{"id":485150,"date":"2025-10-09T12:13:18","date_gmt":"2025-10-09T12:13:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/485150\/"},"modified":"2025-10-09T12:13:18","modified_gmt":"2025-10-09T12:13:18","slug":"digital-waehlen-mehr-teilhabe-fuer-alle-warum-es-in-deutschland-noch-nicht-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/485150\/","title":{"rendered":"Digital w\u00e4hlen \u2013 mehr Teilhabe f\u00fcr alle? Warum es in Deutschland (noch) nicht geht"},"content":{"rendered":"<p>Digital w\u00e4hlen w\u00e4re viel inklusiver und entlastend \u2013 wieso ist das in Deutschland noch nicht m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Ein Sonntag in Deutschland: In vielen Haushalten machen sich Menschen f\u00fcr einen kleinen Spaziergang fertig. Ihr Ziel ist die n\u00e4chste Grundschule, Turnhalle oder das B\u00fcrgerb\u00fcro. Dort setzen sie auf einem gro\u00dfen Papier zwischen Pappaufstellern zwei Kreuzchen. Nach Schlie\u00dfung des Wahllokals z\u00e4hlen Hunderte Ehrenamtliche die Stimmen dann per Hand aus.<\/p>\n<p>Das klingt nach einem Prozess aus dem letzten Jahrhundert. Aber nein, es ist 2025 und immer noch l\u00e4uft jede Bundestags- und Kommunalwahl so oder so \u00e4hnlich ab. Wieso sind wir nicht l\u00e4ngst an dem Punkt, digital zu w\u00e4hlen? Liegt Deutschland technisch gesehen so weit zur\u00fcck? Oder gibt es andere Gr\u00fcnde?<\/p>\n<p>Warum digitale Wahlen Vorteile bringen<\/p>\n<p>In der Theorie klingt das digitale W\u00e4hlen einfach und vorteilhaft. Einerseits k\u00f6nnte die H\u00fcrde, \u00fcberhaupt w\u00e4hlen zu gehen, kleiner werden. In einer aktuellen, repr\u00e4sentativen <a href=\"https:\/\/www.bitkom.org\/Presse\/Presseinformation\/Knapp-Haelfte-Nichtwaehler-wuerde-online-waehlen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Befragung <\/a>im Auftrag des Digitalverbands Bitkom sagten 45 Prozent der Menschen, die eigentlich nicht w\u00e4hlen wollten, dass sie doch ihre Stimme abgeben w\u00fcrden, wenn dies digital von zu Hause aus m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Wahlbeteiligung w\u00fcrde also vermutlich steigen \u2013 und genau das ist das Ziel von Bund, L\u00e4ndern und Kommunen. Schlie\u00dflich gilt: Je mehr Menschen teilnehmen, desto st\u00e4rker ist die Demokratie.<\/p>\n<p>Auch Menschen mit deutschem Pass, die im Ausland leben, k\u00f6nnten einfacher w\u00e4hlen. Das gilt ebenso f\u00fcr Personen, die aus k\u00f6rperlichen Gr\u00fcnden nicht ins Wahllokal gehen k\u00f6nnen. Eine Online-Wahl w\u00e4re also deutlich inklusiver.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Auswertung schneller und mit weniger Personal erfolgen k\u00f6nnte. Es w\u00fcrden weniger Ehrenamtliche ben\u00f6tigt und auch Papier w\u00fcrde eingespart \u2013 die Wahl w\u00e4re ressourcenschonender.<\/p>\n<p>Risiken und Herausforderungen digitaler Wahlen<\/p>\n<p>Das klingt \u00fcberzeugend, oder? Doch warum wird das in Deutschland und anderen L\u00e4ndern bisher nicht umgesetzt? Die Antwort ist einfach: Online-Wahlen sind riskanter und in Deutschland zudem rechtlich nicht m\u00f6glich. Digitale Wahlverfahren sind deutlich anf\u00e4lliger f\u00fcr Hackerangriffe. Daten k\u00f6nnten gestohlen oder sogar manipuliert werden.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Bei einer Online-Wahl in Ontario, Kanada, zeigte sich, wie gro\u00df das <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Online-Wahlen-in-Ontario-Hohes-Risiko-von-Wahlbetrug-10711514.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Risiko <\/a>ist. Bis heute l\u00e4sst sich nicht mit Sicherheit sagen, ob es zu Manipulationen gekommen ist. Die Stimmabgabe-Webseiten waren nicht ausreichend gesch\u00fctzt. So h\u00e4tte etwa die Reihenfolge der Kandidierenden ver\u00e4ndert und Stimmen an die falschen Personen geleitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich erhielten B\u00fcrger:innen pers\u00f6nliche Briefe mit Codes zur Registrierung. Diese Briefe konnten abgefangen werden. Gerade in Kanada, wo oft Gemeinschaftspostk\u00e4sten genutzt werden, war das ein Problem. Zumal die Umschl\u00e4ge klar als staatliche Post erkennbar waren.<\/p>\n<p>In Estland l\u00e4uft es etwas sicherer. Dort wird seit 2005 digital gew\u00e4hlt, wobei die Wahl ins Wahllokal weiterhin m\u00f6glich ist. Zur Online-Abstimmung l\u00e4dt man eine gesch\u00fctzte Software herunter und weist sich mit der ID aus. Dadurch wird Wahlbetrug deutlich erschwert. Bisher gab es jedoch kaum Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung. Nun versucht Estland, vor allem junge Menschen \u00fcber die M\u00f6glichkeit der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/europawahl\/wahl\/estland-e-voting-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stimmabgabe per Handy<\/a> zu erreichen. Wann das startet, ist noch offen.<\/p>\n<p>Warum Deutschland noch nicht digital w\u00e4hlt<\/p>\n<p>Deutschland wird diesem Beispiel jedoch nicht folgen. Ein Grundsatz unseres Wahlsystems ist, dass Wahlen so \u00f6ffentlich wie m\u00f6glich stattfinden. Bei einer Online-Wahl w\u00e4re eine \u00f6ffentliche Ausz\u00e4hlung nicht gew\u00e4hrleistet. Selbst wenn die Technik bereitst\u00fcnde, m\u00fcsste auch das Wahlrecht ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Beides ist derzeit nicht in Sicht. Also werden wir in Deutschland wohl noch einige Jahre lang entweder zur Wahlurne spazieren oder Briefwahl beantragen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Digital w\u00e4hlen w\u00e4re viel inklusiver und entlastend \u2013 wieso ist das in Deutschland noch nicht m\u00f6glich? 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