u00e4hlt ihn die Akademie, um zu zeigen, dass sie auch das Erwartbare wagt. Meta-Nobelpreis sozusagen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerald_Murnane\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gerald Murnane<\/a><\/strong>, der australische Autor, der sein Heimatdorf kaum verl\u00e4sst, schreibt introspektive Texte \u00fcber Innenwelten. \u00bbF\u00fcr die Erschlie\u00dfung weiter Landschaften ohne zu reisen \u2013 eine Literatur der Imagination gegen die Reiz\u00fcberflutung.\u00ab Eine plausible Begr\u00fcndung, wenn da nicht die Quote von 10:1 w\u00e4re. Zu bekannt, um gew\u00e4hlt zu werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1190\" height=\"448\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/margaret_atwood-1-1190x448.jpg\" alt=\"Margaret Atwood (Foto: Tischer)\" class=\"wp-image-38435\"\/>Margaret Atwood (Foto: Tischer)<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Margaret_Atwood\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Margaret Atwood<\/a><\/strong>, 85 Jahre alt, Autorin von \u00bbReport der Magd\/The Handmaid\u2019s Tale\u00ab und  literarische Institution. Seit Jahren Favoritin \u2013 was normalerweise gegen jemanden spricht. Aber vielleicht ist sie schon so lange im Gespr\u00e4ch, dass es wieder originell w\u00e4re, sie zu ehren. Berechenbarkeit als h\u00f6chste Form der Unberechenbarkeit.<\/p>\n<p>Die Mathematik des Unerwarteten<\/p>\n<p>In den letzten Jahren lagen die Buchmacher \u00f6fter daneben als richtig. Treffer gab es zwar \u2013 2008 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean-Marie_Gustave_Le_Cl%C3%A9zio\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Le Cl\u00e9zio<\/a>, 2009 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herta_M%C3%BCller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herta M\u00fcller<\/a>, 2011 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tomas_Transtr%C3%B6mer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tomas Transtr\u00f6mer<\/a> \u2013 doch die Liste der \u00dcberraschungen ist l\u00e4nger. Die Schwedische Akademie hat ihre Unberechenbarkeit professionalisiert.<\/p>\n<p>Das bedeutet f\u00fcr den 9. Oktober: Wer in den Wettlisten weit oben steht, wird es nicht. Wer seit Jahren genannt wird, kann getrost ausgeschlossen werden. Und wer eine Quote unter 10:1 hat, beweist damit vor allem, dass er keine Chance hat.<\/p>\n<p>Der einzig sichere Tipp<\/p>\n<p>Wenn Sie am 9. Oktober wetten wollen, dann auf jemanden, der in keiner Top-20-Liste auftaucht, dessen Name h\u00f6chstens in einem obskuren Feuilleton-Artikel vorkommt und der idealerweise aus einem Land stammt, das noch nie den Literaturnobelpreis erhalten hat. Oder Sie setzen auf jemanden, der k\u00fcrzlich verstorben ist \u2013 und dessen Tod die Akademie noch nicht bemerkt hat. Das w\u00e4re immerhin originell.<\/p>\n<p>Oder Sie warten einfach bis 13 Uhr, lesen einen unbekannten Namen, googeln verzweifelt und finden eine 83-j\u00e4hrige Lyrikerin aus der Mongolei, die in ihrer Heimat als Nationalheiligtum gilt. Dann nicken Sie wissend und sagen: \u00bbNat\u00fcrlich! Damit habe ich gerechnet!\u00ab<\/p>\n<p>Das ist die eigentliche Tradition des Literaturnobelpreises: nicht die Verleihung selbst, sondern das kollektive Vorgeben, man h\u00e4tte die Entscheidung kommen sehen. Die Akademie hat das perfektioniert \u2013 sie w\u00e4hlt jemanden, den kaum jemand kannte, und alle tun so, als h\u00e4tten sie genau das erwartet.<\/p>\n<p>Und n\u00e4chstes Jahr? Dann steht Murakami wieder auf Platz eins, Can Xue auf Platz zwei, Joyce Carol Oates geht auf ihren 88. Geburtstag zu, die Wettb\u00fcros aktualisieren ihre Quoten, und das Spiel beginnt von vorn. Mit der kleinen Chance, dass diesmal alles ganz anders kommt. M\u00f6gen alle Erw\u00e4hnten noch lange leben!<\/p>\n<p>Manche Traditionen sind zu sch\u00f6n, um sie zu brechen. Der Literaturnobelpreis geh\u00f6rt dazu \u2013 gerade weil er sich selbst nicht so ernst nimmt, wie andere ihn nehmen. Man muss nur abwarten. Bis zum 9. Oktober um 13 Uhr. In Stockholm. Wenn wieder eine T\u00fcr aufgeht.<\/p>\n<p class=\"has-text-align-right\">Siglinde Auberle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Gewinner des Literaturnobelpreises 2025, wie die KI sie sieht (Erstellt mit Gemini) Morgen, am 9. 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