{"id":484931,"date":"2025-10-09T10:09:20","date_gmt":"2025-10-09T10:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484931\/"},"modified":"2025-10-09T10:09:20","modified_gmt":"2025-10-09T10:09:20","slug":"nobelpreis-fuer-chemie-omar-yaghi-machte-das-forschungsfeld-gross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/484931\/","title":{"rendered":"Nobelpreis f\u00fcr Chemie: Omar Yaghi machte das Forschungsfeld gro\u00df"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2025-10\/chemie-nobelpreis-susumu-kitagawa-richard-robson-omar-yaghi-molekuelstrukturen\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2025-10\/chemie-nobelpreis-susumu-kitagawa-richard-robson-omar-yaghi-molekuelstrukturen\" data-ct-label=\"1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 1Hiermit rettet sich der Mensch vielleicht ein wenig vor sich selbst<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 2Omar Yaghi machte das Forschungsfeld gro\u00df<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Omar Yaghi war dann jener Forscher, der das Feld bekannt machte und mit seiner kreativen Art, sagt Bettina Lotsch, vorantrieb. &#8222;Er hat die MOFs salonf\u00e4hig gemacht und immer wieder ihre verbl\u00fcffende chemische und strukturelle Vielfalt gezeigt.&#8220; Yaghi war der Erste, der den MOFs auch ihren Namen gab, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/378703a0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einem Paper im Fachmagazin Nature<\/a> von 1995. Und er probierte immer neue Wege aus, um die Gitterstrukturen weiterzuentwickeln, und belegte dabei immer neue, beeindruckende Eigenschaften.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mit seiner Arbeitsgruppe bewies er etwa, dass die Hohlr\u00e4ume dieser Ger\u00fcste eine gigantische innere Oberfl\u00e4che bilden, die sich chemisch nutzen l\u00e4sst (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1021\/ja981669x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Journal of the American Chemical Society: Yaghi et al., 1998<\/a>). Ein Gramm von Yaghis Material ist so aufgebaut, dass die Oberfl\u00e4che im Innern des gesamten Gitters so gro\u00df ist wie ein Fu\u00dfballfeld \u2013 in einigen F\u00e4llen sogar gr\u00f6\u00dfer. Oberfl\u00e4chen, die beispielsweise chemische Prozesse beschleunigen, also als Katalysator wirken.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">MOFs sind, so erkl\u00e4rt es Lotsch, das Lego der Chemiker. &#8222;Der Nobelpreis f\u00fcr diese Forscher ist absolut verdient und kam f\u00fcr uns in diesem Forschungsfeld wenig \u00fcberraschend.&#8220;\n<\/p>\n<p>        Filter f\u00fcr CO\u2082, Wasser oder PFAS        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mittlerweile dreht sich alles darum, wie man die MOFs aktiv nutzen kann. Echte technische Anwendungen seien in der Anlaufphase, erz\u00e4hlt die Chemikerin Constanze Neumann, die am Max-Planck-Institut f\u00fcr Kohlenforschung die Arbeitsgruppe Katalyse mit metallorganischen Ger\u00fcsten und Nanopartikeln leitet.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Unternehmen wie BASF stellen heute schon MOFs in gro\u00dfen Mengen her, mehrere Start-ups weltweit arbeiten an der Umsetzung von Technologien, die auf MOFs basieren. So will etwa ein kanadisches Start-up mithilfe der Kristallgitter CO\u2082 aus Industrieabgasen filtern. Zwar ist die Abscheidung des Treibhausgases heute schon m\u00f6glich, sie ist aber zum einen sehr energieintensiv und andererseits oft aus \u00f6kologischer Sicht nicht ideal.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bisher sei es noch schwierig, Gase von Gasen zu trennen, sagt die Chemikerin Neumann. Deutlich komplexer als bei festen oder fl\u00fcssigen Stoffen. Hier verbergen sich nun aber weitere MOF-M\u00f6glichkeiten: Etwa, um reinen Sauerstoff aus der Luft zu gewinnen, der in Industrie oder in der Medizin genutzt wird. Daf\u00fcr muss er vor allem vom Stickstoff und anderen Gasen getrennt werden. Bisher arbeitet man bei der Trennung von Gasen mithilfe von Destillation \u2013 was sehr energieaufwendig ist.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">M\u00f6glich w\u00e4re es auch, Schadstoffe aus der Umwelt zu filtern, die dort nicht hingeh\u00f6ren. Im Fall der Ewigkeitschemikalien PFAS w\u00e4re das dringend n\u00f6tig. Sie gelangen seit Jahrzehnten \u00fcber die Chemieindustrie, Alltagsgegenst\u00e4nde oder L\u00f6schsch\u00e4ume in die Natur und sind teilweise sehr umwelt- und gesundheitssch\u00e4dlich.\n<\/p>\n<p>        Trinkwasser aus der Luft        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bei alledem k\u00f6nnten MOFs Verwendung finden und gleichzeitig helfen sie dabei, Anwendungen nachhaltiger zu machen. Ein Aspekt, der Omar Yaghi besonders wichtig sei, sagt Bettina Lotsch im Gespr\u00e4ch mit der ZEIT.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Yaghi interessiere sich unter anderem f\u00fcr die Trinkwassergewinnung. Aber nicht aus dem Grundwasser oder dem Meer, sondern einfach aus der Luft. Das Prinzip dahinter: nachts und bei k\u00fchleren Temperaturen nehmen MOFs Wasser aus der Luft auf. Tags\u00fcber kann das Wasser durch Solarenergie wieder aus ihren Poren herausgeholt werden. Gerade in Regionen, in denen Menschen keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser haben, er\u00f6ffnet das neue M\u00f6glichkeiten.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Jahr 2021 gr\u00fcndete Yaghi ein Start-up, das seine Wasserabscheidetechnologie vorantreibt. Vielleicht hat dazu auch seine eigene Lebensgeschichte beigetragen. Aufgewachsen ist er in Jordanien \u2013 einem der wasser\u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt \u2013 als Kind einer pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingsfamilie. Oft gab es weder Strom noch flie\u00dfend Wasser. In einem Telefonat mit dem Nobelkomitee nach Bekanntwerden seiner Auszeichnung erz\u00e4hlt er von seiner Jugend in &#8222;sehr bescheidenen Verh\u00e4ltnissen&#8220;. &#8222;Wir waren zu zw\u00f6lft in einem kleinen Raum untergebracht, den wir uns mit dem Vieh teilten. Meine Eltern konnten kaum lesen oder schreiben.&#8220; Mit 15 schaffte es seine Familie, ihn in die USA zu schicken, wo er Chemie studierte und anschlie\u00dfend eine bemerkenswerte Karriere als Forscher begann.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">MOF-Anwendungen im gro\u00dfen Stil sind noch ein Zukunftstraum. Selbst in der Medizin k\u00f6nnten die Ger\u00fcstverbindungen eines Tages Medikamente pr\u00e4ziser machen. Susumu Kitagawa, der Nobelpreistr\u00e4ger, der am Mittwoch live in die Nobelpreis-Pressekonferenz geschaltet war, stellte dann auch noch eine weitere Vision vor: Er m\u00f6chte gerne Luft in seine Bestandteile spalten k\u00f6nnen \u2013 und daraus erneuerbare Energie herstellen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Der Vorwurf war lange, dass die Stabilit\u00e4t von MOFs zu gering und ihr Preis zu hoch ist, um sich gegen bestehende Verfahren durchzusetzen&#8220;, sagt Constanze Neumann. Das ver\u00e4ndert sich gerade. MOFs r\u00fccken immer n\u00e4her an die Anwendung. Vielleicht habe es auch deshalb dieses Jahr den Nobelpreis gegeben, sagt Neumann. &#8222;Jetzt hebt die Technologie ab.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Hiermit rettet sich der Mensch vielleicht ein wenig vor sich selbst&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":483155,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,12700,29,214,30,952,1794,57443,121884,215,591],"class_list":{"0":"post-484931","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-co2","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-klimawandel","14":"tag-kunst-und-design","15":"tag-nobelpreis","16":"tag-nobelpreis-fuer-chemie","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-wissen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115343665772467913","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/484931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=484931"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/484931\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/483155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=484931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=484931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=484931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}