{"id":484422,"date":"2025-10-09T05:26:10","date_gmt":"2025-10-09T05:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484422\/"},"modified":"2025-10-09T05:26:10","modified_gmt":"2025-10-09T05:26:10","slug":"oesterreich-riskiert-wegen-raiffeisen-boeses-blut-in-der-eu-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484422\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreich riskiert wegen Raiffeisen b\u00f6ses Blut in der EU \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>18 Sanktionspakete hat die EU seit dem \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 geschn\u00fcrt. Nicht immer ging das reibungslos \u00fcber die B\u00fchne. Immer wieder wird ihre Wirkung in Frage gestellt. Doch niemand w\u00fcrde ernsthaft behaupten, dass Moskau in seiner Kriegsf\u00fchrung durch die Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4er nicht beeintr\u00e4chtigt werde.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich hat die Strafma\u00dfnahmen bisher stets ohne gr\u00f6bere Einw\u00e4nde mitgetragen. Doch wenn es um den Raiffeisenkonzern geht, scheint im Bundeskanzleramt eine rote Linie erreicht zu sein. Die Verhandlungen der EU-Botschafter \u00fcber das 19. Paket, welches unter anderem dringende Ma\u00dfnahmen gegen die russische Schattenflotte von \u00d6ltankern und Werkzeuge gegen die Umgehung bestehender Sanktionen enth\u00e4lt, gingen am Mittwochabend ergebnislos zu Ende. Der Grund daf\u00fcr: der hartn\u00e4ckige Wunsch \u00d6sterreichs, f\u00fcr den Kreml-Intimus Oleg Deripaska, der vor gar nicht allzu langer Zeit noch in Wien gern gesehener Investor und Gesch\u00e4ftspartner war, eine kleine Ausnahme im Sanktionenregime zu machen.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-1\" class=\"anchor\"\/>Wenn der Kreml westliche Firmen erpresst<\/p>\n<p>Genauer gesagt: eine 2,1 Milliarden Euro kleine Ausnahme.<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/20163980\/eu-will-russischen-oligarch-ex-strabag-eigentuemer-und-raiffeisen-von\" target=\"_self\" rel=\"noopener\"> Wie berichtet<\/a>, h\u00e4lt ein Investmentvehikel namens Rasperia 24,1 Prozent am Baukonzern Strabag. Wem die Rasperia geh\u00f6rt, wei\u00df die Finanzmarktaufsicht trotz Nachfrage offiziell nicht. Die Spatzen pfeifen es nat\u00fcrlich von allen D\u00e4chern rund um den Ballhausplatz: Deripaska ist der Letztbeg\u00fcnstigte dieser Firma. Blo\u00df bringt ihm diese goldene Gans nichts ein, seit er 2022 auf die EU-Sanktionenliste kam. Verm\u00f6genssperre und Einreiseverbot waren die Folge.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versucht die Raiffeisen Bank International, ihre eigene einst massiv goldene Gans m\u00f6glichst ungeschr\u00f6pft aus Russland zu bringen. Die Europ\u00e4ische Zentralbank hat ihr aufgetragen, sich im Lichte der Sanktionenpolitik der EU aus dem russischen Gesch\u00e4ft zur\u00fcckzuziehen. Daran hindert sie allerdings der Kreml. Denn neben der italienischen UniCredit ist die RBI die letzte westliche Bank, die noch in Russland ist, und Zugang zum Finanznachrichtensystem Swift hat. Von dem sind die meisten gro\u00dfen russischen Banken abgekoppelt.<\/p>\n<p>Russland nutzt die Pr\u00e4senz der RBI im eigenen Land aber auch als Mittel der Erpressung, um Deripaskas eingefrorenes Verm\u00f6gen und seine Fr\u00fcchte aus \u00d6sterreich nach Russland zu bringen. Die f\u00fcr ihre politische Unabh\u00e4ngigkeit weltber\u00fchmte russische Justiz hat Raiffeisen Russland zu einer dubiosen Geldbu\u00dfe verdonnert \u2013 und die rund 2,1 Milliarden Euro, die dem Strabag-Aktienpaket von Deripaska entsprechen, praktischerweise gleich von ihrem Korrespondenzkonto bei der russischen Zentralbank abgebucht.<\/p>\n<p>Um diese Geldstrafe geht es nun im Ringen um das 19. Sanktionenpaket. Die Republik wirft sich f\u00fcr den Raiffeisenkonzern in die Bresche, und versucht, eine auf Deripaska ma\u00dfgeschneiderte Ausnahme vom Einfrieren sanktionierter Verm\u00f6genswerte zu erzwingen. Rasperia soll die Strabag-Aktien an die RBI verkaufen, und den Erl\u00f6s nach Russland transferieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-2\" class=\"anchor\"\/>\u201e\u00d6sterreich wie Bittsteller Raiffeisens\u201c<\/p>\n<p>Dieses Ansinnen wird au\u00dferhalb \u00d6sterreichs (und vielleicht des derzeit kremltreu regierten Ungarns) mit Kopfsch\u00fctteln quittiert. \u201eEs macht den Anschein, als w\u00fcrde die \u00f6sterreichische Regierung als Bittsteller Raiffeisens agieren\u201c, sagte mir ein Diplomat aus einem EU-Staat am Mittwochabend, w\u00e4hrend die Botschafter \u00fcber dem 19. Sanktionenpaket br\u00fcteten. \u201eUnd es scheint ihr nicht bewusst zu sein, dass das einen \u00fcblen Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr Russland schafft.\u201c Eine Diplomatin eines anderen Mitgliedstaates war noch kritischer: \u201eEs ist entt\u00e4uschend zu sehen, dass \u00d6sterreich die Versuche von Unternehmen unterst\u00fctzt, aus dem Krieg gegen die Ukraine Gewinn zu schlagen.\u201c<\/p>\n<p>Diesen Vorwurf w\u00fcrde sowohl das Kanzleramt, als auch die RBI-F\u00fchrung emp\u00f6rt zur\u00fcckweisen. Zweifellos hat die Bank in Russland ihre liebe Not, und w\u00fcrde ihr dortiges Gesch\u00e4ft liebend gerne heute statt morgen einstellen.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert aber nichts an dem Umstand, dass Russland \u00fcber Jahre hinweg die Cash Cow des Konzerns war. Noch zu einer Zeit, als Moskau bereits eine ebenso perfide wie blutige schrittweise Invasion der Ukraine ab 2014 vorantrieb, und offen feindselig gegen\u00fcber Europa auftrat, sp\u00fclte die russische Tochter Milliarden in die RBI-Konzernbilanz.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-3\" class=\"anchor\"\/>Unternehmerisches Risiko<\/p>\n<p>Das Blatt hat sich gewendet. Unternehmerisches Risiko nennt man so etwas. Hoch gepokert, lange gewonnen, nun in N\u00f6ten. Wieso sollte die Union ihre Sanktionspolitik lockern, um einen privaten Finanzkonzern f\u00fcr die strategische Fehlentscheidung schadlos zu stellen, nicht fr\u00fcher aus dem klar totalit\u00e4ren Staat Wladimir Putins gegangen zu sein? Andere Banken haben das schlie\u00dflich auch geschafft.<\/p>\n<p>Am Freitag werden die EU-Botschafter in Br\u00fcssel erneut \u00fcber diese Frage verhandeln. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass \u00d6sterreich mit seiner impliziten Vetodrohung durchkommt. Es ist schlie\u00dflich besser, rasch ein Sanktionspaket mit einem Loch f\u00fcr Deripaska zu beschlie\u00dfen, als sich auf keines einigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viele neue Freunde hat sich die Republik mit dieser Aktion allerdings nicht gemacht. Und Freunde in der EU kann ein wirtschaftlich angeschlagenes Land, das schwer verschuldet ist und um den Erhalt seines Wohlstandsmodells bangen muss, dringend brauchen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"18 Sanktionspakete hat die EU seit dem \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 geschn\u00fcrt. 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