{"id":48565,"date":"2025-04-21T04:08:24","date_gmt":"2025-04-21T04:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48565\/"},"modified":"2025-04-21T04:08:24","modified_gmt":"2025-04-21T04:08:24","slug":"chinesische-investoren-in-grossbritannien-der-verdacht-der-sabotage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48565\/","title":{"rendered":"Chinesische Investoren in Gro\u00dfbritannien: Der Verdacht der Sabotage"},"content":{"rendered":"<p>Sollte das letzte der gro\u00dfen britischen Stahlwerke im nordenglischen Scunthorpe von China gezielt in den Abgrund gesteuert werden? Der Verdacht h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig \u2013 zum Kummer der Regierung, der an guten Beziehungen zu Peking gelegen ist.<\/p>\n<p>Mit M\u00fche sucht die britische Regierung die politischen Wogen zu gl\u00e4tten, die das Ringen um das letzte britische Stahlwerk Scunthorpe geschlagen hat.<\/p>\n<p>Den chinesischen Besitzern des Werks wird vorgeworfen, mit einer wom\u00f6glich von <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/China\" title=\"China\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">China<\/a> gesteuerten Sabotageaktion die Stahlindustrie des Vereinigten K\u00f6nigreichs zugrunde richten zu wollen. Die chinesische Regierung hatte London in diesem Zusammenhang gemahnt, den Streit um Scunthorpe \u201enicht zu politisieren\u201c, weil sich chinesische Investoren sonst fragen w\u00fcrden, ob sie ihr Geld weiter in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Gro%C3%9Fbritannien\" title=\"Gro\u00dfbritannien\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfbritannien<\/a> anlegen sollten.<\/p>\n<p>Allerdings hatte der britische Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds selbst eine Sabotage nicht ausgeschlossen. Er w\u00fcrde Firmen mit Verbindungen zu Peking jedenfalls lieber von \u201esensitiven\u201c Bereichen der britischen Industrie ausschlie\u00dfen, sagte Reynolds: \u201eIch pers\u00f6nlich w\u00fcrde kein chinesisches Unternehmen f\u00fcr unsere Stahlproduktion zulassen.\u201c<\/p>\n<p>Die Hoch\u00f6fen drohten zu erkalten  <\/p>\n<p>Dagegen wollen Premierminister Sir Keir Starmer und Finanzministerin Rachel Reeves den Konflikt mit China herunterspielen. Weder sei man sich eines Sabotageaktes bewusst, noch seien zus\u00e4tzliche neue Restriktionen geplant, hie\u00df es aus der Regierungszentrale in Downing Street.<\/p>\n<p>Seit Monaten schon versuchen Starmer und Reeves um des britischen Wirtschaftswachstums willens mehr chinesische Investitionen ins Land zu ziehen und das Verh\u00e4ltnis zu China zu verbessern. Mehrere britische Minister und Staatssekret\u00e4re hatten China Besuche abgestattet \u2013 bevor Scunthorpe zum Problem wurde. <\/p>\n<p>Ende voriger Woche n\u00e4mlich sah sich Starmers Regierung pl\u00f6tzlich gezwungen, per Notstands-Gesetzgebung die Kontrolle \u00fcber das Stahlwerk mit den beiden letzten Hoch\u00f6fen im Land zu \u00fcbernehmen, um deren unverz\u00fcgliche Abschaltung zu verhindern. In einer Sondersitzung des aus den Osterferien zur\u00fcckbeorderten Parlaments nahm die Regierung den chinesischen Eigent\u00fcmern, der Jingye Group, das Werk praktisch aus der Hand.<\/p>\n<p>Grund daf\u00fcr war, dass die Jingye-Manager erkl\u00e4rt hatten, sie m\u00fcssten Scunthorpe bereits in dieser Woche aufgeben und die Hoch\u00f6fen erkalten lassen. Eine erneute Inbetriebnahme w\u00e4re dann nahezu unm\u00f6glich geworden. Um das zu verhindern, hatte London in verzweifelten Verhandlungen eine halbe Milliarde Pfund (etwa 584\u2009000 Euro) als \u00dcberbr\u00fcckungshilfe zum Erhalt des Werks angeboten. Dieses Angebot schlug die chinesische Konzernleitung aber k\u00fchl aus. <\/p>\n<p>Wie sich herausstellte, hatte das Jingye-Management das Ende Scunthorpes bereits eingeleitet. Man hatte den Ankauf des unmittelbar erforderlichen Nachschubs an Kokskohle und an Eisenpellets schlicht unterlassen und vorhandene Reserven in aller Stille verkauft, womit Material zum weiteren Betrieb des Werks nicht zur Verf\u00fcgung stand. <\/p>\n<p>\u201eDie gezielte Entscheidung, nicht nur kein Rohmaterial mehr zu bestellen, sondern auch bestehende Vorr\u00e4te zu verkaufen\u201c, habe die britische Regierung zu ihrer Eilaktion am Wochenende gezwungen, erkl\u00e4rte Minister Reynolds dazu. Man k\u00f6nnte auch von einer Panikreaktion sprechen. Ausgerechnet das Ursprungsland der industriellen Revolution h\u00e4tte \u00fcber Nacht den Rest seiner einstmals stolzen Stahlindustrie verloren. Gro\u00dfbritannien w\u00e4re damit das einzige Land unter den Industrienationen der G7 ohne eigene Stahlproduktion geworden.<\/p>\n<p> Die Rechtspopulisten profitieren <\/p>\n<p>Viele Briten beschuldigten die chinesische Regierung denn auch schnell \u00fcbler Machenschaften. Er sei sich \u201ezu hundert Prozent sicher\u201c, dass die Jingye Group das Werk auf Gehei\u00df der chinesischen Regierung nur erworben habe, um den Betrieb dort einzustellen, erkl\u00e4rte etwa Nigel Farage, der Vorsitzende der Reform UK \u2013 laut Umfragen inzwischen die popul\u00e4rste britische Partei.<\/p>\n<p>Auf diese Anschuldigungen hin entgegnete ein Sprecher des chinesischen Au\u00dfenministeriums, London solle sich h\u00fcten, betriebswirtschaftliche Entscheidungen einzelner Firmen zu Fragen der Politik und nationalen Sicherheit zu \u00fcberh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Unterdessen m\u00fchte man sich in London, die dringend ben\u00f6tige Menge Kokskohle und Eisenpellets so schnell wie m\u00f6glich nach Scunthorpe zu bef\u00f6rdern. Erst am Dienstag zeigte man sich zuversichtlich, genug Material f\u00fcr einen Weiterbetrieb zu haben. Nach Ostern wird Starmers Regierung entscheiden m\u00fcssen, ob das Stahlwerk vollst\u00e4ndig verstaatlicht wird. Skeptiker bef\u00fcrchten, dass es, bei jetzt schon 700\u200a000 Pfund (etwa 818\u2009000 Euro) Verlusten am Tag, vom Staat langfristig nicht am Laufen gehalten werden kann.<\/p>\n<p>Gestritten wird auch dar\u00fcber, wie eine \u201egr\u00fcne\u201c \u2013 also klimaneutrale \u2013 Stahlproduktion im Vereinigten K\u00f6nigreich aussehen k\u00f6nnte. Auf der politischen Rechten macht man entsprechende \u201ekostspielige\u201c Umwandlungspl\u00e4ne schon jetzt f\u00fcr die Krise der heimischen Stahlindustrie verantwortlich.<\/p>\n<p>Die meisten Experten verweisen aber darauf, dass die britische Stahlindustrie seit den Siebzigerjahren im Niedergang begriffen ist, woran unter anderem die \u00fcberproportionale Abh\u00e4ngigkeit Gro\u00dfbritanniens von Gas und Gaspreisen schuld sei. Ein massiver Ausbau klimafreundlicher Energieanlagen wie Windparks und Solaranlagen dagegen w\u00fcrden auch die Stahlproduktion k\u00fcnftig krisenfester machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sollte das letzte der gro\u00dfen britischen Stahlwerke im nordenglischen Scunthorpe von China gezielt in den Abgrund gesteuert werden?&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35816,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,227,551,13,1376,14,15,12,18901,18900,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-48565","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-china","11":"tag-grossbritannien","12":"tag-headlines","13":"tag-investoren","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-scunthorpe","18":"tag-stahlwerke","19":"tag-uk","20":"tag-united-kingdom","21":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","22":"tag-vereinigtes-koenigreich","23":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","24":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114373990993312772","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48565\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35816"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}