{"id":484408,"date":"2025-10-09T05:21:17","date_gmt":"2025-10-09T05:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484408\/"},"modified":"2025-10-09T05:21:17","modified_gmt":"2025-10-09T05:21:17","slug":"goldpreis-steigt-ueber-4-000-dollar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484408\/","title":{"rendered":"Goldpreis steigt \u00fcber 4.000 Dollar"},"content":{"rendered":"<p>Der Goldpreis hat im Verlauf dieses Jahres bereits Rekordh\u00f6hen erreicht und steigt weiter rasant an. Jetzt hat er die Marke von 4.000 Dollar pro Unze \u00fcberschritten. Damit ist er in diesem Jahr um \u00fcber 50 Prozent gestiegen, alleine im September um zw\u00f6lf Prozent.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/5053e5e0-d976-4d60-81d2-c25dddeb26ba\" style=\"max-height:100%\"\/>Goldbarren in einem Tresor der United States Mint am 22. Juli 2014 in West Point, New York [AP Photo\/Mike Groll]<\/p>\n<p>Der Anstieg des Goldpreises ist ein Anzeichen f\u00fcr die zunehmende Unsicherheit und die Zweifel an der Stabilit\u00e4t des internationalen W\u00e4hrungssystems, das auf dem US-Dollar als globaler Reservew\u00e4hrung basiert. Das Wall Street Journal schrieb dazu, der Goldpreis \u201eist in diesem Jahr st\u00e4rker gestiegen als im Verlauf einiger der gr\u00f6\u00dften Krisen Amerikas\u201c, darunter die Rezession von 2007 bis 2009 und zu Beginn der Pandemie.<\/p>\n<p>Im Juni, als der Anstieg des Goldpreises sich beschleunigte und Gold zum zweitgr\u00f6\u00dften Reservemedium der Zentralbanken nach dem Dollar wurde und damit den Euro verdr\u00e4ngte, bezeichnete die Financial Times Gold als \u201eZuflucht der Welt vor Unsicherheit\u201c und wies auf die weiterreichenden Auswirkungen seines Anstiegs hin.<\/p>\n<p>Sie schrieb, die Goldbarren h\u00e4tten ein \u201efulminantes Comeback erlebt, nicht nur bei Spekulanten und so genannten ,Goldbugs\u2018, die Papierw\u00e4hrungen misstrauen, sondern sogar bei den konservativsten Investoren der Welt\u201c. Weiter hei\u00dft es: \u201eIn einer politisch aufgeheizten Zeit, in der viele der Grundannahmen \u00fcber die Weltwirtschaft in Frage gestellt werden, ist Gold einmal mehr zum Anker geworden.\u201c<\/p>\n<p>In den vier Monaten, seitdem diese Zeilen verfasst wurden, haben sich alle darin beschriebenen Prozesse weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Die zentrale \u201eGrundannahme\u201c, die nicht nur in Frage gestellt, sondern zunehmend unterminiert wird, ist die F\u00e4higkeit des US-amerikanischen Staats und seiner Finanzinstitutionen, eine stabile Grundlage f\u00fcr die internationale W\u00e4hrungsordnung zu bieten \u2013 und zwar auf der Basis des US-Dollars als Fiat-W\u00e4hrung, nachdem US-Pr\u00e4sident Nixon im August 1971 dessen Golddeckung aufgehoben hatte.<\/p>\n<p>Dieser Prozess hat sich w\u00e4hrend Trumps zweiter Amtszeit zwar beschleunigt, war allerdings schon vor seinem Amtsantritt in vollem Gange. Er wurde angeheizt von den anhaltenden Krisen des US-Finanzsystems, die sich am sch\u00e4rfsten in der Finanzkrise von 2008 und dem Einfrieren des Markts f\u00fcr US-Staatsanleihen im M\u00e4rz 2020 \u00e4u\u00dferten, als mehrere Tage lang niemand US-Staatsanleihen kaufen wollte, obwohl diese angeblich die sichersten Finanzanlagen der Welt sind.<\/p>\n<p>Ein zentraler Faktor beim j\u00fcngsten Anstieg des Goldpreises war die Zunahme der US-Staatsschulden, die sich mittlerweile auf \u00fcber 37 Billionen Dollar belaufen. Mehr als zehn Jahre lang konnte der Anstieg der Verschuldung, mit der Kriege, Steuersenkungen f\u00fcr Reiche und Konzerne sowie staatliche Rettungsaktionen finanziert wurden, fast unbemerkt vonstatten gehen, weil die US-Notenbank Federal Reserve die Zinss\u00e4tze auf extrem niedrigem Niveau gehalten hat.<\/p>\n<p>Doch seit Beginn der Zinserh\u00f6hungen im Jahr 2022 belastet die Zinslast die Staatsfinanzen immer st\u00e4rker. Mittlerweile bel\u00e4uft sie sich auf fast eine Billion US-Dollar pro Jahr und d\u00fcrfte sich zum gr\u00f6\u00dften Posten im US-Haushalt entwickeln, der sogar die Milit\u00e4rausgaben \u00fcbertrifft.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass das globale W\u00e4hrungssystem auf der W\u00e4hrung des am st\u00e4rksten verschuldeten Landes der Welt beruht. Die Bonit\u00e4tseinstufung der USA wurde von allen drei gro\u00dfen Ratingagenturen gesenkt und die USA m\u00fcssen sich Geld leihen, um die Zinsen f\u00fcr fr\u00fchere Schulden zu bezahlen.<\/p>\n<p>Die Politik der Trump-Regierung versch\u00e4rft diese tieferliegenden Spannungen im globalen Finanzsystem noch weiter.<\/p>\n<p>Ein schwerer Schlag waren die so genannten \u201ereziproken Z\u00f6lle\u201c am 2. April, mit denen das Trump-Regime die \u00dcberreste des internationalen Handelssystems der Nachkriegszeit zerst\u00f6rt hat. Die Ma\u00dfnahmen, die als \u201eBefreiungstag\u201c bezeichnet wurden, f\u00fchrten zu einem sprunghaften Anstieg der Renditen f\u00fcr Staatsanleihen kombiniert mit einem Wertverlust des Dollars \u2013 ein seltener Vorgang.<\/p>\n<p>Seitdem zeigt sich bei dem \u201eHandelsdeal\u201c mit Japan und den Vorschl\u00e4gen der Trump-Regierung f\u00fcr S\u00fcdkorea, dass die Z\u00f6lle als Druckmittel genutzt werden, um Investitionen von mehreren hundert Milliarden Dollar in den USA zu erzwingen \u2013 und zwar unter direkter Kontrolle der Regierung.<\/p>\n<p>Im Rahmen seiner Agenda, eine personalistische Diktatur zu errichten und in US-Gro\u00dfst\u00e4dten das Kriegsrecht zu verh\u00e4ngen, versucht Trump auch, eine direkte Kontrolle \u00fcber die Federal Reserve zu erlangen. Dies hat Bef\u00fcrchtungen geweckt, dass deren politische Unabh\u00e4ngigkeit faktisch beendet wird, was auf den internationalen M\u00e4rkten Sorgen um die Finanzstabilit\u00e4t und eine zunehmende Flucht in Gold als sicheren Hafen ausgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Der j\u00fcngste Goldpreisanstieg wurde auch durch den Shutdown der US-Regierung beg\u00fcnstigt, den Trump initiiert hat, um Hunderttausende von staatlichen Besch\u00e4ftigten zu entlassen und ganze Beh\u00f6rden aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Mark Sobel, ein ehemaliger Beamter des US-Finanzministeriums, der mittlerweile die US-Gesch\u00e4fte der Denkfabrik Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF) leitet, erkl\u00e4rte im Juni gegen\u00fcber der Financial Times: \u201eDer Anstieg des Goldpreises spiegelt teilweise wider, dass die Regierung jene Eigenschaften untergr\u00e4bt, die die Vorherrschaft des Dollars untermauern.\u201c<\/p>\n<p>Sobel erkl\u00e4rte, der Angriff auf Institutionen wie die Fed und die Gerichte sowie die \u201eDrohung, durch die ,Big Beautiful Bill\u2018 die Schulden und Defizite massiv zu erh\u00f6hen und das unzuverl\u00e4ssige Verhalten gegen\u00fcber unseren Verb\u00fcndeten und Partnern\u201c habe den Status des Dollar untergraben.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_988_7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Andere sind in ihrer Analyse noch weiter gegangen und haben den Wechsel zum Gold als Schritt \u201ezur\u00fcck in die Zukunft\u201c beschrieben. Zu Beginn des j\u00fcngsten Anstiegs Mitte des Jahres erkl\u00e4rte Randy Smallwood, Vorstandschef eines Edelmetallunternehmens, gegen\u00fcber der FT: \u201eEs w\u00fcrde mich nicht \u00fcberraschen, wenn es in 20 Jahren in einer Vorlesung im \u00d6konomiestudium eine Diskussion \u00fcber das 60 Jahre andauernde Experiment mit Fiat-W\u00e4hrungen von 1970 bis 2030 und dessen Scheitern geben wird.\u201c<\/p>\n<p>Fr\u00fcher w\u00e4ren solche \u00c4u\u00dferungen vielleicht als die Ansichten von \u201eGoldbugs\u201c abgetan worden. Heute nicht mehr.<\/p>\n<p>Selbst vor Trumps j\u00fcngsten Ma\u00dfnahmen wurden die Zentralbanken aktiv. In jedem der letzten drei Jahre haben sie mehr als 1.000 Tonnen Gold gekauft und damit ein Rekordniveau erreicht. Der Gro\u00dfteil dieser K\u00e4ufe erfolgte von L\u00e4ndern, die nicht eng mit den USA verb\u00fcndet sind, darunter China, Indien und die T\u00fcrkei. Doch der Aufstieg von Gold zum zweitgr\u00f6\u00dften Reservemedium deutet darauf hin, dass andere Zentralbanken denselben Weg einschlagen.<\/p>\n<p>Der Kurswechsel dehnt sich auch auf den Privatsektor aus, da die Anleger zunehmend in goldgedeckte b\u00f6rsengehandelte Fonds (ETFs) investieren. Laut dem World Gold Council sind im September 13,6 Milliarden Dollar in diese Fonds geflossen, wodurch sich die Gesamtsumme f\u00fcr dieses Jahr auf den Rekordwert von 60 Milliarden Dollar erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Die Bedeutung dieses Kurswechsels zeigt sich in einer Analyse von Morgan Stanley. Der traditionelle Ma\u00dfstab f\u00fcr die Anlagenaufteilung der Investoren liegt bei 60 Prozent der Mittel in Aktien und 40 Prozent in Anleihen. Morgan Stanley schlug jedoch vor, dass die Aufteilung 60\/20\/20 betragen sollte. Das hei\u00dft, Gold sollte das gleiche Gewicht wie Anleihen haben.<\/p>\n<p>Die Unsicherheit hinsichtlich der Finanzlage und der Verschuldung aller gro\u00dfen Volkswirtschaften ist so gro\u00df \u2013 durch die Verschuldung ausgel\u00f6ste Turbulenzen in Frankreich sind ein typisches Beispiel daf\u00fcr \u2013, dass die Abkehr vom Dollar mit zunehmender Unsicherheit gegen\u00fcber anderen W\u00e4hrungen einhergeht. Ein Analyst eines Edelmetall-Handelsunternehmens erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der FT: \u201eDie Leute wollen den Dollar leerverkaufen, sind sich aber nicht ganz sicher, welche W\u00e4hrung sie kaufen sollen \u2013 diese Unsicherheit f\u00fchrt direkt zu Gold.\u201c<\/p>\n<p>Der Goldpreisanstieg mag zun\u00e4chst wie ein blo\u00dfes Marktph\u00e4nomen erscheinen \u2013 Investoren wollen vom Anstieg profitieren, andere wollen eine Absicherung in Zeiten der Unsicherheit und hinzu kommen die Sorgen der Zentralbanken. Doch es geht viel tiefer als das.<\/p>\n<p>Das gesamte Fiat-W\u00e4hrungssystem, das in den letzten mehr als 50 Jahren vorgeherrscht hat \u2013 und damit die Grundlage f\u00fcr das Funktionieren der globalen kapitalistischen Ordnung bildet \u2013 beginnt sich aufzul\u00f6sen. Die wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Folgen werden betr\u00e4chtlich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Goldpreis hat im Verlauf dieses Jahres bereits Rekordh\u00f6hen erreicht und steigt weiter rasant an. 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