{"id":486191,"date":"2025-10-09T21:31:24","date_gmt":"2025-10-09T21:31:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/486191\/"},"modified":"2025-10-09T21:31:24","modified_gmt":"2025-10-09T21:31:24","slug":"nord-stream-sabotage-und-der-lange-schatten-ueber-selenskyj","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/486191\/","title":{"rendered":"Nord-Stream-Sabotage und der lange Schatten \u00fcber Selenskyj"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Als im Herbst 2022 die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee explodierten, schien der Schuldige klar: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a>, so die naheliegende Vermutung f\u00fcr deutsche Medien. Doch drei Jahre sp\u00e4ter verdichten sich die Zeichen in eine v\u00f6llig entgegengesetzte Richtung \u2013 auf die Ukraine, genauer: auf ihren einstigen Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj. Der Verdacht: Der in Kiew \u00fcberaus popul\u00e4re Kriegsheld habe die Sprengung der europ\u00e4isch-russischen Energieader angeordnet. Dar\u00fcber berichtete unter anderem die Zeitung <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus68bd709072019652f128cfcc\/Nord-Stream-Mutmasslicher-Nord-Stream-Sprenger-wird-in-der-Haft-James-Bond-genannt.html\">Welt<\/a>, die sich auf deutsche Ermittlerkreise beruft.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Vorw\u00fcrfe sind gewaltig. Und sie treffen eine der schillerndsten Figuren der ukrainischen Politik: Saluschnyj, einst oberster ukrainischer Armeechef, ist inzwischen Botschafter in London. Nach Recherchen mehrerer Medien soll eine aus der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a> stammende Gruppe die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines 2022 ausgef\u00fchrt haben. Demnach wird berichtet, die Sabotagegruppe habe auf Anweisung Saluschnyjs gehandelt.<\/p>\n<p>Ukraine: Selenskyj steht innenpolitisch unter Druck<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bislang st\u00fctzen sich die Anschuldigungen auf eine Mischung aus anonymen Quellen, Indizien und journalistischen Leaks. Bundespolizei und Bundeskriminalamt wollen Beweise gesammelt haben, dass eine kleine, erfahrene Sabotageeinheit mit einer gecharterten Segeljacht Sprengstoff nahe Bornholm deponierte. Doch schon hier beginnt das R\u00e4tsel: Die Welt berichtet von Sicherheitskreisen, die selbst die Jacht-These f\u00fcr \u201ezu sauber\u201c, zu perfekt konstruiert halten. Sie riecht, so sagen einige, nach einer Geschichte, die jemand bewusst in die Welt gesetzt hat, um Ermittlungen in eine bestimmte Richtung zu lenken.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In dieses Vakuum der Narrativhoheit dr\u00e4ngen nun politische Interessen. Der Zeitpunkt der j\u00fcngsten Enth\u00fcllungen ist bemerkenswert: Saluschnyj gilt seit seiner Entlassung vor fast zwei Jahren als popul\u00e4rster Rivale von Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/wolodymyr-selenskyj\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wolodymyr Selenskyj.<\/a> Umfragen bescheinigen ihm h\u00f6here Vertrauenswerte als dem Amtsinhaber, und Berichte britischer und franz\u00f6sischer Zeitungen deuten darauf hin, dass er offen \u00fcber ein m\u00f6gliches politisches Comeback nachdenkt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Selenskyj wiederum versucht auch im 31. Monat seit Kriegsbeginn, den nationalen Schulterschluss zu wahren. Doch der Pr\u00e4sident steht nicht nur aufgrund des langsamen Vorr\u00fcckens der russischen Armee unter gro\u00dfem Druck. Seine Beliebtheitswerte im Inland sinken stetig; die Korruptionsaff\u00e4re in der Ukraine vor wenigen Wochen sorgte f\u00fcr zus\u00e4tzliche Kratzer in der ukrainischen Innenpolitik.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Braut sich da angesichts der f\u00fcr die Ukraine prek\u00e4ren innen- und au\u00dfenpolitischen Lage ein gef\u00e4hrliches Gemisch zusammen? Die Ermittlungen, die sich in einer Schattenzone zwischen Justiz, Geheimdiensten und Politik bewegen, k\u00f6nnen rasch zum Instrument werden, um Rivalen und potenzielle Kontrahenten zu diskreditieren. Andererseits w\u00fcrde sich auch Selenskyj in Gefahr begeben, wenn er einen hoch angesehenen Ex-General ohne solide Beweise \u00f6ffentlich zu Fall bringen will. Ein solcher Schritt w\u00fcrde nicht nur unter den Alliierten im Westen als autorit\u00e4r gelesen, sondern k\u00f6nnte auch die fragile Einheitsfront in der kriegsgebeutelten ukrainischen Gesellschaft weiter besch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Nord Stream: Vorw\u00fcrfe gegen Saluschnyj sind schwerwiegend<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Hinzu kommt: Noch hat keine westliche Regierung, kein Geheimdienst und keine unabh\u00e4ngige Untersuchung die These best\u00e4tigt, Saluschnyj habe den Anschlag befohlen. Die bisherigen Hinweise belegen allenfalls, dass einzelne Ukrainer beteiligt gewesen sein sollen \u2013 h\u00f6chstwahrscheinlich im staatlichen Auftrag, aber auch da blockiert die Regierung in Kiew jedwede Ermittlungen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Fall Saluschnyj steht damit exemplarisch f\u00fcr den Zustand der ukrainischen Politik, die sich derzeit zwischen der Verteidigung des eigenen Landes und einer wachsenden politischen Nervosit\u00e4t wiederfindet. Dass ausgerechnet einer der erfolgreichsten Milit\u00e4rs des Landes nun zum Gegenstand internationaler Ermittlungen und innenpolitischer Ger\u00fcchte wird, zeigt, wie d\u00fcnn die Linie zwischen Loyalit\u00e4t und rigorosem Machtkampf verl\u00e4uft.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Erstmals r\u00fcckte Saluschnyj im August 2024 ins Zentrum der Ermittlungen. Ein Bericht des Wall Street Journal\u00a0zeichnete nach, dass eine sechsk\u00f6pfige ukrainische Gruppe am 26. September 2022 die Nord-Stream-Pipelines sabotiert habe. Demnach sei der Plan zun\u00e4chst von Pr\u00e4sident Selenskyj gebilligt, sp\u00e4ter jedoch gestoppt worden \u2013 Saluschnyj habe die Operation dennoch fortgef\u00fchrt. Der ehemalige Oberbefehlshaber bestreitet jede Kenntnis. Bereits im November 2023 hatte die Washington Post den ukrainischen Oberst Roman Tscherwinskyj\u00a0als logistischen Koordinator der Kommandogruppe \u201eAndromeda\u201c identifiziert und auf eine Befehlskette verwiesen, die \u201eletztlich\u201c zu Saluschnyj gef\u00fchrt habe. Auch diese Darstellung wies Kiew entschieden zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Vorw\u00fcrfe gegen Saluschnyj sind schwerwiegend und verdienen eine volle, unabh\u00e4ngige Aufkl\u00e4rung. Doch ebenso gilt: Es ist verfr\u00fcht, mit Sicherheit zu behaupten, der ehemalige ukrainische Oberbefehlshaber habe die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/nord-stream\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nord-Stream<\/a>-Sabotage angeordnet \u2013 genauso verfr\u00fcht, Selenskyj zu unterstellen, er nutze die Ermittlungen, um seinen gr\u00f6\u00dften innenpolitischen Rivalen aus dem Spiel zu nehmen. Fest steht: Nicht nur die B\u00fcrger in Deutschland verlangen nach Antworten.<\/p>\n<p>Tusk: Problem sei nicht die Sprengung, sondern der Bau der Pipeline<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Nord-Stream-Ermittlungen sind n\u00e4mlich l\u00e4ngst keine rein deutsche oder ukrainische Angelegenheit mehr. Auch in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/polen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polen<\/a> sorgt der Fall inzwischen f\u00fcr Spannungen. Drei Jahre nach dem Anschlag hat sich Regierungschef Donald Tusk klar gegen die Auslieferung eines in Polen inhaftierten Verd\u00e4chtigen ausgesprochen. \u201eEs liegt sicherlich nicht im Interesse Polens und des Gef\u00fchls von Anstand und Gerechtigkeit, diesen B\u00fcrger anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern\u201c, sagte Tusk bei einem Besuch in Litauen. Auf der Plattform X legte er nach: Das eigentliche Problem sei nicht die Sprengung der Gasrohre gewesen, sondern der Bau der Pipeline.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Der festgenommene Ukrainer Wolodymyr Z., ein ausgebildeter Taucher, soll laut deutscher Bundesanwaltschaft an den Tauchg\u00e4ngen beteiligt gewesen sein, bei denen Sprengs\u00e4tze nahe der d\u00e4nischen Insel Bornholm platziert wurden. Ob er Teil einer staatlich beauftragten Einheit war oder im Auftrag Dritter handelte, ist weiterhin offen. Warschau pr\u00fcft derzeit nach eigenen Angaben die deutschen Akten, bevor \u00fcber eine m\u00f6gliche Auslieferung entschieden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als im Herbst 2022 die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee explodierten, schien der Schuldige klar: Russland, so die naheliegende&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":486192,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-486191","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115346347388560415","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/486191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=486191"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/486191\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/486192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=486191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=486191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=486191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}